Deutscher Journalisten-verband Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten

Online-Meldungen

23. November 2015

Journalistentag NRW

Finanzierung von hyperlokalem Journalismus: Ohne langen Atem geht es nicht

Es gibt sie in vielen Großstädten mit netzaffinem Publikum: Lokalblogs und hyperlokale Blogs, die nur einen einzelnen Stadtteil im Fokus ihrer Berichterstattung haben. Doch gerade diesen Online-Medien fehlt oft das tragfähige Geschäftsmodell und nur wenige erreichen die Gewinnschwelle. Die Diskussion dazu auf dem Journalistentag NRW zeigte: Schnelle Lösungen sind nicht in Sicht, ein langer Atem wird gebraucht.

In Kooperation mit dem Grimme-Institut konzentrierte sich der DJV-NRW bei dem Thema hyperlokaler Journalismus auf das Berliner Projekt neukoellner.net, das in diesem Jahr den Grimme Online Award für seine Kiez-Berichterstattung gewonnen hat. Unter Moderatorin von Vera Lisakowski berichteten die Neuköllnerin Anne Stephanie Wildermann und Blogger Stephan Goldmann von den Lousy Pennies über ihre Erfahrungen bei der Finanzierung hyperlokaler Netzangebote. Goldmann verdient mit seinen Blogs zu verschiedenen Themen Geld und hat für die Landesanstalt für Medien (LfM) an einer Studie zur Finanzierung im Online-Journalismus mitgeschrieben.

Wie viele Medienangebote, die nicht von klassischen Medienunternehmen herausgegeben werden, entstand auch neukoellner.net ohne einen Geschäftsmodell-Gedanken. „Die Berichterstattung über Neukölln als Problemkiez hat uns nicht gepasst. Mit unserem Blog wollten wir das andere Gesicht des Stadtteils zeigen“, erklärte Mitgründerin Wildermann.

 

Langfristig könnte das zu einem Problem für das Projekt werden, glaubt Goldmann. Bei vielen Machern ohne die etablierten Verlagsstrukturen im Rücken fehlten das kaufmännische Wissen und die Technikkompetenz. Ein nachhaltiges Geschäftsmodell zu entwickeln, sei jedoch unabdingbar. „Man hat laufende Kosten. Spendenaufrufe beispielsweise bringen aber nur einmalig Geld“, sagte Goldmann. „Wer sein Medium als ein Produkt betrachtet, das verkauft werden muss, geht anders an die Sache heran und macht sich mehr Gedanken um die Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells.“

Diese Einschätzung wurde von mehreren Journalisten im Panel geteilt, die ähnliche Erfahrungen gemacht hatten. Dass die Erlöse bei lokalen und hyperlokalen Angeboten im Netz noch nicht akzeptabel sind, wird die Branche noch eine Weile begleiten. Stephan Goldmann meinte: „Am Anfang ist ein langer Atem nötig.“

 

Kontakt: Silke Bender, Pressereferentin DJV-NRW