Das war der JoTag 2025 - Andrea Hansen: „Wir werden nur etwas verändern, wenn wir anfangen, wieder zu gestalten“
Pressemitteilung, 29.11.2025
Es braucht mehr Zuversicht in Veränderung, größeren Gestaltungswillen, zuverlässige politische Rahmenbedingungen und mehr Kooperation statt Konkurrenz, um auch in Zukunft die Qualität des Journalismus zu sichern. Das betonte Andrea Hansen, Landesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes in NRW auf dem heutigen Journalistentag in Dortmund. „Wir werden nur dann dauerhaft etwas verändern, wenn wir anfangen, wieder zu gestalten – im eigenen Berufsalltag, unseren Redaktionen und Verbänden und in der Medienpolitik“, sagte Hansen.
Ermunterung statt Krisenstimmung war die Devise auf den Panels und Workshops des großen Branchentreffens unter dem Motto „Who pays?“ mit mehreren hundert Journalist:innen. So forderte Keynote-Speaker Thomas Knüwer schon zu Beginn dazu auf, beim Nachdenken über die Zukunft des Journalismus den Blick darauf zu richten, welche großen Chancen sich den etablierten Medien durch neue Formate böten, um verlorenes Publikum wieder zurückzugewinnen.
Knüwer beschrieb die Medienkrise als teilweise hausgemacht: Zu sehr hätten Teile des Journalismus sich durch häufige Emotionalisierung und dramatische Zuspitzungen in der Berichterstattung zum Verstärker einer „Überangst“ in der Gesellschaft entwickelt. Die langfristige Folge: „Menschen sind gestresst und weichen dem Medienkonsum aus“, erklärte Knüwer. Gleichzeitig hätten aber „Super-Influencer“ große Communities über kleine Formate wie beispielsweise Podcasts gewonnen, weil sie unaufgeregt und persönlich berichteten und dadurch großes Vertrauen bei ihrem Publikum gewönnen. Knüwer riet den Verlagshäusern, mit solchen Influencern zusammenzuarbeiten und offener für deren Formate zu sein. Täten sie es dauerhaft nicht, sei die Medienkrise der letzten zehn Jahre ein „Kindergeburtstag“ gegen das, was dann noch komme.
Über die Perspektiven für die Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks tauschten sich Heike Raab, Staatssekretärin im rheinland-pfälzischen Landtag, Prof. Martin Detzel, Vorsitzender der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten mit Prof. Christopher Buschow von der Hamburg Media School aus. Auch der schwierige private Rundfunkmarkt in NRW war Thema. Tim Lauth (The Radio Group) und Jan-Uwe Brinkmann (Teutocast) diskutierten dazu mit Volkmar Kah, Geschäftsführer des DJV-NRW. Auf einem weiteren Podium sprachen WDR-Chefredakteur Stefan Brandenburg, Andreas Lamm vom European Centre for Press and Media Freedom und die freie Journalistin Konstanze Nastarowitz darüber, ob Bedrohung und zeitlicher Druck bei Journalist:innen zur Selbstzensur führen.
In anderen Panels ging es in der Sparkassenakademie am Phoenix See um den Kampf gegen organisierte Kriminalität, neue Finanzierungsmodelle, die politische Meinungsbildung durch TikTok & Co. und den durch US-Dominanz und Digitalgiganten bedrohten europäischen Journalismus. Auf einem „Markt der Möglichkeiten“ konnten sich die Teilnehmenden darüber hinaus den ganzen Tag über Ausbildung, Absicherung und andere berufspraktische Fragen informieren.
Der JoTag schloss am Nachmittag erstmals mit der feierlichen Verleihung der Friedrich und Isabel Vogel-Preise für hervorragenden Wirtschaftsjournalismus. Dr. Bernd Schulte, Staatssekretär für Bundesangelegenheiten und Medien und Amtschef der NRW-Staatskanzlei sprach dazu die Keynote.
