Deutscher Journalisten-verband Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten

Der DJV im WDR

Jour Fixe der Betriebsgruppe im WDR, 7.11.2018 in Köln

Einladung:  Neustrukturierung – Eure Meinung

Es ist viel Unruhe im WDR: der kritische Bericht von Monika Wulf-Mathies zu Machtmissbrauch und Missmanagement, die Neuaufteilung der Direktionen, der geplante Interimsnewsroom, der geplante „Kulturwandel“ – was bedeutet das für die Arbeit als Redakteur*in, als Freie/r, was bedeutet das fürs Programm.

Wir wollten dazu Eure Meinung hören und wissen, wo ihr den meisten Handlungsbedarf seht, welche Arbeitsaufträge ihr uns mitgeben könnt. Wir – das sind die freigestellten, ordentlichen und Reserve-Mitglieder des Personalrats des DJV – treffen uns jeden 1. Mittwoch im Monat zum Jour Fixe. Wegen der Brisanz der Themen hatten wir alle DJV-Mitglieder im WDR eingeladen.

Das Protokoll gibt es hier im Download

ARD-Freienrat: Herbsttreffen in Leipzig

Der ARD-Freienrat hat auf seinem Herbsstreffen am 22.10.2018 in Leipzig die Kongressvorbereitungen fortgesetzt. Am 5. und 6. April 2019 werden die mdr-Freienräte den 4. ARD/ZDF-Freienkongress ausrichen, Motto: „Öffentlich.Rechtlich. Frei.“  Neben den Diskussionen um die künftige Beitraghöhe und die Auswirkungen der Strukturreform auf freie Mitarbeit und die Programme wird es um bessere Beteiligungsmöglichkeiten für Freie und deren Interessenvertretungen an den öffentlich-rechtlichen Sendern gehen. Außerdem hat sich der Freienrat in Leipzig eine Geschäftsordnung gegeben und den Vorstand für das nächste Jahr gewählt. Ihm gehört auch wieder Stephanie Hajdamowicz (WDR, Personalrat) an. Mehr Informationen

Urheber*innen unter Druck! - DJV-Justiziar Benno Pöppelmann zu Gast in Köln

Linkes Foto: Benno Pöppelmann, Justiziar DJV, Martina Welchering, Vorsitzende DJV-Betriebsgruppe im WDR, Christian Weihe, Justiziar DJV-NRW (v.l.n.r.) und rechtes Foto: die Teilnehmer der Veranstaltung im Vierscheibenhaus in Köln. Fotos: Stephanie Hajdamowicz

Köln 26.09.2018. Immer häufiger arbeitet auch der WDR Beiträge von freien Mitarbeitern um und verwendet sie ganz oder in Ausschnitten in anderen Medien. Und immer häufiger passiert dies, ohne dass der Autor eingebunden ist. Betroffen sind nicht nur die Beiträge selbst, sondern manchmal auch nicht verwendete Materialien.

Immer wieder überschreitet der WDR dabei die Grenze des rechtlich zulässigen. Das ist das Ergebnis einer Veranstaltung der DJV-Betriebsgruppe zum Thema Urheberrecht. Benno Pöppelmann, DJV-Justiziar,  stand im Mittelpunkt des Gesprächs und beantwortete die vielen Fragen rund ums Urheberrecht.

Dabei wurde auch deutlich: Es gibt einen Dissens zwischen WDR und DJV zum Thema „Zentrale Ausspielplattform“. Viel zu leicht gibt es hier die Zugänge auf das Material, das unter anderem Autoren mit oder ohne Team dort einstellen. Die WDR-Position, dem WDR gehöre alles Selbstgedrehte, teilt Pöppelmann nicht.

Aber das war nicht der einzige Kritikpunkt an diesem spannenden Abend im Vierscheibenhaus: So reduziert der WDR die Zahl der Verträge mit einer W-Kennzeichnung, so jedenfalls der Eindruck der Urheber. Ebenfalls ist die uneinheitliche Linie im WDR kritisiert worden: Einige Redaktionen bezahlen beispielsweise die Veröffentlichung von Bildern und kurzen Videos auf Facebook, andere nicht.

Benno Pöppelmann betonte, dass freie Journalist*innen auf die Einhaltung ihrer tarifvertraglichen Rechte bestehen sollten. Auch das Erstellen von Werken für soziale Medien sei beispielsweise tarifiert. Dies gelte auch dann, wenn der Auftrag nicht vom Programmbereich Internet käme.

Für alle Fragen zum Urheberrecht stehen die Anwälte des DJV-NRW für Rechtsberatungen zur Verfügung.

Tel. 0211 – 2 33 99-0, zentalespamfilter@djv-nrwspamfilter.de

Erfolgsregisseur Uwe Janson war Gast des DJV-NRW: Wir müssen Mut zu neuen Inhalten haben!

Uwe Janson diskutierte lebhaft mit den Teilnehmern im Vierscheibenhaus. Foto: Beate Krämer

Von den Besten lernen: Uwe Janson macht seit Jahren vor, wie gute (Fernseh-) Filme gemacht werden, darunter „Tatort“ und „Himmel und Hölle“. Der DJV-NRW hatte deshalb auf Initiative der Betriebsgruppe des WDR in Köln den bekannten Regisseur unter dem Motto „Wir müssen endlich über Inhalte streiten“ eingeladen. Fernsehredakteurin Barbara Brückner moderierte den Abend.

Janson hatte viel zu erzählen aus seinen langen Berufsjahren, seinen Erfolgen und seinem Scheitern. Seine Erfahrungen mit anderen Kulturen waren für ihn besonders prägend. Er schätzt das „miteinander umgehen“ gemischter Teams, die Nähe und Austausch zulassen. „Respekt, Verantwortung und Mut“ sind die Begriffe, die für ihn für den Erfolg im Leben und beim Filmemachen stehen. Respekt, des Redakteurs gegenüber dem Regisseur, des Regisseurs gegenüber seinem Team. Nur durch das Zulassen kreativer Freiräume und Vertrauen könne etwas Gutes entstehen. Unzulänglichkeiten zuzugeben und den Mut zu haben, sich zu öffnen seien der Garant dafür, dass ungewöhnliche Themen und Geschichten zu guten Filmen werden. Nicht alleine die Zuschauerquoten sollten für Intendanz und Redaktion entscheidend sein, sondern vielmehr „das Herzstück einer Idee“, das zum richtigen Autor eines Films führt.

Janson ermunterte die Teilnehmer, die am gestrigen Abend immer wieder angesprochenen Hindernisse des Arbeitsalltags anzugehen und zu überwinden. Aufgabenverteilung und Aufgabenhoheit müssten klar definiert werden und dürften ruhig in Frage gestellt werden. In der Arbeitsbeziehung seien Mut, Respekt und Vertrauen sowie flache Hierarchien wichtig, nicht aber das Controlling. Der Redakteur müsse als guter Fragesteller den Regisseur führen, aber keine Grenzen setzen. Den Redakteur (und die Intendanz) sieht er als Schlüssel zum Erfolg, um das deutsche Fernsehen zu retten und den Streaming-Diensten etwas entgegenzusetzen. Die Deutschen hätten das Potential, aber es müssten Freiräume für kreative Projekte geschaffen werden, die das eine oder andere Highlight entstehen lassen. „Man braucht ein Spielfeld, um spielen zu können, dann machen wir denen Konkurrenz“, ist Janson überzeugt.

Stephanie Hajdamowicz in den Vorstand des ARD Freienrates gewählt

Stephanie Hajdamowicz. Foto: Thomas Schwarz
Stephanie Hajdamowicz.       Foto: T. Schwarz

Stephanie Hajdamowicz, Fernseh- und Hörfunkjournalistin beim WDR und Vorsitzende des DJV-NRW-Fachausschusses Rundfunk ist in den Vorstand des ARD Freienrates gewählt worden.

Neben Hajdamowicz gehören dem Vorstand Christoph Reinhardt (RBB), Christina Fee Moebus (Radio Bremen) und Stefan Tiyavorabun (SWR) an. Auf seiner konstituierenden Sitzung in Berlin haben die Delegierten der öffentlich-rechtlichen Sender beschlossen, 2018 einen Freienkongress in Bremen auszurichten. Am 20. und 21. April 2018 soll es um Qualität, Arbeitsbedingungen und Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gehen. Die Gewerkschaften DJV und ver.di werden die Kolleginnen und Kollegen dabei unterstützen.

Bei ARD und ZDF sind derzeit mehr als 18.000 arbeitnehmerähnliche „feste Freie“ beschäftigt. „Wir Freie sind diejenigen, die das Programm wesentlich gestalten. Aber trotzdem werden wir als Beschäftigte zweiter Klasse behandelt“, sagte Christoph Reinhardt.

Der ARD-Freienrat, im April 2017 gegründet, bündelt die Interessenvertretungen für Freie der ARD-Sender (Personalräte, offizielle Freienvertretungen und basis-organisierte Vertretungen). Die jeweiligen Interessenvertretungen der Sender entsenden jeweils zwei Delegierte in den Freienrat. Damit ist eine Sicherstellung der Kommunikation zwischen den Interessenvertretungen gewährleistet; zudem ist der ARD-Freienrat auch Ansprechpartner nach außen

Mehr Informationen dazu hier.

Gesamtvorstand akzeptiert Tarifergebnis: DJV besteht auf gleiche prozentuale Honorarerhöhung für alle Freien

Entschlossene Mienen beim ersten Warnstreik vor der vierten Tarifrunde am Vierscheibenhaus in Köln. Foto: Thomas Schwarz

 

Der Gesamtvorstand als Große Tarifkommission hat am 4. Oktober nach mehrstündigen intensiven Diskussionen dem mit dem WDR ausgehandelten Tarifvertrag zugestimmt. Der DJV hatte seine Zustimmung abhängig von dem Votum der Freien für Modell A oder Modell B gemacht. Der WDR hatte versucht, „asymmetrische“ Erhöhungen (Modell A)  durchzusetzen, der DJV hat auf ein Alternativmodell, bei dem alle Freien die gleiche prozentuale Erhöhung bekommen (Modell B) bestanden.

Der DJV hatte durchgesetzt, dass seine Mitglieder sich für eines der beiden Modelle entscheiden können und diese Entscheidung dann gültig ist. Das Ergebnis der Befragung in der letzten Woche unter mehreren hundert Mitgliedern, die frei für den WDR arbeiten: Eine Dreiviertelmehrheit votierte gegen das vom WDR beworbene Modell A,  „asymmetrische Erhöhung“ und für Modell B. Diesem Votum ist das formal für Tarifabschlüsse zuständige Gewerkschaftsgremium, der Gesamtvorstand, am Mittwoch gefolgt.

„Wir haben uns mit dem Abschluss mehr als schwer getan“, so der Landesvorsitzende Frank Stach. Dem moderaten aber akzeptablen Abschluss bei den Festangestellten von 4,55  Prozent steht ein für die Freien um 0,55% niedrigerer Abschluss entgegen. „Auch Modell B ist nicht das, was wir uns gewünscht hätten; unser Ziel war es, die Effektivhonorare zu erhöhen, das war mit dem WDR aber nicht zu erreichen.“

Arbeitgeber schmetterte Solidaritätsangebot der Festangestellten für Freie ab

Entsetzt zeigte sich der Gesamtvorstand vor allem darüber, dass der WDR in den Verhandlungen das vom DJV eingebrachte Angebot der angestellten Kolleginnen und Kollegen abgelehnt hatte, auf einen Teil der Einmalzahlung  zu verzichten und dieses Geld der Einmalzahlung für die Freien zuzuschlagen, zumal das den WDR keinen Cent mehr gekostet hätte. „Das ist ein äußerst unfreundlicher Akt gegenüber denjenigen, die in großen Teilen das Programm gestalten“, kritisiert Frank Stach. „Das muss und das wird Folgen haben für die weiteren Tarifrunden.“

Mahnwachen geplant

Als persönliches Zeichen wird der Landesvorsitzende ab sofort alle zwei Monate vor dem Vierscheibenhaus und anderswo eine Mahnwache abhalten: „Dafür werde ich einen Urlaubstag nehmen", so Stach. "Ich lade jeden dazu ein, daran teilzunehmen. Ich kämpfe dafür, dass der WDR endlich die tatsächlich gezahlten Honorare erhöht und nicht nur die Mindesthonorare. Ich lade jeden ein, dazu zu kommen, ein ruhiges aber konsequentes Signal auszusenden. Gerne können wir auch die Zeit nutzen, uns in den drei Stunden zu vernetzen. Gerne möchte ich am Ende viele Freie an meiner Seite wissen, so mein Wunsch, meine Hoffnung, damit dieses Tarifergebnis so nicht noch einmal passieren muss.“

Auch das Angebot des DJV, den Honorarrahmen gemeinsam in den kommenden zwei  Jahren zu überarbeiten, hatte der WDR abgelehnt; das lässt nichts Gutes für die Zukunft ahnen.

Der Abschluss bedeutet im Detail:

  • für die Festangestellten, dass sie mit dem Dezembergehalt rückwirkend ab dem 1. April 2017 eine Gehaltserhöhung von 2,2 % bekommen. Zusätzlich erhalten sie mit dem Dezembergehalt eine Einmalzahlung von 200 Euro. Ab dem 1. April 2018 folgt der zweite Schritt. Dann steigen die Bezüge erneut um 2,35 %.
  • für die freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, dass die Mindesthonorare  ab dem 1. November 2017 um 2 Prozent und ab dem 1. April 2018 um weitere 2 Prozent steigen.  Für die sogenannten „Leermonate“, also die Zeit zwischen dem 1. April 2017 und dem 1. November 2017 bekommen arbeitnehmerähnliche Freie (12a-Freie) eine Einmalzahlung von 600 Euro.
  • für Auszubildende, dass wer am 1. Oktober 2017 Azubi beim WDR ist, eine Einmalzahlung von 125 Euro erhält. Ab dem 1. November 2017 steigt die Ausbildungsvergütung um 50 Euro an. Eine zweite Steigerung um weitere 50 Euro ist ab dem 1. April 2018 vorgesehen. Es wurde außerdem eine Regelung mit dem WDR vereinbart, wie künftig möglichst viele Auszubildende übernommen werden können.  
  • Rentnerinnen und Rentner  erhalten eine Einmalzahlung von 250 Euro. Auf Basis der neuen Altersversorgungsregelung (x-1%) gibt es außerdem ab 1. November 2017 eine Steigerung ihrer Bezüge um 1,2% und eine weitere Steigerung um 1,35% ab dem 1. April 2018.
  • Das Handling des Kinderzuschlags ändert sich: Für alle Kinder bis 25 Jahre gibt es den Zuschlag ohne zusätzlichen Ausbildungsnachweis. Allerdings werden Urlaubs- und Weihnachtsgeld nicht mehr als Grundlage zur Berechnung herangezogen.
  • Die Regelung zum Jubiläumsgeld ändert sich: Statt bisher 1,5 Gehälter beträgt die Sonderzahlung beim 40. Jubiläum der Betriebszugehörigkeit jetzt ein volles Monatsgehalt. Als Kompensation gibt es zusätzlich fünf freie Tage.

Auch für diesen Tarifabschluss gilt:
Er steht rein rechtlich nur DJV/Gewerkschaftsmitgliedern zu. Geübte Praxis ist es, dass Unternehmen Tarifabschlüsse auf alle Beschäftigten ausweiten, auch um zu verhindern, dass sich zu viele Beschäftigte gewerkschaftlich engagieren.

Nach zähen Verhandlungen: Abschluss erzielt!

Nach einem langwierigen und zähen Verhandlungsmarathon gibt es einen Abschluss der Gehaltstarifverhandlungen.

Einzelheiten wie folgt:

Festangestellte
200 Euro Einmalzahlung mit dem Dezember-Gehalt
+ 2,2% rückwirkend ab 1.4.2017 - Auszahlung mit Dezember-Gehalt
+ 2,35% ab 1.4.2018

Freie
Modell A
+ 2,2 % auf Mindesthonorare ab 1.11.2017
+ 2,35 % auf Mindesthonorare ab 1.1.2018
600 Euro Einmalzahlung
Asymmetrische Tarifsteigerung – Erprobungsphase
im Zeitraum 1.1.2018 bis 31.3.2019

Modell B
+ 2,0 % auf Mindesthonorare ab 1.11.2017
+ 2,0 % auf Mindesthonorare ab 1.4.2018
600 Euro Einmalzahlung

Die Gewerkschaften haben vereinbart, dass das Modell A erst nach einer Befragung der
Betroffenen übernommen wird. Sollte sich die Mehrheit der betreffenden Freien gegen dieses
Modell aussprechen, folgt automatisch die Übernahme der Bedingungen aus Modell B.

Auszubildende
150 Euro Einmalzahlzahlung
+ 50 Euro auf Ausbildungsvergütung ab 1.11.2017
+ 50 Euro weitere Erhöhung ab 1.4.2018
Übernahme-Regelung mit dem WDR vereinbart

Rentner
250 Euro Einmalzahlung
Auf Basis der neuen Altersversorgungsregelung (x-1%),
+ 1,2% ab 1.11.2017
+ 1,35 % ab 1.4.2018

Änderung beim Handling des Kinderzuschlages: für alle Kinder bis 25 Jahre gibt es den Zuschlag ohne zusätzlichen Ausbildungsnachweis

Änderungen beim Jubiläumsgeld: 40. Jubiläum: nur noch ein volles Monatsgehalt Sonderzahlung sowie zusätzlich fünf freie Tage

Rückenwind für Tarifverhandlungen: 500 WDR-Beschäftigte im Warnstreik

Schon morgens um 7 Uhr begann der zweite Warnstreik beim WDR in Köln.

„Wir lassen uns nicht auseinanderdividieren und fordern einen angemessenen Gehaltstarifvertrag!“ Diese Botschaft sandten rund 500 festangestellte und freie Beschäftigte des WDR aus, die heute zwischen 7 und 12 Uhr in den Warnstreik getreten waren. Gemeinsam protestierten mehr als 400 Kolleginnen und Kollegen bei der zentralen Kundgebung in Köln, die mit einer spontanen, lautstarken Demonstration zu den Büros der Geschäftsführung in den WDR-Arkaden endete. 90 Beschäftigte beteiligten sich an dezentralen Warnstreikaktionen in den Regionalstudios.

Der DJV Landesverband und ver.di hatten ihre Mitglieder im Vorfeld der heutigen fünften Runde der Gehaltstarifverhandlungen zum Protest aufgerufen, um die Forderungen nach einem angemessenen Angebot der Arbeitgeber zu bekräftigen.

Die Proteste hatten Auswirkungen auf das WDR-Programm: Die Nachrichtenredaktion des WDR-Hörfunks blieb von 7 bis 12 Uhr unbesetzt, die Hörfunknachrichten mussten durch ein eilig zusammengetrommeltes Notpersonal produziert werden. Die gewohnte Nachrichtensendung „Tag um 12“ fiel bei WDR 3,4 und 5 aus, stattdessen wurde eine Sendung von WDR 2 durchgeschaltet. Auch bei 1Live-Info solidarisierten sich Kolleginnen, kündigten den Warnstreik an und sendeten zwischen 7 und 8 Uhr keine Redebeiträge. Im Regionalstudio Wuppertal wurden die Frühnachrichten zwischen 10.30 Uhr und 11.30 Uhr nicht aktualisiert. Im Studio Duisburg traten alle Freien geschlossen in den Streik.

„Dass sich erneut so viele Beschäftigte am Warnstreik beteiligt haben, zeigt vor allem eines: Es ist allerhöchste Zeit für ein angemessenes Angebot des Senders“, sagt Volkmar Kah, Geschäftsführer vom DJV-NRW. „Andere Sender wie NDR und MDR haben ja vorgemacht, wie es geht. Es kann nicht sein, dass die freien und festangestellten Beschäftigten weiter hingehalten werden.“

Fotos vom Streiktag auf unseren Aktionsseiten Streik:
https://www.djv-nrw.de/startseite/info/aktuell/aktionsseiten-streik.html

Video gibt's auf unserem DJV-NRW Youtube-Kanal: https://www.youtube.com/user/DJVNRW2012/videos

 

 

WDR-Personalchef steht Freien am 12. September Rede und Antwort

Man hat als freier Mitarbeiter nicht oft die Gelegenheit, den WDR-Personalchef Kurt Schumacher zu befragen. Am Dienstag, 12. September, lädt die DJV-Betriebsgruppe ab 18.15 Uhr dazu nach Köln in den Arkaden Raum 5040 (Tonne), im 5. Stock ein.

Der Leiter der Personalabteilung nimmt Stellung zu einem Merkblatt für Freie, das Ende Mai über die Redaktionen kommuniziert und per Mail verteilt wurde. Es ist das Ergebnis direktionsübergreifender Überlegungen und sorgt für Unsicherheit: Was genau bedeutet die darin geäußerte „dringende Empfehlung an freie KollegInnen anderweitige Tätigkeiten anzuzeigen“? Gehört die Arbeit in einer Stiftung dazu? Wer entscheidet nach welchen Kriterien, ob das für einen aktuellen Arbeitsauftrag passt oder nicht?

Die DJV Betriebsgruppe macht dazu einen Info-Abend mit dem Leiter der Personalabteilung. Wenn nach der Fragerunde mit ihm noch Zeit bleibt, will die Betriebsgruppe noch darüber sprechen, welche Erfahrungen die Freien mit dem Merkblatt gemacht haben und ob sich für deren Arbeit etwas geändert hat. Wer nicht nach Köln kommen kann, kann (mit etwas Glück) seine Fragen per Telefon stellen, die Telefonnummer des Sitzungsraumes ist 0221 –220 8950.

Gehalts- und Honorarverhandlungen 2017: Vierte Verhandlungsrunde ohne Ergebnis

Viereinhalb Stunden Tarifverhandlungen in einer äußerst unerfreulichen Atmosphäre – ohne einen deutlich spürbaren Fortschritt. So war die vierte Verhandlungsrunde im WDR in Kürze zusammengefasst. Ein „Angebot“ der Arbeitgeberseite, das immer noch unter den Abschlüssen in anderen Sendeanstalten und des Öffentlichen Dienstes liegt.

Dies war kein Ritual der üblichen Art, in dem vertrauensvoll Interessen abgewogen werden. Dies war ein weiterer Versuch der Machtdemonstration, wonach Verbesserungen für Beschäftigte nur dann gewährt werden sollen, wenn die Gewerkschaften die Vorgaben und Verschlechterungswünsche akzeptieren.

Diese Form der Verhandlungsführung haben wir im WDR bisher noch nicht erlebt –allerdings auch nie so viele Kolleginnen und Kollegen, die zu unserer Warnstreik-Kundgebung gekommen sind.

Das hat gut getan! Wir werden Euch wieder brauchen, wenn es in die fünfte Runde geht.

Der Aufruf zum Warnstreik fand große Resonanz: Allein in Köln gingen gut 250 Kolleginnen und Kollegen auf die Straße. Foto: Thomas Schwarz
Warnstreik vor dem WDR Köln

Mehr als 300 Kolleginnen und Kollegen folgten der Warnstreikaufforderung der Gewerkschaften

Viel Rückenwind für die Gewerkschaften: Mehr als 300 Beschäftigte des WDR folgten vor der vierten Verhandlungsrunde ihrem Aufruf zum dreistündigen Warnstreik.

Die zentrale Streikkundgebung fand vor dem Vierscheibenhaus in Köln statt. Spontan entschlossen sich die Kolleginnen und Kollegen (nach Absprache mit der Polizei) zu einem kleinen Spaziergang durch die Stadt. Sie zogen dabei an verschiedenen WDR-Gebäuden vorbei bis hin zu dem Gebäude, in dem der Beitragsservice und die Verwaltungsdirektorin Dr. Katrin Vernau sitzen. Viele Beschäftigte aus Düsseldorf kamen zur Kundgebung nach Köln. In Wuppertal sorgten 25 Streikende dafür, dass die Hörfunknachrichten zeitweise nur unaktualisiert gesendet werden konnten. In Dortmund legten 22 Beschäftigte die Arbeit nieder.

Alle Fotos: Thomas Schwarz

Auch in Wuppertal gab es eine erfolgreiche Warnstreikaktion. Foto: privat
 

Dritte Runde der Vergütungstarifverhandlungen: Noch dicke Bretter zu bohren

Am 11. Juli haben wir zum dritten Mal verhandelt. Der WDR bewegt sich auf uns zu. Aber es gibt noch viel zu tun.

Das aktuelle Angebot für die Gehälter bewegt sich bei 4,1 Prozent bei einer Laufzeit von 24 Monaten. Bei einem Ausgangspunkt von 1,5 Prozent pro Jahr war das ein hartes Stück Arbeit. Aus Sicht der Gewerkschaften ist das noch völlig unzureichend.

Außerdem sind noch folgende Punkte offen:

  • Azubi-Gehälter,
  • Konkrete Regelung für die Übernahme von Auszubildenden, Volontären und Trainees,
  • Effektivhonorare für Freie.

Zum Thema „Leistungsorientierte Vergütung“ haben die Gewerkschaften deutlich gemacht, dass es sich dabei um einen falschen Ansatz zur Motivation handelt: Erst nimmt der WDR Geld weg und hält es dann denen als Köder wieder hin, die sich im Hamsterrad abstrampeln, um die „erheblich über dem Durchschnitt liegende Leistung“ zu erreichen.

Zur weiteren Demotivation seiner Mitarbeiter möchte der WDR Jubiläumsgeld nach 25 und 40 Jahren Betriebszugehörigkeit deutlich senken.

Mit dem WDR haben sich die Gewerkschaften DJV, ver.di und DOV bereits darauf verständigt, sich im Anschluss an die Vergütungsrunde mit dem Thema „Arbeitszeitsouveränität“ zu beschäftigen.

"Crossmediale Honorierungsmodelle" werden eingeführt: DJV-NRW verurteilt Tarifbruch des WDR

Der WDR hat heute einseitig die Einführung „crossmedialer Honorierungsmodelle“ zum 1. Juli angekündigt. Dabei geht es um neue Vergütungsregelungen für mehrmediale Leistungen, die für sechs Monate „pilotweise“ in den Bereichen Sport, Wirtschaft und Wissenschaft gelten sollen. In diesen drei „Leuchttürmen“, wie der WDR sie bezeichnet, wachsen die Redaktionen von Hörfunk, TV und Online zusammen.


Die Honorarmodelle sind nicht mit den Gewerkschaften vereinbart worden. Der DJV-NRW verurteilt deshalb die einseitige Einführung des crossmedialen Honorarmodells als Tarifbruch. Der WDR kann die bislang geltenden Vergütungsregeln nicht einfach ignorieren und für einen Teilbereich neue Tarifierungen einführen - er gibt selbst zu, dass er sich „außerhalb der bestehenden Honorarrahmen“ bewege. Umso unverständlicher aus Sicht des DJV: Im WDR gibt es im „Laborstudio“ Wuppertal bereits einen erfolgreichen und gerade erst von beiden Tarifparteien verlängerten crossmedialen Tarifvertrag, den der Sender aber nicht auf die drei „Leuchttürme“ anwenden will.

Der DJV-NRW hält ebenso wie der WDR ein modernes, an digitale Zeiten angepasstes Tarifsystem für überaus notwendig. Allerdings nicht zu jedem Preis. Die vom Sender geplanten Abschläge für crossmediale Aufträge liegen im zweistelligen Prozentbereich.

Die Verhandlungen zu diesen Honorierungsmodellen hatten DJV und ver.di im Februar für gescheitert erklärt, zu weit lagen die Vorstellungen auseinander, auch die Freien im WDR hatten sie als nicht akzeptabel zurückgewiesen. Wir befürchten zudem, dass dies nur ein erster Schritt zur Aufkündigung der Sozialpartnerschaft für 12a-Freie ist.

Der WDR signalisiert in einem Schreiben an die Gewerkschaften noch einmal die „generelle Bereitschaft zu weiteren Gesprächen“. Wir fordern den WDR daher auf, nicht von den bestehenden Tarifen abzuweichen und mit einer deutlich kompromissbereiteren Linie neue Verhandlungen mit uns aufzunehmen. Wir haben nämlich dasselbe Ziel: Eine „angemessene und sachgerechte Vergütung“, für „hochqualifizierte und engagierte freie MitarbeiterInnen“ zu finden.

Wir meinen das auch so.

Zweite Runde der Tarifverhandlungen zu Vergütungen ergebnislos abgebrochen

Die zweite Runde in den Tarifverhandlungen zu Vergütungsregeln sind am 14. Juni ergebnislos abgebrochen worden. Erst nach zähen Verhandlungen bot der Arbeitgeber den Gewerkschaften magere drei Prozent mit einer Laufzeit von 24 Monaten an.

Das ist ein Erpressungsversuch. Denn mehr soll es nur geben, wenn wir unter anderem folgende Kröten schlucken:

  • Einstieg in die Abschaffung der Steigerungsstufen
  • Verschlechterung bei der Honorierung von Freien
  • Verzicht auf gesetzliche Urheberauskunftsansprüche für mindestens drei Jahre
  • Streichung von Lohnnebenleistungen wie Jubiläumsgeld, Kantinenzuschuss, Krankengeldzuschuss oder Beihilfeleistungen
  • Streichung des Kinderzuschlags ab dem 23. Lebensjahr
  • Streichung der Reisekostenerstattung zum WDR für Freie

Mit seinem Angebot bleibt der WDR sogar deutlich unter dem Abschluss im öffentlichen Dienst. Und das trotz Arbeitsverdichtung und Stellenabbau.

Aber nicht mit uns, Frau Dr. Vernau!

Einigung über Honorierung der ARD-Sammel-Beiträge im Hörfunk

Seit vielen Jahren haben wir eine Regelungslücke bei so genannten ARD-Sammel-Beiträgen – die Honorarhöhe war bislang nicht fixiert. Das ändert sich nun mit einer Vereinbarung zwischen den Gewerkschaften und dem WDR. Damit schließen wir die Lücke.

Es gibt solche Sammel-Angebote in unterschiedlichen Varianten:

  • als kurz (bis 1 Minute)
  • lang (bis und über 2 Minuten)
  • und als kurz&lang-Version.

Für die unterschiedlichen Versionen haben wir nun Mindestvergütungen vereinbaren können.

Die häufigste Variante ist kurz&lang. Bislang wurden dafür 20% Aufschlag auf das Grundhonorar gezahlt, nunmehr werden es 50% sein. Das heißt, es werden 150% vom Mindesthonorar gezahlt.

Für die kurze Variante (bis 1 Minute) wird es demnach 142 Euro geben, das sind 167% vom Mindesthonorar.

Damit haben die freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in diesem Bereich mehr Sicherheit. Außerdem müssen diese Honorare jetzt bei jeder künftigen Tarifrunde linear angehoben werden.

Kommentar: Wie frei dürfen freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im WDR wirklich noch sein?

WDR-Intendant Tom Buhrow hat alle freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einem Merkblatt dazu aufgefordert, die Redaktionsleitung über Aufträge zu informieren, die sie neben der Tätigkeit für den WDR noch haben. Dem DJV-NRW geht das zu weit - er fordert die Rücknahme dieser Forderung. Empörung und Angst unter den WDR-Freien sind groß, wie zahlreiche Reaktionen zeigen. Ein Mitglied des DJV-NRW hat Buhrows Merkblatt aus ganz persönlichem Blickwinkel kommentiert.

„Billige Freie sollen dadurch abhängig gehalten werden“


Einleitend wird im Merkblatt sehr schön gesagt, dass die Anstalt es begrüße, wenn freie Mitarbeiter auch für andere Auftraggeber tätig werden.

Ich war mal davon ausgegangen, dass im Status freier Mitarbeiter das Wort „frei“ nicht von „Mitarbeiter“ zu trennen ist und es Freien somit selbstverständlich offen steht, auch noch für andere Auftraggeber tätig zu werden. Und (!), dass Freie selbst entscheiden, für welche anderen Auftraggeber sie tätig sein wollen. Der Intendant interpretiert aber offenbar das Wort „frei“ im Sinne einer „Freiheit“ für den WDR, zu entscheiden, welche anderen Auftraggeber ihm denn genehm wären.

Denn in dem Merkblatt heißt es weiter: „Damit es nicht zu einer Einschränkung oder Beendigung der Beauftragung durch den WDR auf Grund von Tätigkeiten für andere Auftraggeber kommen MUSS, wird den freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dringend empfohlen, SÄMTLICHE beabsichtigten anderweitigen Tätigkeiten rechtzeitig gegenüber dem WDR anzuzeigen. […] Anzeigen bedeutet, die jeweilige Redaktionsleitung SCHRIFTLICH (per E-Mail oder Brief) über die Art der geplanten anderweitigen Tätigkeit zu informieren.“ Diese Regelung, das ist dem Merkblatt zum Merkblatt zu entnehmen, gilt übrigens auch für ehrenamtliche Tätigkeiten.

Ausdrücklich ist nicht erwähnt, was früher noch galt: Nämlich dass sich dieses im Wesentlichen auf programmprägende Freie bezöge – also zum Beispiel Moderatoren. Oder dass es in den Fällen angezeigt sei, in denen der Freie es selbst für möglich hält, dass es zu Interessenskonflikten in der Berichterstattung kommen könnte.

Diese Interpretation von Freiheit bei gleichzeitiger Eindampfung der Programmetats ist schon interessant. Andererseits ist sie logisch: Wenn die Arbeit(szeit) der Freien systematisch über crossmediale Honorare oder nicht-tarifierte neue Formate entwertet wird, ist es praktischer, wenn die Freien, von denen ich das haben will, möglichst abhängig gehalten werden. Sie sind billiger als Festangestellte - bei gleichzeitig besserer Kontrolle, denn einen Festangestellten wird man so schnell ja nicht los.

