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WDR

Ärger, Sorgen und Frust bei Festen und Freien

Zum dritten Mal hat sich WDR-Intendant Tom Buhrow im „WDR-Check“ den Fragen des Publikums gestellt, diesmal zusammen mit Hörfunkdirektorin Valerie Weber. In der Sendung Ende Februar, die rund 380 000 Zuschauer erreichte, tauchte manche Frage auf, die die Mitarbeiter auch haben – und auf die sie gerne eine erhellendere Antwort hätten, als Buhrow und Weber sie in der Sendung gegeben haben

Um Verjüngung ging es dort, um das Gebührenaufkommen und den Einsatz von Ressourcen, um das Programm in Fernsehen, Hörfunk und Internet – und nicht zuletzt ums Sparen: Buhrow machte deutlich, dass da mehr kommt. „Ich mute meinen Kollegen da was zu“ räumte er ein, „aber es wird nicht ganz ohne Einschränkungen gehen.“

Unschönes Mantra

Foto: DJV-NRW/sb

„Wir tun unser Bestes, aber Sparen tut eben ein bisschen weh“: Dieses unschöne Mantra hören die Beschäftigten des WDR, seit Buhrow den „finanziellen Abgrund“ heraufbeschworen hat. Und den nutzt, um manches unfaire Spiel mit festen und freien Mitarbeitern zu rechtfertigen. Stellen werden abgebaut, Zeitverträge nicht verlängert, Freie erfahren, dass ihre Mitarbeit nicht mehr gebraucht wird. Feste ächzen unter der immer größeren Arbeitsverdichtung. Freie sollen immer mehr für immer kleinere Honorare leisten. Ihre Beiträge werden kürzer, und sie werden seltener eingesetzt, weil die Redaktionen immer häufiger Stücke wiederholen oder durch Kollegengespräche ersetzen.

Kein Wunder, dass es auf der Personalversammlung am 5. Februar turbulenter zuging, als man es früher gewohnt war. Zahlreiche Mitarbeiter kamen in Schwarz in die gut gefüllte WDR-Kantine – Ausdruck ihres Protestes gegen die Spar- und Informationspolitik des Hauses. Bei vielen Festen und Freien regieren Ärger, Sorgen und Frust. Ein Schwerpunktthema des Personalrats: Leiharbeit und befristete Verträge. Gerade für jüngere Kolleginnen und Kollegen geht es dabei um ihre Zukunftsperspektive im Sender. Zweites großes Thema: Wie geht es weiter mit den Freien? Denn die sind als erste betroffen, wenn dem WDR weniger Geld zur Verfügung steht. Das geht manchem längst an die Existenz.

Ein ganz kalkulierter Aufreger war der Versuch der Geschäftsführung, neue Honorarpositionen für Producer hinter dem Rücken von Personalrat und Gewerkschaften einzuführen. Als klaren Vertrauensbruch werteten das die Arbeitnehmervertreter. Immerhin: In diesem Fall hat der Protest geholfen: Die Einführung der Producer wurde bis ende April ausgesetzt, um diesen Punkt in Tarifgesprächen zu klären.

Schwieriges Thema Altersversorgung

Weitere Zumutungen stehen bevor: So will der WDR (wie die anderen Öffentlich-Rechtlichen) seine Ausgaben für die Altersversorgung senken. Ein Thema, das Brisanz birgt: Einerseits pochen die Älteren darauf, dass sie nicht von der Gehaltsentwicklungen abgekoppelt werden. Andererseits haben auch die Jüngeren (die diesbezüglich schlechter gestellt sind) ein Anrecht auf eine angemessen Altersversorgung. Für Arbeitgeber und Gewerkschaften wird es ein Spagat werden, die verschiedenen Interessen zusammenzubringen.

Angeblich nicht dem Sparen geschuldet ist die neue, „duale Flottenstrategie“, die der WDR für seine Hörfunkwellen ausgerufen hat (siehe auch Kasten): 1LIVE, WDR 2 und WDR 4, die Programme für das breite Publikum, bekommen einen gemeinsamen Wellenchef. Die Sparten- und Kulturprogramme WDR 3, WDR 5 und Funkhaus Europa sind zunächst direkt bei der Hörfunkdirektion angebunden. Ziel sei es, die Wellen untereinander besser abzustimmen, um Hörerinnen und Hörer leichter in der WDR-Senderflotte zu halten. Wie den Hörern allerdings der geschmeidige Übergang von einer Welle zur nächsten erleichtert werden soll, verrät der WDR nicht.

Das gehört sicher zu den Fragen, die die Mitarbeiter an ihre Chefs haben. Es sieht so aus, als wäre es mal Zeit für einen internen WDR-Check, bei dem Tom Buhrow und Valerie Weber die Fragen der Mitarbeiter wirklich beantworten. Vielleicht erreichen sie damit keine 380 000 Zuschauer. Aber eine zufriedene und motivierte Belegschaft wäre ja auch ein guter Erfolg.||

Corinna Blümel 

„Duale Flottenstrategie“ beim Hörfunk

Radioprogramme und Hörgewohnheiten ändern sich über die Jahre. Das wissen auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der WDR-Hörfunk-Wellen. Aber sollten sich Veränderungen nicht eher an journalistischen als an marktstrategischen Zielen ausrichten? Der Kölner Stadt-Anzeiger (KStA) berichtete im Februar, dass viele Mitarbeiter sich von Hörfunkchefin Valerie Weber nicht ausreichend informiert und eingebunden fühlen.

Im Rahmen der „dualen Flottenstrategie“ bekommen 1Live, WDR 2 und WDR 4 einen gemeinsamen Wellenchef. Das soll nach Aussage der die Hörfunkchefin weder programmliche oder qualitative Änderungen bringen noch als Sparprogramm gedacht sein – auch wenn dabei Doppelarbeiten und -strukturen abgebaut würden. Weber betont, dass man am Anfang des Prozesses stehe. Erfahrungen, Kritik und eigene Ideen sollen die betroffenen Mitarbeiter demnächst in Projekte einbringen können. So will man die neuen Arbeitsstrukturen und -prozesse gemeinsam erarbeiten. Erst nach Rücksprache mit den Mitarbeitern soll auch geklärt werden, wer der gemeinsame Wellenchef für die drei WDR-Dickschiffe werde. 1Live-Chef Jochen Rausch gilt als wahrscheinliche Besetzung, weil dieser bei den Direktorenposten zurückstehen musste – eben gegenüber Hörfunkdirektorin Valerie Weber./cbl