Deutscher Journalisten-Verband Landesverband Nordrhein-Westfalen

Pressemitteilungen

Westfälische Rundschau

Ein trauriger Tag für Dortmund

02.02.2013

Fast 1.000 Menschen unterstützten heute erneut eine von den Gewerkschaften DJV-NRW und dju ausgerufene Protestaktion in Dortmund. Am ehemaligen Redaktionssitz der Westfälischen Rundschau (WR) wurde die lokale Meinungs- und Medienvielfalt zu Grabe getragen und ein Kranz mit der Aufschrift „Zu früh gestorben“ niedergelegt. Der anschließende Trauermarsch durch die Innenstadt endete mit einer Kundgebung, auf der u.a. Fritz Eckenga eine Trauerrede hielt.

Foto: DJV-NRW / Bertold Fernkorn

Foto: DJV-NRW / Bertold Fernkorn

Nirgendwo wird so viel gelogen wie an offenen Gräbern: Mit dieser Behauptung stieg Kabarettist Fritz Eckenga in seine Trauerrede ein. Als Leser der Dortmunder WR hatte auch er am Morgen die erste Ausgabe mit den zugelieferten Lokalseiten der Ruhr Nachrichten aufgeschlagen. Darin wurde ihm vom Medienhaus Lensing versichert, dass die hohen journalistischen Qualitätsansprüche der WAZ/WR unverändert erfüllt würden, dass Leserinnen und Leser sich weiter freuen dürften.

 

"Das Ding stinkt doch jetzt schon, und morgen wird eh der Fisch drin eingewickelt“, erboste sich Fritz Eckenga über die neue Pseudozeitung und vermutete, dass es sogar tote Fische gebe, die sich weigern würden, darin eingewickelt zu werden. „Wie gesagt“, brachte er es auf den Punkt, „es wird nirgendwo so viel gelogen wie an offenen Gräbern. So gesehen ist die WAZ/WR/Ruhr Nachrichten ein täglich erscheinendes offenes Grab.“

 

Der Hauptgeschäftsführer des DJV, Kajo Döhring, betrauerte in seiner Rede das Verschwinden eines Traditionstitels, das Verstummen einer sozialdemokratischen Stimme im östlichen Ruhrgebiet und Südwestfalen. Er zeigte aber auch drei Arten von Wut. Zum einen Wut über die Fortsetzung eklatanter Managementfehler. Zum anderen eine Riesenwut über die Kälte und Arroganz, mit der Gruppengeschäftsführer und Gesellschafter die Existenz von über 200 Familien vernichten.

 

Eine gigantische Wut aber verspürte Kajo Döhring, „weil der Konzern auch noch versucht, aus dieser Situation Profit zu schlagen.“ Die Einrichtung einer Transfergesellschaft werde verweigert, die Betroffenen früher als nötig auf die Straße geschickt. „Wir werden nicht aufhören, dieses skandalöse Verhalten in die Öffentlichkeit zu tragen und das zynische Vorgehen der Manager und Gesellschafter bei der WAZ zu entlarven als das, was es ist: eine Riesen-Schweinerei!“

 

„Danke, dass ihr mit uns seid.“ Mit diesen Worten hatte der Betriebsratsvorsitzende der Westfälischen Rundschau, Uwe Tonscheidt, die am Rundschauhaus versammelte Menge vor der Kranzniederlegung begrüßt. Er berichtete, dass die meisten seiner Kollegen am Donnerstag nach Hause geschickt, dass Schlösser zu den Redaktionsräumen bereits ausgetauscht wurden. „Ich kann es kaum glauben“, sagte er betroffen und fassungslos. Gerade mal zwei Wochen hätten die Manager gebraucht, um die Mitarbeiter und mit ihnen eine 67-jährige Tradition abzuwickeln. „Dass so etwas in so kurzer Zeit möglich ist, lässt mich an der sozialen Demokratie zweifeln.“

 

Ein trauriger Tag für Dortmund. Nur noch eine Medienstimme in der achtgrößten Stadt der Bundesrepublik mit über 500.000 Einwohnern. „Unser Mitgefühl und unsere Solidarität gelten den rund 120 festangestellten und etwa 180 freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die seit gestern ihren Arbeitsplatz verloren haben“, hatte Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau in seiner Grußadresse ausrichten lassen. Dem schlossen sich viele Vertreter von Gewerkschaften, Parteien, Kommunen und Kultureinrichtungen an. Und ein Vertreter eines Betriebs, der selbst in kritischer Situation ist: Murat Yaman, Betriebsrat bei Opel. Er überbrachte die solidarischen Grüße seiner Kolleginnen und Kollegen aus Bochum.

 

 

>> Zum Video der ganzen Rede von Kajo Döhring auf YouTube

>> Zum Video der ganzen Rede von Fritz Eckenga auf YouTube

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