Auf, auf, liebe Freie: Zeigt eure „außer-WDR-lichen“ Tätigkeiten – als Trainer einer Jugendmannschaft, als Dog-Sitter, als Flüchtlingsbetreuer, als Sterbebegleiter, als Moderatoren für das evangelische Kirchenfest, als Plätzchenstifter für die Schulfeier der Sprösslinge - in einer Vielzahl an, dass den Redaktionsleitungen Hören und Sehen vergehen!

P.S.: Wenn das die Liebe ist, die Tom Buhrow für den Laden und seine Mitarbeiter – ob fest oder frei - mitbringt, dann möchte ich seinen Hass nicht kennen lernen!

WDR-Merkblatt zu "anderweitigen Tätigkeiten"

Derzeit kursiert ein Merkblatt, mit dem WDR-Intendant Tom Buhrow „anderweitige“ Tätigkeiten der Freien näher regeln will. Es enthält die Aufforderung, die Redaktionsleitung zu informieren, welche anderen Aufträge man hat. Damit ist es nicht nur eine Information, die aufklärt, sondern wird von den Redaktionen als Dienstanweisung verstanden werden.
   
Der WDR ist in seiner Botschaft an die Freien äußerst widersprüchlich. Zum einen „begrüßt“ er es, wenn „freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für andere Auftraggeber tätig werden“, er erwartet es sogar. Zum anderen behandelt er sie nicht wie echte freie Journalistinnen und Journalisten, wenn er ihnen empfiehlt, anderweitige Tätigkeiten anzuzeigen.
       
Wir als DJV in NRW sagen: Das geht zu weit.
   
Zunächst muss man wissen, dass der Tarifvertrag für auf Produktionsdauer Beschäftigte (vorwiegend rosa Verträge) in Absatz 10 eine entsprechende Regelung über die Anzeigepflicht enthält: „Anderweitige Tätigkeiten außerhalb des WDR sind zulässig, wenn damit keine Beeinträchtigung der mit dem WDR vertraglich vereinbarten Tätigkeiten verbunden ist“, heißt es dort. „Der Beschäftigte verpflichtet sich, beabsichtigte anderweitige Tätigkeiten anzuzeigen.“
  
Mit dem Merkblatt weitet der WDR das Anzeigebegehren auf alle Freien aus, indem er auch den nicht auf Produktionsdauer Beschäftigten (blaue Verträge) „empfiehlt“, anderweitige Tätigkeiten anzuzeigen. Er verbindet das mit der Warnung, dass sie ihren Auftrag verlieren könnten, wenn es nur zum Anschein (!) einer „Beeinträchtigung der Tätigkeit für den WDR“ kommt.
  
Dabei hält das Merkblatt die Definition möglicher Beeinträchtigungen so vage, dass man nahezu alles darunter fassen kann.
  
Wir als DJV verweisen auf die einfache Regel in der Ziffer 6 des Pressekodex. Darin heißt es: „Journalisten und Verleger üben keine Tätigkeiten aus, die die Glaubwürdigkeit der Presse in Frage stellen könnten.“ Damit ist eine Interessenkollision ausgeschlossen. Ein Generalverdacht, dass Journalisten dies nicht tun, untergräbt das Klima der vertrauensvollen Zusammenarbeit.
   
Wir lehnen es keinesfalls ab, dass der Sender die Freien für dieses wichtige Thema sensibilisiert und alle Kolleginnen und Kollegen informiert. Mit dem jetzt versendeten Merkblatt über anderweitige Tätigkeiten geht der WDR aber einen Schritt zu weit.
  
Er schiebt das Risiko für mögliche „Beeinträchtigungen“ einseitig den Freien zu. Diese können sich nicht mehr sicher sein, ob ihre anderweitigen Tätigkeiten vom Sender zum Anlass genommen werden, die weitere Mitarbeit zu beenden. Damit stellt der WDR die Berufsfreiheit des Einzelnen in Frage.
   
Darüber hinaus stellt sich für den DJV-NRW die Frage, wie die Redaktionsleitungen den Arbeitsaufwand bewältigen sollen, jede anderweitige Tätigkeit aller ihrer Freien auf mögliche Beeinträchtigungen zu überprüfen. Jede Moderation? Jede Dozententätigkeit? Jeden Auftrag einer Produktionsgesellschaft? Jeden Printtext?
  
Sollte der WDR weiterhin an der Anzeigenpflicht gegenüber der Redaktionsleitung festhalten, fordern wir eine Clearingstelle im WDR, die in Zweifelsfällen angerufen werden kann. In ihr sollten neben Vertretern der Geschäftsleitung Mitglieder des Personalrates und der Redakteursvertretung gleichberechtigt mitentscheiden können.   

Vergütungstarifrunde 2017: Unsere Forderungen

5,5% mehr für Feste und Freie!

In den vergangenen Jahren hat die Arbeitsverdichtung in allen Abteilungen deutlich zugenommen. Die ausgezeichnete Arbeit der fest angestellten und freien Kolleginnen und Kollegen muss einfach Anerkennung finden. Der DJV fordert daher:

  1. 5,5% mehr Gehalt bzw. Honorar für Feste und Freie.
  2. Damit das Geld bei Freien auch ankommt, müssen die Effektivhonorare angepasst und durch eine Einmalzahlung eine soziale Komponenten geschaffen werden.
  3. Ein Teil des Volumens für Freie soll zum Ausgleich von Härtefällen für freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verwendet werden.

Bei wieder steigender Teuerungsrate und wachsendem Arbeitsdruck ist unsere Tarifforderung angemessen!

Alle Beschäftigten, Freie wie Festangestellte, leisten täglich hervorragende Arbeit. Sie kompensieren durch Mehrarbeit und Arbeitsverdichtung, was durch den massiven Stellenabbau und das radikale Kürzen der Programmetats bei gleichbleibendem Programmvolumen im WDR sonst liegen bleiben würde. Und sie müssen immer neue Aufgaben übernehmen, zum Beispiel durch die Ausweitung digitaler Angebote.

 

 

Freie: Crossmedia als Sparmodell

Titelkonzept: Enrico Klinkebiel
Bildnachweis: suze/photocase.de; peshkov, koya979/depositphotos.com
Titelbild JOURNAL 2/7

Mit den Tarifverträgen zu den Crossmedia-Honoraren in den Leuchttürmen befasst sich das JOURNAL 2/17.

Mit viel Stolz hat der WDR im Februar seine sogenannten Leuchttürme der Öffentlichkeit präsentiert: In den Bereichen Sport, Wirtschaft und Wissenschaft arbeiten Fern­sehen, Hörfunk und Online künftig in gemeinsamen Redaktions- und Produktionsteams. So eröffnete Intendant Tom Buhrow in der zweiten Etage der WDR-Arkaden in der Kölner Innenstadt den crossmedialen „Sportcampus“ – ein Großraumbüro mit 92 Arbeitsplätzen. In der crossmedialen Redaktion Wirtschaft und Verbraucher sind es 85 Arbeitsplätze, bei der Wissenschaft 45.

Verständlich, dass sich dadurch auch Arbeitsweisen ändern. Den freien Journalistinnen und Journalisten droht dabei – mal wieder – eine Verschlechterung bei den Honoraren. Seit gut einem Jahr verhandelt der WDR mit den ­Gewerkschaften über die künftige crossmediale  Vergütung und scheint nur ein Ziel zu kennen: Sparen auf Kosten der Freien.

Anfang Februar legte das Haus den Gewerkschaften nun den Entwurf für einen Tarifvertrag vor, dessen wesentliche Inhalte er nicht mehr verhandeln wollte. Die Verhandlungskommis­sionen von DJV und ver.di stuften den Vertrag als nicht akzeptabel ein. weiterlesen

Der DJV lehnt WDR-Entwurf über Tarifvertrag ab - Wie geht es jetzt weiter?

Der WDR will freien Journalistinnen und Journalisten in den so genannten Leuchttürmen Sport, Wirtschaft und Wissenschaft künftig bei crossmedialer Vergütung weniger zahlen und hat den Gewerkschaften den Entwurf für einen Tarifvertrag vorgelegt. Allerdings ist das Angebot des WDR nicht akzeptabel. Viele freie Journalistinnen und Journalisten des Senders haben dazu ein eindeutiges Votum abgegeben. Es ist zu befürchten, dass der WDR seine Forderungen jetzt einseitig umsetzt und sich dass auf die Honorare der Freien in allen Redaktionen auswirkt.


Liebe Kollegin, lieber Kollege,

der DJV- NRW hat im Februar den Entwurf des WDR für einen Tarifvertrag zur crossmedialen Vergütung in den Leuchttürmen zurückgewiesen. Mit diesem Schreiben möchten wir Sie über die Gründe für die Ablehnung und die möglichen Folgen informieren. Nicht zuletzt erklären wir, wieso die Frage der crossmedialen Vergütung alle Freien betrifft.

Das Ende der Verhandlungen

Nach langen Verhandlungen hat der WDR den Gewerkschaften den Entwurf für diesen Tarifvertrag vorgelegt – mit dem Hinweis, dass die Basis dieses Vertrags höchstens marginal war. DJV und ver.di hatten deshalb für Samstag, den 18. Februar, alle Freien zu einer Versammlung eingeladen. Viele Freie reagierten mit Unmut über den Vorschlag des Senders. Sie befürchteten zu Recht, dass sie für weniger Geld mehr arbeiten müssen. Das Signal, das von dem vollen Saal ausging, war deutlich: Diesem Vertragsentwurf stimmen die Freien nicht zu. Der DJV hat den Entwurf deshalb gegenüber dem Sender entschieden zurückgewiesen.

Seit Anfang 2016 haben Gewerkschaften und WDR Gespräche über eine tarifliche Regelung zur crossmedialen Vergütung für freie Mitarbeiter geführt. Der WDR möchte sie wegen der geplanten crossmedialen Arbeit in den Leuchttürmen Wirtschaft, Sport und Wissenschaft einführen. Die bisherige Vergütungsstruktur sieht eine Vergütung jeweils getrennt nach den Medien Fernsehen, Hörfunk und Internet vor. Aus Sicht beider Seiten keine optimale Lösung für crossmediales Arbeiten. Dass eine Einigung möglicherweise die Vorlage  für crossmediale Vergütung im gesamten WDR gewesen wäre, lag auf der Hand. Deshalb war klar, dass diesen Verhandlungen besondere Bedeutung zukam. Von Beginn an machte der WDR klar, dass er bei crossmedialer Beauftragung auch einen Spareffekt erwarte. Der Sender sah Synergieeffekte, von denen er profitieren will. Angedacht war, den Honorar-etat nicht zu senken, aber für das gleiche Geld mehr Inhalte von freien Mitarbeitern zu bekommen. Kurz gesagt: Der WDR wollte mehr Leistung für weniger Geld.

Der DJV hält ebenso wie der WDR ein modernes, an digitale Zeiten angepasstes Tarifsystem für überaus notwendig. Allerdings nicht zu jedem Preis. Die vom Sender geplanten Abschläge für crossmediale Aufträgen lagen im zweistellen Prozentbereich. Diese erheblichen Einschnitte konnte der DJV-NRW nicht mitgehen. Insgesamt mussten die Gewerkschaften erkennen, dass der Sender nicht bereit ist, von seinen Vorstellungen maßgeblich abzuweichen.

Dabei waren DJV-NRW wie ver.di prinzipiell bereit, zusammen mit dem Sender im Rahmen eines zeitlich befristeten Pilotprojektes die gewünschten neuen Vergütungsregelungen zu erproben. Voraussetzung für diese weitreichenden Zugeständnisse ist jedoch eine soziale Absicherung derjenigen Kolleginnen und Kollegen, die aufgrund crossmedialer Honorierung Einkommensverluste befürchten müssen, sowie eine deutliche Verbesserung der vorgeschlagenen Vergütungen. Trotz dieses Entgegenkommens der Gewerkschaften konnte keine Eignung erzielt werden. Das zeigt, dass der Sender nicht bereit war, die Interessen der freien Mitarbeiter wirklich fair zu berücksichtigen. Entgegen aller gegenteiligen Lippenbekenntnisse soll die crossmediale Honorierung tatsächlich doch vor allem ein Sparmodell des WDR sein.

Der WDR hat Anfang Februar einen Entwurf für einen Tarifvertrag vorgelegt, dessen wesentliche Inhalte er nicht mehr verhandeln wollte. Folgende Details sind dabei wichtig:

Der Entwurf des WDR

Der Entwurf des WDR besteht aus zwei Bestandteilen, dem Stufenmodell und dem sogenannten Tagesreporter. Beide Vergütungsmodelle sollen parallel nebeneinander existieren. Die Bezahlung nach dem Stufenmodell sieht vor, dass sich das Honorar für den teuersten Beitrag zu 100% nach dem Honorarrahmen bestimmt. Alle folgenden Beiträge sollen mit 50% der jeweiligen Honorarziffer bezahlt werden. Eine Sonderregelung soll es für Kollegengespräche geben. Bei Kollegengesprächen zu einem Thema beträgt das Honorar ab dem zweiten Kollegengespräch nur noch 25 % der jeweiligen Honorarziffer.

Das zweite Modell, der sogenannte  Tagesreporter, ist nichts anderes als die Tagespauschale, die der WDR schon länger durchsetzen will. Der Tagesreporter soll im Normalfall eine Pauschale von 330 Euro erhalten. Bei besonderem Aufwand soll es 430 Euro geben.
 
Bisherige Zuschläge (z.B. Onlinezuschlag, Eigenproduktionszuschlag, Zuschlag für die Nutzung einer eigenen Kamera) entfallen komplett. Ein tiefer Einschnitt für viele Kollegen wäre auch der Wegfall der Wiederholungsvergütung. Crossmediale Vergütung soll es nur als E-Verträge geben.

Wie geht es nun weiter?

Weil die Leuchttürme bereits crossmedial arbeiten bzw. damit kurzfristig beginnen werden,  befürchtet der DJV-NRW, dass der WDR seine in den Verhandlungen geäußerte Drohung wahrmacht und sein crossmediales Modell ohne die Gewerkschaften umsetzt.

Dem wird sich der DJV entgegenstellen. Gelingen kann dies jedoch nur mit Eurer Hilfe. Wir sind deshalb darauf angewiesen, das ihr uns unterstützt. Folgendes könnt ihr kurzfristig tun:
1. Informiert uns über alle Abweichungen von den tariflichen Mindest-Honoraren.
2. Leitet diese Info weiter, damit möglichst viele Kolleginnen und Kollegen Bescheid wissen.
3. Macht mit, wenn der DJV zu Protestaktionen aufruft.

Nur wenn wir solidarisch handeln, können wir angemessene crossmediale Honorare durchsetzen.

Viele Grüße

Christian Weihe
stellvertretender Geschäftsführer


Fragen beantworten wir gerne:

Christian Weihe, christian.weihespamfilter@djv-nrwspamfilter.de


 

Freien-Sprechstunden

Der Personalrat bietet Sprechstunden für Freie an:

Mittwoch 15-17 Uhr
Freitag 10-15 Uhr


Die Beratung übernehmen freie Kollegen aus dem Personalrat: im Wechsel Stephanie Funk-Hajdamowicz und Frank Stach vom DJV sowie Anja Arp und Johannes Höflich von ver.di.

Vierscheibenhaus
Raum 459, Tel. 3733
personalratspamfilter@wdrspamfilter.de

Kontakt

zur DJV-Betriebsgruppe über Personalrätin

Martina Welchering
Telefon 6221

Interview mit DJV-Justiziar Benno Pöppelmann

Vor Weihnachten hat der WDR per Mail darüber informiert, dass er wie die anderen ARD-Anstalten den Versorgungstarifvertrag (VTV) zum 31.12.2016 gekündigt hat. Wir haben den Justiziar des DJV-Bundesverbands, Benno Pöppelmann, gebeten, uns die wichtigsten Fragen dazu zu beantworten.

Wen betrifft die Kündigung des VTV?

Die Kündigung des Versorgungstarifvertrags, der mit allen Rundfunkanstalten der ARD im Jahr 1996 abgeschlossen wurde, bewirkt, dass Altersversorgungsansprüche nach diesem Tarifvertrag ab dem 1.1.2017 nicht mehr erworben werden können. Das gilt für Personen, die erst ab diesem Datum im WDR oder einer anderen Rundfunkanstalt unbefristet angestellt werden. Für diejenigen, die bereits vor dem 1.1.2017 angestellt wurden, ändert sich - kurz gesagt - nichts.

Warum ist der VTV gekündigt worden?

Alle Rundfunkanstalten haben den Tarifvertrag gekündigt, um den Druck auf die Verhandlungen mit den Gewerkschaften zu erhöhen. Der DJV, verdi und die DOV verhandeln derzeit drei Altersversorgungskomplexe mit den Sendern.

Zum einen Veränderungen im VTV, einschließlich der Frage, wie die Renten zukünftig zu dynamisieren sind. Zum weiteren die Frage der zukünftigen Dynamisierung der Renten nach den Gesamtversorgungssystemen. Diese Systeme, die vor dem Inkrafttreten des VTV den Zugang zur betrieblichen Altersversorgung auch beim WDR sicherstellten, sind dadurch gekennzeichnet, dass nach ihnen ein bestimmter Prozentsatz vom letzten Gehalt als Rente unter Einrechnung der Ansprüche aus der gesetzlichen Rente von der Anstalt garantiert werden.

Schließlich haben die Verhandlungen das ab dem 1.1.2017 vorgesehene System der betrieblichen Altersversorgung in der ARD zum Gegenstand. Und die Kündigung ist erfolgt, weil die Anstalten einer Forderung der KEF nachkommen wollen, wonach die bestehenden Altersversorgungssysteme zu schließen sind.

Was bedeutet das für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des WDR?

Für die ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, also die jetzigen Rentenbezieher, ändert sich durch die Kündigung nichts. Dasselbe gilt für diejenigen, die bis zum 31.12.2016 in einer Rundfunkanstalt der ARD unbefristet angestellt wurden, selbst wenn sie erst danach zum WDR wechselten oder wechseln.

Allerdings ist darauf hinzuweisen, dass tarifliche Ansprüche nur von Gewerkschaftsmitgliedern erworben werden können. Wenn der WDR auch anderen diese Ansprüche zubilligt, geschieht das einzelvertraglich, nicht auf der Basis des Tarifvertrags.

Befristet Angestellte konnten nach dem VTV keine Ansprüche erwerben. Der Hinweis des WDR, aus Gleichbehandlungsgründen müssten Personen, die ab dem 1.1.2017 befristet angestellt werden, wegen der Kündigung des Tarifvertrags zukünftig auf Zuschüsse zur Altersversorgung verzichten, geht daher fehl. Wenn der WDR diesem Personenkreis bisher Zuschüsse an das Presseversorgungswerk oder an die Pensionskasse gezahlt hat, ist kein Grund ersichtlich, warum er diese Praxis bis zum Inkrafttreten einer zukünftigen tariflichen Regelung, die nach dem derzeitigen Verhandlungsstand auch für befristet angestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gelten wird, nicht fortsetzen sollte.

Es ist bislang noch keine Einigung in den Verhandlungen erzielt worden. Wo sind die Konflikte?

Der wesentliche Konflikt in den skizzierten Verhandlungen resultiert aus der Frage, nach welchen Regeln zukünftig die betrieblichen Renten dynamisiert werden sollen. Der Konflikt ist begründet durch eine unterschiedliche Bewertung der bisher schon erbrachten Beiträge der Beschäftigten zu ihrer Altersversorgung. Die Rundfunkanstalten wollen, wie von der KEF nahe gelegt und vom öffentlichen Dienst seit 2002 vorgemacht, die betrieblichen Renten zukünftig mit maximal 1 Prozent pro Jahr steigern. Damit wollen die Rundfunkanstalten um etliche Millionen Euro entlastet werden.

Dagegen wollen die Gewerkschaften an der  bisherigen Entwicklung der Renten festhalten, die an die linearen Tariferhöhungen für die aktiven angestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gekoppelt ist. Die Gewerkschaften sind der Meinung, dass die Rentenbezieher und diejenigen, die Ansprüche nach den bisherigen Rentensystemen erwerben, mit Vorleistungen bereits zur Finanzierung ihrer Rentenansprüche maßgeblich beigetragen haben.

WDR-Freienberatung

In der Freien-Beratung aktiv: Frank Stach und Stephanie Hajdamowicz. Foto: Jochen Reinhardt

Bilanz des Jahres 2016:

Viele verdienen immer weniger

 

Von Stephanie Hajdamowicz

 

Die Freienberatung des WDR-Personalrats ist inzwischen eine wichtige Anlaufstelle für freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geworden. Wir notieren nicht jeden Fall, kommen aber auf etwa 200 Beratungen pro Jahr, und von Fall zu Fall kann sich eine Beratung über mehrere Wochen hinziehen. Wir informieren über fast alle Themen, mit denen WDR-Freie irgendwann einmal in Berührung kommen. Es geht um Fragen zum Bestandsschutz, Honorarrahmen, Urlaubsgeld, zum Krankentagegeld, Mutterschutz und Unfallschutz und zu den Producertätigkeiten. Womit wir bereits bei den bestimmenden Themen des Jahres 2016 wären.

 

Meist ging es im vergangenen Jahr allerdings ums Sparen. Darum, dass die Aufträge zurückgegangen sind und damit auch die Honorare. Die Gründe sind vielfältig. Aber am Ende sitzen bei uns in der Sprechstunde in Köln langjährige Freie, die immer weniger verdienen. Mit unserer Beratung konnten wir zahlreiche freie Kolleginnen und Kollegen dabei unterstützen, ihre Rechte auf Bestandsschutzzahlungen durchzusetzen.

 

Natürlich gibt es auch diejenigen, die mehr verdienen. Doch die kommen meist nur zu Beginn ihrer Arbeit für den Sender in unsere Sprechstunde. Damit sie wissen, was sie alles für Rechte und Ansprüche haben. Das kann ich auch nur empfehlen, damit klar ist, ab wann man Anspruch auf Urlaubsgeld hat oder im Bestandsschutz ist.

 

Viele Freie berichten über den zunehmenden Druck bei der Arbeit. Es wird immer mehr für immer weniger Geld verlangt. Beängstigend ist, dass dabei die gründliche Recherche schon mal zu kurz kommt. Gerade das aber ist ein wichtiger Qualitätsmaßstab. Den fordert der WDR ein, den wollen auch die WDR-Freien. Was vielen fehlt, ist eine Qualitätsdebatte vor diesem Hintergrund.

 

2017: Zahl der Beratungen wird weiter steigen

 

Ein kurzer Blick aufs gerade begonnene Jahr 2017. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Zahl der Beratungen weiter zunehmen wird. Hauptthema wird auch dieses Jahr wohl der Bestandsschutz sein. Was auffällt: Nicht alle Freien sind gewerkschaftlich organisiert. Das ist bedenklich. Denn für Gewerkschaftsmitglieder gibt es ein umfangreiches und kostenloses Service- und Beratungspaket. Dazu zählt auch der Rechtsschutz, der helfen kann, wenn es Streit mit dem Sender gibt.

 

Manchmal gibt es allerdings auch Situationen, in denen Freie durch eine besondere Notlage oder durch einen privaten Schicksalsschlag nicht so intensiv für den WDR arbeiten können, wie sie es eigentlich wollen. Und manchmal hilft dann auch kein Tarifvertrag. Dafür haben die Gewerkschaften mit dem WDR einen Fonds für Härtefälle aufgelegt. Eine kleine Kommission entscheidet dann, ob jemand kurzfristig eine Finanzspritze in Höhe von bis zu 5.000 Euro bekommen kann. Sollte jemand das Gefühl haben, ein solcher Härtefall zu sein, dann sollte er unbedingt das Gespräch mit uns suchen.

 

Zusammen mit Frank Stach bin ich als Freie für den DJV im Personalrat. Die Freien-Sprechstunden im Vierscheibenhaus in Köln sind immer mittwochs von 15 bis 17 Uhr und freitags von 10 bis 15 Uhr. Wer mag, kommt in Zimmer 459.0 persönlich vorbei, wer lieber telefonisch in Kontakt treten will, kann das unter 0221 220 37 33 auch tun. Oder per Mail an fm-personalratspamfilter@wdrspamfilter.de.

DJV-Justiziar Benno Pöppelmann hat Fragen zum Versorgungstarifvertrag beantwortet. Foto: Dieter Bauer

Wie ist der aktuelle Stand und wie geht es weiter mit den Verhandlungen?

Durch ihre Forderung wollen die Rundfunkanstalten einen finanziellen Entlastungseffekt von mindestens 690 Mio. Euro erreichen. Gewerkschaftliche Rechnungen gehen jedoch von einer wesentlichen höheren Einsparung aus, nämlich von mehr als 800 Mio. Euro, wenn die Vorstellungen der Anstalten tariflich vereinbart würden. Das ist aus Sicht der Gewerkschaften aus den genannten Gründen nicht gerechtfertigt.

Bisherige tarifliche Eingriffe in die Gesamtversorgungssysteme und die Ablösung dieser Systeme durch den VTV haben in der Vergangenheit und bis heute bereits zu erheblichen Einspareffekten in den Sendern geführt. Das gilt jedenfalls bis 2015. Seitdem hat der öffentliche Dienst erneut sein Rentensystem korrigiert und die Aufwandseite für die Arbeitgeber um eine Erhöhung der Eigenbeteiligung seiner Mitarbeiter gemindert.

Die Gewerkschaften haben den Anstalten signalisiert, dass sie sich eine entsprechende Regelung, die zu einer weiteren Entlastung der Haushalte der Sender von ca. 160 Mio. führen würde, ebenfalls vorstellen können. Das hat die ARD als unzureichend zurückgewiesen. Allerdings haben sie in einem Gespräch am 11. Januar signalisiert, auf die Gewerkschaften zugehen zu wollen. Es ist daher nicht ausgeschlossen, dass die Verhandlungen in absehbarer Zeit fortgesetzt werden können.

Der WDR behauptet, die Gewerkschaften würden Gerüchte bezüglich des Anspruchs auf die Versorgung streuen. Was sagen Sie dazu?

Diese Behauptung entspricht bei allem Respekt nicht den Tatsachen. Worauf die Gewerkschaften stets und zu Recht hinweisen, ist der Wille des Gesetzgebers des Tarifvertragsgesetzes. Danach stehen tarifliche Ansprüche nur denjenigen Personen zu, die Mitglied einer Tarifpartei sind - auf der Seite der Arbeitnehmer also den Gewerkschaftsmitgliedern. Und nur diesen.

Die wesentlichen Ansprüche der Arbeitnehmer beim WDR sind per Tarifvertrag geregelt. Die Aussage der Gewerkschaften, dass tarifliche Ansprüche auch beim WDR nur Gewerkschaftsmitgliedern zustehen, ist also zutreffend. Nicht die Gewerkschaften streuen Gerüchte, der WDR verkennt, dass tarifrechtlich Gewerkschaftsmitglieder und solche Arbeitnehmer, die nicht Mitglieder sind, eben nicht den gleichen Status haben.

Allein gelassen im Großraumbüro

Arbeitsforscher Prof. Dr. Edmund Wascher referierte über die Vorteile und Vorurteile von Großraumbüros. Foto: TS

Arbeitsmedizinische Info-Veranstaltung im WDR

Zu laut, zu eng, keine Rückzugsmöglichkeit und keine Möglichkeit, konzentriert zu arbeiten: Das befürchten viele feste und freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beim WDR, wenn sie an ihren jetzigen oder künftigen Arbeitsplatz denken. In den „crossmedialen Leuchttürmen“ Sport, Wissenschaft sowie Wirtschaft und Service arbeitet man im Großraumbüro.

Bei einer arbeitsmedizinischen Info-Veranstaltung Ende November 2016 diskutierten die WDRler kontrovers und offen über die geplanten und zum Teil bereits realisierten Großraumbüros. Dazu eingeladen hatte die DJV-Betriebsgruppe im WDR.

Vor der Diskussion referierten Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Arbeitsforschung an der Technischen Universität Dortmund (IfADo) über die Vor- und Nachteile von Großraumbüros hinsichtlich der Gesundheit der Beschäftigten. Dabei erläuterten sie, dass Großraumbüros preiswert sind, Mitarbeiter besser überwacht werden können, es weniger Ideenklau, Gerüchte und Gerede gibt und dass Mitarbeiter nicht nur ihre eigene Arbeit im Blick haben. „Ich kenne allerdings nur ein Großraumbüro, was wirklich funktioniert. Und das ist die Bibliothek an Universitäten“, betonte Professor Edmund Wascher. „Das liegt daran, dass sich dort alle Nutzer strikt an die Vorgaben halten“, so der Leiter des Forschungsbereichs Ergonomie am IfADo. Es werde sich dort ruhig verhalten, nicht gesprochen und nicht telefoniert. Das sei aber in einer Redaktion nicht durchsetzbar.

Daher haben Großraumbüros, egal ob sie „Open Space“ oder „Campus“ heißen, einen ganz entscheidenden Nachteil: die akustische und visuelle Unruhe. „55 Dezibel beträgt mitunter der Grundlärmpegel“, erläuterte Wascher. Das belegten Studien ebenso wie ein um bis zu 65 Prozent höherer Krankenstand. „Das ist der Preis, der für räumliche Nähe und kürzere Kommunikationswege zu zahlen ist“, sagte der Arbeitsforscher. Menschen, die mit Texten arbeiten müssen, haben ein Problem, wenn in ihrem direkten Umfeld gesprochen wird. Außerdem versucht der Mensch, sich nach dem Reiz auszurichten, indem er Augen und Ohren dorthin richtet. „Dadurch lassen Konzentration und Arbeitsleistung nach, Ermüdung und Erschöpfung nehmen zu“, führte Wascher weiter aus. Das sei auch objektiv messbar, denn der Blutdruck der Beschäftigten steige an.

„Das Wohlbefinden am Arbeitsplatz hängt auch von der Entfernung des Arbeitsplatzes zum Fenster ab“, erklärte Dr. Wolfgang Jaschinski. „Studien belegen, dass das Wohlbefinden abnimmt, wenn diese Entfernung größer wird“, so der Leitende Wissenschaftler für Visuelle Ergonomie am IfADo. Vor allem ältere Menschen brauchen mehr Licht, andere Beschäftigte hingegen irritiere mehr Licht. „Gut ist, dass es Arbeitsplatz-Stehlampen gibt. Schlecht ist hingegen, dass es nur eine pro Tischgruppe gibt“, kritisierte Jaschinski, der zuvor den künftigen Sport-Campus in den WDR-Arkaden besichtigt hatte.

Dabei war ihm auch die niedrige Deckenhöhe aufgefallen, die kaum höher als eine Decke in einem Wohnraum ist. „Das ist für einen Arbeitsplatz viel zu niedrig“, bemängelte der Arbeitsforscher. Außerdem sei die Decke zu offen und zeige Strukturen wie Rohre und Leitungen. Er erläuterte, dass offene Decken und Wände, aber auch Geländer mit Streifenstrukturen wie zum Beispiel die Brückengeländer in den Arkaden das Gehirn unnötig anstrengen und Auslöser für Migräne sein können. Darüber hinaus ist die Fläche des Sport-Campus nach Ansicht Jaschinskis aufgrund der vielen Arbeitsplätze sehr eng besetzt.

Als gut befand er die höhenverstellbaren Schreibtische, an denen die Beschäftigen sogar stehend arbeiten können. Denn die Ausrichtung von Bürostuhl, Schreibtisch und Bildschirm ist wesentlich für die Arbeitsplatzgestaltung. Für Mitarbeiter jenseits des 40. Lebensjahres sei außerdem die richtige Wahl des Brillenglastyps wichtig.

Bei der anschließenden Podiums- und Plenumsdiskussion stellten sich die Arbeitsforscher unterstützt durch WDR-Betriebsarzt Dr. med. Michael Neuber und Sicherheitsingenieur Dr. Hubert Hostenbach den Fragen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die unter anderem wissen wollten, wer die Einhaltung der Vorschriften kontrolliert. Sicherheitsingenieur Hostenbach erläuterte, dass die Großraumbüros nach ihrer Fertigstellung durch ihn und seinen Kollegen Dr. Demuth-Schütz abgenommen und danach alle zwei Jahre begangen werden. Er riet den Beschäftigten auch, sich an ihn und seinen Kollegen zu wenden, wenn sie den Eindruck hätten, dass etwas zum Beispiel hinsichtlich der Lautstärke, des Lichts und des Raumklimas nicht in Ordnung ist.

Daraufhin äußerte ein Mitarbeiter, dass ihm bei einer Besichtigung des Sport-Campus mit 60 Teilnehmern eine enorme Lärmbelastung aufgefallen war, wenn sich so viele Menschen dort aufhielten, zumal der Campus teilweise bis ins fünfte Obergeschoss nach oben offen ist. „Wir haben schallschluckende Möbel angeschafft und viele Schall schluckende Elemente wie Deckensegel“, erklärte Dr. Hubert Hostenbach. „Die  werden aber erst zum Schluss montiert, weil sie sehr anfällig für Staub sind“, so der Sicherheitsingenieur weiter.

Auf die Frage nach dem Raumklima und der Belüftung erklärte er, dass die Luftwechselrate an die Zahl der Nutzer angepasst werden muss. Daher müssten auch die freien Mitarbeiter mitgezählt werden, die im Großraumbüro tätig sind. Einer der Mitarbeiter fragte daraufhin, ob die Belastung der Beschäftigten von der Personenzahl im Büro abhängt. Das bejahte Betriebsarzt Dr. Michael Neuber, der für seine Äußerung, die Großrumbüros seien doch von den Redaktionen gewünscht worden, Kritik erntete. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter äußerten den Wunsch, künftig bei Veränderungen und Neugestaltungen von Arbeitsplätzen stärker eingebunden zu werden.

