Deutscher Journalisten-verband Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten

Online-Meldungen

24. November 2015

Journalistentag NRW

Die Zukunft des Radios in der digitalen Welt: Zurück zu den Inhalten

Es wird im Radio der Zukunft wieder stärker um Inhalte gehen. Darin waren sich die Podiumsteilnehmer des Radio-Forums auf dem Journalistentag NRW 2015 einig. „Wir müssen mit Kompetenz und Glaubwürdigkeit überzeugen. Auf welchem Verbreitungskanal ist dabei zweitrangig“, sagte 1live-Programmchef Jochen Rausch.

Was macht Radiohören in Zukunft für die Menschen interessant? Dieser Frage ging das vierköpfige Panel unter Moderation von Radiofrau Sascha Fobbe nach. Allein mit Musik, so Jochen Rausch, könne Radio schon heute nicht mehr mit Streaming-Diensten konkurrieren, die für jeden erdenklichen Geschmack ein maßgeschneidertes Programm anböten. Gerade die jüngere Zielgruppe nutzt aber zunehmend solche Dienste anstelle des klassischen Radios.

Ingo Tölle, Programmdirektor von Radio NRW, sieht die Zukunft seines Mediums in der digitalen Welt im Content. „Es tut uns gut, wenn wir auch in der Tiefe unterwegs sind.“ Allerdings müssten Inhalte im Radio immer gezielter abrufbar sein. Apps, die Content individuell zusammenstellen und etwa die Möglichkeit bieten, Titel und Beiträge zu überspringen, könnten dabei wegweisend sein, meinte Tölle.

Mehr in Apps investieren: Das unterstützt Michael Mennicken, Geschäftsführer und
Inhaber der Erkrather FM Online Factory. Die meisten Apps spiegelten nur die Homepage des Senders. „Wir müssen auf viel mehr Hochzeiten tanzen“, forderte Mennicken, dessen Firma Radio-Beiträge zum Thema Internet auf Bestellung produziert.

Thorsten Kabitz, Chefredakteur des Solinger Lokalsenders Radio RSG, sieht im Webradio und entsprechenden Apps die Chance, ohnehin produzierte Inhalte nach dem Amazon-Empfehlungsprinzip individuell anzubieten. Dabei behalte das Radio auch zukünftig seine Funktion, eine Vorauswahl und Einordnung zu treffen. „Die Menschen müssen das Gefühl haben, in der Masse der Information nimmt mir jemand etwas ab.“

Bei den anstehenden Herausforderungen setzen alle vier Radiomacher auf Kooperation und Austausch. „Wenn man nur abwartet, was kommt, ist man überraschenderweise irgendwann tot“, lautete die Erkenntnis von WDR-Mann Jochen Rausch.

 

Kontakt: Silke Bender, Pressereferentin DJV-NRW