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Fotografin mit Herz und Haltung

DJV-EMO-Mitglieder genießen Führung durch Brigitte-Kraemer-Ausstellung im Ruhr Museum

„Wenn eine gute Situation entsteht, ohne dass ich etwas dazu beitrage, fotografiere ich. Ich inszeniere nicht, das kann ich auch überhaupt nicht. Wenn die Komposition aus der Situation heraus perfekt ist, bin ich begeistert. Dann erzählt das Bild eine eigene Geschichte“, sagt die Fotografin Brigitte Kraemer und charakterisiert damit ihre Arbeitsphilosophie. Wie gut es der Fotografin immer wieder gelingt, Geschichten in Bildern zu erzählen, davon konnten sich jetzt Kolleginnen und Kollegen des DJV-Ortsverbands Essen/Mülheim/Oberhausen selbst überzeugen: Sie bekamen eine Führung durch die Ausstellung im Ruhr Museum „Wie man lebt – wo man lebt. Dokumentarfotografien von Brigitte Kraemer“.

Breites Themenspektrum

Brigitte Kraemer, Jahrgang 1954, beschreibt sich als Dokumentarfotografin mit den Schwerpunkten Straßenfotografie, Reportage und Langzeitdokumentation. Seit Anfang der 1980er-Jahre bis heute fängt die gebürtige Hernerin und Folkwang-Absolventin den Alltag sowie die Freizeit im Ruhrgebiet und anderswo mit der Kamera ein. Camping, Kleingärten, Mann und Auto, Leben am Kanal, Glaubensgemeinschaften, Friedensdorf Oberhausen, Migration, Frauenhaus spiegeln die Bandbreite ihrer Themen und der abgebildeten Lebenswelten wider.

Gabriele Beautemps haben besonders die Aufnahmen aus dem Frauenhaus beeindruckt. „Die Fotos sind unglaublich intensiv“, sagt sie. „Man spürt, die Fotografin hat eine Beziehung zu den Menschen aufgebaut, ehe sie auf den Auslöser gedrückt hat.“

Aber auch die Fotos, die das Freizeitverhalten der Ruhris thematisieren, haben die Kollegin berührt: „Einfach toll, mit ganz viel Herz – und natürlich Können – sind die Aufnahmen vom Schrebergarten und vom Camping am Kanal. Das ist Ruhrgebiet weit weg von den Hochglanzbroschüren“, so Gabriele Beautemps.

Feiner Humor und Empathie

Sven Thielmann, selbst Fotograf, lobt Kraemer als eine der bedeutendsten deutschen Sozial-Fotografinnen: „Ihr feiner Humor zeigt sich vor allem in ihren oft skurrilen Camping-Bildern, ihre teilnehmende Beobachtungsgabe in Langzeit-Dokumentationen, so von Migranten und dem Leben in Frauenhäusern, die wie alle ihre Fotos eine eindringliche, nie voyeuristische Wirkmacht entfalten.“

Der Kollege Eberhard Wühle ist der Meinung, dass die Ausstellungsmacher auch bei der Titelfindung ein glückliches Händchen bewiesen haben: „Der Titel ‚Wie man lebt‘ (glücklich oder am Rand des Zumutbaren) und ‚wo man lebt‘ (ob an der Ruhr oder fernab und ärmlich in halbverfallener Holzhütte) bringt die Bilder der Ausstellung höchst treffend auf einen Nenner“, fasst er seine Eindrücke zusammen.

Zeitreise mit gemischten Gefühlen

„Die Ausstellung hat mich mitgenommen auf eine Zeitreise durch das Ruhrgebiet bis zurück in meine Kindheit“, beschreibt Nicola van Bonn ihre Reaktionen auf Kraemers Fotos. „Manche Motive bringen einen innerlich zum Lächeln, andere lassen einen schwer schlucken. Gewalt gegen Frauen oder der schwierige Alltag von Migranten sind ernste Themen. Aber aus allen Fotos spricht Respekt und Wertschätzung. Bilder mit Botschaft und Herz!“

Klare Empfehlung. Die Ausstellung ist noch bis zum 31. August 2026 zu sehen.

Autor: Uwe Lehmann

Ausführlichere Informationen unter Brigitte Kraemer Ausstellung Ruhr Museum Essen