Das Fazit der Veranstaltung zog Arbeitsforscher Dr. Wolfgang Jaschinski: „Die besten Experten für Ihren Arbeitsplatz sind Sie selbst.“ Es gebe keine allgemein-idealen Licht-, Luft- und Wärmeverhältnisse, sagte der Wissenschaftler. Jeder habe andere Bedürfnisse und in einem Großraumbüro mit Funktionsarbeitsplätzen entfallen Möglichkeiten, den Arbeitsplatz individuell passend zu gestalten.

Die Betriebsgruppe des DJV im WDR bleibt an diesem Thema dran.

  • Sie arbeiten als fester oder freier Mitarbeiter in einem der Großraumbüros?
  • Sie möchten uns Ihre Sorgen, Ängste, Befürchtungen, aber auch Ideen, Anregungen und Impulse mitteilen?

Dann schreiben Sie uns!
Wir haben einen „Briefkasten“ eingerichtet, den Sie per Hauspost im WDR nutzen können oder

Briefkasten per Mail an leucht.turmspamfilter@gmxspamfilter.de.

Melden Sie sich bei uns! Wir helfen Ihnen gerne weiter und sammeln Eindrücke für eine Folgeveranstaltung. Ihre Hinweise behandeln wir natürlich vertraulich.

Kündigung des Vorsorgetarifvertrags von Seiten der ARD-Sender

Zum Ende des Jahres hat auch der WDR den Vorsorgetarifvertrag gekündigt, der unter anderem die Altersrente regelt, die die öffentlich-rechtlichen Sender ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zahlen. Ab 2017 haben nur noch diejenigen einen rechtlichen Anspruch auf diese Rente, die Mitglied in einer der Gewerkschaften sind, mit denen der Tarifvertrag ausgehandelt wurde. Für sie gilt die sogenannte „Nachwirkung“ des ausgelaufenen Tarifvertrags. Das heißt, wer Mitglied im DJV ist, kann sich darauf verlassen, dass seine Ansprüche nicht verfallen. Wer also auf Nummer sicher gehen will, dass er auch in Zukunft Anspruch auf Altersvorsorge beim WDR hat, sollte in den DJV eintreten. Allerdings hat der WDR bislang auf freiwilliger Basis immer auch Nicht-Gewerkschaftsmitgliedern Ansprüche aus Tarifverträgen gewährt.

 

Der DJV ist bemüht, den Vorsorgetarif wieder einzusetzen, allerdings gehen die Tarifverhandlungen dazu erst im nächsten Jahr weiter.

Ab in den Vorruhestand: Betriebsgruppe verabschiedet Petra Hengholt

Über viele Jahre war Petra Hengholt die Vorsitzende der DJV-Betriebsgruppe im WDR – jetzt geht es für die Fernsehredakteurin ab in den Vorruhestand. Im Rahmen einer Betriebsgruppen-Sitzung wurde Petra nun offiziell verabschiedet. Ihre Nachfolgerin als Vorsitzende, Martina Welchering (rechts), dankte ihr für jahrelangen Einsatz - auch im Personalrat. Petra Hengholt wies in kurzen Worten noch mal auf die Bedeutung von Gewerkschafts- und Personalratsarbeit gerade in Zeiten hin, in denen der WDR, aber auch der Journalismus generell unter großem Druck stehen. „Aber der DJV ist auch hier im Haus gut aufgestellt und ich freue mich darauf, weiter an der ein oder anderen interessanten Diskussion teilzunehmen“, stellte sie fest.

Martina Welchering verabschiedet Petra Hengholt. Foto: Jochen Reinhardt

Auf der Suche nach Tom Buhrow

Natürlich ist Tom Buhrow nicht vom Erdboden verschluckt. Unlängst war er noch im Personalrat, und auf der Betriebsversammlung sprach er ausführlich über die aktuelle und aus seiner Sicht sich langsam entspannende Situation im Unternehmen.

Aber viele MitarbeiterInnen, die tagtäglich von Sparaktionen, Umstrukturierungen und Arbeitsverdichtung betroffen sind, fragen schon mal nach deutlicher Führungspräsenz im Haus. Der Intendant liefert auf vielen Fotos mit wichtigen Menschen der Republik durchaus regelmäßige Arbeitsnachweise als Außenpolitiker, aber als zuhörenden und zupackenden Innenpolitiker erlebt die Belegschaft ihn eher selten.

Medienjournalistin Ulrike Simon hat Buhrow auch gesucht - und nicht gefunden: "Was macht eigentlich Tom Buhrow?

DJV kritisiert den massiven Stellenabbau bei der WDR Mediagroup

Bei der WDR Mediagroup, der kommerziellen Tochtergesellschaft des WDR, sollen in den nächsten Jahren an die 170 Stellen abgebaut werden. Davon könnten wegen Teilzeit-Regelungen letztendlich bis zu 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter existenziell betroffen sein. Beschlossen hat dies am 9. September der Aufsichtsrat der Mediagroup.

 

Der DJV im WDR kritisiert diese Entscheidung und unterstützt die Forderungen des Betriebsrates nach sofortiger Aufnahme von Verhandlungen zu einem Rahmensozialplan. Nach Einschätzung von Branchenkennern wird der WDR manche Leistung, die die Mediagroup in Zukunft nicht mehr erbringen kann, am privaten Markt einkaufen müssen, zum Beispiel für das Call-Center des Hörfunks. Das könnte teuer werden und sichert zudem keineswegs den Erhalt des bekannt hohen Qualitätsstandards, den die Kolleginnen und Kollegen der Mediagroup seit Jahren leisten.

 

Mitarbeitervertretungen wurden nicht eingebunden

Besonders kritisch sieht der DJV im WDR, wie das Verfahren hinter verschlossenen Türen durchgeboxt wurde. Der Wirtschaftsausschuss und der Betriebsrat hätten frühzeitig beteiligt werden müssen. Auch der Aufsichtsrat selbst scheint von den Entscheidern mehr oder weniger vor vollendete Tatsachen gestellt worden zu sein. Erst während der laufenden Sitzung, so beklagt es der Mediagroup-Betriebsrat in einer Pressemitteilung, sei eine 30-seitige Tischvorlage verteilt worden. Ohne die komplexen Sachverhalte überblicken und überprüfen zu können, habe der Aufsichtsrat sein Votum abgegeben.

 

Der DJV im WDR sieht durch den unsauberen Vorgang das Vertrauen in die Geschäftsleitung des WDR erheblich erschüttert. Der DJV fordert die Mediagroup auf, fair mit ihren Mitarbeitern umzugehen und sie nicht zu den Verlierern des Umbaus zu machen.

Abschied von Herwig Knips

Der DJV-Landesvorsitzende und WDR-Personalrat Frank Stach (l.) bedankte sich bei einem Abendessen der DJV-Betriebsgruppe bei Herwig Knips für viele Jahre Engagement im Personalrat des WDR. Weil er zum Jahresende in den Ruhestand geht, hatte Knips nicht erneut kandidiert. Foto: Jochen Reinhardt

DJV-NRW fordert vom WDR Klärung des Versicherungsschutzes für Freie

Unter den freiberuflich tätigen Journalisten, die für den WDR arbeiten, herrscht große Verunsicherung. Werden einige Freie bereits seit Jahren zu Terminen geschickt, ohne dass sie berufsunfallversichert sind? Die Frage steht im Raum und wurde bislang nicht vom WDR beantwortet. Der DJV-NRW fordert den Sender daher auf, seine Mitarbeiter jetzt schnell und umfassend über ihren Versicherungsschutz zu informieren.

Die Sachlage rund um den Unfallversicherungsschutz der WDR-Freien ist unklar. Anscheinend hat es im Jahr 2012 eine Änderung in der Verfahrensweise der Versicherungsträger gegeben, die dazu geführt haben könnte, dass hunderte für den Sender tätige freie Journalisten nicht mehr über die Berufsgenossenschaft (BG) versichert waren. Aktuell sollen ca. 1.400 Freie in der BG gemeldet sein, rund 500 nicht. Wie es dazu kommen konnte, muss dringend aufgeklärt werden.

DJV-Landesvorsitzender Frank Stach: „Es ist für mich unbegreifbar, dass der WDR als Auftraggeber die betroffenen freien Mitarbeiter nicht über die Änderung ihres Versicherungsschutzes informiert hat. Der Sender hat hier seine Fürsorgepflicht verletzt. Wir alle haben Glück gehabt, dass anscheinend nichts Schlimmes passiert ist.“

Der DJV-NRW informiert heute seine freien Mitglieder beim WDR über die Situation (zur PDF "Info für WDR-Freie" des DJV-NRW). Er rät den Betroffenen, sich auf jeden Fall selbst zu versichern. Frank Stach: „Eine faire Geste des Hauses wäre es, sich freiwillig an diesen Kosten für die private Absicherung zu beteiligen.“ 

Personalratswahl 2016: Rückblick und Ausblick aus DJV-Sicht

Gemeinsames Lächeln zum Start - Das DJV-Quintett im neuen WDR-Personalrat freut sich auf die gemeinsame Arbeit für die Interessen von Journalistinnen und Journalisten. Von links: Jochen Reinhardt, Stephanie Hajdamowicz, Elke Thommessen, Martina Welchering, Frank Stach. Foto: Karl Zimmermann

Die Personalratswahl im WDR ist gelaufen, der neue Personalrat hat sich mittlerweile konstituiert. Der DJV ist jetzt mit fünf Menschen in diesem Gremium vertreten, wir haben einen Sitz verloren. Über die Gründe haben wir mittlerweile viel diskutiert. Falsche Themen, zu kleine Plakate, zu wenig in Erscheinung getreten in den vergangenen Jahren, oder, oder, oder? Zu einem schlüssigen Ergebnis sind wir nicht gekommen. Haben aber dennoch schon einige Ideen entwickelt, was wir besser machen können.

Vielleicht besteht ein Zusammenhang mit dem Wahlergebnis für den DJV, dass die Wahlbeteiligung unter Freien gegenüber der Wahl 2012 überproportional zurückgegangen ist. Freie JournalistInnen sind bislang die größten Verlierer der Sparpolitik des WDR.

Überhaupt die Wahlbeteiligung: Sie ist mit 50,7 Prozent nur als enttäuschend zu bezeichnen. Im Unternehmen brennt es an vielen Ecken, die Beratungszahlen für Mitarbeiter, die betriebliche Probleme haben, schnellen in die Höhe und dann geht nur knapp jede(r) Zweite zur Wahl. Eigentlich unverständlich.

Geringe Wahlbeteiligung: Zeichen für Resignation?

Für den neuen Personalrat war das natürlich eines der ersten großen Diskussions-Themen. Die Diskussion verlief zwischen „Ist die Lage in den Redaktionen und Produktionsabteilungen vielleicht gar nicht so schlimm, wie sie uns vermittelt wird?“ und „Haben nicht vielleicht schon ganz viele MitarbeiterInnen resigniert und versprechen sich auch vom Personalrat nichts mehr?“. Auch erreichten uns vereinzelt Hinweise, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Vorgesetzten aufgefordert wurden, nicht zur Wahl zu gehen.

In der Diskussion wussten aber auch viele Personalräte aus Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen zu berichten, denen der Personalrat und dessen Aufgaben nicht oder kaum bekannt war. Und die deshalb auch nicht gewählt haben. In der Diskussion schwang durchaus auch Selbstkritik mit, dass wir in der Vergangenheit zu wenig getan haben, um die Bedeutung der Mitarbeitervertretung im Betrieb bekannt zu machen. Mit diesem Thema wird sich der Personalrat demnächst nochmal intensiv beschäftigen.

Für den DJV hat die WDR 2-Kollegin Martina Welchering mittlerweile eine Freistellung als Personalrätin übernommen. Sie folgt damit auf Petra Hengholt und Herwig Knips, die das in den letzten vier Jahren in unterschiedlichen Konstellationen gemacht haben. Die zehn freigestellten Personalratsmitglieder machen sozusagen das tägliche Geschäft und bereiten die Tagesordnungspunkte für die Mittwochs-Sitzung des gesamten Gremiums vor. Die anderen neun Freistellungen hat Verdi für sich beansprucht. Das ist rechtlich in Ordnung, Verdi verfügt über die absolute Mehrheit im Personalrat.

Mehr journalistische Kernthemen im Unternehmen diskutieren

Ob es  aber wirklich noch zeitgemäß und im Sinne einer starken Mitarbeiter-Vertretung  ist, wenn eine Gewerkschaft, die 51 Prozent der Stimmen geholt hat, die anderen 49 Prozent nur marginal an bestimmten Funktionen im Personalrat und in Gremien wie Rundfunkrat und Verwaltungsrat beteiligt, ist eine andere Frage, um die sich vielleicht auch mal der Gesetzgeber kümmern sollte. Wir waren zur Übernahme bestimmter Aufgaben bereit, haben auch z.B. für den Rundfunkrat KandidatInnen zur Wahl gestellt, die sich nicht durchsetzen konnten, aber durchaus überraschend gute Stimmenergebnisse erzielten. Zudem betrachten wir es im Sinne eines breit aufgestellten Personalrats durchaus als sinnvoll, auch die jetzt mit drei Sitzen im Personalrat vertretene VRFF in den Freigestellten-Kreis mit einzubeziehen. Trotz dieser Kritik: Der DJV wird natürlich alle freigestellten Personalratsmitglieder in ihrer Arbeit vorbehaltlos unterstützen.

Jetzt aber geht es zunächst darum, gemeinsam gute Personalratsarbeit zu gestalten. Und sich darüber hinaus als DJV-Betriebsgruppe neu zu positionieren. Die Themen liegen sozusagen auf den Gängen der verschiedenen WDR-Gebäude, wir müssen sie nur aufheben. Die kommenden Tarifverhandlungen müssen vorbereitet werden. Wir müssen journalistische Kernthemen stärker in die betriebsinterne Diskussion bringen. Aus vielen Redaktionen erreichen uns Klagen, dass nur noch über Formatfragen, Layout und Quote und kaum noch über Inhalte gesprochen wird. Die Beratung für Freie muss zwingend ausgeweitet werden, bis hin zu Fragen, die VG Wort und KSK betreffen.

Das Thema Transparenz im WDR und in der gesamten ARD kocht immer mehr hoch, zuletzt anhand der Fußball-Experten-Honorare. Da steht auch unsere Glaubwürdigkeit auf dem Spiel und wir sollten uns damit beschäftigen. Die Themen-Liste ließe sich noch problemlos erweitern. Wir sind da durchaus sehr offen für weitere Anregungen aus dem Kreis aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

>> Zur Webseite Personalratswahl 2016 beim WDR

WDR-Personalversammlung

Die Hamster sind los!

Foto: Frank Überall
"Raus aus dem Hamsterrad!" Mit dieser zentralen Forderung mischten die Mitglieder der DJV-Betriebsgruppe im WDR die heutige Personalversammlung in Köln auf. Mehrere hundert Mitarbeiter trafen am Morgen zu Aussprache und Diskussion mit Personalrat und Geschäftsleitung in der WDR-Kantine ein - und wurden von Hamstern auf Plakaten, von Hamstern auf Flugblättern, von Hamstern auf Brillenputztüchern sowie von zwei lebenden Hamstern begrüßt. Einen felligen [...]
..mehr 0 0

Klicke auf unser Protest-Hamsterrad und höre dir unseren Hamster-Rap-Song an!

 

Wir stecken im Hamsterrad! #DJV-Aktion auf der Personalversammlung des #WDR

Flugblatt der DJV-Betriebsgruppe zur Personalversammlung des WDR am 25. Februar 2016

Schluss mit der kopflosen Reformhast!

Übereilte Reformen, ziellose Hektik bei Programm und Arbeitsabläufen, technische Anschaffungen ohne ausreichend geprüfte Nutzerfreundlichkeit – wir arbeiten so ineffizient wie noch nie. Das ist nicht gut fürs Programm.

Nur mit gesicherter Existenz entstehen gute Inhalte!

Zeitverträge ohne Aussicht, Tarifumgehung durch Pauschalierung bei Freien, weniger Aufträge für Freie, dafür Zusatzaufgaben ohne entsprechendes Honorar, Unterlaufen des Bestandsschutzes – auch das alles schadet dem Programm.

Kompetenz stärken statt durch Multitasking verwässern!

RedakteurInnen und Freie mit immer mehr technischen Aufgaben, ProducerInnen sollen auch Redakteursaufgaben übernehmen – das schafft Fehlerquellen auf beiden Seiten. Schlecht fürs Programm.

Keine Spontan-Aktionen für kurzfristige Effekte!

Teure Schnellschüsse wie „Innovationswochen“ sind fix versendet und fix vergessen.

David Ohrndorf: „Mehr Freie in den WDR-Personalrat“

Im Juni wird der neue Personalrat gewählt. In loser Folge berichten an dieser Stelle DJV-Personalrats-Mitglieder über ihre Erfahrungen in dem Gremium.

Heute: David Ohrndorf, Freier Journalist und Online-Spezialist, u.a. Erfinder von Pageflow. Im Personalrat Stellvertretendes Mitglied.

David Ohrndorf

Als regelmäßiges Ersatzmitglied habe ich in den vergangenen vier Jahren etwa an vier Dutzend Sitzungen des WDR-Personalrats teilgenommen. Ich habe die ersten zarten Annäherungsversuche zwischen Festen und Freien miterlebt und wie die beiden Lager im Laufe der Zeit zusammengewachsen sind. Aus meiner Sicht haben wir Freie eine großartige neue Möglichkeit bekommen, für unsere Rechte einzutreten und auch bei allen neuen Vorhaben des WDR mitreden zu können. Es gibt jetzt eine regelmäßige Beratung für Freie und zu Beginn jeder Personalratssitzung werden die Themen der Freienberatung im Plenum besprochen.

Das ist bis hierhin wirklich ein toller Erfolg! Was mir im Moment noch fehlt sind mehr (Freie) Journalisten im Personalrat.

Zu selten: Diskussion über Auswirkungen aufs Programm
Die Sitzungen haben mitunter eine kuriose Eigendynamik. Da entwickeln sich aus Nebensätzen ellenlange Diskussionen über Grundsatzfragen. Das ist nicht schlecht, aber viel zu selten geht es dabei um unsere eigentlichen Produkte. Gerade in diesen Zeiten sollte, meiner Meinung nach, viel häufiger darauf geschaut werden, welche Auswirkungen einzelne Entscheidungen der Geschäftsleitung auch für die Journalisten und ihre Arbeit nach sich ziehen.

Petra Hengholt: „Viele Frusterlebnisse – aber auch Freude über kleine Erfolge“

Im Juni wird der neue Personalrat gewählt. In loser Folge berichten an dieser Stelle DJV-Personalrats-Mitglieder über ihre Erfahrungen in dem Gremium.

Heute: Petra Hengholt, TV-Redakteurin bei “daheim und unterwegs”, seit ganz vielen Jahren im Personalrat, derzeit zu 50 Prozent freigestellt

Petra Hengholt

Die zu Ende gehende Personalrats-Ära brachte eine Flut von neuen Themen und Arbeitsfeldern - durch das aktive und passive Wahlrecht der freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zudem waren diese vier Jahre - im Vergleich zu früheren „Legislaturperioden“ - geprägt durch ein Mehr an technischen Neuerungen, die Einführung neuer Workflows und oft auch erst einmal Streit darüber, ob diese Neuerungen überhaupt mitbestimmungspflichtig sind. Ich als Nicht-Technikerin und  Nicht-Computerfreak fühlte mich oft überrollt und überfordert.

Aber richtig sauer wird man als Personalrätin, wenn sich irgendwelche teuren Dispositions- und andere Systeme als Flop entpuppen und stillschweigend zu Grabe getragen werden, obwohl die Kollegen schon im Vorfeld von überhasteten Einführungen ihre Bedenken geltend gemacht hatten...

Apropos Kolleginnen und Kollegen: Trotz vielfachen Frusts freute ich mich auch über kleine Erfolge, wenn man für sie etwas durchsetzen konnte, was anfangs angeblich erst gar nicht ging. Zum Beispiel für Redakteurinnen und Redakteure, die regelmäßig in einem anderen Studio Dienst taten, die Anerkennung der Reisezeit als Arbeitszeit und die Erstattung der Reisekosten. Oder wenn man bei einer Einstellung eine höhere Stufe innerhalb der Gehaltsgruppe durchsetzen konnte, als eigentlich von der Personalabteilung beabsichtigt. Oder wenn wir Änderungen in Stellenausschreibungstexten bewirken konnten. Das hebt dann die Stimmung in schwierigen Zeiten.

Stephanie Hajdamowicz: „Wir können viel für die Freien erreichen“

Im Juni wird der neue Personalrat gewählt. In loser Folge berichten an dieser Stelle DJV-Personalrats-Mitglieder über ihre Erfahrungen in dem Gremium.

Heute: Stephanie Hajdamowicz, Freie Autorin im Studio Duisburg, seit 2012 im Personalrat

Stephanie Hajdamowicz

Meine Bilanz ist sehr positiv. Erstmals durften 2012 Freie wählen und gewählt werden. Das ist schon einmal ein riesiger Fortschritt. Gut ist, dass wir inzwischen mit fünf freien Personalräten im Gremium vertreten sind. Und dort auch gehört werden. Feste wissen jetzt mehr, was Freie betrifft und umgekehrt. Das ist gut so. Bisher werden die Probleme der Freien in einem TOP des Personalrates abgehandelt. Ich wünsche mir, dass sich das ändert. Einstellungen und Kündigungen von Freien sollten genauso umfangreich auf der Agenda stehen wie bei den festen Mitarbeitern.

Besonders gut kommt unsere regelmäßige Freiensprechstunde an. Zweimal in der Woche beraten wir freie Kolleginnen und Kollegen. Ich fände es gut, wenn sich in Zukunft zusätzlich mehrere freigestellte Personalräte um die Belange der Freien kümmern würden. Bisher macht das nur einer im Personalrat, der aber auch für andere Themen zuständig ist. Ich finde das wichtig, weil wir dann mit mehr Power Strukturen aufzeigen könnten, wo Freie benachteiligt werden, wo z.B. gegen den Honorarrahmen verstoßen wird. Das muss professionalisiert werden.

Was mir Sorgen macht: dass immer mehr Freie weniger verdienen und besonders die älteren Kolleginnen und Kollegen weniger Aufträge erhalten. Für mich hat der WDR nur eine Zukunft, wenn er die Kompetenz der Älteren paart mit der Neugier der Jungen. So entsteht modernes Programm.

Mein Einsatz als Personalrätin macht mir vor allem deshalb viel Spaß, weil ich merke, wir können unheimlich viel für die Kolleginnen und Kollegen erreichen. Was bisher jeder für sich alleine machen musste, passiert jetzt mit zusätzlicher Hilfe von uns. Mein Wunsch ist es, dass wir regelmäßig in die Redaktionen gehen, zusätzliche Online-Sprechstunden anbieten und als Freie im WDR zu einer geballten Kraft werden. Nur so können Strukturen verändert werden. Und am Ende profitieren alle davon.

Ergebnis der Mitgliederbefragung zum Producer

Der DJV hat die Mitglieder beim WDR um ihre Meinung zum Producer gebeten. Im Dezember 2015 wurden dazu zwei Infoveranstaltungen und eine E-Mailbefragung durchgeführt. Das Ergebnis ist eindeutig: Eine deutliche Mehrheit hat einer Einführung des Producers zugestimmt (hier geht es zur Aufgabenbeschreibung der vier Producer journalistisch-redaktionell, Ablauf, Unterhaltung und Online).

Über 80 Prozent der Befragten haben sich für den Producer ausgesprochen. Ungefähr ein Viertel aller Teilnehmer der Befragung zählte zu den Festangestellten, der Rest zu den Freien. Von den "Festen" haben ca. 84 Prozent mit Ja gestimmt, bei den Freien waren es ca. 81 Prozent.

Viele Befragte haben dem Producer mit Bedenken zugestimmt. Diese Bedenken teilt auch der DJV-NRW. Angesichts der Alternativen hält der Landesverband die Entscheidung jedoch für richtig. Nun wird man beobachten müssen, ob der WDR die vertraglichen Verpflichtungen einhält.

Falls es zu Problemen kommt, z.B. weil das Aufgabengebiet zu weit ausgedehnt wurde oder der Bestandsschutz nicht beachtet wurde, bittet der DJV-NRW um Hinweise. Diese Fälle gehören dann in die Clearingstelle. Wie immer werden alle Informationen vertraulich behandelt.

Der Gesamtvorstand des DJV-NRW hat dem Producer-Tarifvertrag zugestimmt.

Journalisten-Ausbildung – eine Führungsaufgabe 2. Klasse?

Was ist dem WDR seine Journalisten-Ausbildung in Zukunft wert? Diese Frage stellt sich der DJV-Betriebsgruppe nach einer jüngsten Entscheidung der Geschäftsleitung. Danach soll der Nachfolger/die Nachfolgerin des in Ruhestand gehenden Leiters der Aus- und Fortbildung Programm - und in dieser Funktion auch zuständig für die Ausbildung der Programm-Volontäre - um einiges schlechter bezahlt werden als der jetzige Amtsinhaber und viele in vergleichbaren Funktionen tätige Führungskräfte. Auch nach Intervention des Personalrates blieb der Intendant bei dieser Entscheidung.

 

Der DJV kritisiert diese offensichtliche Sparmaßnahme, die für Diskussionen und Nachfragen im Haus gesorgt hat. Für uns ist diese Position eine eindeutige und sehr anspruchsvolle Führungsaufgabe, eng angedockt an das journalistische Kerngeschäft des WDR. Und sie sollte deshalb genauso dotiert sein wie alle anderen Abteilungs- und Redaktionsleiter-Funktionen. Der DJV sieht durchaus die Notwendigkeit, auch bei den Führungspositionen, den „Häuptlingen“, zu sparen und nicht nur wie bisher bei den „Indianern“. Allerdings sehen wir keinen Anlass, dies ausschließlich im Bereich der journalistischen Aus- und Fortbildung zu tun. Journalismus zu vermitteln ist keine Führungsaufgabe 2. Klasse. Und ein solches Signal geht leider von dieser Entscheidung aus.

Info-Abend für WDR-Freie: Einigung über den Producer – Seid Ihr dabei?

Einladung zum Info-Abend über den Producer
Einladung zum Info-Abend über den Producer

Nach monatelangen zähen Verhandlungen haben sich die Gewerkschaften mit dem WDR über den Producer geeinigt. Wir glauben, dass wir damit einen tragfähigen Kompromiss erreicht haben. Das hat Zugeständnisse gefordert, kann aber auch dazu beitragen, freie Autorentätigkeit dauerhaft zu sichern und zusätzliche Beschäftigung in Bereichen zu schaffen, in denen bisher keine Freien eingesetzt waren.

Was das genau bedeutet und wie es weitergeht, wollen wir mit Ihnen und Euch besprechen. Wir laden daher herzlich zur Diskussion über das Ergebnis ein:

  • Dienstag, 1. Dezember 2015, 19:30 Uhr im Natosaal des WDR im Funkhaus Köln
  • Donnerstag, 3. Dezember 2015, 19:30 Uhr in der Handwerkskammer Düsseldorf, Georg-Schulhoff-Platz 1, Düsseldorf

Wir möchten Ihre/Eure Meinung hören!

Weitere Informationen unter www.djv-im-wdr.de. Dort werden in Kürze auch die Aufgabenbeschreibungen eingestellt. Anmeldung unter sabine.becker-stilsspamfilter@djv-nrwspamfilter.de.

Das Flugblatt gibt es hier zum Download.

Einigung über Producer erzielt

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Gewerkschaften und WDR haben in den letzten Monaten intensiv über den Producer verhandelt. Das haben wir in Eurem Auftrag getan. Nach dem Abbruch der Verhandlungen haben wir viele kritische Rückmeldungen bekommen. In ganz vielen Antworten stand aber auch: blockiert nicht komplett, versucht, das Beste für uns herauszuholen. Das haben wir gemacht und mit dem WDR in langen und oft sehr kontroversen Sitzungen über den Producer gestritten.

Ihr habt uns außerdem den Auftrag gegeben, sicherzustellen, dass klassische Autorentätigkeit auch künftig von Autoren und nicht von Producern gemacht wird. Auch das haben wir getan. Spaß gemacht hat das nicht, aber wir haben eine Einigung erzielt. Diese Einigung ist ein Kompromiss, beide Seiten haben etwas von ihren Forderungen aufgegeben, um jeweils an anderer Stelle etwas zu bekommen. Wir glauben, dass dieser Kompromiss vertretbar ist.

Was haben wir verhandelt?

Insgesamt sollen sechs verschiedene Producer eingeführt werden, von denen die meisten aus unserer Sicht unkritisch sind.

-    Nicht programmgestaltende/r Producer/in
Der nicht programmgestaltende Producer soll überwiegend organisatorische Aufgaben übernehmen und z.B. Sendeablaufpläne erstellen. Dafür ist ein Honorar von 165 Euro vorgesehen.

-    Ablaufproducer/in

Ablaufproducer sollen die Sende- und Produktionsabläufe koordinieren. Es wird sie in drei Varianten geben, die sich vor allem durch die Sendungslänge unterscheiden. Die Mindesthonorare betragen 165 Euro, 275 Euro bzw. 495 Euro.

-    Unterhaltungsproducer/in
Dieser Producer soll bei der kreativen Entwicklung von Unterhaltungssendungen mitwirken, z.B. bei der inhaltlichen Vor- und Nachbereitung, der Anpassung von Einspielern, der Koordination der verschiedenen Gewerke. Die Mindestvergütung liegt zwischen 275 Euro in der einfachen Ausprägung und 495 Euro in der großen Ausprägung.

-    Producer-Assistent/in

Neu eingeführt wurde der Producer-Assistent, der einfache Medienbearbeitung und technische Pflegearbeiten übernehmen soll. Bezahlt werden soll er wie Redaktionsassistent/innen im Hörfunk mit 121 Euro.

-    Online Producer/in

Der Online-Producer soll u.a. sendungsbezogene Webinhalte aufgrund von Briefings herstellen, Ausschnitte von Fernsehsendungen und Videos fürs Web aufbereiten oder Social Media-Angebote betreuen. Wichtig war für uns, ihn deutlich vom „Autor im tagesaktuellen Einsatz“ abzugrenzen, der für den PB Internet geschaffen wurde. Das haben wir erreicht: Der Online-Producer übernimmt viele technische Aufgaben. Die inhaltlichen Aufgaben sind bewusst unselbständig ausgestaltet. Vergütet wird er je nach Ausprägung mit 198 bzw. 308 Euro.

-    Journalistisch-redaktionelle/r Producer/in
Am schwierigsten ist und bleibt der journalistisch-redaktionelle Producer. Im Vergleich zum Verhandlungsergebnis im März haben wir ihn deutlich nachgeschärft. Vieles, was der Producer ursprünglich tun sollte, konnten wir wegverhandeln. Allerdings nicht alles:

•    Der journalistisch-redaktionelle Producer soll den Redaktionen zuarbeiten und z.B. Sendungen vor- und nachbereiten, Interviewpartner suchen, Reportereinsätze begleiten oder Koordinierungsaufgaben übernehmen. All das sind Tätigkeiten, die bisher nicht durch Freie ausgeübt wurden. Damit werden also zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten geschaffen.

•    Dazu kommen aber auch Aufgaben, die zwar keine reine Autorentätigkeit sind, aber zumindest in einen Grenzbereich fallen. So soll der Producer vorhandene Werke aktualisieren und kurze Beiträge (bis 45 Sekunden) selbst erstellen. Beides allerdings ausschließlich aus „bestehendem Material“, das er nicht selbst erstellt/gedreht hat. Nach Absprache soll er zudem Dreharbeiten durchführen, dies allerdings begrenzt auf O-Töne, Wetterimpressionen, Straßenumfragen, Symbol- und Schnittbilder. Und diese Aufzählung ist abschließend. Vergütet wird der Producer mit 275 Euro in der kleinen und 385 Euro in der großen Ausprägung.

•    Die letztgenannten Tätigkeiten – kurze Beiträge und Dreharbeiten – sind sicherlich die beiden großen Kröten, die wir schlucken mussten. Wir haben versucht, die Definitionen so eng wie möglich zu fassen, damit dem Missbrauch nicht Tür und Tor geöffnet werden. Im Tarifvertrag wird außerdem stehen, dass der Producer kein Autor ist und originäre Autorentätigkeit nicht ersetzt werden soll. Um zu verdeutlichen, was damit gemeint ist, haben wir in einer Protokollnotiz definiert, was unter Autorentätigkeit zu verstehen ist, „z.B. das Erstellen eines Manuskripts, eines Beitrags, das Führen eines (Live-)Gesprächs mit journalistischem Aufwand“. Damit haben wir deutlich gemacht: Beiträge aus eigenem Material wird der Producer nicht erstellen.

Insbesondere im Fernsehbereich kann das dennoch dazu führen, dass bestimmte Aufträge nicht mehr vergeben werden, weil der WDR sie einfach nicht als Autorentätigkeit sieht und auch nicht bezahlen will. Wir sind aber sicher: Sie würden in jedem Fall wegfallen, entweder indem sie durch festangestellte Mediengestalter oder durch schlechter bezahlte tariflos arbeitende Freie übernommen würden.

Was wurde außerdem vereinbart?

