Deutscher Journalisten-verband Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten

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19. November 2016

Journalistentag NRW 2016

"Mehr Journalismus wagen": Kommunikationsbranche tagt vor Industriekulisse

Gut 450 Journalisten und Medieninteressierte haben heute (19.11.2016) den 12. Journalistentag NRW im Landschaftspark Duisburg-Nord besucht. In vierzehn Panels und Workshops diskutierten Experten und Kenner aktuelle Fragen der Branche. Impulsredner war Bundesrichter Dr. Thomas Fischer.

Um Missverständnisse zwischen Juristen und Journalisten ging es in der Impulsrunde zwischen Bundesrichter Dr. Thomas Fischer und der Hörfunkjournalistin und Moderatorin Andrea Hansen. Fischer, der eine erfolgreiche Kolumne bei Zeit Online schreibt, hatte die Gerichtsberichterstattung vieler Journalisten öffentlich scharf kritisiert. Beim Journalistentag NRW schlug der Vorsitzende des 2. Strafsenats des Bundesgerichtshofs aber auch versöhnliche und selbstkritische Töne an: „Viele Richter und Staatsanwälte haben große Angst vor Journalisten“, sagte Fischer, aber auch vor den eigenen Kollegen. Jegliches Heraustreten der Justiz in die Öffentlichkeit gelte vielen als Ungehörigkeit und Wichtigtuerei, beschrieb Fischer eines der Probleme in der Kommunikation. Dem Vorwurf der Intransparenz vieler Gerichtsprozesse aus Publikum stimmte er zu und plädierte für mehr sachliche und fachkundige Kritik von Journalisten an der Justiz.

Fischer kritisierte aber auch erneut die mangelnde Sach- und Fachkenntnis vieler Journalisten in der Gerichtsberichterstattung. Gerichtsberichterstatter müssten zwar selbst keine Juristen sein, bedürften aber eines Grundverständnisses der Materie, an dem es oft mangele. Der Bundesrichter wehrte sich zudem gegen zu viel Vereinfachung. „Ein beliebtes Argument ist, dass die Menschen zu dumm sind, um komplexe Sachverhalte zu verstehen. Und dann verzeiht man sich anschließend selbst jede Dummheit.“

Einseitige Orientierung an Klickzahlen, Marginalisierung von Inhalten und Abnahme kritischer Berichterstattung infolge höherer Arbeitsverdichtung für Journalisten hatte zuvor der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands NRW, Frank Stach, in seiner Eröffnungsrede bemängelt. „Wagt wieder mehr Journalismus!“, so sein Appell an die Zuhörer im Foyer des ehemaligen Stahlwerks, insbesondere aber auch an die Verlage, deren Sparpolitik er für die Krise der Medien mitverantwortlich machte.

Weitere Themen des 12. Journalistentag NRW waren der richtige Umgang mit Hasskommentaren im Netz, die Kunst des Verifizierens, die Qualität der journalistischen Ausbildung, Chancen des mobilen Journalismus und neue Jugendformate etablierter Medien.

Als kleines Extra rief der DJV-NRW auf dem Journalistentag NRW erstmals eine Selfie-Challenge für die zahlreich vertretenen Studenten und Nachwuchsjournalisten aus. Wer noch keine 35 Jahre alt war und unter dem Hashtag #DJVSelfie ein Foto von sich mit einem Vertreter des Fachausschusses „Junge“ bei Twitter, Facebook oder Instagram hochgeladen hat, konnte ein kleines Preispaket gewinnen.

Der 12. Journalistentag NRW fand zum zweiten Mal im Landschaftspark Duisburg-Nord statt und gilt mit jeweils mehreren hundert Teilnehmern als eines der wichtigsten Branchentreffen für Journalisten. Er wurde in diesem Jahr erstmals von der Bundeszentrale für politische Bildung gefördert. Sponsoren sind diesmal die Sparkassen in Nordrhein-Westfalen, innogy und Vonovia. Partner war das Medien Cluster NRW.



Kontakt: Sascha Fobbe, Pressereferentin, 0163 – 1620269