Deutscher Journalisten-verband Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten

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02. Februar 2018

Fünfter Jahrestag „Zombiezeitung“ Westfälische Rundschau

DJV-NRW beklagt den fortwährenden Verlust an Meinungsvielfalt

„Demnächst weiß kein Leser mehr, welche Zeitung er eigentlich in der Hand hält.“ DJV-NRW-Landesvorsitzender Frank Stach kritisiert die verbreiteten Kooperationen der verschiedenen Medienhäuser in NRW, die dazu führen, dass Artikel von ganz anders ausgerichteten Zeitungen im eigenen Blatt erscheinen – aber kaum ein Leser das weiß.

 

Die Funke-Mediengruppe hat mit der „Westfälischen Rundschau“ (WR) gar eine Zeitung ohne eigene Redaktion im Angebot:  Heute vor genau fünf Jahren ist die WR das erste Mal als „Zombiezeitung“ ohne eigene Inhalte erschienen. Der Mantel kam länger schon von der WAZ, die lokalen Inhalte für den Dortmunder Teil liefern seitdem die Ruhr Nachrichten – eigentlich ein Konkurrenzunternehmen mit anderer politischer Ausrichtung.

 

Das ist auch ein Verlust an Meinungsvielfalt: Die größte Stadt im Ruhrgebiet hat de facto nur noch eine Zeitung. Landesweit haben die Kooperationen zugenommen, immer mehr eigentlich konkurrierende Zeitungen tauschen ihre Inhalte – nachzulesen auch im Medienkonzentrationsbericht 2016/2017, den die Landesanstalt für Medien veröffentlicht hat. Die Folge: Immer mehr Einheitsbrei. 

 

In Duisburg führen die unterschiedlichen Kooperationen gar zu einem „Kuriosum“, konstatiert der Medienbericht: „Traditionell und über Duisburg hinaus kooperieren die Redaktionen von WAZ und NRZ. Da die NRZ in Duisburg inzwischen auch mit der RP kooperiert, gelangen über die NRZ auch Beiträge, die für die WAZ erstellt worden sind, in die RP, obwohl RP und WAZ nicht kooperieren.“ Die Leser erfahren davon nichts.

 

Ein weiteres Beispiel ist der Doppel-Zombie „Münstersche Zeitung“: Den Lokalteil liefern die Westfälischen Nachrichten, den Mantel die Ruhr Nachrichten; seit die Ruhr Nachrichten keine eigene Mantelredaktion mehr haben, lässt sich die Münstersche Zeitung also von einem Dienstleister des Dienstleisters befüllen. Das ist das „Redaktionsnetz Westfalen (RNW)“, die gemeinsame Tochter von Ruhr Nachrichten und Hellweger Anzeiger, die auch auf Inhalte der Rheinischen Post und des Redaktionsnetzwerks Deutschland (Madsack) zurückgreift. In der Hand halten die Leser also anscheinend die Münstersche Zeitung, sie lesen aber Texte aus fünf verschiedenen Verlagen.

 

„Immer mehr Medienhäuser schieben ihren Leserinnen und Lesern Mogelpackungen unter – und wundern sich dann, dass sich die Leser abwenden, wenn sie das merken“, konstatiert Stach. Bei der WR führte das z.B. zu Schließungen einiger Lokalausgaben – die ohnehin keine eigenen Inhalte mehr hatten. So hat die Funke-Gruppe den Konkurrenten gleich das Feld überlassen. Das führt zu noch mehr Monopolisierungen und zu noch weniger Vielfalt in der Berichterstattung. 

 

„Die früher eigentlich links gerichtete Westfälische Rundschau wird von den eher konservativen Ruhr Nachrichten bestückt – da frage ich mich, mit welcher Begründung die Medienhäuser auf dem Tendenzschutz bestehen, der unter anderem die Mitbestimmungsrechte der Betriebsräte beschneidet“, äußert Stach sein Unverständnis darüber, dass die Medienhäuser auf alte Rechten pochen, deren Voraussetzungen heute längst nicht mehr erfüllt werden.

 

Zur Information hier der Link zum Medienkonzentrationsbericht der LfM.

 

Kontakt: Sascha Fobbe, Pressereferentin, 0172 / 14 51 840