Vereinbart wurde außerdem eine Art Bestandsschutz: Der WDR sagt zu, dass die derzeit (ohne Tarif) für Producer-Tätigkeiten gezahlten Honorare bei freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht abgesenkt werden, solange es nicht zu wesentlichen Änderungen des Leistungsspektrums kommt.

Zudem sehen die Parteien die ersten eineinhalb Jahre als Pilotphase an, während der sich die Parteien kontinuierlich austauschen. Probleme werden von den Tarifparteien in einer Clearingstelle gemeinsam begutachtet. Dort wird z.B. auch evaluiert, in welchem Umfang der Producer eingesetzt wird. Sollte uns das Ergebnis nicht gefallen, können wir den Vertrag danach kündigen.

Wie geht es weiter?

Wir glauben, dass wir den Producer in dieser Ausgestaltung mittragen können. Das tun wir nicht leichten Herzens. Insbesondere die Einführung von Tagespauschalen ist uns schwer gefallen, denn es ist ein Bruch im System. Aber manche Entwicklungen können auch die Gewerkschaften nicht aufhalten, weil die technische Entwicklung uns sonst überholt, mit der Folge, dass Wirklichkeit und Honorarrahmen immer weiter auseinanderfallen. Wir werden z.B. nicht verhindern können, dass digital zur Verfügung stehendes Material vom WDR im Rahmen des urheberrechtlich Zulässigen genutzt wird. Damit dies transparent erfolgt und auch angemessen bezahlt wird, haben wir versucht, dafür einen Rahmen zu schaffen.

Tarifverträge sind immer Kompromisse. Vielleicht würden wir es manchmal schaffen, noch mehr durchzusetzen – wenn wir noch viel mehr Mitglieder hätten und wenn noch viel mehr dieser Mitglieder bereit wären, für ihre Forderungen auch auf die Straße zu gehen. Aber selbst dann – und das muss uns allen klar sein – würde es am Ende auf einen Kompromiss hinauslaufen. Wir können uns nicht in eine Schmollecke zurückziehen, wenn wir mitgestalten wollen. Auch diese Einigung zu den Producern hat von den Gewerkschaften schmerzhafte Zugeständnisse gefordert. Wir glauben, dass sie aber auch dazu beiträgt, freie Autorentätigkeit dauerhaft zu sichern und zusätzliche Beschäftigung in Bereichen zu schaffen, in denen bisher keine Freien eingesetzt waren.

Was passiert, wenn die Gewerkschaften dieses Verhandlungsergebnis ablehnen?
Einen anderen Producer-Tarifvertrag wird es mit dem WDR nicht geben. Weitere Änderungen oder Verhandlungen lehnt der Sender ab. Gibt es keine Einigung, wird der WDR den Producer ohne Tarifvertrag einführen und damit (unumkehrbare) Fakten schaffen. Dies haben die WDR-Verhandlungsführer immer wieder deutlich erklärt. Nach jahrelangen, zähen Verhandlungen mit dem WDR und intensiven Diskussionen innerhalb der Gewerkschaften liegt mit dem jetzigen Ergebnis eine mögliche Lösung auf dem Tisch. Eine tarifliche Alternative dazu gibt es nicht.

Beide Gewerkschaften schlagen daher vor, den Producer in dieser Ausgestaltung mitzutragen. Das wollen wir aber nicht ohne Euch tun.

Der DJV wird Anfang Dezember eine Infoveranstaltung anbieten, auf der wir mit möglichst vielen Betroffenen über den Producer diskutieren wollen. Weitere Informationen folgen in Kürze, wie immer auch hier auf www.djv-im-wdr.de.

Spannende DJV-Diskussion mit Sylvia Schenk von Transparency International

Frank Stach, Vorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbandes NRW, war offizieller Gastgeber für Sylvia Schenk beim WDR. Foto: Jochen Reinhardt

„Wir brauchen mehr kritische Sportberichterstattung“

Mit kritischer Berichterstattung über fragwürdige Entwicklungen im Sport können Medien und hier besonders die großen Fernsehsender starken Druck auf Sportverbände ausüben. „Dies erreicht mehr und löst mehr Veränderungen aus als ein Übertragungs-Boykott vermeintlich gekaufter Großveranstaltungen“, betonte Sylvia Schenk, Sprecherin der Arbeitsgruppe Sport der Anti-Korruptions-Organisation „Transparency International Deutschland“. Sie war anlässlich einer von der DJV-Betriebsgruppe veranstalteten Diskussion zu Gast im WDR in Köln. Allerdings, so Schenk, dürfe kritische Berichterstattung keineswegs nur in redaktionellen Nischen stattfinden, sie gehöre zu guter Sendezeit ins Hauptprogramm.

Internationaler Sport in Umbruchphase
Natürlich standen die aktuellen Entwicklungen bei der FIFA, dem DFB oder auch im Hamburger Bewerbungsverfahren für die Olympischen Spiele 2024 im Mittelpunkt der Diskussion. Schenk sieht den internationalen Sport derzeit in einer wichtigen Umbruchphase. Die Reformer würden durchaus an Boden gewinnen, aber die „beharrenden Kräfte“ seien noch sehr, sehr stark.

Zu einem gewissen Erstaunen der Zuhörer erklärte Schenk, dass es in Bezug auf Korruption und Machtmissbrauch im internationalen Sport noch sehr viel schlimmere Verbände als die FIFA gebe. Nur würde sich für die kaum jemand interessieren – auch nicht die Journalisten. Überall sei also noch viel Aufklärung nötig.

Foto: Jochen Reinhardt

Für unabhängigen Sportjournalismus
In der regen Diskussion wurde auch deutlich, dass Redaktionen aller Mediengattungen oft vor allzu heftiger Kritik am Sport zurückschreckten, z.B. bei dem Thema Doping. Es gebe die Befürchtung, das eigene Produkt durch solche Kritik zu beschädigen – und das Produkt sei oftmals teuer eingekauft worden (man denke nur an die Millionenbeträge für TV-Übertragungsrechte).

Auch seien viele Sportjournalisten emotional und wirtschaftlich sehr eng mit Vereinen und Verbänden liiert. Da würden Vereinszeitschriften nebenberuflich von Zeitungs-Journalisten produziert und Gala-Veranstaltungen von Sportmoderatoren präsentiert. Dieselben Journalisten und Moderatoren berichteten dann an anderer Stelle vermeintlich objektiv über diese Auftraggeber. Für wirklich unabhängige Journalisten sicherlich ein absolutes No-Go, aber in der Branche sind viele dieser Fälle bekannt.

TV-Verträge brauchen einen „Code of Conduct“
Sylvia Schenk sprach sich u.a. dafür aus, in TV-Verträgen zwischen Verbänden und Fernsehanstalten einen „Code of Conduct“ zu integrieren, dort also bestimmte Regeln und Verhaltensweisen festzulegen und Verstöße dagegen sanktionierbar zu machen.

Zuvor hatte sie der DJV-Betriebsgruppe einen kleinen historischen Überblick zum Thema Korruption gegeben. Dass bis zur Einführung des internationalen Bestechungsgesetzes 1998 vieles von dem, was heute als Korruption gilt, noch steuerlich gefördert wurde, löste durchaus Erstaunen bei den Zuhörern aus. Neue Gesetze, neue Wertmaßstäbe in der Gesellschaft: In Sachen Korruptionsbekämpfung, so Schenk, sei in den letzten Jahren einiges in Bewegung gekommen, sicherlich auch dank Transparency. Zu tun bleibe immer noch genug, im Sport und in den Medien.// jr
1. November 2015

Foto: Jochen Reinhardt

Abschied vom langjährigen Vorsitzenden

Dank an Heri Stratmann: Die Personalratssitzung am 28. Oktober 2015 war die letzte für den langjährigen Vorsitzenden der Mitarbeitervertretung im WDR. Ab November befindet sich Heri Stratmann (im Bild l.) im Ruhestand.

Für die DJV-Betriebsgruppe überreichte Herwig Knips (r.) dem ver.di-Mann ein kleines Abschiedssouvenir: den beliebten "Journalisten sind Alleskönner"-Kaffeebecher. Der DJV sagt Heri Stratmann Danke für viele Jahre guter und fairer Zusammenarbeit in nicht gerade leichten Zeiten. Personalratsmitarbeiterin Bettina Plötz hatte als Becher-Gefährtin dann - wie man sieht - auch ihren Spaß. // Foto: jr

Die Betriebsgruppe des DJV im WDR lädt ein

Sylvia Schenk von Transparency International

Sylvia Schenk von Transparency International über:

„Korruption im Sport – und der Umgang damit in den Medien“

Sie ist seit Wochen eine vielgefragte Interview-Partnerin in deutschen Medien. Die Themen drängen sich für die Sprecherin der Arbeitsgruppe Sport bei der Anti-Korruptions-Organisation „Transparency International“ auch nur so auf. FIFA-Skandal, Hamburgs Olympia-Bewerbung, Dopingfälle, Wettbetrug - es rumort derzeit richtig im internationalen Sport und sehr häufig wird die Einschätzung und das Hintergrundwissen der Frankfurter Rechtsanwältin bei diesen Themen auch von Redaktionen abgefragt. Als Olympia-Teilnehmerin und als ehemalige Präsidentin des Bundes Deutscher Radfahrer kann Sylvia Schenk die Problematik von verschiedenen Seiten aus beleuchten.

In der Öffentlichkeit aber auch im WDR wird die Frage gestellt, inwieweit eine Organisation wie der Fußball-Weltverband FIFA akzeptierter Geschäftspartner eines öffentlich-rechtlichen Unternehmens sein kann. Im Klartext: Sollen wir mit Gebührengeldern ein offensichtlich korruptes System mit finanzieren? Über diese und andere Fragen rund um „Korruption im Sport“ wollen wir mit Sylvia Schenk diskutieren.

Mittwoch, 28. Oktober 2015, um 18.30 Uhr
Raum 850 im Vierscheibenhaus des WDR in Köln (Zugang über Treppe ab 7. Stockwerk)

Die DJV-Betriebsgruppe lädt alle interessierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des WDR dazu herzlich ein.

WDR

Rundfunkrat genehmigt Programmreformen

In seiner Sitzung vom 23. September hat der WDR-Rundfunkrat die Programmreformen für Hörfunk und Fernsehen genehmigt, die zum 1. Januar 2016 umgesetzt werden sollen. Die Entscheidungen für die Pläne von Hörfunkdirektorin Valerie Weber und Fernsehdirektor Jörg Schönenborn fielen mit breiter Mehrheit. Die Vorsitzende des Rundfunkrats, Ruth Hieronymi, begründete den Beschluss damit, dass „die Programmreformen einen geeigneten Rahmen schaffen, um den öffentlich-rechtlichen Programmauftrag auch künftig zu erfüllen und möglichst weiter zu schärfen“ (siehe Mitteilung des WDR). Die Mitarbeiter des WDR werden die Entscheidung des Rundfunkrats aufmerksam verfolgt haben. Vor allem die Freien unter ihnen bekommen die Konsequenzen von eingestellten oder umstrukturierten Sendungen [...]
..mehr 0 0
Foto: Thomas Schwarz
Foto: Thomas Schwarz

Abschluss nach dem Warnstreik

Das Signal des Unmuts hat sich offensichtlich gelohnt: Im Anschluss an den Warnstreik haben sich DJV, ver.di und Deutsche Orchester-Vereingung (DOV) mit dem WDR in den Gehaltstarifverhandlungen auf einen Abschluss geeinigt.
    
Für die Festangestellten vereinbarten die Tarifparteien eine lineare Tariferhöhung von 2,0 Prozent ab 1. November 2015 und weitere 2,0 ab 1. April 2016. Zudem erhalten sie mit dem Dezember-Gehalt 2015 eine Einmalzahlung von 300 Euro. Die lineare Tariferhöhung wird auch auf den Kinderzuschlag und die Renten übertragen.

Auszubildende erhalten eine pauschale Erhöhung von 30 Euro zum 1. November 2015 sowie eine Einmalzahlung von 150 Euro und eine pauschale Erhöhung von 30 Euro zum 1. April 2016. Außerdem erhöht sich ihr Urlaubsanspruch auf 28 Tage.

Die arbeitnehmerähnlichen Freien erhalten zwei Einmalzahlungen - 650 Euro am 30. November 2015 und 375 Euro am 30. April 2016. Zudem werden die Honorare ab   1. November 2015 linear um 2,0 Prozent angehoben, zum 1. April 2016 dann um weitere 2,0 Prozent. Weil die Erhöhung sich nur auf die Mindesthonorare bezieht, hat der WDR in einer Protokollnotiz auf Drängen des DJV zugesichert, bis zur nächsten Tarifrunde zu prüfen, wie sich die Effektivhonorare entwickeln.

Die hohen Einmalzahlungen für die Freien sind den schwierigen Bedingungen im gegenwärtigen Umbau des Programms geschuldet. WDR und Gewerkschaften schätzen ihre Situation übereinstimmend als „besonders gravierend“ ein, sie bedürfe einer gemeinsamen solidarischen Anstrengung. Um soziale Härten abzufedern, wurde zudem ein Fonds in Höhe von 200.000 Euro für die Laufzeit eingerichtet. Die Tarifpartner werden sich darüber verständigen, nach welchen Verfahren das Geld aus dem Härtefall-Fonds ausgeschüttet wird.

Gemeinsame Information der Gewerkschaften

„Vor dem Hintergrund der Sparanstrengungen des WDR ist das ein akzeptabler Abschluss, der materiell dem Ergebnis des Öffentlichen Dienstes der Länder entspricht“, erklärte DJV-Verhandlungsführerin Dr. Anja Zimmer und dankte den Festen und Freien, die der Verhandlungskommission mit ihrem Warnstreik den Rücken gestärkt hatten. „Der WDR hat sein Angebot im Vergleich zu den bisherigen Runden deutlich nachgebessert. " Sie wies darauf hin, dass d ie Auflagen der KEF (Kommission zu Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten) den öffentlich-rechtlichen Sendern enge Grenzen setzen. Der DJV hat das wiederholt als Eingriff in die Tarifautonomie kritisiert .

Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 24 Monaten, vom 1. April 2015 bis 31. März 2017. Die Gremien der Gewerkschaften und des WDR müssen dem Abschluss noch zustimmen.

Tarifrunde WDR

Vorspiel zu den Verhandlungen

Mit einem Warnstreik haben rund 150 Beschäftigte des WDR den Verhandlungskommissionen den Rücken für die heutigen Verhandlungen gestärkt. Denn in den vergangenen Runden hat der Sender nicht viel angeboten: 1,72 Prozent und 1,96 Prozent für die Festen sowie 1,9 Prozent und 2,2 Prozent für die Freien. Zudem verlangt er eine Koppelung der Gehaltstarifverhandlungen mit der ARD-Forderung nach einer Deckelung der Rentenerhöhung auf 1 Prozent, die die Gewerkschaften ablehnen.

DJV und verd.i fordern dagegen eine deutliche Erhöhung der Gehälter für Feste und der Effektivhonorare für Freie, die wirklich ankommt. Darüber hinaus kämpfen sie für eine soziale Komponente, die Übernahme von Azubis und Volontären nach der Ausbildung und eine verstetigte Einmalzahlung für Freie. Für den DJV bleibt auch ein wichtiges Thema, dass Autorenleistungen nicht entwertet werden.

Bei der Veranstaltung auf dem Appellhofplatz in Köln forderte DJV-Redner Frank Überall, Schatzmeister im Bundesverband und Mitglied der DJV-Tarifkommission Freie im WDR, ein angemessenes Angebot, in dem sich auch mehr Wertschätzung für die Festen und Freien im Sender ausdrücken müsse. In seiner Rede zählte er auf, worin sich die mangelnde Wertschätzung überall ausdrückt - unter anderem in den zahlreichen Befrsitungen, der Arbeitsverdichtung in den Redaktionen und den immer schwierigeren Arbeitsbedingungen für die freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

In den vergangenen Verhandlungsrunden hatte der WDR die Gewerkschaften aufgefordert zu definieren, wie eine soziale Komponente aussehen könnte. Der DJV ist deshalb heute mit einer Reihe Ideen aufgelaufen. Neben den bewährten Einmalzahlungen ließe sich z.B. etwas für für Härtefälle unter den Freien tun - wenn zum Beispiel nach jahrzehntelanger Mitarbeit die Aufträge aufgekündigt werden.

Musikalische Unterstützung für das Vorspiel zur heutigen Verhandlungsrunde gab es von Mitgliedern der Deutschen Orchester Vereinigung (DOV) im WDR-Rundfunkorchester.

Foto: Thomas Schwarz
Foto: Thomas Schwarz
Foto: Thomas Schwarz
Foto: Corinna Blümel
Foto: Corinna Blümel
Foto: Corinna Blümel

TARIF-INFO

Rahmenvereinbarung WDR Crossmediale Honorare Wuppertal (pdf)

Neue Crossmediale Honorare für Freie im Laborstudio Wuppertal

Gewerkschaften und WDR einigen sich auf Pilotversuch

DJV und ver.di haben sich mit dem WDR auf einen Testbetrieb für crossmediale Honorare im Laborstudio Wuppertal geeinigt. Die Verhandlungen über die Rahmenbedingungen für den Pilotversuch haben neun Monate gedauert. In dieser Zeit ist es den Gewerkschaften gelungen, viele Forderungen der WDR-Freien umzusetzen.

Der Sender wollte im Studio Wuppertal im Oktober 2014 ein einseitiges Pauschalen-Modell mit erheblichen Honorareinbußen einführen. Nach erfolgreichen Protesten von Gewerk-schaften und Freien wurde das Modell komplett neu entwickelt. Die wichtige Forderung nach Beibehaltung der werkbezogenen Vergütung konnte durchgesetzt und sogar mit einem Mindest-Tageshonorar kombiniert werden.

Was wird konkret vereinbart?

Der WDR kann in Wuppertal künftig einen Cross-Reporter einsetzen. Der soll tagesaktuelle, nachrichtliche Themen multimedial umsetzen. Statt der vom WDR immer wieder vor-geschlagenen Pauschale wird jede einzelne Leistung werkbezogen in Crosspunkten („Crossis“) abgerechnet. Gleichzeitig erhält der Freie eine Mindestvergütung von 312 Euro pro Tag. Die Beauftragung muss im Vorfeld erfolgen.

Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind  – und nur dann – wird ein Teil der Leistungen rabattiert. Damit will der WDR der Tatsache Rechnung tragen, dass bei Mehrfachnutzungen nur einmal recherchiert werden muss, der geringere Aufwand soll sich in den Honoraren widerspiegeln. Im Gegenzug werden bisher nicht tarifierte Leistungen erstmalig bezahlt, wie z.B. Posts bei Facebook. Ausnahmsweise, nämlich wenn das beauftragte Thema wider Erwarten doch nicht genug hergibt und der Mindestumfang von 312 Euro nicht erreicht wird, kann der WDR im Laufe des Tages ein anderes Thema beauftragen.

Welche Auswirkungen das auf Inhalte, Arbeitsweisen und Honorierung hat, soll im Laborstudio für einen Pilotzeitraum von 1,5 Jahren getestet werden. Dies wird eng von den Gewerkschaften begleitet, eine gemeinsame Evaluierungsstelle überwacht z.B. die Arbeits-belastung und die Entwicklung der Honorare. Eine Clearingstelle kann Ausgleichszahlungen für Freie vereinbaren, falls die neue Honorarstruktur zu unverhältnismäßigen Einbußen führt.

Zustimmung nicht leicht gefallen

DJV und ver.di ist die Zustimmung zu diesem Honorarlabor nicht leicht gefallen, führt es doch real zu Kürzungen von Einzelhonoraren. Andererseits können die Gewerkschaften sich technischen Veränderungen nicht verschließen. Es ist wichtig, dass die Berichterstattung des WDR deutlich crossmedialer wird. „Wir haben nach einem Weg gesucht, wie dies im Honorarrahmen besser abgebildet werden kann und dennoch nach Leistung gerecht bezahlt wird“, erklären die Gewerkschaften. Wichtig war ihnen in den Verhandlungen auch, dass sich der Honorarrahmen nicht immer weiter von der Wirklichkeit entfernt. Denn dadurch entstehen in der Praxis immer mehr ungeregelte Bereiche.

Alle Vereinbarungen zum crossmedialen Piloten wurden in enger Abstimmung mit den davon betroffenen Freien gemacht. In einer Vollversammlung haben die Freien im Laborstudio Wuppertal diesem Kompromiss mit Bedenken, aber letztlich doch mit großer Mehrheit zugestimmt. Die Freien hatten im vergangenen Jahr einen Brandbrief an Tom Buhrow geschrieben, in dem sie ihre Befürchtung formulierten, als „Laborratten“ missbraucht zu werden.

Die Vereinbarung zum Laborstudio Wuppertal steht noch unter dem Vorbehalt, dass die Gremien der Gewerkschaften zustimmen.

Dateien:

EINLADUNG ZUM INFO-ABEND FÜR WDR-FREIE

Zum Ausdrucken und Mitnehmen: die Einladung als pdf-Datei.

Bestandsschutz: Was muss ich tun?

Derzeit werden beinahe wöchentlich Programmänderungen verkündet, die fast immer zu Einsparungen und Streichungen führen. Im Fernsehen steht die „größte Reform seit 20 Jahren“ an, im Hörfunk soll vieles neu gedacht werden – wohin die Reise tatsächlich geht, scheint aber keiner so recht zu wissen. Fakt hingegen sind die massiven Kürzungen im Honoraretat. Das hat Folgen: Schon jetzt erhalten viele Freie weniger, manche auch gar keine Aufträge mehr.

In solchen Fällen kann der Bestandsschutztarifvertrag helfen. Allerdings sind die Regelungen ziemlich kompliziert. Der DJV-NRW will deshalb an zwei Abenden wichtige Fragen klären: Was sind die Voraussetzungen? Welche Formen von Bestandsschutz gibt es? Welche Ankündigungsfristen gelten für wen? Was sind Ausgleichszahlungen? Was muss man beachten, um den Bestandsschutz nicht zu verlieren?

Diese und andere Fragen beantworten die Rechtsanwälte Dr. Anja Zimmer und Christian Weihe vom DJV-NRW. Wann?

•    Mittwoch, 26. August 2015, um 19 Uhr im Vierscheibenhaus, Appellhofplatz 1, Köln (Raum 8500)

•    Donnerstag, 17. September 2015, um 19 Uhr in der Geschäftsstelle des DJV-NRW, Humboldtstr. 9, Düsseldorf

Die Einladung richtet sich an alle DJV-Mitglieder (und solche, die es werden wollen) sowie an interessierte WDR-Freie. Anmeldung unter sabine.becker-stilsspamfilter@djv-nrwspamfilter.de.

DJV-Betriebsgruppe im WDR

Diskussion über Personalpolitik und Perspektiven im Sender

Frank Stach (l.) von der DJV-Betriebsgruppe im WDR im Gespräch mit dem Dortmunder Versicherungs-Personalchef Stephan Tocholski. Foto: sb
Aufgrund von befristeten Verträgen ist eine sichere Lebensplanung für viele junge Mitarbeiter im WDR äußerst schwierig. „Ich habe vergessen, seit wann ich beim WDR bin – aber es war immer nur befristet“, ist eine Aussage, die einem zu Ohren kommen kann. Auch hört man manchmal, dass „das gefühlte 368. Jahr“ angebrochen sei und sich Perspektivlosigkeit einschleiche. Die DJV-Betriebsgruppe im WDR hat dieses Thema im Juni aufgegriffen und ein positives [...]
..mehr 0 0

Online-Meldung vom 26.6.2015

Wird alles anders? DJV-NRW unterstützt die Warnung der freien WDR-Wissenschaftsjournalisten

Soviel Unruhe gab es noch nie im Hause WDR: Gefühlt wird derzeit alles anders. Der pauschal bezahlte Producer soll eingeführt werden, zur crossmedialen Honorierung ein Pilotversuch starten. WDR und Gewerkschaften befinden sich zugleich in Gehalts- und Honorartarifverhandlungen. Für den Sender hat bei allen diesen Dingen das Sparen Priorität. Auch wenn Valerie Weber an neuen Hörfunkstrukturen bastelt und Jörg Schönenborn fürs Fernsehen die umfassendste Reform der letzten 20 Jahre ankündigt, geht es nicht allein um die Überarbeitung des Programms. Beides hat ebenfalls mit dem rigorosen Sparwillen des WDR zu tun. Gespart wird vor allem auf Kosten der festen und freien Mitarbeiter – mit Auswirkungen auf die Qualität.

In dieser Situation stellt sich der DJV-NRW klar an die Seite von 90 Wissenschaftsjournalisten im WDR und ist mit ihnen „zutiefst beunruhigt über die konzeptlosen und gefährlichen Sparpläne der WDR-Intendanz“. Bereits Mitte Mai hatten die freien Journalisten einen Offenen Brief an Intendant Tom Buhrow geschrieben. Kurz zuvor hatte auch der DJV-NRW auf die Missstände im Sender hingewiesen, ebenfalls in einem Offenen Brief an den Intendanten (siehe weiter unten). Buhrows Antworten auf die Offenen Briefe ließen wochenlang auf sich warten – und fielen in beiden Fällen enttäuschend aus.

Die freien Mitarbeiter der Wissenschaftsredaktionen in Fernsehen und Hörfunk sind in dieser Woche an die Öffentlichkeit gegangen – „nach monatelangen fruchtlosen internen Diskussionen und vergeblichen Beschwörungen, das Standbein ‚Wissenschaft‘ im WDR nicht zu schwächen, sondern zu stärken“. Sie treibt die Sorge um, dass ein für das öffentlich-rechtliche Selbstverständnis zentraler Programmbereich zugrunde gerichtet wird, schreiben sie in einem Begleitbrief zum Offenen Brief. Der DJV-NRW teilt ihre Auffassung, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk damit „an seinem eigenen Ast sägt“. Etliche Male hat der Landesverband die WDR-Geschäftsleitung aufgefordert, nicht zu Lasten der Qualität zu sparen und seine Mitarbeiter bei den anstehenden Veränderungen mitzunehmen.

Von der Liebe, die Tom Buhrow mitbringen wollte, ist im ganzen Haus nichts zu spüren. Am 1. Juli 2013 übernahm er die WDR-Intendanz, schon ein Jahr später forderte der DJV-NRW ihn dazu auf, die Rasenmäher-Methode wieder einzupacken und über „intelligente Sparwege“ nachzudenken. Nun ist das zweite Amtsjahr bald beendet – und die Liebe ist erkaltet, auf beiden Seiten. Die Wissenschafts-Freien sprechen von einem „Spar-Besen, der ohne Rücksicht auf Programm und Inhalte geführt wird“.

Das Mantra des Sparens geht vor allem an die Substanz der freiberuflich tätigen WDR-Journalisten. Der Gewerkschaftstag des DJV-NRW forderte den Sender erst kürzlich auf, die jahrelang gepflegte faire Sozialpartnerschaft mit den Freien nicht aufs Spiel zu setzen (siehe Dringlichkeitsantrag auf dieser Seite). Aufträge für Freie sind bereits spürbar zurückgegangen. Durch die Einführung von crossmedialen Honoraren und Pauschalen für Producer drohen ihnen weitere Honorareinbußen. Dabei sind sie die Schwächsten im Glied, wie auch NRW-Medienministerin Dr. Angelica Schwall-Düren auf dem DJV-NRW-Gewerkschaftstag betonte (siehe unsere Meldung vom 26. April 2015). Die Sparanstrengungen dürften „nicht auf dem Rücken derjenigen vorgenommen werden, die am wenigsten geschützt sind – und das sind in der Tat die freien Mitarbeiter“, sagte Schwall-Düren.

Konkrete Sorgen machen sich die Autoren der Wissenschaftsformate momentan um die Beteiligung des WDR an der 3Sat-Sendung „nano“. Würde sich der WDR zurückziehen, drohe dem Format die Einstellung, heißt es in einem weiteren Offenen Brief. Dies wiederum würde auch für das WDR-Programm einen erheblichen Verlust darstellen (hier geht es zum Offenen Brief Nano).

Die Veränderungen im Sender in der Ära Buhrow betreffen auch die festangestellten WDR-Redakteure. Der Sender soll um 500 Planstellen schlanker werden, lautet eine schon lange bekannte Sparvorgabe. Sie trifft die Bereiche Technik und Verwaltung am stärksten, aber auch in Hörfunk und Fernsehen fallen 140 Stellen weg. Es gibt zwar keine betriebsbedingten Kündigungen, aber Stellen werden nicht nachbesetzt und Befristungen nicht verlängert. 500 von 4.300 Stellen unbesetzt: Das bekommen die verbleibenden 3.800 deutlich zu spüren – das Arbeitspensum für jeden einzelnen wächst.

Thema Producer

DJV-NRW fordert Nachbesserungen beim "journalistisch-redaktionellen Producer"

Der Producer ist ein Dauerthema - zwischen den Gewerkschaften und dem WDR. Gespräche über die Einführung der pauschal pro Tag bezahlten Tätigkeit laufen bereits seit langem. Ein gemeinsamer Nenner ist noch immer nicht gefunden. Verärgert hat der WDR zuletzt damit gedroht, den Producer notfalls auch ohne Zustimmung der Gewerkschaften umzusetzen.

Was ist so schwierig an diesem Thema? Da die Position des DJV-NRW manchmal dahingehend missverstanden wird, dass der Landesverband strikt gegen den Producer sei, an dieser Stelle eine Erläuterung der wesentlichen Punkte:

  • Durch die Einführung des Producers werden wegfallende Stellen fester Mitarbeiter im WDR kompensiert.
  • Zugleich will der WDR mit der erstmals eingeführten Tagespauschale im Honorarsystem deutliche Honorareinsparungen realisieren.
  • Aufgrund der befürchteten Honorareinbußen und aus Sorge um wegbrechende Aufträge für Autoren ist die überwiegende Mehrheit der DJV-Freien im WDR gegen eine Einführung des Producers nach den zuletzt umrissenen Vorstellungen des Senders.
  • Der DJV-NRW hat sich nie gegen die generelle Einführung des Producers gesträubt, sondern auf Nachbesserungen bzw. genauere Aufgabenprofile gedrängt.
  • Letztlich hat der DJV-NRW immer signalisiert, dass ein Producer in bestimmten Bereichen von ihm mitgetragen wird - schon allein um Honorarrahmen und Wirklichkeit nicht noch weiter auseinanderklaffen zu lassen. Das betrifft z.B. die Producer, die eher technische Aufgaben übernehmen, Webseiten aufbereiten oder koordinierend tätig sind.
  • Unbedingt weiter ausgestaltet werden muss nach Auffassung des DJV-NRW aber der "journalistisch-redaktionelle Producer", der eigene Beiträge erstellen und Film-/Tonaufnahmen machen soll.

Die entscheidenden Fragen lauten letztlich: Wo ist die Grenze zwischen Producern und freien Journalisten? Und wie viele Aufträge bleiben für die Freien übrig?

Zu diesem Thema hat der DJV-NRW am 6. Mai 2015 einen Offenen Brief an Intendant Tom Buhrow geschrieben (siehe unten). Am 12. Juni hat der DJV-NRW eine Antwort erhalten. Darin kommt Buhrow zu der Auffassung, "dass der WDR zur Honorierung der Producer/innen faire finanzielle Rahmenbedingungen angeboten hat". Auch stehe der WDR weiterhin dazu, "dass es nicht Ziel ist, originäre Autorentätigkeiten durch Producer/innen zu ersetzen". Fragt sich nur, warum der WDR weiteren Eingrenzungen dann nicht zustimmt.

Offener Brief des DJV-NRW an WDR-Intendant Tom Buhrow vom 6. Mai 2015

Tarifierung von freier Mitarbeit – kein Systemwechsel ohne den Tarifpartner

 

Sehr geehrter Herr Buhrow,

 

um dem Spardruck zu begegnen, verlangt der WDR derzeit massiv Änderungen bei der Honorierung der freien Mitarbeit. So versucht der Sender, unter dem Stichwort „Crossmediale Honorare“ Reduzierungen von bis zu 30 % der Honorare zu erreichen. Gleichzeitig scheint das Haus einen Systemwechsel hin zu immer mehr Tagespauschalen anzustreben. Das hätte Konsequenzen für viele, wenn nicht sogar für alle freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

 

Dieser Kurs des WDR, massiv auf Kosten seiner freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu sparen, kann vom DJV nicht mitgetragen werden. Die freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des WDR sind für das Programm des Senders zu wichtig, zugleich sind sie die Gruppe, die der Fürsorge auch des WDR besonders bedarf. Dies hat auch die NRW-Medienministerin, Frau Dr. Angelica Schwall-Düren, am 25. April 2015 auf unserem Gewerkschaftstag so gesehen. Sie hat sehr deutlich gemacht, dass eine faire Vergütung der Urheber für sie eine Selbstverständlichkeit ist. Selbst wenn sie im Detail nicht beurteilen könne, welche Manöver der WDR aufgrund des Sparkurses unternehmen müsse, erwartet sie, dass diese Sparanstrengungen „nicht auf dem Rücken derjenigen vorgenommen werden, die am wenigsten geschützt sind – und das sind in der Tat die freien Mitarbeiter“.

 

Dem ist nichts hinzuzufügen.

 

***

 

Ganz deutlich zeigen sich die Probleme am Beispiel der Producer: Seit der letzten Personalversammlung haben wir mit dem WDR über die Einführung von Producern Sondierungsgespräche geführt. Dabei haben wir immer wieder signalisiert, dass wir grundsätzlich an einer Lösung interessiert sind, die aber bestimmten Grundsätzen unterliegen muss. Dazu stehen wir auch weiterhin.