Kontakt für Rückfragen: Carmen Molitor, Referat für Kommunikation und Marketing, Tel: 0171-1417269, Email: carmen.molitor@djv-nrw.de
Verleihung der Vogel-Preise als würdiger Schlusspunkt des JoTags 2025
Seit 40 Jahren ehrt die Friedrich und Isabel Vogel-Stiftung herausragenden Wirtschaftsjournalismus. Dieses Jubiläum feiert die Stiftung beim Journalistentag NRW am 29. November 2025. Sie zeichnet vier exzellente wirtschaftsjournalistische Beiträge aus Print, Hörfunk und Podcast aus, die durch ihre originelle Themenwahl, brillante Recherche und verständliche Vermittlung relevanter wirtschaftlicher Zusammenhänge überzeugen. Die exklusive Verleihungszeremonie wird abgerundet durch die Laudatio einer prominenten Persönlichkeit aus Deutschland. Alle Informationen zur Verleihung der Vogel-Preise am Journalistentag NRW am 29. November 2025 hier
Stichwort: Friedrich und Isabel Vogel-Stiftung
„Die Arbeit der Wirtschaftspresse ist genauso wichtig wie die Arbeit der Wirtschaft selbst.“ Dieser Überzeugung war Friedrich Vogel, Gründer des Handelsblatts, Verleger und engagierter Wirtschaftsjournalist. Seit 1984 setzt sich die Friedrich und Isabel Vogel-Stiftung für journalistische Exzellenz und Wirtschaftskompetenz ein – durch Preise, Stipendien und die Förderung junger Talente. Ein Erbe, das bis heute inspiriert und prägt.
„Mutmachtermin für Journalismus in schwierigen Zeiten“
Pressemitteilung vom 21.11.2025
Mit einer der drängendsten Zukunftsfragen der Medienbranche meldet sich am 29. November der Journalistentag des Deutschen Journalisten-Verbandes in NRW (DJV-NRW) zurück: Wie lässt sich eine stabile Finanzierung von Qualitätsmedien sichern - und wer zahlt am Ende die Zeche, wenn immer weniger Menschen für Journalismus zahlen wollen? Bei Deutschlands großem Branchentreffen diskutieren darüber in Dortmund meinungsfreudige Speaker:innen und ein fachkundiges Publikum.
„Der JoTag ist mit seinem Mix aus pointierten Diskussionsbeiträgen von Fachleuten aus Medien, Politik und Wissenschaft, Werkstattberichten aus dem journalistischen Alltag und dem kollegialen Austausch beim Kaffee auf dem Markt der Möglichkeiten ein echter Mutmachtermin in schwierigen Zeiten“, sagt Andrea Hansen, Landesvorsitzende des DJV-NRW. „Wir erwarten dazu rund 400 Teilnehmende aus allen Bereichen des Journalismus.“
Impuls von Thomas Knüwer gegen die Krisenstimmung
Allen unbestreitbaren Krisen zum Trotz vertritt Keynote-Speaker Thomas Knüwer die Hoffnung machende These, dass sich unsere Gesellschaft und der Journalismus zum Besseren verändern kann. „Warum vieles besser wird, als Du glaubst!“ wird er zum Auftakt des JoTags erklären.
Nach dem visionären Überblick geht es in die Tiefen der aktuellen Debatte um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk: Kritisch blicken die rheinland-pfälzische Staatssekretärin Heike Raab, der KEF-Vorsitzende Martin Detzel und Professor Christopher Buschow auf die Perspektiven für die Finanzierung der Sender. In weiteren Panels gibt der JoTag einen Einblick in die Schwierigkeiten des Rundfunkmarkts in NRW, in interessante Fördermodelle, die Qualitätsjournalismus sichern und in die Erfahrungen mit alternativen Geschäftsmodellen bei taz, Riffreporter und Co.
Warum die Gesellschaft guten Journalismus braucht
Ebenfalls im Fokus ist die Frage, wer letztendlich die Zeche dafür zahlt, dass immer weniger Menschen für Qualitätsmedien Geld ausgeben und so die Vielfalt verlässlicher Berichterstattung kontinuierlich sinkt, während Intransparenz und Korruption steigen. „Wenn Journalismus fehlt, dann leidet die Demokratie und wir alle bezahlen als Gesellschaft den Preis dafür“, betont Andrea Hansen. Zum Beispiel, wenn der Sumpf organisierter Kriminalität nicht mehr von Journalist:innen ausgeleuchtet wird. Darüber diskutieren Mafia-Experte Sandro Mattioli, Handelsblatt-Crime Redakteur Sönke Iwersen und Oliver Huth vom Bund Deutscher Kriminalbeamter NRW auf dem Panel „Im Kampf gegen organisierte Kriminalität“.
