Deutscher Journalisten-verband Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten

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21. November 2015

Journalistentag NRW 2015

Ständige Bedrohung: Journalismus im rechtsextremen Umfeld

Wie man trotz rechter Bedrohungen seiner journalistischen Aufgabe nachgeht: Darüber sprachen beim Journalistentag NRW (v.l.) Alexander Völkel, Prof. Dr. Frank Überall und Peter Bandermann. Foto: Udo Geisler

Wer im rechtsextremen Umfeld als Journalist arbeitet, erlebt Bedrohungen wie zum Beispiel die eigene Todesanzeige im Internet. Journalist Peter Bandermann empfindet das als Angriff auf die Pressefreiheit: „Aber die Repressionen gehen nicht vom Staat, sondern von Bürgern aus!“

Auf dem Journalistentag NRW berichteten die Dortmunder Journalisten Peter Bandermann (Ruhr Nachrichten) und Alexander Völkel (Nordstadtblogger) von ihren Erfahrungen. In dem Panel, das vom DJV-Bundesvorsitzenden Prof. Dr. Frank Überall moderiert wurde, ging es um die zunehmenden Aggressionen gegenüber Journalisten, wie sie zurzeit nicht nur in Dortmund, sondern an vielen Orten in der Bundesrepublik zu beobachten sind.

Bandermann und Völkel schreiben seit vielen Jahren über Neonazi-Aufmärsche und rechtsextreme Straftaten in ihrer Stadt. Die Konsequenz: Ihre Privatadressen werden auf einschlägigen Webseiten veröffentlicht, ihre Todesanzeigen tauchen in den sozialen Medien auf, mit unangenehmem „Besuch“ müssen sie rechnen. Für die Justiz ist das aber kein Grund einzugreifen, da das Leben der Betroffenen nicht stark genug eingeschränkt wird. Eine Einschränkung seiner Lebensqualität sieht Bandermann sehr wohl: „Es ist nicht schön, immer an der Polizeistreife vor der Haustür vorbeigehen zu müssen.“

Beim Einsatz vor Ort können sich die Journalisten nicht immer auf die Hilfe vom Staat verlassen. „Die Polizei schafft es nicht mehr, die Kollegen ausreichend zu schützen“, weiß Frank Überall aus der eigenen Arbeit. Alexander Völkel berichtete, dass „manche Polizisten zu denken scheinen, die Presse würde die Neonazis provozieren“. Von Rechten beschimpft und bespuckt zu werden, gehört für ihn zunehmend zum Arbeitsalltag dazu. Um sich zu schützen, tut er sich mit anderen Kollegen zusammen.

Warum nimmt man die Bedrohung des eigenen Lebens und das der Familie auf sich? „Weil unsere Leser immer wieder bekräftigen, dass wir dran bleiben sollen“, sagen beide.

 

Kontakt: Silke Bender, Pressereferentin DJV-NRW