 

Die Art und Weise, wie sich diese Gespräche seitens des WDR zuletzt gestaltet haben, hat uns mehr als irritiert. Ein solch weitreichender Umbau kann nicht innerhalb kürzester Zeit übers Knie gebrochen werden. Bislang einmalig ist der enorme Zeitdruck, den der WDR auf die Vertreter der Gewerkschaften ausübt. Dabei gilt für uns, gerade was Tarifvertragstexte angeht, Sorgfalt statt Geschwindigkeit. Wir erwarten, dass der WDR die berechtigten Belange der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ernst nimmt und die notwendigen Gespräche nicht als „Zeitverschwendung“ bezeichnet.

 

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat eine besondere Verantwortung gegenüber seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Auch dies hat Ministerin Schwall-Düren betont. Sie erwartet „ganz deutlich das Verhandeln auf Augenhöhe zwischen Arbeitgebern und abhängig Beschäftigten“.

 

Es ist höchste Zeit, dass sich der WDR seiner Verantwortung stellt!

 

***

 

Der WDR will künftig verstärkt Producer einsetzen. Damit sollen teilweise wegfallende Stellen von festen Mitarbeitern kompensiert, teilweise aber auch deutliche Einsparungen bei den Honoraren erreicht werden. Producer, die im technischen oder organisatorischen Bereich tätig sind, könnten wir zur Not noch akzeptieren. Große Bedenken haben wir dagegen beim journalistisch-redaktionellen Producer in der vom WDR geforderten sehr weiten Definition. Eine Befragung unserer Mitglieder hat ergeben, dass mehr als 90 % einer Einführung dieses Producers klar widersprechen – und dies ausdrücklich trotz der Drohung des WDR, den Producer in diesem Fall auch einseitig und schlechter honoriert einzuführen.

 

Nehmen Sie dieses Votum ernst und sprechen Sie mit uns, wie die freie Mitarbeit künftig gestaltet werden kann. Denn wir glauben an den WDR. Der WDR kann aber nur dann erfolgreich sein, wenn er motivierte freie Autoren, Journalisten, Producer, Kameraleute etc. beschäftigt, die mit Spaß am Programm arbeiten, ihre Ideen und Kreativität einbringen und die anstehenden Veränderungen mittragen. Der Wandel im WDR braucht auch die freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

 

Wir fordern Sie auf: Unterbinden Sie die einseitige Einführung von Producern und lassen Sie uns gemeinsam nach Lösungen suchen, wie wir den WDR in die Zukunft führen können. Wir stehen bereit – für ein Gespräch mit Ihnen und für zügige Tarifverhandlungen.

 

Online-Petition zum Erhalt von "Hier und Heute"

Eine Petition, die sich für den Erhalt des WDR-Reportage-Formats "Hier und Heute" ausspricht, ist ins Netz eingestellt worden. Der Titel lautet: WDR schafft viertelstündige "Hier und Heute"-Reportage ab / "Hier und Heute" muss auf Sendung bleiben. Im Erklärstück zur Petition heißt es: "Wenn es diese viertelstündigen Reportagen nicht mehr gibt, verschwindet wieder ein Stück Qualitätsfernsehen. Die Forderung an die Programmleitung des WDR in Köln: Überdenken Sie die vollständige Abschaffung der viertelstündigen Reportage zum Jahresende."

 

Wer unterzeichnenen möchte: Hier geht es zur Online-Petition zu "Hier und Heute".

Offener Brief an Ministerpräsidenten

Einnahmeplus für Programm und Mitarbeiter einsetzen

Der DJV hat die Ministerpräsidenten der Länder in einem heute veröffentlichten offenen Brief aufgefordert, die Mehreinnahmen aus dem Rundfunkbeitrag in das Programm und die Arbeitsbedingungen der freien und angestellten Mitarbeiter der Rundfunkanstalten zu investieren. Auf der morgen anstehenden Ministerpräsidentenkonferenz in Berlin soll es u.a. auch um die Verwendung des Überschusses gehen, der durch den neuen Haushaltsbeitrag zur Finanzierung der [...]
..mehr 0 0

"Hahaha Mindestlohn - Ein Kameramann berichtet"

Journalist Laurent Joachim befragt in einem Exklusiv-Interview einen freien Kameramann, wie dieser von Aufträgen leben kann, die auf dem Markt niedrigst möglich honoriert werden. Das knapp 18-minütige Video ist auf der Webseite von work-watch zu sehen, einer Initia­tive, die 2012 von „Arbeit und Leben NRW“ und von Gün­ter Wall­raff ins Leben geru­fen wurde.

 

Hier geht es zum Video auf work-watch.de.

Gehalts- und Honorarverhandlungen 2015: Verhandlungen erneut vertagt!

Kreativer Beginn der zweiten Verhandlungsrunde: Über 100 Mitarbeiter zeigten dem WDR deutlich, dass es so nicht geht! Sie wurden dabei von den Bläsern unseres WDR-Symphonieorchesters begleitet. Ein kleiner Schreck in der Mittagspause für die Arbeitgeberseite – sie flüchteten erst einmal aus dem Verhandlungsraum.

In den folgenden vierstündigen Verhandlungen ging es dennoch kaum voran. Für den WDR ist ein vernünftiges Angebot zwingend mit Verschlechterungen bei der Altersversorgung verbunden. Im Ergebnis bleibt es daher für die Festangestellten bei dem Angebot aus der ersten Verhandlungsrunde: einer Gehaltserhöhung in Höhe von 1,72 % für das erste Jahr und 1,96 % für das zweite Jahr. Den Freien hat der WDR Erhöhungen von 1,9 % und 2,2 % angeboten, dies aber nur auf das Mindesthonorar bezogen.

Nur in Randbereichen war der WDR zu weiteren Zugeständnissen bereit. Stichworte waren zum Beispiel die Sicherung von Arbeitsplätzen oder die befristete Weiterbeschäftigung von Azubis. Die Vorschläge blieben aber vage. Das ist keine Verhandlungsgrundlage. Die Verhandlungen wurden deshalb erneut vertagt.

Kreative Mittagspause der WDR-Mitarbeiter

Mehr Lohn für mehr Arbeit

Mehr als 100 WDR-Mitarbeiter demonstrieren auf dem Appellhofplatz in Köln. Im Verhandlungsraum wird die Arbeitgeberseite dann von einer Blechbläsergruppe des WDR-Sinfonieorchesters empfangen.
Die Eurovisions-Hymne des Orchesters genießen auch diese drei Mitglieder der DJV-NRW-Verhandlungskommission: (v.l.n.r.) Anja Zimmer, Frank Überall und Frank Stach. Fotos: Thomas Schwarz

Mit einer kreativen Mittagspause haben mehr als 100 Mitarbeiter des WDRin Köln am Dienstag, 9. Juni 2015, ihren Forderungen nach mehr Lohn, höheren Honoraren für freie Mitarbeiter und besseren Arbeitsbedingungen Nachdruck verliehen. Anlass war die zweite Runde der Vergütungstarifverhandlungen. Mit T-Shirts, Jacken, Fahnen und Transparenten zeigten sie der Führung des WDR: So nicht!

Die kreative Mittagspause war eine gemeinsame Protestaktion des DJV-Landesverbands NRW, der ver.di-Betriebsgruppe im WDR und der Deutschen Orchester-Vereinigung (DOV). Daher begleiteten Blechbläser des Rundfunk-Sinfonieorchesters die Pause musikalisch.

„Es ist ziemlich klasse, wie viele Kolleginnen und Kollegen sich heute hier eingefunden haben. Wir wollen dem WDR zeigen: wir sind viele. Alle drei Gewerkschaften stehen zusammen und uns alle eint ein Ziel, wir wollen mehr Geld“, sagte der Vorsitzende des DJV-NRW, Frank Stach. „Die Arbeit in den Redaktionen, in Verwaltung und Produktion wird immer mehr und immer komplexer. Sie muss deshalb vernünftig bezahlt werden.“ Außerdem müsse das Honorar für freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter so angehoben werden, dass die Erhöhung auch deutlich spürbar bei ihnen ankommt, forderte Stach weiter.

Zum Ende ihrer kreativen Mittagspause bildeten die Mitarbeiter ein Spalier vor dem Verhandlungsraum, in dem sich die Arbeitgeberseite zu Vorgesprächen treffen wollte, und empfing sie mit Transparenten und Fahnen sowie musikalisch mit der Eurovisions-Hymne. Für die Arbeitgeberseite war das zu viel: Sie flüchtete schließlich in einen anderen Raum.

In den rund vierstündigen Tarifverhandlungen am Nachmittag wurde zwischen Vertretern der Arbeitgeber und Gewerkschaften kontrovers diskutiert. Eine Annäherung ist nicht in Sicht, weil für den WDR ein vernünftiges Angebot mit einer Verschlechterung der Altersversorgung verbunden ist. Daher blieb es im Ergebnis beim Angebot aus der ersten Verhandlungsrunde mit einer Gehaltserhöhung von 1,72 Prozent im ersten Jahr und 1,96 Prozent im zweiten Jahr. Für freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat der WDR ein Plus von 1,9 Prozent im ersten und 2,2 Prozent im zweiten Jahr angeboten. Es erstreckt sich aber nur auf die Mindesthonorare, nicht hingegen auf die Effektivhonorare. Einmalzahlungen lehnte der WDR ab. Lediglich in Randbereichen war er zu Kompromissen bereit wie etwa bei der Sicherung von Beschäftigung und die befristete Übernahme von Auszubildenden. Die Vorschläge blieben aber vage.

Für die Gewerkschaften war das keine Verhandlungsgrundlage. Die Verhandlungen wurden daher vertagt.

DJVler unter den WDR-Mitarbeitern machen bei der kreativen Mittagspause auf dem Appellhofplatz mit.
Die Protestgruppe des DJV-NRW vor dem Vierscheibenhaus des Kölner WDR-Funkhauses.
Auf dem Weg zum Verhandlungsraum im Vierscheibenhaus des Kölner WDR-Funkhauses bleiben die Jacken an. Die DJVler zeigen auch hier die klare Botschaft. Fotos: Thomas Schwarz

Beschlossene Anträge des Gewerkschaftstags am 25. April 2015

A1 Antragsteller: Landesvorstand

Einflussnahme der KEF begrenzen


Der DJV-NRW lehnt es ab, dass die KEF (Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten) Einfluss auf die Tarifverhandlungen zwischen den öffentlich-recht­lichen Sendern und den Gewerkschaften nimmt. Das ist Sache der Tarifparteien. Die KEF soll sich auf ihre eigentliche Aufgabe besinnen, die ausreichende Finanzierung der Sender sicherzustellen. Der DJV-NRW sieht mit großer Sorge, wie durch die aktuelle Einflussnahme der KEF die im Grundgesetz verankerte Tarifautonomie unterlaufen wird.

D1: Antragsteller Landesvorstand

Systemwechsel nicht ohne den Tarifpartner!


Der DJV-NRW wehrt sich entschieden gegen Versuche des WDR, im Honorarrahmen einseitig einen Producer einzuführen. Dieser soll journalistisch-redaktionelle Tätigkeiten gegen Tagespauschale übernehmen. Das ist ein Systemwechsel, der nicht ohne die Tarifpartner erfolgen darf.

 

In den derzeit laufenden Verhandlungen um diesen Punkt setzt sich der DJV-NRW dafür ein, die Tätigkeiten der Producer genau zu definieren. Dies soll verhindern, dass Producer als „Redakteur light!“ den freien Journalistinnen und Journalisten Aufträge wegnehmen.

EINLADUNG ZUR DISKUSSION ÜBER PERSONALPOLITIK

Wie geht‘s für mich weiter im Sender? Das fragen sich viele junge Kolleginnen und Kollegen, die zwar eine Anstellung beim WDR gefunden haben - aber nur befristet. Das ist heute die Regel, keine Ausnahme. Eine sichere Lebensplanung ist daher für viele junge Mitarbeiter im WDR äußerst schwierig.

Die Betriebsgruppe des DJV im WDR ist nicht nur besorgt, dass die Jungen zunehmend von Zukunftsangst geplagt werden (denn nach acht Jahren ist es vorbei mit Vertragsverlängerungen), sondern auch darüber, dass der Sender auf ein großes Nachwuchsproblem zusteuert.

Wie es anders geht, erzählt Stephan Tocholski, Personalchef des Dortmunder Volkswohlbundes. Sein Unternehmen nimmt an der Initiative „Great place to work“ teil und zählt bundesweit zu den hundert besten Arbeitgebern.

Wir diskutieren über Personalpolitik!

Wann? Am Mittwoch, 17. Juni 2015, von 18.00 bis 20.30 Uhr
Wo? Im Vierscheibenhaus des WDR, Appelhofplatz 1, in Köln, Raum 850 (mit den Hauptaufzügen in die 7. Etage fahren, nach links wenden und am Ende des Ganges die Treppe in die 8. Etage nehmen)

Wir freuen uns auf Euch!
Eure DJV-Betriebsgruppe im WDR

Erfolg der Freien-Personalräte: Klare Zuschussregelungen für Schwangere beim WDR

Schwangere freie Mitarbeiterinnen sollen beim WDR bald bessere Möglichkeiten haben, an ihren tariflich vereinbarten Zuschuss zu gelangen. Auf Initiative der Freien-Personalräte soll jetzt das Formular für den Schwangerschaftszuschuss entsprechend den Regelungen des Tarifvertrags geändert werden. Bisher war es für die Mitarbeiterinnen schwieriger, an den Zuschuss zu gelangen, denn sie mussten ihren Antrag sechs Wochen vor der Niederkunft stellen. Das hatte in vielen Fällen Nachteile für die Schwangeren, da sie kurz vor der Geburt oft nicht regelmäßig arbeiten konnten und daher die Voraussetzungen nicht erfüllten. Die Gewerkschaften hatten dies aber anders gewollt und im Tarifvertrag anders festgehalten. Die fehlerhafte Auslegung des tariflich vereinbarten Zuschusses brachte ein aktueller Fall in der Sprechstunde des Personalrats für Freie ans Licht.

 

§ 10 Sozial- und Bestandsschutz Tarifvertrag

Ansprüche bei Schwangerschaft

(1) Anspruch auf Zuschusszahlung bei Schwangerschaft

Weist eine Beschäftigte dem WDR durch Vorlage einer ärztlichen Bescheinigung ihre Schwangerschaft nach und erfüllt sie zu diesem Zeitpunkt die Voraussetzungen von §§ 2 und 3 und liegt im Zeitraum von 12 Monaten vor diesem Zeitpunkt ein Beschäftigungsjahr, so hat sie gegen den WDR Anspruch auf Zahlung eines Zuschusses.

Gehalts- und Honorarverhandlungen 2015: Kein ernstgemeintes Angebot des WDR

In der ersten Tarifrunde hat der WDR den Gewerkschaften eine Gehalts- und Honorarerhöhung in Höhe von 1,72 % für das erste Jahr und 1,96 % für das zweite Jahr angeboten. Die Gewerkschaften haben das Angebot entschieden zurückgewiesen. Es liegt weit unter dem Abschluss im öffentlichen Dienst - mit einem Volumen von 4,83 %. Der WDR begründet dieses niedrige Angebot u.a. mit der Koppelung der Betriebsrenten an die Gehälter.

Freie werden doppelt benachteiligt: Der WDR bietet mal wieder keine Anhebung der Effektivhonorare an. Eine Einmalzahlung lehnt der WDR ebenfalls ab. Auch eine soziale Komponente für Feste und Freie kann sich der WDR derzeit nicht vorstellen.

Wir sagen: Das kann so nicht sein! Unverbindlicher geht es nicht, selbst ein neuer Termin ist noch nicht vereinbart!

WDR VERGÜTUNGSTARIFRUNDE 2015

Das wollen wir gemeinsam erreichen!

In dieser Vergütungsrunde geht es darum, die Zukunft zu sichern und Freien und Festen eine Perspektive auf angemessen bezahlte Beschäftigung zu geben. Der DJV fordert daher:

  • Eine Volumenerhöhung von 5,5 % für alle Beschäftigten, egal ob fest oder frei. Damit das Geld bei Freien auch ankommt, müssen die Effektivhonorare angepasst und durch eine Einmalzahlung eine soziale Komponente geschaffen werden. Ein Teil des Volumens soll zum Ausgleich von Härtefällen verwendet werden.
  • Neben prozentualen Erhöhungen liegt unser Fokus auf der Beschäftigungssicherung. Im Volumen können Maßnahmen enthalten sein, mit denen die Übernahme von AÜG-Kräften und die Entfristung von Zeitverträgen erreicht sowie weitere Kürzungen von Aufträgen bei Freien verhindert werden.
  • Die vereinbarte lineare Erhöhung muss auch für Volontäre und Rentner gelten.
  • Einen Sockelbetrag lehnen wir ab.

Alle Beschäftigten, Freie wie Festangestellte leisten täglich hervorragende Arbeit und kompensieren durch Mehrarbeit, was durch die massiven Einsparungen im WDR sonst liegen bleiben würde. Und sie müssen immer neue Aufgaben übernehmen. Damit stellen feste und freie Mitarbeiter sicher, dass der Sender weiterhin sein gutes und umfangreiches Programm ausstrahlen kann.

Es kann nicht sein, dass alle im öffentlich-rechtlichen Rundfunk immer mehr arbeiten müssen, ohne dass sich die Einkommen nach oben bewegen. Wir fordern spürbare Verbesserungen!

Gewerkschaftstag

DJV-NRW fordert vom WDR faires Verhalten

Der WDR war auf dem Gewerkschaftstag des DJV-NRW am Samstag bestimmendes Thema. Die Journalisten sehen mit großer Sorge, wie der Sender die seit Jahren gepflegte Sozialpartnerschaft mit den Freien aufs Spiel setzt. Sie halten die geplante Einführung von freien Producern für äußerst kritisch. Der WDR als öffentlich-rechtlicher Sender hat eine besondere Verantwortung gegenüber seinen festen und freien Mitarbeitern. Damit ist sein derzeitiges Verhalten nicht [...]
..mehr 0 0

Verhandlungen mit dem WDR über den Producer

Seit der letzten Personalversammlung verhandelt der DJV-NRW mit dem WDR über die Einführung von Producern. Dabei hat der DJV-NRW immer wieder signalisiert, dass er grundsätzlich an einer Lösung interessiert ist, diese aber bestimmten Spielregeln folgen muss. Bisher konnte keine Einigung erzielt werden. Der WDR hat die Verhandlungen abgebrochen und droht mit einer einseitigen Einführung des Producers.

Was ist passiert?
Insgesamt will der WDR fünf verschiedene Producer schaffen, die in allen Produktionsbereichen (Fernsehen, Hörfunk, Online) eingesetzt werden. Einige sollen eher technische Aufgaben übernehmen und z.B. Webseiten aufbereiten oder koordinierend tätig sein. Eingeführt werden soll aber auch ein „journalistisch-redaktioneller Producer“, der, wie der Name schon sagt, viele inhaltliche Aufgaben übernehmen soll. Auch wenn nicht „Ziel“ des WDR ist, „originäre Autorentätigkeit zu ersetzen“, so ist doch nicht klar, welche Aufgaben er denn unter diesen Producer fassen will. Strittig ist z.B.:

  • Wie weit darf der Producer Archivmaterial verwenden? In jedem Fall soll er z.B. Archiv-NiFs, Zweitfassungen und Bearbeitungen erstellen, außerdem kurze Beiträge.
  • Und was fällt unter Archivmaterial? Alles was eingestellt ist – auch vor Ausstrahlung? Rohmaterial?
  • In welchem Umfang soll der Producer eigenes Material liefern?

Bisher lehnt der WDR weitere Eingrenzungen oder eine vom DJV-NRW vorgeschlagene Negativliste ab. Die standhafte Weigerung des WDR weckt die Besorgnis, dass weit mehr umfasst sein soll, als in den Gesprächen suggeriert wurde. Auch über die Honorarhöhe besteht noch keine Einigung. Geboten wird derzeit u.a. eine Tagespauschale von 250 Euro für den journalistisch-redaktionellen Producer. Wenn dieser zusätzlich auch den Sende- und Produktionsablauf koordiniert (Ablaufproducer), soll er 350 Euro bekommen. Falls die Gewerkschaften bereit sind, die weite Aufgabenbeschreibung zu akzeptieren, will der WDR 10 Prozent „drauf legen“.

Der WDR hat die Gewerkschaften wissen lassen, dass dieser Stand nicht mehr verhandelbar ist. Entweder akzeptieren sie - oder er führt den Producer ohne die Gewerkschaften ein.

Wie geht es weiter?
ver.di hat vorgeschlagen, diesem Verhandlungsergebnis zuzustimmen. Sie haben dafür Argu-mente: Producer werden teilweise jetzt schon beschäftigt, ohne dass es dafür tarifierte Honorare gibt. Und entsprechende Pauschalen gibt es auch in anderen Sendern. Schließlich hat der WDR ein paar kleinere Kompensationen angeboten, insbesondere Verbesserungen beim Mutterschutz und eine Art Bestandsschutz. Letzteres ist eine Erklärung, wonach diejenigen Freien, die bereits jetzt solche Tätigkeiten für mehr Geld machen, nicht wegen dieser Regelungen weniger bekommen sollen. Das gilt aber nur für einzelne Freie und solange es sich um die genau gleiche Tätigkeit handelt.

Der DJV-NRW hat daher große Bedenken, dieser Regelung zuzustimmen. Hier wird ein Systemwechsel in der Honorarpraxis gestartet und erstmals eine Pauschale tarifiert, die in bisher nicht absehbarem Umfang Autorentätigkeit umfassen kann. Für die von der Pauschale zumindest theoretisch umfassten Leistungen bekommen viele WDR Freie heute deutlich mehr Geld. Autoren, die auf Honorarbasis arbeiten, werden Verdienstmöglichkeiten genommen.

Der DJV-NRW führt zu der Frage, ob die WDR Freien einen solchen Producer akzeptieren, noch bis Ende der Woche eine Mitgliederbefragung durch. Informationen und Anmerkungen nimmt der DJV-NRW jederzeit gerne unter zentralespamfilter@djv-nrwspamfilter.de entgegen.

WDR-Gesetz

Online-Konsultation bis zum 19. März

Die Landesregierung will das WDR-Gesetz erneut reformieren. Dazu hat sie eine Online-Konsultation zum neuen Gesetz veröffentlicht, die sich an "Bürgerinnen und Bürger, Mediennutzerinnen und Mediennutzer sowie Medienschaffende" richtet. Wichtige Themen sind dabei die Stärkung der Gremien, mehr Transparenz sowie die Finanzierung. So wird etwa danach gefragt, wie viel Radiowerbung künftig noch zulässig sein soll. Um mehr Bürgerbeteiligung zu erreichen, hat [...]
..mehr 0 0

Frust, Ängste und Sorgen der Mitarbeiter beim WDR

Protest der Mitarbeiter vor der Personalversammlung beim WDR. Foto: DJV-NRW/sb

Turbulent ging es heute auf der Personalversammlung beim WDR zu. Tom Buhrow gab ihr den Titel „Grillt den Intendanten“. Dabei kamen hunderte Mitarbeiter nach einem harten Jahr des wie ein Mantra vor sich hergetragenen Sparens eigentlich nur, um zu erfahren, wie es mit ihnen als Feste und Freie im Sender weitergeht.

Die Zukunftsvisionen blieben jedoch eher blass, hörte man im Nachhinein. Auch tauchten wohl keine neuen Lösungsansätze für die Diskrepanz zwischen Arbeitsvolumen (viel) und Mitarbeiterressourcen (wenig) auf. Immer wieder wurden Schilder mit dem Wort "BUH!row" hochgehalten.

Schwerpunktthemen des dreistündigen Austausches waren einerseits Leiharbeit und die Befristung von Verträgen – und damit die Frage nach der Zukunftsperspektive vor allem für die Jungen im Sender. Andererseits ging es verstärkt um die freien Mitarbeiter, die als erste betroffen sind, wenn dem WDR weniger Geld zur Verfügung steht. Ein Aufreger war dabei die Einführung eines neuen Producers durch die Geschäftsführung hinter dem Rücken von Personalrat und Gewerkschaften. Die Arbeitnehmervertreter werteten das als klaren Vertrauensbruch (siehe auch den Bericht „Unter Druck“ weiter unten).

Intendant Buhrow wehrte sich, so hieß es, mit markigen Worten. Der Ausdruck „sowjetische Zwangsbeglückung“ gehörte ebenso zu seinem Repertoire wie „Gulag in Nordkorea“. Ob sich die Mitarbeiter da verstanden gefühlt haben mit ihren Ängsten, ihrem Frust und ihren Sorgen?

Protest der WDR-Mitarbeiter vor der Personalversammlung - Fotos: DJV-NRW/sb

Sozial und fair ist das nicht

Rede von Stephanie Hajdamowicz

Ich mache mir große Sorgen um die Zukunft der freien Mitarbeiter beim WDR. Unsere Sprechstunden, jeweils mittwochs und freitags, sind voller denn je. Wir haben im vergangenen Jahr weit über 400 Kolleginnen und Kollegen beraten. Immer häufiger geht es darum, dass Kollegen mitgeteilt wird, dass sie nicht mehr gebraucht werden. Natürlich kann es vorkommen, dass man sich von Mitarbeitern trennt. Doch so wie Sie, Herr Buhrow, es uns immer wieder verkauft haben, werden die Beendigungen nicht umgesetzt. Sie sprachen von sozial und fair.

Wie passt sozial und fair mit dem zusammen, was wir in den Sprechstunden erfahren? Da werden Mitarbeiter per Telefon darüber informiert, dass man sich eine weitere Zusammenarbeit nicht mehr vorstellen kann. Da kommen Kündigungen per Mail. Oder die Kolleginnen und Kollegen erfahren erst nach offiziellen Konferenzen, dass sie mal eben ihr bisher beackertes Feld abgenommen bekommen haben oder dass es ganz gestrichen wird. Alles ohne vorherige Ankündigungen. Sozial und fair ist das nicht.

Immer mehr Arbeit für immer weniger Geld
Wir erfahren von regelmäßigen Verstößen gegen den Honorarrahmen. Reporter trauen sich aber nicht, diese im Einzelfall anzuprangern. Weil sie Angst haben, ihre Arbeit zu verlieren. Weil sie dann identifiziert werden gegenüber ihren Chefs. Es scheint ein System der Angst zu herrschen, faire Arbeit für fairen Lohn, gilt das nur noch für ganz wenige Gehaltsklassen?

Frei sein beim WDR bedeutet immer häufiger, mit weniger Geld im Monat auszukommen. Es gibt inzwischen zahlreiche prekäre Beschäftigungsverhältnisse. Klar, als Freier kann man den ganzen Tag arbeiten. Das ist auch kein Problem. Solange wir nicht Probleme mit dem Arbeitsschutz bekommen. Doch immer mehr Arbeit für immer weniger Geld, das scheint die neue Maxime zu sein.

Schleichender Verlust der Ansprüche
Wichtig war im vergangenen Jahr die Beratung zum Bestandsschutz. Was tun bei Auftragseinbrüchen? Wir haben beraten, wenn es um Beendigungs- oder Teilbeendigungsgeld ging. Oder um Ausgleichsentgeld. Geld, das denen zusteht, die lange für den Sender gearbeitet haben, aber deren Arbeit nicht mehr erwünscht ist. Anstatt so etwas professionell anzugehen, müssen wir feststellen, dass diese Ansprüche nur noch nach umfangreicher Beratung gezahlt werden.

Und es gibt einen Trend, dass gerade diejenigen, die über viele Jahre dem WDR gute Quoten gebracht haben, strategisch abserviert werden. Sie verlieren schleichend ihre Arbeit und damit auch den Anspruch. Kolleginnen und Kollegen, die einst als Tagesreporter für jeden Einsatz engagiert hinausfuhren, später dann nur noch mit großer Mühe Eigendrehs und selbstgeschnittene Produkte abliefern können, fallen langsam aus der Schutzbedürftigkeit heraus. Weil sie es selber eine Zeit lang nicht wahrhaben wollen, dass sie nicht mehr gebraucht werden. Und wenn sie es merken, ist es zu spät für den Schutz. Hinzu kommt, dass Anfragen ans Haus, eventuell Teilbeendigungsgeld zu beantragen, oft ungern gesehen werden. Den Kolleginnen und Kollegen wird geraten, das Teilbeendigungsgeld besser nicht in Anspruch zu nehmen: Das zahle die Redaktion und würde schon mal für schlechte Stimmung sorgen.

Freie: Nur noch ein Kostenfaktor?
Bei uns wird gespart, wir kaufen weniger ein, das ist uns zu teuer: Schlagworte, die uns durchs ganze Jahr begleitet haben. Freie werden oft nur noch als Kostenfaktor wahrgenommen. Die Verunsicherung ist groß. Reisekosten werden mal gezahlt, mal nicht. Anfahrtskosten zur Redaktion werden mal gezahlt, mal nicht. Dabei gibt es eine gültige Reisekostenvereinbarung. Die wir gerne aktualisieren würden, weil sie noch in DM-Zeiten ausgehandelt wurde. Doch auch die scheint Spielmasse zu werden. Die „Aufwendungs-Erstattungs-Richtlinie“ aus dem Jahr 1978 ist bis heute gültige Grundlage. Doch in den Redaktionen wird immer seltener die Anfahrt von zu Hause zu den WDR-Standorten bezahlt.

Folgende Aussagen und Befürchtungen der Kolleginnen und Kollegen aus unserer Beratung gehen uns nicht mehr aus dem Kopf:
Ich bin alleinerziehend, habe eine Eigentumswohnung und muss wohl bald Privatinsolvenz anmelden.
Ich biete Themen an, bekomme aber noch nicht mal eine Antwort.
Der Druck unter uns Freien steigt.
Bei uns gibt es nur noch Mindesthonorare.
Selber drehen, selber schneiden, Rucksack-Schalten, crossmedial arbeiten: Ellbogen-Wettbewerbe entstehen.
Die Belastung wird höher.
Die Angst, irgendwann nicht mehr mithalten zu können, ist groß.
Meine Aufträge brechen weg.
Wer Kritik übt, bekommt Ärger.
Feste gegen Freie.

Wir Freie wollen den WDR mitgestalten.
Wir stehen zur Verfügung mit all unseren Ideen, unserer Kreativität, mit unseren Kontakten zum Zuschauer, Hörer und Leser, aber auch mit unserer Professionalität, um den WDR fit für die Zukunft zu machen. Wie wäre es denn mal mit einem WDR-Check mit den Freien. Gehen Sie doch mit uns mal in den Ring, nicht nur für zwei Stündchen, sondern mal einen ganzen Tag lang auf einer Klausur. Stellen Sie sich unseren kritischen Fragen. Und lassen sie uns gemeinsam die Ärmel hochkrempeln, um einen WDR zu gestalten, der auch in Zukunft überlebensfähig ist.

Ich möchte an ein Zitat vom gerade verstorbenen ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker erinnern: „Die Freiheit ist kein Geschenk, von dem man billig leben kann, sondern Chance und Verantwortung.“

Herr Buhrow, ich bitte Sie darum, die Verantwortung zu übernehmen und uns klar zu sagen, wohin ihr Sparkurs führt und was sie mit uns Freien vorhaben. Und ich fordere alle freien Kolleginnen und Kollegen auf: Nehmt Gebrauch von eurem Recht, sich bei uns beraten zu lassen. Wir sind für Euch da.

UNTER DRUCK

"Der WDR muss sparen." Dieses Mantra setzt seit Monaten alle im WDR unter Druck. Foto: DJV-NRW/sb

Tarifvertragsbruch und Dumping beim WDR
Das Mantra der WDR-Geschäftsführung lautet seit Monaten: „Der WDR muss sparen.“ Man könnte noch ein „egal wie“ anfügen, denn inzwischen sind Tarifvertragsbruch und Dumping an der Tagesordnung. „Was schert uns der Tarifvertrag?“, scheinen die Verantwortlichen zu denken und agieren ohne Rücksicht auf Personalrat und Gewerkschaften. Indem sie zum Beispiel den freien Producer in den Redaktionen einführen. Der muss als eierlegende Wollmilchsau alles können und machen – und natürlich für weniger Geld.

Weniger Geld, mehr Leistung
Immer weniger Geld für die Freien, dafür aber mehr Leistung – so lautet die Devise. Denn der WDR will das jüngere Publikum ansprechen, das im Internet unterwegs ist. Dazu muss das Angebot sogar noch ausgedehnt werden. Also verhandelt der WDR auf der einen Seite mit DJV und ver.di über crossmediale Honorare, und auf der anderen Seite führt er klammheimlich den Producer ein. Zu Honoraren, die nicht akzeptabel sind und dem Honorarrahmen widersprechen – zumindest dort, wo der Producer Autorentätigkeit übernimmt. Infos darüber, was genau eingeführt werden soll, können bei uns angefordert werden.

Einführung an Personalrat und Gewerkschaften vorbei
Das Vorgehen stellt einen echten Vertrauensbruch dar. Es wird empfohlen, die Information „nicht flächendeckend zu kommunizieren“, da es „von Seiten der Gewerkschaften Vorbehalte“ gegen eine Einführung gibt. Der Einstieg solle „sanft erfolgen“. Wenn der WDR gedacht hat, unbemerkt an Personalrat und Gewerkschaften vorbei agieren zu können: Diese Rechnung ist nicht aufgegangen.

