Deutscher Journalisten-verband Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten

Online-Meldungen

21. November 2015

Journalistentag NRW 2015

Paris zeigt: Sorgfalt muss vor Spekulation gehen

Frank Stach, DJV-Landesvorsitzender (l.), und Frank Überall, DJV-Bundesvorsitzender, eröffneten heute gemeinsam den Journalistentag NRW in Duisburg. Foto: Udo Geisler

Bewegender Auftakt des Journalistentags: Jan Christian Müller von der Frankfurter Rundschau berichtete Moderatorin Andrea Hansen sehr offen von seinen Gefühlen beim Anschlag in Paris. Foto: Udo Geisler

Die Attentate in Paris holten heute den Journalistentag NRW in Duisburg ein. Angesichts der aktuellen Ereignisse berichtete der Chef-Sportreporter der Frankfurter Rundschau, Jan Christian Müller, von seiner Nacht im Pariser Stadion. DJV-NRW-Vorsitzender Frank Stach erklärte zur Eröffnung des Medientreffens, was diese Anschläge deutlich gezeigt haben: Sorgfalt muss im Journalismus vor Spekulation gehen.

„Ereignisse von solcher Wucht müssen verifiziert werden“, sagte Frank Stach vor Hunderten von Journalisten. Es reiche, wenn die Netzwerke hyperventilierten. Die Journalisten hingegen bräuchten einen ruhigen Atem. „Glaubwürdige Informationen können nur von sorgfältig ausgebildeten Journalisten kommen.“ An die Politik richtete Stach daher die Forderung, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk finanziell entsprechend auszustatten, an die Medienhäuser, ihr Sparprogramm einzustellen und in Redakteure zu investieren.

Höchste Konzentration herrschte in Duisburg, als Sportredakteur Jan Christian Müller sehr offen schilderte, wie er als Journalist die Bombenanschläge am Stadion in Paris erlebte. „Zur Halbzeit hatte ich die lauten Explosionen fast schon wieder verdrängt, weil mein Bericht mit Abpfiff des Spiels fertig sein musste.“ Ab der 60. Spielminute gab es aber kein Verdrängen mehr: Müller erkennt, dass ihn diese Situation überfordert. „Obwohl ich ruhig bleiben wollte, fing ich an zu zittern.“ Dennoch versuchte er, in der Sportberichterstattung zu funktionieren. „Ich wollte adäquat reagieren: nicht zu sehr dramatisieren, aber auch nicht über die Ereignisse hinweggehen.“

Journalismus in Zeiten des Terrors – ein bewegendes Thema zum Auftakt des elften Journalistentags NRW, zu dem 400 Journalisten in die Gebläsehalle des Landschaftsparks Duisburg-Nord gekommen sind. In 20 Gesprächsrunden standen Themen wie die digitale Zukunft des Radios, hyperlokaler Journalismus oder Finanzierungsmöglichkeiten im Fokus. Die Panels wurden von mehr als 40 Referenten aus allen Medienbereichen gestaltet.

 

Das detaillierte Programm ist auf www.journalistentagnrw.de abrufbar.

 

Kontakt: Silke Bender, Pressereferentin DJV-NRW