JoTag25: Ermunterung statt Krisenstimmung
„Wir werden nur etwas verändern, wenn wir anfangen, wieder zu gestalten“
Ansprechpartner*in
Carmen Molitor
Thomas Knüwer beim Impulsvortrag auf dem JoTag25. Foto: Udo Geisler
Es braucht mehr Zuversicht in Veränderung, größeren Gestaltungswillen, zuverlässige politische Rahmenbedingungen und mehr Kooperation statt Konkurrenz, um auch in Zukunft die Qualität des Journalismus zu sichern. Das betonte Andrea Hansen, Landesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes in NRW auf dem heutigen Journalistentag in Dortmund. „Wir werden nur dann dauerhaft etwas verändern, wenn wir anfangen, wieder zu gestalten – im eigenen Berufsalltag, unseren Redaktionen und Verbänden und in der Medienpolitik“, sagte Hansen.
Ermunterung statt Krisenstimmung war die Devise auf den Panels und Workshops des großen Branchentreffens unter dem Motto „Who pays?“ mit mehreren hundert Journalist:innen. So forderte Keynote-Speaker Thomas Knüwer schon zu Beginn dazu auf, beim Nachdenken über die Zukunft des Journalismus den Blick darauf zu richten, welche großen Chancen sich den etablierten Medien durch neue Formate böten, um verlorenes Publikum wieder zurückzugewinnen.
Knüwer beschrieb die Medienkrise als teilweise hausgemacht: Zu sehr hätten Teile des Journalismus sich durch häufige Emotionalisierung und dramatische Zuspitzungen in der Berichterstattung zum Verstärker einer „Überangst“ in der Gesellschaft entwickelt. Die langfristige Folge: „Menschen sind gestresst und weichen dem Medienkonsum aus“, erklärte Knüwer. Gleichzeitig hätten aber „Super-Influencer“ große Communities über kleine Formate wie beispielsweise Podcasts gewonnen, weil sie unaufgeregt und persönlich berichteten und dadurch großes Vertrauen bei ihrem Publikum gewönnen. Knüwer riet den Verlagshäusern, mit solchen Influencern zusammenzuarbeiten und offener für deren Formate zu sein. Täten sie es dauerhaft nicht, sei die Medienkrise der letzten zehn Jahre ein „Kindergeburtstag“ gegen das, was dann noch komme.
Über die Perspektiven für die Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks tauschten sich Heike Raab, Staatssekretärin im rheinland-pfälzischen Landtag, Prof. Martin Detzel, Vorsitzender der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten mit Prof. Christopher Buschow von der Hamburg Media School aus. Auch der schwierige private Rundfunkmarkt in NRW war Thema. Tim Lauth (The Radio Group) und Jan-Uwe Brinkmann (Teutocast) diskutierten dazu mit Volkmar Kah, Geschäftsführer des DJV-NRW. Auf einem weiteren Podium sprachen WDR-Chefredakteur Stefan Brandenburg, Andreas Lamm vom European Centre for Press and Media Freedom und die freie Journalistin Konstanze Nastarowitz darüber, ob Bedrohung und zeitlicher Druck bei Journalist:innen zur Selbstzensur führen.
In anderen Panels ging es in der Sparkassenakademie am Phoenix See um den Kampf gegen organisierte Kriminalität, neue Finanzierungsmodelle, die politische Meinungsbildung durch TikTok & Co. und den durch US-Dominanz und Digitalgiganten bedrohten europäischen Journalismus. Auf einem „Markt der Möglichkeiten“ konnten sich die Teilnehmenden darüber hinaus den ganzen Tag über Ausbildung, Absicherung und andere berufspraktische Fragen informieren.
Der JoTag schloss am Nachmittag erstmals mit der feierlichen Verleihung der Friedrich und Isabel Vogel-Preise für hervorragenden Wirtschaftsjournalismus. Dr. Bernd Schulte, Staatssekretär für Bundesangelegenheiten und Medien und Amtschef der NRW-Staatskanzlei sprach dazu die Keynote.
Kontakt für Rückfragen: Carmen Molitor, Referat für Kommunikation und Marketing, Tel: 0171-1417269, Email: carmen.molitor@djv-nrw.de