Unfaires Spiel mit den Mitarbeitern
Der Spardruck wird als Rechtfertigung für so manches unfaire Spiel mit den festen und freien Mitarbeitern genommen. Honorare von Freien werden drastisch gekürzt, Stellen abgebaut, Zeitverträge nicht verlängert. In Zukunft soll fürs Internet ab 100 Euro gearbeitet werden. Freie haben Angst um ihre Jobs. Feste ächzen unter der ständig zunehmenden Arbeitsverdichtung. Immer wieder werden die Rechte der Mitarbeiter ignoriert. Dabei ist ein qualitativ gutes Programm Kerngeschäft und Existenzgrundlage des WDR. Gerade im digitalen Zeitalter wird Einordnung und Orientierung durch seriöse Journalisten benötigt und nachgefragt. Und das geht nicht in einem Klima der Angst. Der Alltag von Festen und Freien darf nicht von Überarbeitung und Zukunftssorgen geprägt sein.
Wir sagen: SCHLUSS DAMIT, Herr BUH!row.

Der Spardruck wird als Rechtfertigung für so manches unfaire Spiel mit den festen und freien Mitarbeitern im Sender genommen. Foto: DJV-NRW/sb

WDR-Betriebsgruppe unterstützt die DW-Kollegen

Die DJV-Betriebsgruppe im WDR ruft zur Teilnahme an der Demonstration der Kolleginnen und Kollegen der Deutschen Welle in Bonn auf. Am 23. Februar soll dort ab 14 Uhr auf dem Münsterplatz gegen die Sparpläne des Intendanten protestiert werden. Der DJV sieht Programm und Arbeitsplätze bei der Deutschen Welle massiv gefährdet, sollten diese Pläne umgesetzt werden. Das Werbeplakat für diese Demonstration präsentieren hier (v.l.) Miltiadis Oulios, Angelina Konrad, Stefanie Hajdamowicz, Frank Stach, Jochen Reinhardt und Petra Hengholt.

Sondierungsgespräche laufen

Im Oktober 2014 hatte der DJV alle WDR-Freien zu einer Veranstaltung in die Düsseldorfer Handwerkskammer eingeladen (Bericht siehe unten). In einem Brief an Intendant Tom Buhrow wurden anschließend Tarifvertragsbrüche des WDR offen gelegt. Insbesondere crossmediale Honorarzumutungen hat der Sender daraufhin wieder zurückgenommen.

 

Als Folge der Veranstaltung hat der DJV aber auch die Gespräche mit dem WDR auf ganz neue Füße gestellt und sich zu Sondierungsgesprächen verabredet. Das wäre ohne die aktive Unterstützung der Freien nicht möglich gewesen. Ziel der derzeit laufenden Gespräche zwischen Gewerkschaften und Sender ist, frei von üblichen Ritualen auszuloten, wo der Schuh drückt. Dabei wird über verschiedene Modelle nachgedacht, wie crossmediales Arbeiten aussehen und honoriert werden könnte. Das ist Neuland, und deshalb gibt es auch Überlegungen, ob neue Formen der Honorierung im Rahmen von zeitlich und räumlich begrenzten Leuchttürmen, z.B. in Wuppertal oder in der Wissenschaftsredaktion, getestet werden können. Diejenigen, die bei den Leuchttürmen mitmachen sollen, werden eng eingebunden.

 

Aktionen planen

Parallel zu den Sondierungsgesprächen möchte der DJV aber durchaus die auf dem Oktober-Treffen besprochene Arbeitsgruppe Aktionen aktivieren. Das jüngste Gutachten des Bundesfinanz-Beirates zeigt, dass auch von der Politik noch Unbill droht. Darauf sollte man vorbereitet sein, mit dem Ziel, dass beide Gewerkschaften öffentlichkeitswirksame gemeinsame Aktionen auf die Beine stellen. Die AG wird sich im Februar das erste Mal treffen und sich u.a. überlegen, wie man Nadelstiche setzen, aber auch „Lobbying“ für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk machen kann. Denn Deutschland braucht einen starken öffentlichen-rechtlichen Rundfunk.

 

Infoveranstaltung von ver.di

Der DJV erhält derzeit einige Anfragen von DJV-Freien und Nichtgewerkschaftern zur ver.di-Freienversammlung am 30. Januar. Wie der DJV es bereits im Oktober getan hat, möchte ver.di tarifpolitische Strategien und Forderungen diskutieren. Auch wenn DJV und ver.di als Partnergewerkschaften gemeinsam verhandeln, so ist doch jede Organisation unterschiedlich und geht manchmal auch unterschiedlich an Themen heran.

 

Was hat es mit dem von ver.di ausgerufenen freien Tag auf sich? Hintergrund ist wohl vor allem der Aspekt, dass die Freien, die zur Infoveranstaltung gehen, dann keinen Verdienstausfall haben. Ob man einen freien Tag nimmt, muss natürlich jeder für sich entscheiden. Grundsätzlich ist es ja durchaus vernünftig Anfang des Jahres einen Urlaubstag zu nehmen, um den 12a-Status zu sichern.

Volles Haus: WDR-Freie bei einer Veranstaltung des DJV-NRW. Foto: cbl

 

WDR-Freientreffen: Sorge und Selbstbewusstsein

Dass der WDR sparen muss und will, ist klar. Aber welche Pläne hat der Sender dabei für seine freien Journalistinnen und Journalisten? Werden Anforderungen immer weiter hoch und die Honorare immer weiter runter geschraubt? Diese Sorge trieb rund 160 Betroffene um, die am Samstagmittag auf Einladung des DJV-NRW aus ganz NRW nach Düsseldorf gekommen waren: Freie aus Hörfunk, Fernsehen und Online, viele darunter auch als Delegation aus verschiedenen Regionalstudios von Aachen bis Bielefeld.

Nach der Begrüßung durch den Landesvorsitzenden und WDR-Freien Frank Stach ging es zum Auftakt um die Vorstellungen, die der WDR den Gewerkschaften in Vorab-Gesprächen zu künftigen Tarifverhandlungen dargelegt hatte. Die erläuterte WDR-Freien und Tarifkommissionsmitglied Dr. Frank Überall im Wechsel mit Landesgeschäftsführerin Dr. Anja Zimmer: Immer vehementer fordert der WDR die Tarifierung von Tagespauschalen, was die Gewerkschaften bisher immer abwenden konnten. Nun stehen auf der Agenda des Senders z.B. crossmediale "Kombihonorare", die weit unter den bisherigen Einzelhonoraren liegen, sowie die Einführung von Producern, die journalistische Aufgaben übernehmen sollen.

Frank Überall und Anja Zimmer erläuterten auch, welche Ideen der DJV dagegensetzt, etwa eine Art "Mengenrabatt", die den Sender unter dem Strich zwar auch eine Ersparnis brächte, die aber für die Freien trotzdem mit Anreizen verbunden und vor allem auch sozialversicherungstechnisch unbedenklich wäre.

Tarifbrüche sind längst Alltag
Damit der DJV-NRW weiß, was seine Mitglieder und andere Freie sich wünschen, gab es einzelne Arbeitsgruppen für Fernsehen, Hörfunk und Crossmedia. Dabei zeigte sich einerseits, dass die Bedürfnisse für die drei Bereiche durchaus unterschiedlich sind - und dass der Sender die geltenen Tarifverträge in weit stärkeren Maße umgeht, als es den Gewerkschaften bisher bekannt war.

Weitere Belege dafür kamen in der roten Box zusammen - eine von dreien, mit denen der DJV auf der Veranstaltung Hinweise sammelte: Neben den Tarifbrüchen (rot) gab es "Verschwendung" (gelb) und "Wünsche" (grün). Nicht nur die DJV-Vertreter zeigten sich "erschüttert, wie stark Tarifbrüche längst Alltag im WDR sind". Immerhin: Mit dieser Erkenntnis und mit den Voten der Arbeitsgruppen geht die Verhandlungskommssion nun besser vorbereitet in künftige Tarifgespräche.

Eine vierte Arbeitsgruppe sammelte Ideen zu Aktionen für verschiedene "Eskalationsstufen" - von kleinen Nadelstichen bis hin zur großen, durchaus schmerzhaften Aktionen. Darunter vieles, worauf man schnell kommt, aber auch manche Idee, die den Sender überrraschen wird. Auch diese Ergebnisse wurden am Schluss im Plenum vorgestellt und diskutiert. Große Einigkeit herrschte unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, als ersten Schritt aus der Versammlung heraus ein deutliches Signal in Richtung Führungsspitze zu senden.

Deutlich wurde auch, dass es letztlich an den Betroffenen selbst hängt, wie stark DJV und verdi in Tarifverhandlungen auftreten können. Denn klar ist: Demonstrieren und notfalls auch die Arbeit niederlegen können die Gewerkschaften nicht für die Freien, sondern nur die Freien mit Unterstützung der Gewerkschaften.Die drei kompakten Stunden zeigten aber auch, dass die Freien bei aller Sorge um ihre berufliche Zukunft selbstbewusst sind. Sie schaffen einen großen Teil der Inhalte, sie stehen für Qualität im öffentich-rechtlichen Rundfunk, sie wollen mit Wertschätzung behandelt und angemessen honoriert werden.

Lektüre für die Mittagspause

Mitglieder der DJV-Betriebsgruppe (im Bild v.l. Miltiadis Oulios, Frank Stach, Stephanie Hajdamowicz, Antje de Levie) verteilten vor der WDR-Kantine Flugblätter, mit denen auf die schwierige Situation der Freien im WDR aufgrund der fortschreitenden Sparmaßnahmen aufmerksam gemacht wurde. Gleichzeitig war das Flugblatt eine Einladung zum Info-Tag des DJV-NRW am 25. Oktober in Düsseldorf - eine Gelegenheit für alle WDR-Freien, sich in die Beratung über mögliche Strategien einzubringen.

JOURNAL-Bericht 5/14

WDR droht, den Honorarkonsens aufzukündigen

Die aktuelle Situation der freien Journalistinnen und Journalisten beim WDR beschäftigt auch das JOURNAL 5/14. Autorin Corinna Blümel beschreibt, welche Konsequenzen die Pläne des WDR vor allem für die Freien haben: Für sie geht es ans Eingemachte. Nach Vorstellung des WDR soll nämlich das bewährte System der werkbezogenen Vergütung immer weiter verwässert werden.
Zum JOURNAL-Artikel "WDR: Schlankheitskur auf Kosten der Freien"

Juristisches Update für die DJV-Personalräte im WDR

Unser Bild zeigt die Seminar-Teilnehmer vor der DJV-Geschäftsstelle: stehend von links Angelina Konrad, Frank Stach, Stefanie Hajdamowicz, Antje de Levie, Herwig Knips, Elke Thommessen, Petra Hengholt, David Ohrndorf, sitzend von links Jochen Reinhardt, Benno H. Pöppelmann. Foto: DJV-NRW/sb

Ein zweitägiges Update in Sachen Personalvertretungs- sowie Tarifrecht haben die WDR-Personalräte des DJV jetzt in Düsseldorf bekommen. Bei dem von DJV-Justiziar Benno H. Pöppelmann geleiteten Seminar ging es ganz besonders um Mitwirkungs- und Mitbestimmungsmöglichkeiten für den Personalrat.

 

Dabei spielten natürlich auch die aktuellen Probleme von freien Mitarbeitern im WDR eine große Rolle. Auch bei Beendigung von Beschäftigungsverhältnissen von freien Kolleg/innen durch den WDR ist der Personalrat keineswegs außen vor. Allerdings mussten die Seminarteilnehmer feststellen, dass Beschäftigungsverhältnisse von langjährigen Freien zunehmend durch WDR-Redaktionen "ausgeschlichen" werden, d.h. die Mitarbeiter werden immer weniger beschäftigt. Wenn dann eine Beschäftigungsgrenze unterschritten ist, greifen bestimmte soziale Schutzfunktionen nicht mehr, und das Unternehmen braucht sich um eine ordentliche Kündigung nicht mehr zu sorgen.

 

Um solche Praktiken möglichst auszuschließen, möchte der DJV demnächst gemeinsam mit den anderen Gewerkschaften und dem WDR ein Verfahren entwickeln, das bei Beendigung von Beschäftigungsverhältnissen von Freien greift und bestimmte soziale Kriterien sicherstellt. Dafür gibt es in der ARD bereits Beispiele.//jr

Freie wollen gemeinsam aktiv werden

Sie sind aus dem ganzen Land angereist: Freie Journalistinnen und Journalisten des WDR haben sich am 26. August in Köln versammelt, auch um Flagge zu zeigen. In solchen Zeiten ist es wichtig, auch mal präsent zu sein, erklärte beispielsweise ein Kollege aus dem Ruhrgebiet. Noch nie war eine Vollversammlung im WDR so gut besucht. Etwa 90 Kolleginnen und Kollegen diskutierten im NATO-Saal des Kölner Funkhauses.

Schwierige Zeiten für Freie
Es sind schwierige Zeiten für den WDR, der Sender muss mehr als in der Vergangenheit sparen. Gerade die Honorare der freien Mitarbeiter sind ein Posten, bei dem der Sender besonders „flexibel“ agieren kann. Zwar legt der Tarifvertrag die Mindesthonorare für Freie fest, aber den ein oder anderen Dreh zum Sparen hat der WDR hier schon gefunden. Viele Freie haben das Gefühl, dass der WDR die Sparschraube gerade überdreht. Dabei fallen bereits Sendungen weg, oder Beiträge werden vermehrt wiederholt. Und gerade hier spart der Sender bereits deutlich auf der Ausgabenseite.

Der DJV-NRW hat zusammen mit ver.di zu der Freienversammlung eingeladen, um die Betroffenen darüber zu informieren, was sie tun können, falls die Aufträge mit oder ohne „Veränderungs-“ bzw. „Beendigungsankündigung“ wegbrechen. Dann kann es schnell finanziell eng werden. Da ist es dann besonders wichtig, seine Rechte zu kennen. Ausführliche Informationen dazu bietet dieses pdf des DJV-NRW. Ganz wichtig: Betroffene sollten sich unbedingt individuell beraten lassen! Für Mitglieder stehen die DJV-Juristen jederzeit für Fragen zur Verfügung.

Die WDR-Freien haben sich auf der Versammlung auch mit anderen Themen befasst. Einen ersten Entwurf für einen Forderungskatalog hatte Ulli Schauen vorbereitet, der die WDR-Mailingliste mit organisiert. In der Liste hatten die Freien diese Punkte bereits diskutiert. Das Ergebnis wurde auf der Freienversammlung verteilt. Nach längerer Diskussion, ob dieses Papier zum jetzigen Zeitpunkt und in der vorgelegten Form tatsächlich sinnvoll ist, wurde es als Arbeitsentwurf verabschiedet. An den Formulierungen wird noch geschraubt.

In dem Papier formulieren die Freien ihre Sorge, dass Honorare gekürzt werden, während der Leistungsdruck steigt. Sie fordern deshalb mehr Transparenz bei den Sparentscheidungen und machen sich für eine Einhaltung der Mindesthonorare stark, für eine Steigerung der Effektivhonorare, für einen verbesserten Honorarrahmen, für die Vergütung zusätzlicher Arbeiten und für die Einhaltung der Richtlinien in Sachen Reisekosten und Spesen.

Der Zusammenhang von Sparen und Qualität
Alles wichtige Forderungen, allerdings stellten sich viele die Frage, ob nicht andere Themen im Vordergrund stehen müssten und wen die Freien mit ihren Forderungen eigentlich adressieren wollen. Da wäre z.B. die Frage nach dem Programmauftrag. Müssten wir nicht den Zuschauer mit ins Boot holen? Und sollten wir statt Honorarforderungen aufzustellen besser nach den Auswirkungen der radikalen Sparmaßnahmen auf das Programm fragen? Der DJV in Nordrhein-Westfalen hat darauf bereits auf seinem Gewerkschaftstag im Mai hingewiesen.

Und wenn wir über Honorare reden, müssten dann nicht die Themen benannt werden, über die wir aktuell mit dem WDR verhandeln? Beispiele wären Crossmedialität, eine angemessene Honorierung von Leistungen für die Internet- und Social-Mediaseiten der Sender oder die vom WDR so dringend gewünschten Honorarkürzungen? Mit allen diesen Fragen beschäftigen sich die Gewerkschaften bereits und werden dies weiter tun müssen. Und wir werden dabei auch mit unseren Mitgliedern diskutieren, wie das aussehen könnte.

Unterschiedlich betroffen
Die Veranstaltung zeigte auch, dass die Freien unterschiedlich betroffen sind: Auf der einen Seite stehen diejenigen, die (noch) gut im Geschäft sind und den legitimen Wunsch haben, dass ihr Einkommen nicht stagniert oder sogar nach und nach schrumpft. Auf der anderen Seite diejenigen, die gerade um ihre Aufträge und ihren Status als feste Freie fürchten müssen.

Und da ist nicht zuletzt der Nachwuchs, der auch eine Chance beim Sender haben möchte. Darunter zum Beispiel auch Printfreie, die sich weiterbilden und neue Auftraggeber suchen, weil die Tageszeitungen nach Redaktionszusammenlegungen und -schließungen kaum noch ein Auskommen ermöglichen.

Insgesamt steht der öffentliche-rechtliche Rundfunk unter zunehmendem Rechtfertigungsdruck. Die Freien wollen deshalb jetzt auf ihre Belange aufmerksam machen. In der Freienliste sind bereits erste Ideen für öffentlichkeitswirksame Aktionen geäußert worden, DJV und ver.di haben bereits ihre Unterstützung angeboten.

Mitwirken, damit Schlimmeres verhindert wird!
Nun geht es darum, den Schwung der Freienversammlung in Köln weiter aufrecht zu erhalten. Die Gewerkschaften wollen mit einer kleinen Aktionsgruppe überlegen, wie es weitergeht. Wer mitmachen möchte, einfach eine Mail an anja.zimmerspamfilter@djv-nrwspamfilter.de. Denn eins ist sicher: Nur wenn sich die Freien gemeinsam wehren, kann Schlimmeres verhindert werden!

Kündigung wegen angeblicher "Interessenskollision"

Foto: Jochen Reinhardt

Das Klima wird härter im WDR – das beklagen besonders freie Autorinnen und Autoren seit Beginn aller Spardiskussionen vor einigen Monaten. Neben dem Vorwurf, dass Honorare zunehmend nicht tarifkorrekt gezahlt würden, wird auch die Befürchtung geäußert, dass Kolleginnen und Kollegen ohne Bestandsschutz mehr oder weniger elegant aus dem Unternehmen gedrängt werden sollen. Dabei hatte der neue Fernsehdirektor Jörg Schönenborn sich doch unlängst dafür ausgesprochen, auch Freie, die schon lange im Betrieb sind, besonders zu schützen.

Form der Kündigung nicht korrekt
Ein aktueller Fall aus einem Regionalstudio gibt den Befürchtungen der Mitarbeiter durchaus Nahrung und soll an dieser Stelle exemplarisch für weitere stehen. Eine Person hat seit einigen Monaten eine halbe Stelle in der Öffentlichkeitsarbeit – für eine weltanschauliche Einrichtung und außerhalb des Sendegebietes des WDR-Studios. Sie hat dort keine direkten Pressekontakte. Die Studioleitung sieht darin dennoch eine Interessenskollision und hat die Kündigung ausgesprochen. Das will die betroffene Person nicht einfach hinnehmen.

Themenbreite lässt andere Lösung zu
Der Fall hat Wiedererkennungs-Charakter, denn einen ähnlichen hat es vor Monaten bereits in einem anderen Studio gegeben. Die DJV-Betriebsgruppe sieht auch im aktuellen Fall den allumfassenden Interessenskonflikt nicht und kritisiert diese existenz-bedrohende Entscheidung. Angesichts der Themenbreite in einem Regionalstudio wird jemand durchaus problemlos beschäftigt werden können, ohne über Aktivitäten seines Arbeitsgebers berichten oder jemals als Interviewpartner einem WDR-Team Rede und Antwort stehen zu müssen. Erfahrene Journalistinnen und Journalisten entwickeln da durchaus sensible Züge, wenn es um mögliche Interessenskonflikte geht und lehnen diesbezügliche Aufträge ab - dafür gibt es im Haus Beispiele genug. Und auch in diesem Fall wurden solche Zusagen gemacht.

DJV fordert Rücknahme der Kündigung
Der DJV fordert die Studioleitung bzw. die WDR-Geschäftsführung auf, die Kündigung zurückzunehmen. Wir unterstützen unsere Kollegen darin, ihre berechtigten Ansprüche durchzusetzen. Das betrifft die Wiedereinstellung, aber auch jede Form der Rechtsberatung und natürlich auch die Inanspruchnahme aller finanziellen Ansprüche, die sich z.B. aus Tarifverträgen ergeben – sollte diese Art der Kündigung Bestand haben.
Jochen Reinhardt, DJV-Betriebsgruppe, 7. August 2014

 

Nachtrag vom 20.8.2014:
Mittlerweile hat die gekündigte Person ihr vom WDR zustehende tarifliche Ausgleichszahlungen bekommen. An der Kündigung hält der WDR damit fest. Der DJV hält den Kündigungsgrund weiterhin nicht für akzeptabel und hat dazu noch Informationsbedarf. Die nachträgliche Zahlung zeigt allen Kolleginnen und Kollegen aber auch, dass es sich durchaus lohnen kann, die eigenen Rechte zu kennen und diese einzufordern.

DJV-Personalräte-Seminar in Düsseldorf

DJV-Justiziar Benno H. Pöppelmann - Foto: Dieter Bauer

Die Grundlagen des Personalvertretungs- und des Individualarbeitsrechts sowie die für den WDR geltenden Tarifverträge werden im September die Hauptthemen eines Seminars für WDR-Personalratsmitglieder und Ersatzmitglieder sein. Ferner geht es um die Möglichkeiten des vor kurzem auch im WDR eingerichteten Wirtschaftsausschusses. Des Weiteren bekommen die Seminarteilnehmer einen Überblick über Verwaltungsgerichtsverfahren in Personalratsangelegenheiten.

Die Veranstaltung unter Leitung des DJV-Justiziars Benno H. Pöppelmann vom DJV-Bundesverband findet am 18. und 19.9. in der Geschäftsstelle des DJV-NRW in Düsseldorf statt.

Erneute Diskussion über die Auswirkungen der Sparpolitik

Tom Buhrow war Anfang Juli ein Jahr im Amt. Der WDR-Intendant nutzte dieses Datum, um vor der Presse zurück- und nach vorne zu schauen. Zusammen mit der Geschäftsleitung und den Programmdirektoren legte er Details zu den geplanten Einsparungen vor: Allein 30 Millionen Euro müssen bekanntlich zusätzlich 2015 eingespart werden, davon knapp die Hälfte im Programm. 500 Planstellen sollen wegfallen (ausführlicher dazu diese Meldung).

Stunden zuvor war Buhrow gemeinsam mit der Geschäftsleitung und seinen Direktoren vor die Mitarbeiterschaft getreten. Zum zweiten Mal innerhalb von vier Monaten war die WDR-Kantine anlässlich der Personalversammlung prall gefüllt – das Thema „Stellenabbau und weitere Konsequenzen aus dem massiven Sparkurs des Unternehmens“ bewegt die Mitarbeiterschaft ja heftig. Angekündigt ist zwar, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen gaben wird, aber die Belegschaft fürchtet Auswirkungen auf Arbeitsdruck und Arbeitsverdichtung. Die Diskussion ergab auf Seiten der Mitarbeiter wie auch der Geschäftsleitung gelegentliche „Empörungsausbrüche“, verlief aber im wesentlichen sehr sachlich.

Lokalzeit demnächst nicht mehr samstags

Welche Inhalte der WDR sich in Zukunft aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr leisten kann oder will, darüber gab es wenig konkrete Informationen. Hier wird wohl noch an den letzten Entscheidungen gefeilt. Beim Fernsehen fallen, wie Jörg Schönenborn in der Pressekonferenz darlegte, einzelne Sendungen weg, die Lokalzeit kommt nur noch montags bis Freitag aus den elf Landesstudios. Samstags wird es eine landesweite, freizeitorientierte Sendung geben. Beim Hörfunk soll vor allem an „Tagesrandzeiten“ gekürzt werden, die Nachrichten seien davon gänzlich ausgenommen.

Der größte Diskussionsbedarf in der Personalversammlung betraf ganz klar die Perspektive von freien Journalistinnen und Journalisten im WDR. Einige brachten unter Beifall aus dem Plenum das Gefühl von „abnehmender Wertschätzung“ durch Redaktionen und Vorgesetzte zum Ausdruck. Und dieses Gefühl wird nicht nur durch angelaufene und prognostizierte Etat-Kürzungen gespeist, die zuallererst die Freien treffen dürfte. Bei vielen Freien hat sich dieses Gefühl angesichts wachsender Anforderungen und kaum erhöhter Real-Honorare schon seit vielen Jahren festgesetzt.

Eine Freie berichtete, dass sie bei gleichbleibendem Arbeitsaufwand heute nur noch 75 Prozent von dem verdiene, was sie vor sechs Jahren gehabt hätte. Ein anderer freier Kollege blickte noch weiter zurück: Innerhalb der letzten 25 Jahre habe sich trotz guter Auslastung seine Einkommenssituation unter Berücksichtigung der Geldentwertung nicht verbessert. Alle Redner appellierten an die Geschäftsleitung, die Lage und die Interessen der Freien besonders im Auge zu haben. Immerhin lieferten diese doch den wesentlichen Teil der Programminhalte, die der WDR in Radio, Fernsehen und Internet verbreite. Neben den freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die um ausreichende Aufträge bangen, stehen auch Auszubildende und Zeitverträgler vor einer unsicheren Zukunft: Viele von ihnen werden auf Dauer keinen Arbeitsplatz im WDR haben.

DJV gegen Rasenmäher-Methode

Vor Beginn der Veranstaltung hatten freie Journalistinnen und Journalisten des DJV vor dem Veranstaltungsraum in den Kölner Arkaden mit einer kleinen Protest-Aktion auf die Belange der rund 1900 festen Freien sowie der nur gelegentlich beschäftigten Freien hingewiesen. Bei vielen gäbe es mittlerweile Existenzängste. Und die DJV-Vertreter brachten ihre Befürchtung zum Ausdruck, dass angesichts der massiven Sparmaßnahmen die journalistische Qualität des WDR-Programms leiden könnte. Prof. Dr. Frank Überall, Mitglied des DJV-Bundesvorstands, und DJV-Landesgeschäftsführerin Dr. Anja Zimmer forderten den WDR auf, die sogenannte Rasenmäher-Methode wieder einzupacken und über „intelligente Sparwege“ nachzudenken.

Für viele gehört auch ein kritischer Blick zurück dazu. Wie konnte es innerhalb weniger Monate überhaupt zu diesem massiven Finanzloch kommen, das die Mitarbeiterschaft sozusagen „kalt erwischt“ hat? Ob da nicht auch durch die Geschäftsleitung Fehler gemacht worden seien, wollte ein Kollege wissen. Eine Kritik, die der Intendant prompt zurückwies.

Bitte keine Selbstzerfleischung!

Wir im DJV halten auch nach dem heutigen Tag vor allem daran fest, dass sich die Belegschaft weder von außen auseinander dividieren lassen noch sich intern zerfleischen darf. Feste gegen Freie, 12a-Freie gegen Nicht-12a-Freie, Redaktion A gegen Produktion B, lieber Gott, spar doch bitte nebenan – dafür gab es zuletzt im Haus einige Anzeichen und das hilft nicht weiter.

Auch wenn Verunsicherung und Ängste weiter groß sind: nur mit Geschlossenheit werden wir etwas erreichen können. Die Umsetzung wird ohne heftige Auswirkungen auf uns selbst, auf die Mitarbeiterschaft, kaum gehen. Jetzt muss jeder einzelne Spar-Schritt der Geschäftsleitung kritisch begleitet werden und auch außerhalb des Hauses um mehr Unterstützung geworben werden – bei allen, die ein Interesse an einem starken und sozial aufgestelltem öffentlich-rechtlichen Rundfunk haben.
Dr. Anja Zimmer, Geschäftsführerin des DJV-NRW

Erste große Sparmaßnahme verkündet: 500 Planstellen werden wegfallen!

500 Planstellen wird der WDR in den nächsten Jahren bis 2020 abbauen. Das ist die Kernbotschaft, die WDR-Intendant Tom Buhrow heute den Führungskräften, den Gremien und per Intranet auch den Mitarbeitern übermittelte. Durchschnittlich würden in jedem Jahr auch durch das Absinken des Rundfunkbeitrags 100 Millionen Euro im Etat fehlen, deshalb so Buhrow, „sei der Stellenabbau eine schmerzhafte, aber zwingende Entscheidung“. Betriebsbedingte Kündigungen werde es nicht geben, man werde jedoch nicht alle Stellen die durch Rente, Vorruhestand oder Altersteilzeit frei werden, neu besetzen. Der größte Teil der Stelleneinsparungen wird die Produktion und die Verwaltung treffen.

Etwas überraschend für viele Mitarbeiter wurden noch keine konkreten Angaben zu zusätzlich einsparenden Veränderungen im Programm gemacht. Denn weniger Leute werden ein gleichbleibendes Programm- und damit Arbeitsvolumen kaum schultern können. Der Intendant wiederholte zwar seine Aussage, der WDR werde nicht mehr alles tun können, was er heute tut. Ob und wenn ja z.B. Sendungen eingestellt oder Studios geschlossen würden, bleibt zumindest bis Herbst weiter offen. Und damit bleibt auch weiterhin die Unsicherheit unter festen und freien KollegInnen über ihre zukünftigen Arbeitsbedingungen vorerst groß. Fest steht jedenfalls, dass allein durch diesen angekündigten Stellenabbau die Sparziele nicht erreicht werden können. Es wird also noch eine Menge kommen.

Sehr kritisch sehen wir beim DJV eine heute formulierte Zielsetzung der Geschäftsleitung: „Wir verschlanken Strukturen und Prozesse im WDR, um die Arbeit zu erleichtern sowie schneller und dynamischer zu werden.“ Mit weniger Menschen und Material mehr zu schaffen: Diesen Ansatz kennen wir als Gewerkschafter auch schon von Zeitungsverlegern, die mit solchen Aussagen in den letzten Jahren Sparmaßnahmen und Arbeitsabbau in ihren Medienhäusern begründet haben. Funktioniert hat das nach unseren Erkenntnissen noch nirgendwo so richtig und auch für das Unternehmen WDR sind da einige Zweifel angebracht.

Die DJV-Betriebsgruppe erwartet auch in dieser schwierigen Phase vom Unternehmen klare Signale, dass der WDR ein verlässlicher Arbeitgeber bleibt - auch für freie Journalistinnen und Journalisten. In den nächsten Tagen wird sicherlich viel diskutiert werden. Am nächsten Mittwoch auch im Personalrat, dann kommt Tom Buhrow zum obligatorischen Viertel-Jahresgespräch.

Liebe Kolleginnen und Kollegen: wenn Sie vor diesem Hintergrund Fragen an den Intendanten haben, wenden Sie sich gerne an die Personalratsmitglieder des DJV. Wir werden diese Fragen dann für Sie stellen!
Jochen Reinhardt, Personalrat im WDR, 13. Juni 2014

siehe dazu auch die Pressemitteilung des DJV-NRW

Es geht ans Eingemachte: Sparentscheidung am Freitag, den 13.!

Die Belegschaft fest im Blick, auch deren Interessen? Intendant Tom Buhrow auf der Personalversammlung im Februar 2014 im Kreise der damaligen Geschäftsleitung. Foto: Jochen Reinhardt

Am 13. Juni, einem Freitag wohlgemerkt, soll es den „Big Bang“ geben: In einer fein abgestimmten „Choreographie“, so der neue Fernsehdirektor Schönenborn unlängst, will die Geschäftsleitung gegenüber Führungskräften, Gremien und Mitarbeitern ihre Sparentscheidungen für die Jahre ab 2016 bekannt geben.

Niemand in der Belegschaft geht davon aus, dass es sich bei der Verkündung um ein weiteres Minus-Prozentpünktchen hier und da handeln wird. Nein, es wird angesichts vorhandener und absehbarer dickster Finanzlöcher ans Eingemachte gehen.

Neu-Intendant Tom Buhrow hatte das im Herbst 2013 erstmals angekündigt und seitdem mehrfach bestätigt, zuletzt auch gegenüber dem WDR-Personalrat: „Wir müssen langfristige Veränderungen schaffen und dabei eventuell auf Programmangebote verzichten." In Zeitungen liest man schon mal vom Gang durch ein „Tal der Tränen“, der dem WDR bevorsteht und dass sich Grausamkeiten wohl nicht vermeiden ließen.

Freie Mitarbeiter die Hauptleidtragenden

Auf den Fluren der Kölner Zentrale und auch in den zahlreichen Studios im Land ist das befürchtete Streichkonzert natürlich das beherrschende Thema unter den Kolleginnen und Kollegen, vor allem da die schon laufenden Sparmaßnahmen (Planstellenabbau, pauschale Etatkürzungen) für das laufende und das nächste Jahr kaum verdaut sind.

Hauptleidtragende sind schon jetzt die Freien Journalistinnen und Journalisten. Auf viele kommen absehbar erhebliche Mindereinnahmen zu. Der Wegfall von kompletten Programmangeboten würde zweifellos zahlreiche freiberufliche Existenzen bedrohen. Und zusätzlich den Konkurrenzkampf um Stücke des verbleibenden kleineren Auftrags-Kuchens erheblich verschärfen. Aber auch viele Festangestellte müssen schon heute mit erheblicher Arbeitsverdichtung und wachsendem Arbeitsdruck fertig werden, was z.B. den Krankenstand leider weiter hoch hält. Durch den Wegfall zahlreicher Planstellen wird diese Situation absehbar schlechter.

