WDR-Tarifinfo von ver.di, DJV und UNISONO
VRFF-Alleingang zulasten aller Beschäftigten
Der WDR hat am Dienstag, 9. Juni, eine Einigung nur mit der VRFF erzielt. Der Sender kündigt an, dieses Ergebnis – auch wenn es nur mit der VRFF vereinbart hat – auf alle Beschäftigten anzuwenden. Er will diesen Schritt gehen, obwohl die Verhandlungen mit den drei anderen Gewerkschaften ver.di, DJV und UNISONO noch andauern und auch weiter fortgesetzt werden. Diese ungewöhnliche und bedauerliche Situation ordnen wir im Folgenden ein.
Gemeinsame Tarifinfo von DJV, ver.di und UNISONO zum alleinigen Tarifabschluss der VRFF mit dem WDR
Warum hätten wir so nicht abgeschlossen?
Drei Gründe wiegen besonders schwer: Tarifabschlüsse in einem einzelnen Sender wirken weit über das jeweilige Haus hinaus. In der Vergangenheit hat sich gezeigt: Ein Abschluss innerhalb der ARD wird von anderen Rundfunkanstalten als Pilotabschluss, also Vergleichsmaßstab für Alle herangezogen. Deshalb kommt es entscheidend darauf an, wo und zu welchen Bedingungen ein solcher Abschluss zustande kommt.
Eine kluge Tarifstrategie bedeutet, einen Pilotabschluss dort anzustreben, wo die besten Aussichten auf ein starkes Ergebnis bestehen. Aus anderen Sendern, die teilweise noch diese Woche verhandeln, gab es von Verhandler:innen deutliche Hinweise, dass dort bessere Abschlüsse erreichbar sind. Hätten wir immer einfach abgeschlossen, wenn der WDR nicht mehr bereit war mehr zu geben, lägen die Gehälter und Honorare heute in allen Sendeanstalten deutlich niedriger.
Besondere Aufmerksamkeit verdient die geplante Regelung zur Personalgestellung innerhalb der ARD. Nach Plänen des Senders könnten WDR-Beschäftigte künftig dauerhaft in anderen Anstalten oder bei ganz anderen Arbeitgeber:innen eingesetzt werden. Die von der VRFF getroffene Festlegung auf eine Regelung in Anlehnung an den TVÖD ist gefährlich, weil sie auch ermöglichen würde, Beschäftigte mit niedrigerem Tarifniveau an den WDR zu verleihen. Tarifdumping zwischen den Anstalten wäre möglich. Ein Szenario, das die WDR-Verhandlungsführerin in unseren Verhandlungen einräumte, auch wenn dies nicht die Absicht des Senders sei. Die VRFF ist mit ihrem Entgegenkommen dieses Risiko für alle Beschäftigten eingegangen. Zudem schwächt die eingegangene Kopplung an eine relevante prozentuale Erhöhung die Verhandlungsposition der Belegschaften/Gewerkschaften in diesem Zusammenhang.
Mit der Koppelung der Lohnerhöhung an einen für die Belegschaften aller Rundfunkanstalten so risikobehafteten Themenkomplex werden gravierende Abhängigkeiten erzeugt, die ver.di, DJV und UNISONO vermeiden wollen. Wir sind der Auffassung, dass hier höchste Vorsicht geboten ist.
Mit einem Abschluss nur für einen Teil der Beschäftigten – ohne Musiker:innen und freie Mitarbeiter:innen - spaltet die VRFF die Belegschaft und schwächt sie. Dabei wäre es gerade jetzt wichtig, solidarisch zusammen zu stehen, zumal es zahlreiche Themen gibt, die der VRFF-Abschluss nicht berücksichtigt.
Wie geht es weiter?
Ein Tarifabschluss im WDR ist nur dann tragfähig, wenn er die Interessen aller Mitarbeiter:innen berücksichtigt. Dazu gehören angemessene Gehalts- und Honorarsteigerungen, klare Regelungen zu den sozialen Forderungen und wohlüberlegte Positionierung zur Forderung des WDR nach mehr Flexibilität beim anstaltsübergreifenden Arbeitseinsatz aller ARD-Anstaltsbelegschaften.
Wir verhandeln weiterhin mit dem WDR, um zu einem tragfähigen Tarifabschluss zu kommen. Auch weil die „Einigung“ der VRFF diese Gespräche belastet, werden weitere Warnstreiks nötig sein. Ohne Gegenwehr besteht die Gefahr, dass der WDR und andere Sender es schaffen, das allein mit der VRFF verhandelte und ungenügende Ergebnis als Piloten durchzusetzen – mit weitreichenden Folgen für die Beschäftigten.
Die nächste Verhandlungsrunde zwischen der Arbeitgeberseite und unisono, DJV und ver.di ist am 1.7.2026. Im Bayrischen Rundfunk und im Norddeutschen Rundfunk wird am 11. Juni weiterverhandelt. Wir halten Euch auf dem Laufenden
Eure Gewerkschaften DJV. ver.di und UNISONO