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01. September 2019

DJV-NRW beim Campfire-Festival in Düsseldorf

Debatte zu Fakten, Haltung und der Bedeutung des Lokalradios

Foto: Corinna Blümel, die beiden unteren Alexander Schneider

Mit wichtigen Fragen zum Journalismus beschäftigt sich der Deutsche Journalisten-Verband NRW (DJV-NRW) an diesem Wochenende beim Campfire-Festival in Düsseldorf. Bei schönstem Sommerwetter fand gestern vor dem Landtag der erste Tag des „Festivals für eine bessere Gesellschaft“ statt.

 

„Journalisten wollen Debatten anstoßen, sie machen Deutungsangebote, aber sie beanspruchen keine Deutungshoheit“, erklärte Georg Restle, Leiter der ARD-Monitor-Redaktion, im Zelt des DJV-NRW vor dem Landtag. Zusammen mit dem DJV-Bundesvorsitzenden Frank Überall sprach er, moderiert von WDR-Redakteurin Kerstin Timm-Peeterß, über Haltung im Journalismus.

 

Restle spricht lieber von wertorientiertem Journalismus und erklärte: „Journalisten stehen für Unabhängigkeit, Distanz und Wahrhaftigkeit.“ Die von Kritikern geforderte Neutralität gebe es nicht. Auch Frank Überall hob die Frage nach dem „Wertefundament“ hervor. Aber er sprach auch über den weiten Mangel an Medienkompetenz. Teile der Gesellschaft seien nicht gar mehr nur an Fakten interessiert, sondern nur an Emotionen. Sie lehnten die Deutungs­angebote der Medien ab, weil sie selbst Deutungsangebote beanspruchten.

 

Journalist*innen müssten die eigene Arbeit heute viel mehr erklären, merkte Überall an. Das führe zu einer hohen Arbeitsbelastung in den Redaktionen und sei für freie Kolleg*innen schwierig, weil die Honorare stagnierten oder sogar sänken. Für Restle tun die höheren Anforderungen an die Medien auch gut, weil sie transparenter werden.

 

Eine weitere Podiumsrunde diskutierte im DJV-NRW-Zelt unter Moderation der freien Journalistin Sascha Fobbe die Zukunft der Lokalradios. Timo Naumann, Geschäftsführer Verband Lokaler Rundfunk (VLR) in NRW, Thorsten Kabitz, Chefredakteur Radio RSG, Alexander Vogt (MdL, SPD) und Volkmar Kah, Geschäftsführer des DJV-NRW, waren sich einig, dass der Lokalfunk in NRW ein Erfolgsmodell ist. Das Zweisäulen-Modell mit Veranstalter- und Betriebsgesellschaften habe sich bewährt. Allerdings stehen die 44 Lokalradios vor technischen und finanziellen Herausforderungen. „Die Politik muss Rahmenbedingungen schaffen, damit die Sender das bewältigen können“, forderte der Medienpolitiker Vogt.

 

Volkmar Kah betonte, dass digital derzeit eine neue Zahlungsbereitschaft gewachsen sei, für die der Lokalfunk Angebote und Geschäftsmodelle entwickeln müsse. Ganz wichtig sei es, für die Veranstaltergemeinschaften die nötige Transparenz über die wirtschaftliche Situation der Betriebsgesellschaften zu erhalten. VLR-Chef Naumann sieht eine Hauptaufgabe darin, die Hörer*innen abzuholen und die neuen Hörgewohnheiten zu berücksichtigen, wie die Online-Erreichbarkeit der Angebote. Chefredakteur Kabitz wünscht sich nicht nur die Ausspielung des digitalen Potenzials für Lokalradios, sondern auch eine Stärkung der Rolle von Chefredakteuren, damit Lokalradios attraktiv bleiben und stark in der Ausbildung bleiben. Bei allen Unterschieden in den Details waren sich die Podiumsteilnehmer einig in der Forderung nach sinnvollen technischen Investitionen und dem Erhalt des Systems.

 

Weitere Programmpunkt im DJV-NRW-Zelt drehten sich um die Themen Künstliche Intelligenz (mit Ute Korinth und Kai Heddergott), Mindfulness Business (Ute Korinth) sowie Existenzgründung und Fotografie im DSGVO-Zeitalter (Michael Hirschler).

 

Mit seiner Teilnahme am Campfire-Festival möchte der DJV-NRW derzeitige und künftige Kolleg*innen ansprechen, aber auch mit Bürger*innen ins Gespräch kommen. Denn es gilt zu zeigen, welchen Wert Informations- und Meinungsfreiheit für die Gesellschaft und den Einzelnen haben. Freier, unabhängiger und guter Journalismus ist ein Grundpfeiler in der Demokratie.

 

„Das Campfire- Festival spricht die ganze gesellschaftliche Bandbreite von Menschen an, die sich für das Thema Journalismus interessieren. Man kommt locker miteinander ins Gespräch kommt, deshalb ist dieses neue Veranstaltungsformat sehr inspirativ“, lobt Volkmar Kah, Geschäftsführer des Landesverbands NRW des DJV. „Journalisten kommen ins Gespräch mit Journalisten, aber auch anderen Interessensgruppen.“

 

Auch heute findet Programm beim DJV-NRW auf dem Campfire-Festival statt:  Ab 11 Uhr gibt es ein Speed-Dating, eine etwas andere Berufsberatung für junge Leute, ab 13 Uhr „Berufseinstieg in den Journalismus. Was man wissen und beachten sollte“ und ab 14 Uhr „Die EU-Urheberrechtsreform, Chance für Urheber oder Gefahr für das Internet.“

 

Das Campfire-Festival beschäftigt sich mit der Frage, wie wir die digitale Zukunft gestalten wollen. Wie sehen unser Leben, unsere Arbeit, unsere Kommunikation in der Zukunft aus, wenn alle Bereiche unserer Umwelt digital durchdrungen sind? Was macht das mit uns? Mit uns, unseren Familien, unseren Wohnungen, unseren Städten, unserem Land? Es ist bereits das dritte Event dieser Art, ausgerichtet vom gemeinnützigen Recherchebüro Correctiv und dessen Medienpartner Rheinische Post (RP).

 

Bildunterschriften:

Podium zur Zukunft des Lokalradios (vlnr.): Thorsten Kabitz, Chefredakteur Radio RSG, Timo Naumann, Geschäftsführer Verband Lokaler Rundfunk (VLR) in NRW, Sascha Fobbe, freie Journalistin, Volkmar Kah, Geschäftsführer DJV-NRW, Alexander Vogt, MdL (Foto: Alexander Schneider)

Podium zur Haltung im Journalismus (vlnr): Georg Restle, Leiter der ARD-Monitor Redaktion, Kerstin Timm-Peeterß, WDR-Redakteurin, Frank Überall, Bundesvorsitzender DJV (Fotos: Alexander Schneider oder Corinna Blümel)

 

Kontakt: Beate Krämer, Pressereferentin,  0211 233 9 9-200, mobil 0172 1451840