Deutscher Journalisten-verband Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten

Pressemitteilungen

23. Mai 2018

Gemeinsame Hauptstadtredaktion von Madsack und DuMont

„Paukenschlag gegen die Vielfalt“

„Da wird den Lesern eine Medienkonzentration als Ausbau journalistischer Kompetenz verkauft, tatsächlich wird aber der Blick zweier Medienhäuser auf Themen eindimensionaler“, kommentiert DJV-NRW-Landesvorsitzender Frank Stach die geplante gemeinsame Hauptstadtredaktion der Mediengruppe Madsack aus Hannover und des Kölner Verlags DuMont. Sie haben heute angekündigt, dass ab Oktober alle journalistischen Inhalte aus den überregionalen Themenfeldern Politik und Wirtschaft aus einer gemeinsamen Redaktion kommen sollen, an der das zu Madsack gehörende RedaktionsNetzwerk Deutschland zu 75 % und DuMont zu 25 % beteiligt sind.

 

Zusammen erreichen Madsack und DuMont nach eigenen Angaben 6,8 Millionen Leser bei über 50 Tageszeitungen – die dann alle dasselbe zu überregionalen Themen lesen werden. „Das ist ein Paukenschlag gegen die Vielfalt. Auf Dauer laufen wir auf eine publizistische Marschmusik zu, in der alle im gleichen Schritt dasselbe rausblasen. Wir als DJV-NRW setzen uns hingegen für viele Orchester mit einem breiten Themenrepertoire ein. Das schafft nicht nur journalistische Arbeitsplätze, sondern spiegelt so auch die Vielfalt unserer Gesellschaft wider“, so Stach weiter. 

 

Madsack und DuMont verkaufen die neue RND Berlin GmbH als „Weg, um Qualitätsjournalismus weiter zu stärken“ und behaupten „die Partnerschaft stellt noch intensivere Recherche und hervorragende Berichterstattung (…) sicher“. Wie das gehen soll, wenn weniger Journalist*innen beschäftigt sind, erklären die Medienhäuser nicht.

 

Besonders perfide findet es Stach, dass beide den Ausbau der neuen Hauptstadtredaktion betonen, aber vergessen zu erwähnen, dass den 17 Mitarbeiter*innen in DuMonts bisheriger Hauptstadtredaktion die Kündigung droht. Sie sollen sich nach Informationen des DJV-NRW auf 10 freie Stellen in der neuen Gesellschaft bewerben – in Konkurrenz zu externen Bewerber*innen.  Einige Kolleg*innen waren aus Köln nach Berlin gegangen, nicht alle haben ein Rückkehrrecht. Die acht Mitarbeiter*innen des RedaktionsNetzwerks Deutschland in Berlin wechseln gleich in die neue Gesellschaft. „Was hier als Stärkung des Qualitätsjournalismus verkauft wird, ist nichts weiter als eine Sparmaßnahme – auf Kosten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und auf Kosten der Vielfalt. Das kann auch für Leserinnen und Leser kein Gewinn sein“, ist Stachs Bilanz.