Deutscher Journalisten-verband Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten

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19. Januar 2017

Heute vor 10 Jahren

Verleger Lensing-Wolff tauscht die Redaktion der Münsterschen Zeitung aus

Freigestellt aus heiterem Himmel: Diesen Schicksalsschlag erlebten am 19. Januar 2007 - heute vor zehn Jahren - 17 Redakteure und Mitarbeiter der Münsterschen Zeitung (MZ). Ihr Verleger, Lambert Lensing-Wolff aus Dortmund, hatte ein mieses Spiel mit ihnen gespielt: Er ersetzte hinterrücks und über Nacht die "alte" Redaktion durch eine "neue" - und trickste und bluffte danach einfach munter weiter...

 

Das Titelbild der JOURNAL-Ausgabe 2/07 zeigt Lensings bitteres Pokerspiel. In dem Bericht von Autor Werner Hinse hieß es: "Dass erstmals nach 1945 in Deutschland eine komplette Zeitungsredaktion ausgewechselt wurde, ruft ein empörtes Echo hervor - lokal mit Protestbriefen und Abo-Kündigungen en masse, bundesweit mit Berichten in zahlreichen Medien." Mit diesen Reaktionen auf das unterirdisch schlechte und verantwortungslose Verhalten hätten "die Strategen im Dortmunder Medienhaus Lensing" damals wohl nicht gerechnet, vermutet Hinse.

 

Die MZ-Kollegen wurden in Münster und von den Lesern mit einer Welle der Solidarität umspült. Auf einer Solidaritätsparty stieg gar Götz Alsmann mit weiteren auf die Bühne.

 

Das hinterhältige Vorgehen in Münster machte vor zehn Jahren deutlich, wie erschreckend manche Verleger mit ihrem wichtigsten Gut - den Journalisten - umgehen. Weitere einschneidende Ereignisse sollten leider folgen. Vor allem innerhalb der Funke Mediengruppe verloren hunderte Redakteure in den folgenden Jahren ihren Arbeitsplatz. Doch auch wenn Mitarbeiter entlassen oder in tariflose Gesellschaften geschoben wurden, auf eins legten die Verlagshäuser nach dem Januar 2007 Wert: Dass es nicht so geschah wie in Münster.

 

Das JOURNAL 1/17, das im Februar erscheint, wird auf den MZ-Fall eingehen. Werner Hinse wird erneut berichten, auch über die Konsequenzen, die sich daraus entwickelt haben.