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Funke Mediengruppe

Peinliches Geschacher

Manchmal möchte man zum Wachrütteln riesige Plakate aufhängen. Am Konzernsitz der Funke Mediengruppe in Essen eines mit den Worten „Wir sind auch nach dem Deal noch gut bei Kasse“, und ein zweites mit „Wir können und werden auch in Zukunft investieren“. Das sind Aussagen von Funke-Geschäftsführer Michael Wüller. Gemeinsam mit Manfred Braun hatte er dem Handelsblatt Anfang Juni ein Interview gegeben. Darin sagen die beiden „Presse-Manager“ zum Beispiel auch, dass der Begriff Sparprogramm ganz falsch sei, dass sie umbauen und die Qualität ihrer Blätter steigern wollen.

Aber was kümmert einen das Geschwätz von gestern? Fakt ist, dass der Medienkonzern einige seiner Mitarbeiter momentan ziemlich im Regen stehen lässt. Insgesamt 13 kaufmännische Angestellte und Redakteure sind sozusagen die Übriggebliebenen eines solchen „Umbauprojekts“, und sie stehen noch ohne Aussicht auf einen neuen Arbeitsplatz da. Im Hause hört man, dass das Management diesbezüglich wohl eher gleichgültig mit den Schultern zuckt. Für den DJV-NRW ein Unding: „Was bei Funke passiert, ist peinlich für einen solchen Konzern. Und es ist an Missachtung den Mitarbeitern gegenüber nicht zu überbieten“, zeigt sich der Landesvorsitzende des DJV-NRW, Frank Stach, entsetzt.

Entnervt hatten die Betriebsräte von WAZ, NRZ, WP und Redaktions-Services zuvor die Sozialplanverhandlungen mit der Geschäftsleitung endgültig für gescheitert erklärt. Über den Rahmensozialplan wird bereits seit Mai verhandelt. Er dient eigentlich explizit dazu, die Nachteile des Umbaus zu mildern. Zu den Maßnehmen gehören die Schließung des Content Desks in Essen, aber auch die Aufspaltung der Belegschaft in kleinere Einheiten wie Funke Sport und Funke Online sowie der Aufbau der Berliner Zentralredaktion.

Kreative Vorschläge abgelehnt

In manchen Punkten kam es zwischen Betriebsräten und Arbeitgeber durchaus zu einer Einigung, etwa für das „Berlin-Paket“ inklusive Umzugshilfen, Reisekosten etc. Doch für die Essener Mitarbeiter ließ sich kein befriedigendes Zukunftsmodell finden. Mit ihrem Latein am Ende brachen die Betriebsräte daher die neunte Gesprächsrunde am 24. Juli nach nur einer Stunde ab. Die Geschäftsführung hatte sich auf keinen ihrer kreativen Vorschläge zur Weiterbeschäftigung aller Betroffenen eingelassen. Gebetsmühlenartig wiederholte die Arbeitgeberseite stattdessen, dass kein Geld vorhanden und selbst die Beteiligung an den Kosten einer Transfergesellschaft „jenseits der finanziellen Möglichkeiten des Konzerns“ sei.

„Die Funke-Gruppe muss endlich aufwachen“, verlangt Frank Stach. „Mitarbeiter sind doch kein überflüssiges Übel!“ Er kann nicht verstehen, warum ein profitabler Konzern wegen derart minimaler Beträge einen solchen Aufstand macht. Aber vielleicht ist die knallharte Haltung auch Zeichen einer neuen Führungskultur?

Viele Stellen wurden in den vergangenen Jahren bei Funke bereits gestrichen, komplette Redaktionen geschlossen und Titel platt gemacht. Auch frühere Sozialpläne wurden lang und zäh verhandelt. Letztlich aber konnten Gewerkschaften und Personalchefs immer halbwegs akzeptable Lösungen für die Mitarbeiter finden. Jetzt scheint die Funke Mediengruppe diesbezüglich kein verlässlicher Partner mehr zu sein, sich nicht mehr an Abmachungen zu halten. Das Geschwätz von gestern... Ob Hauptgesellschafterin Petra Grotkamp noch ein soziales Gewissen hat?

Im Sozialplanverfahren setzen die Betriebsräte nun jedenfalls auf das Mittel der Einigungsstelle: Zusammen mit einem externen Moderator sollen schnell bessere Ergebnisse für die Mitarbeiter erreicht werden.||

Silke Bender

JOURNAL 4/15