Deutscher Journalisten-verband Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten

Online-Meldungen

23. November 2013

Journalistentag 2013 im Dortmunder U auf neuen Wegen

„Journalismus ohne Haltung geht nicht“

Frank Stach, Vorsitzender des DJV-NRW, eröffnet im View des Dortmunder U den Journalistentag 2013. Foto: DJV-NRW / Udo Geisler

Im Eröffnungspanel diskutierten unter der Moderation von Journalistik-Professor Frank Überall (M.) taz-Wirtschaftskorrespondentin Ulrike Herrmann (r.) und Spiegel-Kolumnist Jan Fleischhauer über Haltung im Journalismus. Foto: DJV-NRW / Udo Geisler

Wie viel Haltung braucht der Journalismus heute und wie verträgt sich der eigene feste Standpunkt mit den Vorgaben der Objektivität? Diese Fragen diskutierten Ulrike Herrmann, Wirtschaftskorrespondentin der taz, und der Spiegel-Kolumnist Jan Fleischhauer heute Morgen vor Hunderten Journalistinnen und Journalisten beim Eröffnungspanel des Journalistentags im Dortmunder U. Eingeladen hat der Deutsche Journalisten-Verband, Landesverband NRW.

 

„Journalismus ohne Haltung geht nicht“, erklärte Herrmann, aber sie warnte vor Bevormundung oder Distanzlosigkeit: „Das wollen die Leute nicht.“ Wichtig sei, sich in den Dienst des Lesers zu stellen, es gehe nicht ums Ego. Der eigene Standpunkt müsse mit Recherche und Argumenten unterfüttert werden, das mache die Qualität im Journalismus aus. „Haltung macht viel Arbeit.“

 

Auch Jan Fleischhauer ist sicher, dass die Leser wissen wollen, „wo und wofür eine Redaktion steht“. Das dürfe nur nicht doktrinär werden, so Fleischhauer in der Diskussion, die von Journalistik-Professor Frank Überall moderiert wurde. Als Kolumnist brauche man „eine ganz spezielle Art der Weltbetrachtung“, erklärte Fleischhauer. Mit seiner Kolumne „Der schwarze Kanal“ bei Spiegel Online setze er ein Gegengewicht zu den Kollegen des Magazins, die vorwiegend links einzuordnen seien.

 

Dabei schätzten die beiden Diskutanten den politischen Mainstream unter den Journalisten erkennbar unterschiedlich ein. Während Fleischhauer für sich beansprucht, eine Meinung zu vertreten, die insgesamt in deutschen Medien zu wenig stattfinde, kann Herrmann keine linke Mehrheit erkennen. Sie nannte das Thema Verteilungsgerechtigkeit als Beispiel für „ein extremes Tabu in deutschen Medien“, bei dem man „sehr allein“ dastehen könne.

 

Nicht alleine dastehen sollen die Journalisten in NRW in der gegenwärtigen Umbruchphase. In seiner Eröffnungsrede betonte der Landesvorsitzende Frank Stach, dass der Journalistentag Orientierung geben soll. Mit der ganztägigen Veranstaltung wolle der DJV-NRW Hinweise geben, wohin die Reise geht. Derzeit sei das Ziel „noch etwas verschwommen“, sagte Stach. Die einen seien alleine im klapprigen Auto unterwegs, die anderen im bequemen Reisebus. Letztere wunderten sich allerdings, weil der Chef am Steuer sich verfahren habe... Stach ermutigte die Besucher, den Journalistentag als Wegweiser zu nutzen.

 

Der Journalistentag, in diesem Jahr erstmals im Dortmunder U, bietet zahlreiche Foren zu Themen wie Investigative Recherche, Zukunft der Öffentlich-Rechtlichen, Crossmedia-Publishing, Lokaljournalismus, Energiewende in den Medien und Journalisten als Unternehmer. In Kooperation mit dem Journalistinnenbund wird ein Forum über die Macht der Konzern-Erbinnen präsentiert. Workshops und ein Marktplatz mit Ständen zu sozialer Absicherung, Aus- und Weiterbildung runden das Programm ab.

 

Wer es nicht nach Dortmund schafft, findet aktuelle Informationen auch auf unserer Extra-Seite zum Journalistentag und unter dem Hashtag #jnrw13.

 

 

Kontakt: Silke Bender, Pressereferentin DJV-NRW