Im Haus werden nach unseren Beobachtungen mittlerweile auf einigen Ebenen die ersten Verteilungskämpfe ausgetragen. Auf der Abteilungsversammlung A werden Vorschläge gemacht, doch bitte in der Redaktion B zu sparen - und umgekehrt. Freie Mitarbeiter stellen Gehaltsdeckelungen für Festangestellte zur Diskussion, aus Kreisen der Belegschaft ertönt schon mal der Ruf nach  drastischer Reduzierung der Zahl der Führungskräfte. Doch derartige St. Florians-Forderungen helfen derzeit niemandem weiter.

Auseinandersetzungen keineswegs scheuen

Wir vom DJV fordern deshalb alle Kolleginnen und Kollegen auf, in dieser schwierigen Zeit ein Höchstmaß an Solidarität für alle im WDR arbeitenden Menschen aufzubringen.

Der 13. Juni dürfte zunächst einmal endlich Klarheit bringen. Dann müssen wir alle gemeinsam, aber besonders die Gewerkschaften, der Personalrat und die Redakteursvertretung die Vorstellungen der Geschäftsleitung analysieren und dürfen auch Auseinandersetzungen mit dem Unternehmen nicht scheuen.

Für den DJV geht es um den Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze für Freie, um vernünftige Arbeitsbedingungen in Redaktion und Produktion sowie um Rahmenbedingungen, die weiterhin ein glaubwürdiges öffentlich-rechtliches Programm ermöglichen.
Jochen Reinhardt, Personalrat im WDR, 5. Juni 2014

WDR-Feste und WDR-Freie in Fachausschüsse gewählt

Foto: Anja Cord

Auf dem Gewerkschaftstag des DJV-NRW am 17.5.2014 in Essen wurden etliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des WDR, feste und freie, in Fachausschüsse des Landesverbands gewählt. Diese Ausschüsse sind Ansprechpartner für die jeweilige Berufsgruppe und beraten den Landesvorstand in ihrem Fachbereich. Unser Bild zeigt die anwesenden gewählten Fachausschuss-Mitglieder aus den Reihen des WDR: (v.l.) Jochen Reinhardt, Wilhelm Hölzer, Herwig Knips, Andrea Groß, Andrea Hansen, Thomas Schwarz, Thomas Becker, E.-Friedbert Raulf und Helene Pawlitzki.

 

Inhaltlich beschäftigte sich der Verbandstag auch mit der aktuellen Spardebatte im WDR. In einer verabschiedeten Dringlichkeitsresolution heißt es u.a.: „Daher fordert der DJV-NRW vom WDR intelligente Sparkonzepte und ein Konzept, welche Aufgaben der öffentlich-rechtliche Rundfunk künftig wie finanziert sicherstellen kann. Der Reflex, einfach an den so genannten Sachkosten, den freien Mitarbeitern, zu sparen, ist dazu nicht geeignet.“

R3 WDR: Pauschale Einsparungen gefährden Programmqualität

Der Gewerkschaftstag des DJV-NRW fordert die Verantwortlichen des WDR auf, notwendige Einsparungen nicht nach der „Rasenmäher-Methode“ umzusetzen. Pauschale Einsparungen – wie jetzt bei den Honoraretats gedacht – sind nicht geeignet, die finanziellen Herausforderungen des Westdeutschen Rundfunks zu lösen – weder quantitativ noch qualitativ.

 

Freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind das Rückgrat der WDR-Berichterstattung in Fernsehen, Hörfunk und Internet. Ohne sie bräche das Programm von einem Tag auf den nächsten zusammen. Viele von ihnen sind Programm prägende Gesichter und Stimmen. Deshalb ist es kontraproduktiv, wenn der WDR jetzt im Rahmen der angekündigten Einsparungen bei den bisherigen Leistungsträgern die Bezahlung reduziert.  Pauschale Einsparungen in diesem Bereich gefährden vielmehr die Qualität des Programms und stellen damit langfristig auch die Berechtigung des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks in Frage.

 

Daher fordert der DJV-NRW vom WDR intelligente Sparkonzepte und ein Konzept, welche Aufgaben der öffentlich-rechtliche Rundfunk künftig wie finanziert sicherstellen kann. Der Reflex, einfach an den so genannten Sachkosten, den freien Mitarbeitern, zu sparen, ist dazu nicht geeignet.

Tarifvertrag über Altersteilzeit und Vorruhestand abgeschlossen

In Tarifverhandlungen zwischen den Gewerkschaften (DJV-NRW, ver.di, DOV) und dem WDR wurde ein Tarifvertrag über Altersteilzeit und Vorruhestand vereinbart.

 

>> Die Tarif-Information der Gewerkschaften enthält alle wichtigen Details.

Social Media im WDR: Rahmenbedingungen müssen stimmen

Mitglieder der DJV-Betriebsgruppe diskutierten mit Stefan Moll, Leiter des WDR-Programmbereiches Internet. Foto: Jochen Reinhardt

Jede WDR-Redaktion, die will, die kann jetzt auch – in Social Media auftreten. Rund 40 machen das bereits, überwiegend bei Facebook, aber auch bei Twitter, Google+ und sogar auch schon etwas bei Instagram. Für Stefan Moll, Leiter des WDR-Programmbereiches Internet, sind die Sozialen Netzwerke zunächst einmal eine „gewaltige Recherchemöglichkeit“. Die Redaktionen erführen, was die Menschen interessiert und bewegt. Und es gäbe eine große Chance auf Dialog und Austausch mit Zuhörern, Zuschauern und Usern, besonders mit jüngeren. Diese Chance müsse man nutzen.

 

Mut zum Ausprobieren

In einer Diskussions-Veranstaltung der DJV-Betriebsgruppe mit Stefan Moll (auf dem Foto vorne links) zum Thema „Social Media im WDR“ wurden aber auch Grenzen dieses neuen Mediums deutlich.  Was dort gut ist oder schlecht, was funktioniert oder nicht, sei nicht eindeutig klar. Noch gäbe es keine zuverlässigen Daten der Medienforschung. Moll: „Wir müssen alle unsere Erfahrungen sammeln und auch was ausprobieren, selbst auf die Gefahr hin, uns auch mal lächerlich zu machen.“

 

Seitens der anwesenden Kolleginnen und Kollegen wurden schnell die Rahmenbedingungen angesprochen. Die Freien wiesen auf die aus ihrer Sicht unzureichenden Honorar-Regelungen hin, über die derzeit hart verhandelt wird. Bei den Festen gab es die Frage nach redaktionellen Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten, gerade in der Nacht, wo die Sozialen Medien bekanntlich ja nie ruhen.  Ein hochaktuelles Thema, denn es war der Tag des so genannten „Montagsdemonstranten-Shitstorms“, als Internetnutzer auf den Facebook-Seiten von Sendern (u.a. WDR), Zeitungen und Zeitschriften gegen eine angebliche "Medienmafia", die politische Proteste in Deutschland verschweige, protestierten. Und viele Menschen auch im WDR an diesem Tag stundenlang mit Gegenmaßnahmen beschäftigt waren.

 

Neue Tarifmodelle notwendig

Für Stefan Moll natürlich alles keine neuen Fragen. „Wir brauchen unbedingt neue Tarifmodelle für diesen Bereich“ stellte er fest. Und was z.B. die Nachtbetreuung betrifft, so müsse es dafür eine Art Bereitschaft geben. Wobei nebenbei bemerkt das Thema „Bereitschaft“ schon im Radio- und Fernsehbetrieb seit Jahren einer betrieblichen Regelung bedarf, die festgefahrene Diskussion könnte jetzt vielleicht wieder in Bewegung kommen.

 

Die anwesenden Kolleginnen und Kollegen unterstützen durchaus die Aktivitäten des WDR in den sozialen Netzwerken. Allerdings wünschen sich viele mehr Orientierung und Weiterbildung, um da auf dem laufenden zu bleiben.

 

Stefan Moll wies abschließend noch auf eine zunehmend wichtige Rolle von Social Media hin: die Unternehmenskommunikation. Der stünden mit Social Media eben viele eigene Kommunikationskanäle zur Verfügung, um Haltung und Positionen zu verbreiten. Und das sei angesichts der oftmals maßlos kritischen Berichterstattung in vielen Zeitungen über ARD und ZDF auch bitter nötig.
Jochen Reinhardt, Personalrat im WDR, 22. April 2014

Wichtiges Urteil für Arbeitslosenversicherung von freien Mitarbeitern im Rundfunk

Das Bundessozialgericht hat am 11. März 2014 ein wichtiges Urteil für die soziale Absicherung freier Mitarbeiter an Rundfunkanstalten gefällt. Konkret betrifft es solche Freien, die über die Rundfunkanstalten sozialversichert werden, also nicht etwa Freie, die über die Künstlersozialkasse abgesichert sind.

 

Sozialversicherte freie Mitarbeiter an Rundfunkanstalten gelten nach dem Urteil auch dann als umfänglich versichert, wenn sie nicht den ganzen Monat für die Rundfunkanstalt arbeiten und nur Monatsverträge erhalten. Das gilt zumindest dann, wenn der Mitarbeiter dem Sender insgesamt einen erheblichen Zeitraum der Woche zur Verfügung stehen hat. Das Urteil hat unter Umständen weitreichende Folgen.

 

Einerseits bedeutet es, dass intensiv beschäftigte freie Mitarbeiter mit jedem Monat der Beschäftigung 30 bzw. 31 Monatstage bei der Sozialversicherung gut geschrieben bekommen. Das könnte unter Umständen selbst dann gelten, wenn sie beispielsweise regelmäßig nur zehn Tage im Monat bei der Anstalt beschäftigt sind. Damit kommen sie insbesondere innerhalb eines Jahres auf die 360 Beschäftigungstage, die für einen Anspruch auf Arbeitslosengeld Voraussetzung ist.

 

Bisher hatten viele Freie, die nur an einigen Tagen im Monat beschäftigt wurden, stets das Problem, auf diese 360 Tage zu kommen, die innerhalb von insgesamt zwei Jahren gesammelt werden müssen, um einen Anspruch auf Arbeitslosengeld zu erhalten.

 

Andererseits bedeutet das Urteil aber auch, dass die freien Mitarbeiter in den Tagen, an denen sie von der Rundfunkanstalt nicht beschäftigt werden, kein Arbeitslosengeld beantragen können. In der Vergangenheit hatten sich zahlreiche freie Mitarbeiter an Rundfunkanstalten in den Tagen ohne Beschäftigung arbeitslos gemeldet und Leistungen der Arbeitsagentur erhalten. Viele Arbeitsagenturen waren in den letzten Jahren aber zunehmend dazu übergegangen, solche Anträge abzulehnen.

 

Im konkreten Streitfall ging es um einen freien Grafiker beim ZDF, der sich in den beschäftigungslosen Zeiten arbeitslos gemeldet hatte und damit auf Ablehnung stieß. Er war durchschnittlich 40 Wochenstunden pro Woche beschäftigt. Das Bundessozialgericht bestätigte die ablehnende Praxis der Arbeitsagenturen mit seinem Urteil.

 

Es ist davon auszugehen, dass Rundfunkanstalten jetzt viele sozialversicherte Freie mit 30/31 Tagen pro Monat melden müssen, selbst wenn diese keine besonderen Verträge oder Zusagen erhalten haben. Das dürfte jedenfalls dann gelten, wenn die Freien regelmäßig und intensiv für den Sender tätig werden; bei einem einmaligen oder kurzfristigen Einsatz kann es freilich anders sein.

 

Natürlich müssen die jetzigen Aussagen zum Urteil noch unter starkem Vorbehalt erfolgen. Die gerichtliche Begründung des Urteils steht noch aus, die jetzigen Informationen beruhen auf Sitzungsberichten. Insbesondere ist fraglich, ob die Aussagen des Urteils auf solche sozialversicherten Freien übertragen werden können, die deutlich weniger als 40 Wochenstunden für Anstalten tätig werden.

Bundessozialgericht, Urteil vom 11. März 2014, Aktenzeichen B 11 AL 5/13

Michael Hirschler, DJV-Referent für Freie, hirspamfilter@djvspamfilter.de

 

Freien-Beratung vor Kunst-Deko: Frank Stach und Stephanie Hajdamowicz beraten für den DJV die WDR-Freien in Raum 459 des Vierscheibenhauses. Das fast 200 Jahre alte "Ruhende Mädchen" von Johann Gottfried Schadow schaut entspannt zu. Foto: Jochen Reinhardt

BILANZ 2013: FREIENSPRECHSTUNDE STARK NACHGEFRAGT

Weit über 300 Kolleginnen und Kollegen haben hochgerechnet im vergangenen Jahr die Freiensprechstunde des Personalrats besucht. Beraten wird seit Herbst 2012. In der Regel sind die Beratungen ziemlich voll: Zwischen zwei und fünf Freie melden sich pro Sprechstunde persönlich.

 

Themen ohne Ende
Die Themen dabei sind vielfältig: Fragen zur Statusänderung, ob unständig beschäftigt oder komplett selbstständig beschäftigt, Fünf- oder 10-Tagesprognose, Urlaubsgeld, Krankengeld, Beendigungsgeld, Bestandsschutz, Probleme in den Redaktionen, keine Aufträge mehr, weniger Honorar, rosa oder blaue Verträge, Wegnahme von Moderationstätigkeiten, Jobverlust von heute auf morgen, keine Bezahlung trotz erbrachter Teilleistung, schlechte Stimmung, Neue bekommen weniger Honorar als alte, keine Reisekosten, Sperren, Mutterschutz, unterschiedliche Honorare für Schalten, fehlende Regelungen für crossmediale Tätigkeiten und so weiter. Der Beratungsbedarf ist enorm.

 

Alle Berufsgruppen vertreten
In die Sprechstunde kommen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des gesamten Unternehmens. Das sind Journalisten, Cutter, Kameraleute, Tonassistenten, Aufnahmeleiter oder sonst in der Produktion tätige Mitarbeiter, Musiker, Verwaltungsmitarbeiter. Alle Berufsgruppen, die frei beim WDR arbeiten, sind vertreten. Manche Freie stehen mittwochs schon wartend vor der Tür, bevor es überhaupt um 15 Uhr los geht mit der Beratung. Oder haben sich schon für freitags um 10 Uhr angemeldet.

 

Auch erfahrene Freie suchen Beratung
Bis vor anderthalb Jahren konnten sich Freie nicht einfach so an den WDR-Personalrat wenden. Das hat sich mit dem neuen Landespersonalvertretungsgesetz NRW geändert. Wir sind vier arbeitnehmerähnliche Freie als ordentliche Mitglieder im WDR-Personalrat. Zwei auf dem Ticket von verdi, zwei auf dem Ticket vom DJV. Und der erste Nachrücker bei Verdi ist ebenfalls ein Freier. Seitdem haben Freie konkrete Ansprechpartner.

 

Manches stimmt nachdenklich
Wir waren in vielen einzelnen Beratungsfällen erfolgreich. Aber es gibt auch Sprechstunden, die einen nachdenklich machen. Denn immer häufiger kommen erfahrene, ältere Kolleginnen und Kollegen zu uns, teilweise mit renommierten Journalistenpreisen prämiert, die nicht mehr beschäftigt werden.

Stephanie Hajdamowicz, Personalrätin im WDR, 24. Februar 2014

 

Über die aktuelle Situation der Freien berichtete DJV-Personalrätin Stephanie Hajdamowicz auf der Personalversammlung. Neben ihr Elke Thommessen und Frank Stach, beide ebenfalls DJV. Foto: Jochen Reinhardt

VOLLES HAUS BEI DER PERSONALVERSAMMLUNG

Mehrere Hundert Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verfolgten am Donnerstag, 20.2.2014, die WDR-Personalversammlung live in den Arkaden. Eingeladen hatte wie jedes Jahr der Personalrat, dessen Rechenschaftsbericht im Mittelpunkt der Veranstaltung stand. Dabei berichtete u.a. DJV-Personalrätin Stephanie Hajdamowicz über die aktuelle Situation der Freien Journalistinnen und Journalisten. Vor der Veranstaltung hatte die DJV-Betriebsgruppe - vertreten durch Stephanie Hajdamowicz, Frank Stach, Elke Thommessen und Gisela Palmes - Kekse und Kodex der aktuellen FAIRhaltenskampagne des DJV-NRW an die eintrudelnden Kolleginnen und Kollegen verteilt.
Jochen Reinhardt, Personalrat im WDR, 21. Februar 2014

Griff in den Keks-Karton: Gisela Palmes...
... verteilte vor der Personalversammlung gemeinsam mit Stephanie Hajdamowicz, Frank Stach und Elke Thommessen FAIRhaltenskodex und -kekse. Beides richtet sich an feste und freie Journalisten und wirbt für fairen Umgang miteinander. Fotos: Jochen Reinhardt

Infobrief zum Thema Teilzeitarbeit für alle fest angestellen WDR-Mitarbeiter

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

der WDR organisiert die Teilzeitarbeit für fest angestelle Mitarbeiter neu. Das entsprechende Konzept kursiert mittlerweile im Haus, steht aber offenbar nur Führungskräften zur Verfügung. Mit diesem Infobrief wollen wir Sie über die neuen Grundsätze informieren, damit Sie wissen, was künftig auf sie zukommt, wenn Sie im WDR einen Antrag auf Teilzeit ausfüllen.

 

Das Papier der Personalabteilung will Beruf und Familie besser vereinbaren, außerdem soll die Arbeitszeit an die unterschiedlichen Lebensphasen angepasst werden. Der WDR will so die Arbeitszufriedenheit, die Gesundheit und die Arbeitsfähigkeit der MitarbeiterInnen sichern und langfristig erhalten.

 

Auf der anderen Seite sollen die Interessen der MitarbeiterInnen, die befristet und unbefristet angestellt sind, ausgewogener berücksichtigt werden. Das hat aus der Sicht des DJV die Konsequenz, dass die Regeln für die Teilzeitarbeit im WDR verschärft werden.

 

Folgende Regeln gelten seit Februar:

 

  • Die unbefristete Teilzeitbeschäftigung ist die Regel, ihre Befristiung die Ausnahme.
  • Für ein Jahr kann die befristete Teilzeit ausprobiert werden. Die befristete Teilzeit wird aber grundsätzlich für mindestens zwei Jahre vereinbart, maximal jedoch bis zu vier Jahren. Nach insgesamt fünf Jahren ist nur noch eine unbefristete Teilzeitbeschäftigung möglich.
  • Die Regelungen über befristete Teilzeit, so wie es in der Elternzeit oder nach dem Landesgleichstellungsgesetz NRW üblich ist, bleiben davon unberührt. Das Gleichstellungsgesetz in NRW sagt an der entsprechenden Stelle (das Fettgedruckte ist besonders hervorzuheben):

    "Anträgen von Beschäftigten auf Ermäßigung der regelmäßigen Arbeitszeit bis auf die Hälfte zur tatsächlichen Betreuung oder Pflege mindestens eines Kindes unter 18 Jahren oder eines pflegebedürftigen sonstigen Angehörigen ist zu entsprechen, soweit zwingende dienstliche Belange nicht entgegenstehen. Die Teilzeitbeschäftigung ist bis zur Dauer von fünf Jahren mit der Möglichkeit der Verlängerung zu befristen."

    Im Klartext: Viele Teilzeiter können auch nach dem fünften Jahr weiterhin eine befristete Teilzeit in Anspruch nehmen.
  • Der WDR will den Umfang der Teilzeit auf entweder 25, 50 oder 75 Prozent einschränken, lässt aber weiterhin 40, 50, 60 oder 70 Prozent zu. Krumme Werte wie 77,92 Prozent (30 Stunden während der Elternzeit) sollen nur noch aus wichtigem oder nachvollziehbaren Grund akzeptiert werden.
  • Teilzeitreste können nur noch einmal geteilt werden.
  • Bei geringfügigen Abwesenheiten (10 Prozent und weniger) sollen die Stellen nicht mehr nachbesetzt werden.
  • Die Teilzeit soll nun zum Thema bei den Mitarbeitergesprächen gemacht werden.

 

Der WDR hat dieses neue Teilzeitmodell auf den Weg gebracht und es soll nach zwei Jahren umfassend geprüft werden.

 

Neujahrswünsche und Neujahrsstrategien

2014 wird für alle im WDR ein spannendes Jahr, zum Beispiel auch für die Mitarbeiter im Studio Münster. Foto: Jochen Reinhardt

Spardiskussion wird Fahrt aufnehmen

Die Betriebsgruppe des DJV wünscht allen Kolleginnen und Kollegen ein erfolgreiches Neues Jahr! Mit viel Energie, Kreativität und Diskussionsfreude! Dieses Jahr 2014 dürfte für alle im WDR ein besonders spannendes, für viele auch ein sehr anstrengendes werden. Damit ist durchaus auch die Umsetzung von Crossmedia gemeint - oder die anhaltende Suche nach guten TV-Angeboten für junges Publikum - und natürlich auch der Gewöhnungsprozess an die neue mit viel Skepsis empfangene Hörfunk-Direktorin.

 

Aber mehr noch: Das Unternehmen wird 2014 überall mit Weichenstellungen konfrontiert werden, deren Auswirkungen auf die Mitarbeiterschaft, die feste und die freie, noch keineswegs absehbar sind. Von außen wird der Druck durch die Diskussion über die angeblichen Beitragsüberschüsse weiter hoch sein. Die gelegentlich auch recht schräge Begleitmusik dazu werden viele privatwirtschaftliche Medienunternehmen in ihren Blättern und Sendungen liefern, deren offensichtliches Anliegen es zunächst einmal ist, den öffentlich-rechtlichen Konkurrenten zu schwächen.

 

Prozess ohne externe Berater

Intern wird die Diskussion um angekündigte Sparmaßnahmen und deren Folgen für Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen ziemlich schnell Fahrt aufnehmen. 2014 müsse damit begonnen werden, strukturelle Maßnahmen zu ergreifen, verkündete Intendant Tom Buhrow unlängst noch einmal in einem Zeitungsinterview – alles „in Abstimmung mit dem Personalrat“. Diese Abstimmung zeichnet sich derzeit aber noch nicht ab. In der Mitarbeitervertretung hatte Buhrow unlängst zumindest in einem Punkt für etwas Beruhigung gesorgt: Externe Berater sollen für diesen Prozess nicht ins Haus geholt werden, die Herren in dunklen Anzügen und mit den dicken Aktenkoffern in der Hand wolle er nicht über die Flure des Vierscheibenhauses laufen sehen. Das begrüßen wir als DJV ausdrücklich.

 

Aber auch ohne Unternehmensberater birgt die Diskussion Sprengstoff genug. Erste Anzeichen hat es ja bereits gegeben, als im Spätherbst ein faktischer Stellen-Wiederbesetzungs-Stopp nicht verkündet aber praktiziert wurde – zum Leidwesen vieler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die wochenlang im Unklaren darüber waren, ob und wie es mit ihnen im WDR weitergeht. Nach Intervention auch des Personalrates wurde diese Maßnahme wieder beendet. Sie zeigt aber, dass den WDR-MitarbeiterInnen zunehmend einiges abverlangt werden wird.

 

Wichtige Personalversammlung

Nächste Gelegenheit nachzufragen und dies alles betriebsöffentlich zu diskutieren, bietet die Personalversammlung am 20. Februar in der WDR-Kantine. Der Personalrat wird dort seinen Rechenschaftsbericht vorlegen - in Anwesenheit der Geschäftsführung. Angesprochen werden sollen darüber hinaus Themen wie Gesundes Führen und Arbeitssicherheit sowie Konsequenzen aus der jüngsten Mitarbeiterbefragung, nach denen zuletzt in zahlreichen Bereichsversammlungen immer wieder gefragt worden war. Der Belegschaft scheint das ein sehr wichtiges Anliegen zu sein. Und für die DJV-Betriebsgruppe ist es das auch.

 

Der DJV im WDR fordert alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf, an der Personalversammlung teilzunehmen und sich intensiv an dieser wichtigen Diskussion zu beteiligen. Und das durchaus über diese Versammlung hinaus.
Jochen Reinhardt, Personalrat im WDR, 2. Januar 2014

DJV-Betriebsgruppe diskutiert mit Personalchef

Kurt Schuhmacher, Hauptabteilungsleiter Personal beim WDR, kam zur Infoveranstaltung der DJV-Betriebsgruppe. Foto: Jochen Reinhardt

Wichtiges Thema Teilzeit-Arbeit

Fast 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im WDR arbeiteten Ende 2012 auf einer Teilzeitstelle. Die meisten davon auf eigenen Wunsch, aber inmitten oder am Ende von teilweise sehr langen Vertretungsketten stecken oft Kolleginnen oder Kollegen, die liebend gerne ihre Arbeitszeit aufstocken würden. Der WDR handhabt bislang die Teilzeit-Gestaltung im Sinne der Mitarbeiter-Wünsche über gesetzliche Regelungen hinaus sehr großzügig.

 

Aber Teilzeit im WDR ist aktuell  in die Diskussion gekommen. Vor allem die anhaltende Kurzfristigkeit von Teilzeitwünschen (für ein Jahr, dann noch für ein Jahr und für ein weiteres Jahr usw.), die Vielfalt der Teilzeitmodelle und der weit verbreitete Wunsch, möglichst lange befristet in Teilzeit zu arbeiten, werden von der Geschäftsführung aus verschiedenen Gründen kritisch gesehen. Dabei geht es vor allem um bessere Planungssicherheit - für Abteilungsleiter, für die Personalabteilung, aber auch für die MitarbeiterInnen, die immer nur sehr kurzfristig neue (befristete) Arbeitsverträge erhalten.

 

Teilzeit in Zehner-Prozent-Schritten

Zu einer Infoveranstaltung hatte die DJV-Betriebsgruppe jetzt Kurt Schuhmacher eingeladen. Der Hauptabteilungsleiter Personal stellte die Überlegungen der Personalabteilung vor, wie im WDR künftig Teilzeit organisiert werden könnte. Danach solle es Teilzeit nur in Zehner-Prozent-Schritten geben, also ein Teilzeitwert von 12,4 oder 82,5 Prozent wären danach nicht mehr möglich. Auch solle unbefristete Teilzeit zur Regel, die Befristung zur Ausnahme werden. Auf dem Weg dahin gäbe es zunächst ein Jahr zur Erprobung, danach müssten zunächst längere Laufzeiten vereinbart werden. Dann sollte aber eine Entscheidung gefällt werden, ob die Mitarbeiter dauerhaft Voll- oder Teilzeit arbeiten wollen (zum Vergleich: Beim SWR muss diese Entscheidung nach drei Jahren getroffen werden).

Teilzeitreste sollten nicht weiter geteilt werden können und MitarbeiterInnen, die unbefristet in Teilzeit arbeiten, aber wieder auf 100 Prozent aufstocken wollen, sollten bei Stellennachbesetzungen vorrangig behandelt werden. (Diese Vorschrift gibt es schon, in der Praxis ist sie aber selten umsetzbar. Es müssten verbindlichere und direktionsübergreifende Regelungen gefunden werden.)

 

Wenig Übernahme-Chancen für junge Kolleginnen und Kollegen

Die folgende Diskussion war stark von den Interessen jüngerer Kolleginnen und Kollegen bestimmt, die teilweise seit Jahren schon auf verschiedenen Stellenresten von einem Zeitvertrag zum nächsten wandern – mit nur geringen Aussichten auf die unbefristete Anstellung. Diese Situation könnte sich angesichts des bevorstehenden Stellenabbaus noch verschärfen. Denn zusätzliche Planstellen werden auch durch veränderte Teilzeitregelungen nicht entstehen.

 

Auch im Personalrat war das Thema Teilzeit zuletzt mehrfach auf der Tagesordnung. Ein einheitliches Meinungsbild war in der Diskussion quer durch alle Fraktionen nicht zu erkennen. Letztendlich geht es ja um einen Interessen-Konflikt zwischen Arbeitsplatzbesitzern und -nichtbesitzern, der nicht schadensfrei gelöst werden kann. In der DJV-Betriebsgruppe soll Anfang des Jahres weiter diskutiert werden. Anregungen und Meinungen sind willkommen.
Jochen Reinhardt, Personalrat im WDR, 7. Dezember 2013

Die Öffentlich-Rechtlichen 2020: Schlanker, aber weiterhin stark

Mit Fußball endete der Journalistentag in Dortmund - im Bild die Moderatoren Werner Hansch (l.) und Matthias Bongard; Fußball spielte aber bereits bei dem Forum Rundfunk und der Diskussion über die Öffentlich-Rechtlichen eine Rolle. Foto: DJV-NRW / sb

Diskussion auf dem NRW-Journalistentag 2013

Für WDR-MitarbeiterInnen war auf dem Journalistentag NRW des DJV ein Thema von ganz besonderem Interesse. „Ein Blick in die Zukunft – Die Öffentlich-Rechtlichen 2020“. Und ein Name zog dabei auch viele Nicht-WDRler in den letztendlich komplett belegten Saal im 1. Stock des Dortmunder U: Dr. Anna Terschüren. Die Betriebswirtin und ehemalige NDR-Verwaltungsmitarbeiterin hatte sich in ihrer zu NDR-Zeiten entstandenen Promotion äußerst kritisch zu der Rundfunkfinanzierung in Deutschland geäußert. Seitdem wurde Terschüren, die jetzt im universitären Bereich arbeitet, immer wieder zur Kronzeugin für die These herangezogen, der neue Rundfunkbeitrag seit verfassungswidrig.

 

Nach juristischen Kurven auf die Zielgerade

In der Diskussion entpuppte sich Terschüren zunächst einmal „als große Befürworterin“ des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Sie hält ihn allerdings für erheblich überdimensioniert. Besonders die Summen, die ARD und ZDF in Fußballrechte investieren, sind ihr ein Dorn im Auge. Fußball sei keine öffentlich-rechtliche Kernaufgabe. Dieses Geschäft solle man den privaten Fernsehanstalten überlassen, die könnten das zumindest genauso gut. Die von Nicola Balkenhol geleitete Diskussion mit WDR-Internet-Chef Stefan Moll und Dr. Michael Kühn aus dem ARD-Generalsekretariat in Berlin nahm einige feine juristische Kurven, auf der Zielgeraden ging es dann noch mal für alle drei kompakt darum, wie sie die Situation des öffentlichen Rundfunks im Jahr 2020 einschätzen.

 

Kühn: Mehr Transparenz wagen

ARD-Vertreter Kühn erwartet auch in sieben Jahren noch ein starkes öffentlich-rechtliches System. Dies werde der Gesellschaft weiter gut tun. Kühn geht auch für 2020 von einer Beitragsfinanzierung aus. Und er rechnet damit, dass ARD und ZDF erheblich transparenter sein werden als heute. Das betrifft auch die Arbeit der Gremien, deren Entscheidungen besser vermittelt werden müssen als es heute geschieht.

 

Moll: Überall gesellschaftlich mitreden

Erheblich schlanker als 2013 sieht Stefan Moll den WDR und die ARD im Jahr 2020 aufgestellt – aus wirtschaftlichen Gründen. Da es keinen gesellschaftlichen Rückhalt für Gebührenerhöhungen gibt, wird sich die ARD dann zunehmend auf bestimmte Kernkompetenzen konzentrieren müssen. Moll versprach: „Wir bleiben kräftig und dialogorientiert und werden gesellschaftlich überall mitsprechen.“

 

Terschüren: Schlankeres System

Auch Anna Terschüren erwartet 2020 ein erheblich schlankeres öffentlich-rechtliches System, und das vor allem im Hörfunk. Für das öffentlich-rechtliche Fernsehen sieht sie Chancen im Aufbau von Spartenkanälen. Sie wiederholte ihre Forderung, keine Beitragsgelder mehr in Fußballrechte zu investieren, um den Markt nicht zu ruinieren.

 

Fazit: Das öffentlich-rechtliche System kränkelt an der ein oder anderen Stelle, verfügt aber wohl noch über ausreichend Selbstheilungskräfte, um lebensbedrohliche Krankheiten abzuwehren. Zumindest bis 2020.
Jochen Reinhardt, Personalrat im WDR, 23. November2013

Zwischenbilanz nach 4 Wochen der Intendanten-"Spar-Rede“

Verunsicherung unter den Mitarbeitern weiterhin spürbar

Wie ernst es dem neuen Intendanten mit der von ihm eingeforderten Crossmedialität ist, verdeutlicht auch die kleine Geschichte von seinem Antrittsbesuch im Funkhaus Düsseldorf. Auf der Baustelle des für WDR-Verhältnisse durchaus als gigantisch zu bezeichnenden „Open Space“-Großraumbüros, der neuen Schaltzentrale der Fernseh-Programmgruppe Aktuelles, bemerkte Tom Buhrow, dass von den vielen dort geplanten Arbeitsplätzen keiner für das Radio vorgesehen war. Das sollte doch bitte geändert werden, um die Kommunikation zwischen TV und Radio zu verbessern. Kleine Dinge, große Wirkung.

 

Gute vier Wochen sind seit der „Blut-, Schweiß- und Tränenrede“ des Intendanten vor Mitarbeitern und Medienvertretern ins Land gegangen. Zum Thema Crossmedialität wird in den Redaktionen diskutiert und werden auf verschiedenen Führungsebenen derzeit Briefe formuliert, was da gehen kann und vielleicht auch was nicht. Dabei hilft vielleicht der Blick in die Region, wo in einigen Studios seit Jahren bereits bimedial gearbeitet wird, um programmliche, personelle und finanzielle Synergieeffekte zu erzielen. Noch in diesem Jahr sollen wohl Entscheidungen über die konkrete Umsetzung fallen. Aufgabe des DJV und der anderen Gewerkschaften wird es sein, die Folgen dieser neuen Crossmedialität unter den Aspekten Arbeitsbelastung und Arbeitsverdichtung im Blick zu haben.