Weitere JoTag-Themen:
• der europäische Journalismus zwischen US-Dominanz, Digitalgiganten und KI-Grooming
• politische Meinungsbildung über Soziale Medien
• mögliche Gründe für die Schere im Kopf bei der Berichterstattung.
Es geht um neue Wege der Volo-Ausbildung, Ideen rund um Nachhaltigkeit, Daten- und Krisenjournalismus und den Kampf zwischen YouTube und der Fachpresse im Special-Interest-Markt. Mit Lifehacks zur digitalen Selbstverteidigung ist der Chaos Computer Club zu Gast.
Verleihung der Vogel-Preise für hervorragenden Wirtschaftsjournalismus
Den krönenden Abschluss des NRW-Branchentreffens bildet erstmals die feierliche Verleihung der diesjährigen Friedrich und Isabel Vogel-Preise für Wirtschaftsjournalismus, zu der alle JoTag-Gäste und andere Interessierte herzlich eingeladen sind. Geehrt werden herausragende Arbeiten im Bereich Print und Hörfunk/Podcast von sechs renommierten Journalist:innen.
„Der JoTag wird auch in diesem Jahr wieder ein sehr komprimierter Weiterbildungstag mit großem Netzwerkfaktor sein“, verspricht Andrea Hansen. Und wie immer rundet der Markt der Möglichkeiten unserer Partner:innen das abwechslungsreiche Programm ab.
Zur Anmeldung, allen Informationen über die Speaker:innen und dem kompletten Programm geht es hier entlang: www.journalistentag.de
Who pays? Über Wertschätzung und Wertschöpfung im Journalismus
Deutschlands großer journalistischer Branchentreff kehrt am 29. November 2025 zurück
Mit der aktuell wohl drängendsten Frage der Medienbranche meldet sich der Journalistentag des Deutschen Journalisten-Verbandes in NRW (DJV-NRW) zurück. Wir blicken darauf, wie die Zukunft des Journalismus aussehen wird - in Sachen Wertschätzung und Wertschöpfung. Bei Deutschlands großem journalistischen Branchentreff empfangen wir am Samstag, 29. November 2025 in der Sparkassenakademie am Phoenix See in Dortmund dazu meinungsfreudige Speaker:innen und ein fachkundiges Publikum.
Gemeinsam diskutieren wir den Wert des Journalismus in seinen unterschiedlichen Facetten: Wie kann man damit weiterhin zuverlässig Geld zu verdienen? Wer gibt heute - und vor allem in Zukunft - noch regelmäßig (und damit verlässlich) Geld für journalistisch solide Informationen aus?
Private Geschäftsmodelle stehen unter Druck, die öffentlich-rechtliche Finanzierung gerät immer wieder unter Beschuss. Alternative Medien jenseits journalistischer Standards treiben den öffentlichen Diskurs. Internationale Staatsoberhäupter drohen Medien mit Lizenzentzug und drohen, kritischen Journalist:innen ihr Visa zu entziehen. Und auch in Deutschland nehmen Politiker:innen Personalentscheidungen einzelner Sender zum Anlass, das Einfrieren von Mitteln zu fordern.
Was bedeutet all das für die Perspektive von Journalismus im Allgemeinen und den Öffentlich-rechtlichen Rundfunk im Besonderen? Wo muss sich die Branche neu aufstellen, welche Rahmen muss Gesellschaft und Politik setzen? Und was wird eigentlich aus unserer Gesellschaft ohne einen funktionierenden Journalismus, der die Mächtigen kritisch begleitet?
Antworten darauf suchen wir gemeinsam auf dem Journalistentag 2025 des DJV-NRW. Und auch in diesem Jahr rundet der „Markt der Möglichkeiten“ unserer Partner:innen das Programm ab.
- Vollständiges Programm und Anmeldung zum JoTag 2025 unter journalistentag.de