Deutscher Journalisten-verband Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten

Karikatur „SPIEGLEIN, SPIEGLEIN...“ von Karlheinz Stannies

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Hopplahopp

Der Stammtisch war schon kurz vor Schwips. Wir hatten erst angestoßen auf zwei Gedenktage der Verleger-Schande. Auf vier Jahre Westfälische Rundschau, die ohne eigene Redaktion zum Zombie wurde: Prost Frau Funke. Auf zehn Jahre Münstersche Zeitung, wo eine ganze Lokal­redaktion hintergangen und über Nacht ausgetauscht wurde: Prost Lensing. Prost Wolff.

Natürlich gab es genug neue Gründe, das Glas zu heben. Auch auf Trump, der lieber twittert, weil er sich mit den Medien „im Krieg“ wähnt. Oder auf Erdogan, der – obwohl noch gar nicht Sultan – schon jetzt Spitzenreiter im Journalisten-Einkerkern ist. Wir schafften es nicht, uns die Lage schön zu saufen.

Aber es wurde alberner. „Kannst Du Dich noch an den ersten Auftritt des Trump-Sprechers vor der Presse erinnern?“, fragte Hans. „Ja“, kicherte Petra. „Dieser Marine-Reservist wollte den Kollegen befehlen, dass das“ – und sie hielt Daumen und Zeigefinger wirklich nicht weit auseinander – „bei diesem Präsidenten 20 Zentimeter sind. Punkt.“ Wir erinnerten uns an Comical Ali und grinsten. „Und die Trump-Beraterin sprach hinterher nicht von Lügen, sondern von alternativen Fakten.“

„Bald gibt es mehr Worte für Lügen, als Eskimos Worte für Schnee haben“, stöhnte Max. „Und diese Populisten sagen immer: Schuld sind die Medien. Alle verlangen, dass wir genau so sind und exakt so berichten, wie es in ihre alternative Realität passt.“ Das nagt am Nervenkostüm, das wussten wir alle. „Der Druck von Zeit und ­Exklusivität in Digitalien und der Personalmangel – all das macht etwas mit uns, da passieren Fehler“, gab Björn zu. Clinton als Präsidentin gemeldet, die NPD als verboten – Schnellschuss-Fakes.

„Manches ist schon richtiggestellt, bevor es als falsche Eilmeldung die Handys erreicht“, fasste sich Andrea an den Kopf. „Nein, Hopplahopp ist kein Journalismus, nicht mal alternativ. Wir müssen uns Zeit für Recherche nehmen.“ Alle nickten, als Frank uns neugierig machte: „Ich weiß, womit uns die Medienmanager demnächst kommen.“ Und? „Wenn sie weiter Redaktionen verkleinern und immer öfter grundverschiedene Zeitungen nur von einer Zentrale machen lassen, werden sie behaupten: Das ist alternative Medien- und Meinungsvielfalt.“ Prost Verleger./stan.

 

JOURNAL 1/17