 

Sparen am Personal bringt am meisten

Die Mitarbeiter interessiert vor allem, welche weiteren Auswirkungen die angekündigten Sparmaßnahmen und der daraus folgende Stellenabbau für sie selbst haben, besonders wenn es nach Abschluss der Rasenmäherphase in die strukturellen Veränderungen hinein geht. Auch wenn sich die ersten größeren Aufregungen wohl schon etwas gelegt haben, so ist doch eine gewisse Verunsicherung in der Belegschaft weiterhin spürbar. In den Klangkörpern fragt man sich zum Beispiel, ob etliche MusikerInnen, die in naher Zukunft in Rente gehen, noch ersetzt werden. Oder ob die Stellen dann auf Kosten der künstlerischen Qualität einfach wegfallen. Aus den in Bocklemünd tätigen Gewerken kommen viele besorgte Anfragen. Die Radio-KollegInnen bangen um den Erhalt aller sechs Wellen. Und in den Regional-Studios wird diskutiert, ob und wenn ja welches Studio möglicherweise geschlossen wird.

 

Es gibt durchaus auch Stimmen, die davor warnen, die Situation zu dramatisieren. Der Sparkurs der letzten Jahre werde fortgesetzt – nicht mehr und nicht weniger. Wie realistisch oder unrealistisch das alles ist, kann natürlich auch von uns nicht beantwortet werden. Man muss sich allerdings klar vor Augen führen, dass das größte Sparpotential auch im WDR die Personalkosten bieten! Der Personalrat ist bislang noch nicht offiziell mit diesem Thema befasst worden. Er hat den Intendanten allerdings schon auf die gesetzlich vorgeschriebene „Prozessbegleitende Mitbestimmung“ durch die Mitarbeiter-Vertretung hingewiesen.

 

Wer berät den Intendanten in Management-Fragen?

Der DJV im WDR begrüßt durchaus den bislang weitgehend transparenten Verfahrensweg, den Tom Buhrow eingeschlagen hat. Allerdings stellen sich uns weitere Fragen. Die Wichtigste: Wer berät eigentlich in diesen wichtigen Prozessen den als Manager relativ unerfahrenen Intendanten? Ist es gar geplant, eine oder mehrere Unternehmensberatungen ins Haus zu holen, was wir für keine gute Lösung halten. Oder, um noch ein Beispiel zu nennen: Geht das geplante und durchaus sinnvolle „Kreativ-Volontariat“ möglicherweise auf Kosten des klassischen Redaktions-Volontariates? Und was heißt  das für die Weiterentwicklung der journalistischen Programmqualität?

 

Als Einstieg in den Umbau seien die ersten Maßnahmen gedacht, hat Tom Buhrow in verschiedenen Interviews gesagt. Das heißt, dass die Mitarbeiter und deren gewählte Vertreter gerade in den nächsten Monaten sehr wachsam sein müssen. Denn wer beim Einstieg auf der Strecke bleibt, wird den späteren Umbau nur sehr schwer noch mitgestalten können.
Jochen Reinhardt, Personalrat im WDR, 4. November 2013

Wünsche aus der DJV-Betriebsgruppe an Intendant Tom Buhrow

Elke Thomessen (Foto: DJV-NRW / Annette Etges)
Imke Marggraf (Foto: DJV-NRW / Annette Etges)
Frank Stach (Foto: DJV-NRW)
Petra Hengholt (Foto: DJV-NRW / Annette Etges)
Frank Überall (Foto: DJV-NRW / Annette Etges)
Jochen Reinhardt (Foto: DJV-NRW)

Ein Liftboy-Lächler, ein Charmeur und ein WDR-Kenner, aber auch ein zukünftiger Chef ohne jede Cheferfahrung: Unter anderem so wurde Tom Buhrow nach seiner Wahl zum WDR-Intendanten beschrieben. Nun, wir in der Betriebsgruppe des DJV freuen uns erst einmal, dass wieder ein erfahrener Journalist an die Spitze unseres Hauses rückt. Tom Buhrow hat schon vieles lesen können, was private Verleger, Leitartikler und Politiker von ihm erwarten. Was sich sechs Kolleginnen und Kollegen aus der DJV-Betriebsgruppe von ihm wünschen, das kann er hier lesen!

Freiraum für RedakteurInnen

Ich wünsche mir mehr Mut für Experimente. Gerade im Unterhaltungsbereich hatte der WDR immer großen Spaß daran, auch mal anzuecken. Intelligente, polarisierende und meinungsmachende Sendungen sollten nicht in den Spartenkanälen versteckt, sondern mit breiter Brust im WDR Fernsehen ausgestrahlt werden. Hierfür braucht es nicht nur mutige Redakteurinnen und Redakteure, sondern auch eine Führung, die in die Fähigkeiten ihrer MitarbeiterInnen vertraut und ihnen den nötigen Freiraum gibt.
Elke Thommessen (Programmbereich V, Gruppe Show, Kabarett und Comedy)

 

Bereitschaft zum Zuhören

Dass wir im WDR unseren eigenen Kopf haben, das weiß Tom Buhrow ja - und das ist ganz gut so. Denn den brauchen wir schließlich bei der täglichen Arbeit. Dass bei uns viele Dickköpfe herumlaufen oder der Starrsinn Hochkonjunktur hat, gehört hingegen ins Reich der Vorurteile. Manche meinen ja, dies treffe besonders auf Gewerkschafter zu. Also auf die gut versorgten Meckerköppe vom Dienst. Das aber stimmt schon mal gar nicht. Wir DJVler und DJVlerinnen verstehen uns als konstruktive Dialogpartner - vor allem dort, wo redaktionelle Verantwortung quasi outgesourced zu werden droht, und auch da, wo Führungskräfte ihre menschliche Fürsorgepflicht aus den Augen verlieren.
 Besonders in dieser Hinsicht stimmen uns die Worte des neuen Intendanten schon im Vorfeld der Amtsübernahme zuversichtlich. Keine Patentrezepte - sondern Bereitschaft zum Zuhören. Darauf freuen wir uns. "Tom setzt Signale" - das spricht sich herum. Willkommen im WDR!
Imke Marggraf (Hörfunk, Redaktion Politik und Zeitgeschehen)

 

Wieder mehr Überraschungen

Mut, Experimente, kurze Entscheidungswege. Der WDR muss wieder mehr überraschen, mehr wagen. Ich erhoffe mir vom neuen Intendanten, dass er uns Freien und Festen dafür den Rücken frei hält, damit wir dann mit unserem Programm gelassen nach vorne schauen können.
Frank Stach (Freier Journalist Studio Dortmund, DJV-Landesvorsitzender NRW)


Unterstützung fürs Heimatprogramm

"Wo meine Wiege stand, da ist mein Heimatland...", heißt es doch so schön. Und die journalistische Wiege unseres neuen Intendanten stand doch wohl eindeutig im Programmbereich IV! Daher wünsche ich mir, dass dem "Heimatprogramm", das von vielen engagierten KollegInnen mit ganz wenig Geld und  ganz knapper Personaldecke bei gleichzeitiger hoher Zuschauerakzeptanz gemacht wird, die personelle und damit finanzielle Unterstützung zukommt, die einem Erfolgsträger gebührt. Aber erst einmal: Viel Glück und Erfolg im neuen Job!
Petra Hengholt (Programmbereich IV, Redaktion daheim + unterwegs)

 

Fairer Umgang mit den Mitarbeitern

Ich wünsche Tom Buhrow stets das "richtige Händchen" bei der Balance zwischen bloßer Unterhaltung und ernsthaften, nach dem Programmauftrag wichtigen Themen aus Politik, Wirtschaft und Kultur: Quote ist nicht alles! Ich gehe fest davon aus, dass er fair mit den freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern umgehen wird und ein offenes Ohr für die Probleme dieser Beschäftigten-Gruppe sowie Verständnis für deren Arbeits- und Lebenssituation hat. Ein kreatives Programm braucht Journalisten mit redaktioneller Freiheit und anständigen Umgangsbedingungen.
Dr. Frank Überall (Freier Journalist Studio Köln, Schatzmeister im DJV-Bundesvorstand)

 

Maßstäbe für Programm-Qualität

Befreiung von Quotendruck und Finanzproblemen? Ja, das wär’s! Aber das wird auch der neue Intendant kaum hinbekommen. Aber die Diskussionsleitung um Maßstäbe für Programm-Qualität und wie diese besser transportiert und außen verstärkt wahrgenommen werden kann, gehört wieder mehr in Intendanten-Hand. Damit viele der guten Ideen, die in Redaktionskonferenzen oder auf den Bürofluren entstehen, nicht weiter wirkungslos verpuffen oder - noch schlimmer - von der Schere im eigenen Kopf gleich wieder zerschnitten werden. Dafür würde Tom Buhrow sicherlich große Unterstützung im Haus bekommen.
Jochen Reinhardt (Programmbereich IV, Studio Münster)

WEITERE MELDUNGEN

Neuer Gehaltstarifvertrag rückwirkend zum 1.4.2013

Beim WDR gilt rückwirkend zum 1. April ein neuer Gehaltstarifvertrag. Was nun zunächst einmal für ein Jahr jeden Monat aufs Konto fließt, zeigt ein Blick in die neue DJV-Vergütungstabelle.

 

Die Gewerkschaften DJV, ver.di und DOV (Deutsche Orchestervereinigung) hatten sich Mitte Mai mit dem WDR auf den neuen Tarifvertrag geeinigt. Er läuft über 24 Monate bis zum 31. März 2015. Danach erhalten die Angestellten rückwirkend zum 1. April 2013 1,5 Prozent mehr Gehalt plus einen Sockelbetrag von monatlich 50 Euro. Zum 1. April 2014 gibt es ein weiteres Gehaltsplus von 2,95 Prozent. Die Kinderzuschläge werden wertgleich jeweils zum 1. April 2013 und 1. April 2014 erhöht. Darüber hinaus gibt es einen einheitlichen Urlaubsanspruch von 31 Tagen. Für die Auszubildenden beträgt die Erhöhung 50 Euro monatlich rückwirkend ab 1. April 2013 und plus 3 Prozent zum 1. April 2014. Sie haben weiterhin 27 Tage Urlaub.

 

Auch für die Freien gab es einen attraktiven Abschluss: Die freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die den so genannten 12a-Status als Arbeitnehmerähnliche erfüllen, erhalten im Juli 2013 eine Einmalzahlung von 500 Euro und ab 1. Juli 2013 eine lineare Honorarerhöhung von 1,5 Prozent. Im April 2014 gibt es eine weitere Einmalzahlung von 200 Euro sowie ein Plus von 2,95 Prozent auf die Honorare.

 

WDR-Freie: Viele Renten falsch berechnet!

Bei vielen WDR-Freien berechnet die Deutsche Rentenversicherung Rentenverläufe falsch. Ursache ist offenbar eine unrichtige Erfassung der vom WDR gemeldeten Daten bei der Deutschen Rentenversicherung. Betroffen sind freie Mitarbeiter, für die der WDR Sozialversicherungsbeiträge abführt und die als unständig beschäftigt geführt werden.

 

In einem PDF-Dokument zu diesem Thema haben wir alle wichtigen Informationen zusammengefasst. Wir erklären, was falsch gelaufen ist, wer betroffen und was zu tun ist. Für weitere Fragen stehen die Juristen des DJV-NRW zur Verfügung.

 

WDR-Kollege Frank Stach neuer DJV-NRW-Chef

Der neue Vorstand (v.l.n.r.): Katrin Kroemer, Josef Humbert, Nicola Balkenhol, Timo Stoppacher, Sascha Fobbe, Jürgen Primus, Frank Stach, Uwe Tonscheidt und Karlheinz Stannies. Foto: DJV-NRW / Anja Cord

Herzlichen Glückwunsch an Frank Stach: Der freie WDR-Journalist wurde jetzt auf dem Journalistentag des DJV-NRW in Düsseldorf zum neuen Landesvorsitzenden unserer Gewerkschaft gewählt. Stach löst in dieser Funktion Helmut Dahlmann ab, der nicht wieder kandidierte. Zuvor gehörte Stach dem Landesvorstand bereits als Beisitzer an. Im WDR ist Stach seit Sommer 2012 auch Personalrat und kümmert sich dort besonders um die Anliegen freier Kolleginnen und Kollegen. Die DJV-Betriebsgruppe wünscht Frank für seine neue Aufgabe viel Erfolg!

Betriebsgruppe fordert Stopp des Kampagnen-Journalismus

Die DJV-Betriebsgruppe im WDR ist entsetzt über den Kampagnen-Journalismus, den Kolleginnen und Kollegen aus Printmedien seit Wochen gegen den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk und besonders gegenüber dem WDR fahren. Mindestens mit Unterstützung, wenn nicht gar nach Aufforderung ihrer Verleger bzw. Verlagsgeschäftsführer wird unter offensivem Verzicht auf Recherche und Faktendarstellung Stimmung bei Bevölkerung und Politik gegen die neue und eigentlich doch nicht wirklich neue Rundfunkabgabe gemacht.

 

Es ließen sich viele Beispiele anführen, wie in den letzten Monaten in vielen Print-Veröffentlichungen, selbst in sogenannten Qualitätszeitungen, journalistische Grundtugenden missachtet wurden und an deren Stelle auf Polemik, Spekulation und Unterstellung gesetzt wurde. Dabei ging es häufig um die Höhe der zu erwartenden Gebühreneinnahmen, um Gehälter und Sozialleistungen von Mitarbeitern sowie um vermeintlich unseriöses Wirtschaften der Anstalten. Die WDR-Pressestelle jedenfalls würde lieber auf Vorabanfragen reagieren (die selten kommen), als anschließend sich um Richtigstellungen zu bemühen.

 

Verleger wollen das Konkurrenz-System beschädigen

Was steckt nun hinter dieser Kampagne gegen ARD und ZDF? Nun, den Verlegern geht es aus unserer Sicht darum, dass ihnen missliebige Konkurrenz-System ARD/ZDF zu beschädigen, wenn nicht sogar zu zerstören. Da sich derzeit aufgrund technischer Weiterentwicklungen die Grenzen zwischen audiovisuellen Medien, Print und Internet immer mehr verschieben, überlapppen sich auch die Geschäftsinteressen der Verlage zunehmend mit dem publizistischen Angebot der Öffentlich-Rechtlichen.

 

Sachliche Kritik statt spekulative Unterstellungen

Wir fordern die Kolleginnen und Kollegen bei Zeitungen, Zeitschriften und Online-Ablegern ausdrücklich auf, sachliche und ausrecherchierte Kritik an Programm-,  Personal- und Investitionsentscheidungen bei ARD und ZDF zu üben. Diese soll und muss geübt werden. Wir fordern sie gleichzeitig aber auch auf, die spekulativen und nicht belegten Unterstellungen gegenüber den öffentlich-rechtlichen Medienunternehmen zu unterlassen. Das Bundesverfassungsgericht hat diesen Unternehmen klare Aufgaben zugewiesen. Daran und nicht an den Interessen von konkurrierenden Wirtschaftsunternehmen sollten sie zunächst gemessen werden – besonders von Journalistinnen und Journalisten.

 

Jochen Reinhardt für die DJV-Betriebsgruppe im WDR 

DJV-Freie im Personalrat – Eine Zwischenbilanz

Die wichtigste Arbeitsgrundlage im Personalrat ist für Stephanie Funk-Hajdamowicz und Frank Stach das Landespersonalvertretungsgesetz NRW. Foto: Jochen Reinhardt

Seit dem 1. Juli ist der neue WDR-Personalrat im Amt. Erstmals mit gleich sechs Vertretern des DJV, und erstmals mit zwei freien Journalisten im Personalrat. Nach drei Monaten zogen die beiden eine erste Zwischenbilanz ihrer Arbeit.

 

 

Die Sorgen der Freien: Viel Neues auch für Festangestellte

 

Von Stephanie Funk-Hajdamowicz

Zum Personalrat bin ich gekommen, weil mich ein paar Kolleginnen im Studio angesprochen hatten, ob das nichts für mich sei. Gehört, getan. Und schon stand ich auf der Liste des DJV. Und wurde gewählt.

 

Klar, vorher hatte ich schon ein paar Jahre Erfahrungen als Betriebsrätin bei der Neuen Ruhr / Neuen Rhein Zeitung gesammelt, damals als angestellte Redakteurin. Aber das ist schon etwas her. Und dann hatte ich natürlich im Landtag NRW als ehemalige Pressesprecherin mit dem Personalrat zu tun, aber auf der anderen Seite des Schreibtisches. So konnte ich mir aber die Arbeit eines Personalrats ungefähr vorstellen.

 

Ich bin jetzt jeden Mittwoch in Köln. Und nehme meist den Zug von Duisburg aus. Genauso wie Frank Stach kommen bei mir zu Hause auch immer samstags die Personalratsunterlagen im weißen Umschlag an. Ein ganz schön dickes Papier mit vielen spannenden Themen. Von der Stellenbesetzung über die Einführung neuer Systeme, von Überstundenregelungen bis hin zu Freienthemen ist da alles drin, was uns beim WDR beschäftigt.

 

Besonders wichtig sind mir die Freienthemen, denn deshalb habe ich mich auch beim DJV aufstellen lassen, um mich für alle Kolleginnen und Kollegen zu engagieren. Ich finde es gut, dass der Tagesordnungspunkt Freienthemen seitdem regelmäßig auf der Tagesordnung steht. Jede Woche gibt es etwas zu berichten. Und auch die Festangestellten erfahren so eine Menge über die Probleme der Freien, von denen sie vorher noch nicht so viel gehört haben. Dabei geht es um ganz unterschiedliche Dinge, von der Bezahlung über zurückgehende Beschäftigung bis hin zu Ärger mit Vorgesetzten und um Produktionsbedingungen.

 

Zu uns kann erst einmal jeder mit seinem Problem kommen. Dafür sind die Sprechstunden jeden Mittwoch von 15 bis 17 Uhr gedacht. Aber wer mag, kann auch anrufen, mailen oder sonst wie in Kontakt mit uns treten. Ich freue mich auf jeden Fall darauf, Freien helfen zu können.

 

 

Die Themen der Freien: Jetzt ein fester TOP im Plenum

 

Von Frank Stach

Die Tür geht zu, der Zug nimmt Fahrt auf nach Köln. Jeden Mittwoch ist das jetzt meine Richtung, Richtung Personalrat, der mitten in der Woche tagt. Angefangen hatte das mit einer Sitzung der DJV-Betriebsgruppe Anfang des Jahres. Der Landtag änderte das Landespersonalvertretungsgesetz und machte Freie im WDR wählbar für den Personalrat. Ich ließ mich aufstellen und wurde gewählt.

 

Das war ja bislang das Problem. Freie im WDR hatten keinen konkreten Ansprechpartner. Das habe ich persönlich immer bedauert. Seit 1992 arbeite ich unter anderem frei für den WDR. Natürlich habe ich über meine Gewerkschaft, den DJV, versucht die Interessen der Freien einzubringen. Aber ehrlich gesagt, ist das eine andere Ebene. Für die konkreten Sorgen im Berufsalltag ist der Personalrat ein viel besseres Instrument.

 

Die Tagesordnungen des Personalrates können einen schon erschlagen. Zum x-ten Mal auf dem Weg nach Köln, habe ich das dicke Papier (mir persönlich zugestellt am Samstag) mal wieder im Gepäck. Es sind vertrauliche Dinge, über die ich nichts mitteilen darf. Am Wochenende wird das durchgeackert. Wir bestimmen mit. Und zwar über nahezu jeden Einzelfall. Wer entscheidet sich für Teilzeit, wer wechselt seine Stelle und warum. Wir diskutieren über Um- und Anbauten der Häuser, über neue Software, die im Sender eingeführt wird. Und der Sender ist groß, seine Themen sind vielfältig.

 

Die Arbeitsatmosphäre unter dem erfahrenen Vorsitzenden Heri Stratmann kann man durchaus als harmonisch und konstruktiv bezeichnen. Rund 90 Prozent der Entscheidungen im Personalrat fallen ja einvernehmlich und einstimmig. Unterschiedliche Positionen und Meinungen gehen durchaus auch mal quer durch die Listen wie DJV oder ver.di. Eine Art Listen- oder Fraktionszwang, wie man ihn aus anderen politischen Gremien kennt, habe ich hier noch nicht erlebt.

 

Sehr spannend kann es werden, wenn Gäste aus dem Haus eingeladen werden. Zum Beispiel Abteilungsleiter, bei denen eine neue Software installiert wird und es noch Nachfragen zum Datenschutz gibt. Oder Redaktionsleiter, deren Personalvorschlag für die Neubesetzung einer sehr attraktiven Stelle aus verschiedenen Gründen zunächst mal kritisch bewertet wird. Dann wird oft lange bis in kleinste Verästelungen diskutiert, immer mit dem Ziel, für möglichst viele Mitarbeiter Optimales herauszuholen.

 

Und die Freien? Wo sind die Themen der Freien platziert? Sie sind nun ebenfalls auf der wöchentlichen Tagesordnung zu finden. Sie werden breit diskutiert im Plenum. Und wir werden tätig, mischen uns ein. Jeden Mittwoch gibt es für alle WDR-Freien diese konkrete Anlaufstelle. Freie wollen Auskunft über bestimmte Honorarrichtlinien, fühlen sich gemobbt, werden nicht mehr beschäftigt, oder wollen einfach nur einen Ratschlag - der Personalrat als Anlaufstelle, als Ratgeber.

 

Diese Zeilen schreibe ich gerade mal wieder auf dem Weg nach Köln. Es ist Mittwoch, in der Tasche der dicke Papierstapel. Ich sitze im Zug, mit einem Lächeln auf den Lippen und dem guten Gefühl, Anfang des Jahres eine ziemlich gute Entscheidung getroffen zu haben.

Zeitwertkonten beim WDR?

Sowohl die Gewerkschaften als auch der WDR haben ein Interesse daran, eine Nachfolge für das ausgelaufene Altersteilzeitmodell zu finden. So günstig wie das vorige wird keine Altersteilzeit mehr werden, aber neue Modelle sind erforderlich angesichts der neuen gesetzlichen Rentenregelung: Die aktive Belegschaft des WDR wird zunehmend altern, weil sie ja immer länger arbeiten muss (Rente mit 67). Daran hat weder der Arbeitgeber Interesse (mehr Ausfallzeiten, weniger Belastbarkeit), noch ein Großteil der WDR-Kollegen und -Kolleginnen.

 

Das neue Zauberwort heißt „Zeitwertkonten“. Dazu gab es einen Workshop des WDR für die Tarifpartner und den Personalrat. Auch die Kollegen von ver.di luden alle an diesem Thema Interessierten ein – und es kamen mehr als der Nato-Saal fassen konnte. Vorgestellt wurde das Model der Deutschen Post AG, das natürlich nicht 1:1 auf den WDR übertragbar ist.

 

Grundsätzlich ist aber zu sagen, dass der Begriff „Zeitwertkonten“ täuscht: Denn weder bei der Post noch bei anderen Rundfunkanstalten, die ähnliches eingeführt haben, zahlen die Angestellten „Zeit“ auf ihr „Konto“ ein, sondern reales Geld in Form von Gehaltsbestandteilen. Das ermöglicht zu einem späteren Zeitpunkt eine Auszeit, sozusagen ein Freikaufen von der Arbeit, sei es als Sabbatical oder als früherer Zeitpunkt für den Ruhestand. „Richtige“ Altersteilzeit gibt es bei der Post außerdem. Die wird aus einem Demografie-Fonds finanziert, in den sowohl die Post AG als auch Arbeitnehmer einzahlen, letztere, indem bei Tariferhöhungen 0,5 Prozent des vereinbarten Zuschlags in den Demografie-Fonds wandern.

 

Erste Sondierungen im November

Der Modelle gibt es viele – was für den WDR möglich ist, das muss nun ausgelotet werden. Dazu gibt es ein Vorgespräch (noch keine Tarifverhandlungen) der Gewerkschaften djv, ver.di und DOV mit Vertretern des Hauses am 15. November 2012. Es sind komplizierte Fragen zu klären, unter anderem:

 

  1. Finanzierung
    Soll es einen verpflichtenden Mindestbeitrag für Mitarbeiter geben? Wie hoch kann dieser sein? In welcher Höhe beteiligt sich der WDR, der durch ein Zeitwertkonten-Modell ja auch Geld spart?
  2. Teilnahmeberechtigte
    Nehmen befristete Mitarbeiter teil? Was ist mit leitenden Angestellten?
  3. Freistellungsmöglichkeiten
    Ist nur vorzeitiger Ruhestand möglich oder sollen z.B. auch Sabbaticals möglich sein?

Weitere Fragen werden dazukommen. An dieser Stelle werden wir über die Entwicklungen berichten. 

DAS ERGEBNIS DER PERSONALRATSWAHL

WDR

Toller Erfolg für den DJV bei Personalratswahlen

Der DJV im WDR hat sich verdoppelt: Bei den Personalratswahlen im Landessender am 4. und 5. Juni votierten 958 Mitarbeiter für den DJV und ließen die Anzahl der DJV-Sitze im neuen Personalrat damit von 3 auf 6 steigen. Zum ersten Mal durften bei den diesjährigen Personalratswahlen die freien Journalistinnen und Journalisten, die hauptberuflich für den WDR tätig sind, ebenfalls ihre Stimme abgeben. Zum ersten Mal durften sie auch für den Personalrat kandidieren - und [...]
..mehr 0 0

Erstmals in der WDR-Geschichte . . .

Foto: Jochen Reinhardt

. . . sind sechs Kolleginnen und Kollegen vom DJV im Personalrat des WDR vertreten. Anfang Juli hat das neu gewählte Gremium seine Arbeit aufgenommen. Unser Foto zeigt die sechs ordentlichen Personalratsmitglieder, darunter auch zwei Freie: (v.l.n.r.) Jochen Reinhardt, Herwig Knips, Stephanie Funk-Hajdamowicz (frei), Frank Stach (frei), Angelina Konrad und Petra Hengholt. Herwig Knips wird die nächsten vier Jahre als freigestellter Personalrat amtieren.

 

VOR DER PERSONALRATSWAHL IM JUNI 2012

Unsere Ziele

Wertvolle Arbeit anerkennen

Redaktionssekretärinnen, die eigentlich schon lange Redaktions-Assistentinnen sind, aber nicht dementsprechendes Gehalt beziehen.

 

Freie Mitarbeiter, die automatisch nur nach dem unteren Ende des Honorar-Rahmens bezahlt werden oder mit niedrigen Tagespauschalen abgespeist werden sollen.

 

Festangestellte, denen trotz überdurchschnittlicher Leistungen Aufstiegschancen verwehrt bleiben.

 

Kolleginnen und Kollegen aus vielen Abteilungen, die sich dem zunehmenden Zeit-, Spar- und Technisierungsdruck selbstverständlich stellen, bei der Stressbewältigung aber allein gelassen werden und deshalb auch schon mal in die Teilzeit flüchten.

 

Die Liste ließe sich noch verlängern, das Problem ist klar: Oft fehlt es an persönlicher Anerkennung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Anerkennung durch nicht nur Geld, auch durch aktive Karriereförderung, durch gute Arbeitsorganisation in der Abteilung oder auch durch das ein oder andere lobende Wort des Vorgesetzten.

 

Letzteres kann ein Personalrat kaum erzwingen, aber an vielen anderen kleinen und großen Stellschrauben kann er drehen, um den Wert der Arbeit für jede Kollegin und jeden Kollegen deutlich sichtbar zu machen: Er passt auf bei der Formulierung von Stellenausschreibungen, er ist beteiligt an Weiterbildungsangeboten, er guckt kritisch, wenn es um die Besetzung von Stellen geht, er ist an den Haushaltsgesprächen beteiligt, bei denen es auch um Höhergruppierungen geht. Denn nur Mitarbeiter, die sich angesehen und anerkannt fühlen, werden auf Dauer gute Arbeit leisten können. Der DJV will das zu einem Schwerpunkt seiner Arbeit im Personalrat machen. Höherwertige Arbeit, aber niedrig bezahlt - nicht mit uns!

 


Respektvoll miteinander umgehen

Gestern noch Kollege, morgen schon Kunde! Das Kunde-Dienstleister-Denken insbesondere im Verhältnis Redaktion/Produktion hat schon vor Jahren Einzug in den WDR gehalten – sehr zum Ärger des DJV. Dieses Denken hat die Einstellung vieler Kollegen zueinander verändert und eigentlich kaum zum Besten. Dabei arbeiten alle weiterhin für das Programmunternehmen WDR. Wir wollen versuchen, das Gemeinschaftsgefühl trotz aller strukturellen Veränderungen zu erhalten, ja es wieder mehr zu stärken.

 

Das betrifft auch die Kolleginnen und Kollegen, die z.B. aufgrund gesundheitlicher Probleme nicht mehr ihren alten Arbeitsplatz ausfüllen können wie bisher. Für sie gibt es derzeit oftmals keine befriedigende Lösung, da nicht direktionsübergreifend gesucht wird. Hier muss der WDR kreativer werden. Beteiligt sind auch Betriebsarzt und psycho-soziale Beratungsstelle – für sie fordern wir eine bessere personelle Ausstattung, da auch hier die Arbeitsbelastung zugenommen hat.

 

Respektvoll miteinander umgehen heißt aber auch, mehr Rücksicht auf die Arbeitszeitinteressen der Kollegen zu nehmen . In vielen Abteilungen wird immer kurzfristiger disponiert und noch kurzfristiger umdisponiert. Arbeitsbeginn und Feierabend ändern sich sozusagen stündlich, je nach aktuellem Arbeitsanfall. Freie Tage werden ebenfalls vorgegeben, obwohl dies tarifvertraglich nicht zulässig ist. Da fällt es den Betroffenen zunehmend schwer, Familie und Job unter den berühmten Hut zu kriegen. Hier sollen die Kolleginnen und Kollegen erheblich mehr mitreden dürfen.

 

Und nicht zu vergessen: der Umgang zwischen Festen und Freien, Zeitverträglern und/oder AÜG-Mitarbeitern, wo es oftmals aufgrund von zunehmender Arbeitsverdichtung zu Konflikten kommt. Es gibt keine hochwertigen und weniger wertigen Berufsgruppen im WDR. Der DJV wird sich für Arbeitsbedingungen einsetzen, die ein respektvolles und achtsames Miteinander fördern und alle Mitarbeiter auf Augenhöhe agieren lassen. Der DJV kennt auch weiterhin nur Kollegen, keine Kunden.

 

Mehr Transparenz schaffen

Eine aktuelle Studie belegt, dass 86 Prozent der Mitarbeiter, die ihren Arbeitgeber als transparent einstufen, auch zufrieden mit diesem sind. Von den Befragten, die ihren Arbeitgeber als intransparent bewerten, sind dagegen lediglich 14 Prozent zufrieden. Mangelnde Transparenz sorgt in Unternehmen aber oft dafür, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich bei Veränderungen überrollt fühlen.

 

Seien wir doch ehrlich: Im WDR jagt eine Organisationsänderung die nächste und Sinn und Zwecke dieser Maßnahmen sind nicht immer und überall einsichtig. So manche Gruppe oder Abteilung hat seit der vorigen Personalratswahl zweimal nicht nur ihren Namen geändert. Trotz Intranet und Mitarbeiterinformation: Auch den DJV im WDR erreicht immer wieder Kritik am Verfahren, besonders natürlich, wenn programmliche Veränderungen auch zu strukturellen Veränderungen führen - die wiederum Auswirkungen z.B. über den Beschäftigungsumfang und damit über das Einkommen freier Journalisten haben können.

 

Aber auch in Abteilungen der DPT rumort es immer wieder, wenn Techniken und Verfahren eingeführt werden, die nach Ansicht der Kollegen noch nicht ausgereift sind (man denke nur an das neue 1LIVE-Haus). Dazu sind Arbeitssicherheit, Datenschutz etc. zu klären, und zwar schon im Vorfeld. Und: Nicht jede Abteilung führt die in der Beteiligungsordnung vorgeschriebenen Berichtversammlungen durch. Darauf zu pochen ist auch Aufgabe des Personalrats.

Unsere Kandidatinnen und Kandidaten

26 Kolleginnen und Kollegen sind angetreten und diesmal nicht nur feste, sondern auch freie Mitarbeiter des WDR.

 

Wir wollen dazu beitragen, dass die Arbeit im WDR professionell erledigt werden kann, ohne dass die Menschen darunter leiden. Die Vertreterinnen und Vertreter des DJV kennen die Probleme, die Vielen im WDR Sorgen bereiten: mehr Arbeit und weniger Planstellen, indirekte Honorarkürzungen für Freie, Überforderung und Resignation bei immer kürzer aufeinander folgenden Organisationsänderungen. Viele jüngere Kollegen retten sich von Zeitvertrag zu Zeitvertrag, viele Ältere wiederum haben Schwierigkeiten, sich bei steigenden Anforderungen auf ihrem Arbeitsplatz zu behaupten und flüchten nicht selten in die Teilzeit trotz finanzieller Einbußen.

 

Im Personalrat wollen wir uns dafür einsetzen, dass gegenseitiger Respekt das Miteinander bestimmt, dass die Arbeit (nicht nur finanziell) anerkannt wird und dass auf die umfassende Einbindung aller Beteiligten geachtet wird, wenn es um neue Organisationsformen, Arbeitsinhalte und Aufgaben geht.

 

Unsere Fotos

alle Fotos: DJV-Betriebsgruppe WDR

Unsere Videos

Zur ersten Wahl des Personalrats 2012, bei der die Freien ihre Stimme abgeben konnten, tauchten viele Fragen auf. Hier einige Antworten...
mehr