Deutscher Journalisten-verband Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten

Lokalfunk NRW

Lokalfunker aus ganz NRW bilden Spalier des Protestes in Oberhausen

Ein guter erster Aufschlag für den aufkommenden Protest gegen die stockenden Verhandlungen in der Gehaltstarifrunde ist am Samstag in Oberhausen gelungen: Kolleginnen und Kollegen von Lokalfunksendern aus ganz NRW folgten dem gemeinsamen Aufruf von DJV-NRW und ver.di und zeigten ihren Unmut darüber, dass die Verhandlungen schon seit sechs Monaten nicht entscheidend vorankommen.
 
Mit zahlreichen Plakaten formierten sie ein Spalier des Protests vor dem Eingang des TZU in Oberhausen, wo sich Chefredakteure und Vorstände der Veranstaltergemeinschaften des Lokalfunks NRW zu einer Tagung trafen. Sie sendeten so ein klares Signal aus, dass das Angebot der Arbeitgeberseite, eine Erhöhung der Löhne und Gehälter unterhalb der Inflationsrate als Geringschätzung empfinden.

Ein Dialog mit den Vertretern der Veranstaltergemeinschaft kam in Gang, eine vierköpfige Delegation der Protestierenden konnte in der Konferenz ihre Anliegen vorbringen.

Dass die Veranstaltergemeinschaften die Forderungen der Gewerkschaften mit Verständnis und Wohlwollen aufnahmen nutzt aber wenig, wenn sie sich in den Tarifverhandlungen nicht auch dafür verwenden. Die Beschäftigten der Lokalfunksender sollten deshalb die Mitglieder ihrer Veranstaltergemeinschaften ansprechen und ihnen gegenüber klarmachen, wie unzureichend die Angebote der Arbeitgeberseite bislang noch sind.

Die Gewerkschaften fordern die Arbeitgeberseite an dieser Stelle der Verhandlungen dazu auf, sich für einen schnellen, fairen Abschluss des Gehaltstarifvertrags einzusetzen. Ein halbes Jahr ergebnislose Verhandlungen sind mehr als genug!

Videos von den Protesten gibt es auf unserem Youtube-Kanal:

Spalier des Protestes: https://www.youtube.com/watch?v=cV8L23y0Gjk

Statement Christian Spoo: https://www.youtube.com/watch?v=J31jC0Pms9k

Gehaltstarifverhandlungen Lokalfunk

Am 20.04. haben sich die Arbeitgeber und Gewerkschaften zur ersten Verhandlungsrunde für die etwa 400 Beschäftigten im Lokalfunk getroffen. Es ging um den nächsten Gehaltstarifvertrag.

DJV NRW und ver.di fordern 5,5 % Gehaltserhöhung bezogen auf zwölf Monate Laufzeit. Die Arbeitgeberseite wies die Forderungen der Gewerkschaften zurück und verweigerte zudem ein eigenes Angebot.

Für die zweite Verhandlungsrunde bedarf es eines verhandlungsfähigen Angebotes der Arbeitgeberseite. Die Beschäftigten erwarten zu Recht, dass eine zügige Einigung mit angemessenen Lohnerhöhungen getroffen wird.

Der aktuelle Gehaltstarifvertrag läuft Ende des Monats aus. Die Fortsetzung der Verhandlungen ist für den 12. Mai angesetzt.

LfM-Hörfunkpreise: Preiswürdige Recherchen

Die Lokalfunker haben gefeiert: Zum 25. Mal hat die Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) in Düsseldorf die LfM-Hörfunkpreise vergeben. Und zum dritten Mal hat der DJV-NRW den Preis in der Kategorie Information und ­Recherche gestiftet.

„Couragiert und alleine gelassen“ haben die Preisträgerinnen Alexandra Wiemer und Karin van Dyk von radio 91.2 ihre Beitragsreihe genannt. Sie haben eine ­Geschichte recherchiert, von der sie im privaten Umfeld gehört hatten: Ein junger Mann war auf der Straße von vier Männern zusammengeschlagen worden, weil er in einem Bus jemandem helfen wollte.

Die Beiträge bei radio 91.2 haben Folgen: Die Stadtwerke ­heben ihre Überwachungs­videos nun einen Tag länger auf, ihr Sicherheitspersonal in den Bussen wird besser geschult, und der junge Mann bekommt Schmerzensgeld von der Opferhilfe. Sein Bewerbungsgespräch für die Lehrstelle durfte er nachholen – er hatte den Termin verpasst, weil er im Krankenhaus lag.
Bei der Preisverleihung lobte DJV-NRW-­Geschäftsführer Karl Zimmermann die Preisträgerinnen: Dieser Beitrag habe deutlich gezeigt, dass intensive ­Recherche im Alltag etwas bewegen könne. Zudem widerlege die saubere Arbeit der Redakteurinnen die Vorwürfe in Richtung „Lügenpresse“. Einen Anerkennungspreis in der Kategorie Informa­tion und ­Recherche gab es für Gerrit Großmaas von Radio ­Bochum.

Der DJV-NRW stiftet den Preis bewusst in der Kategorie Information und Recherche, „weil guter Journalismus ohne vernünftige Recherche gar nicht geht“, sagte Zimmermann. Das Engagement für den LfM-Hörfunkpreis soll honorieren, dass der Lokalfunk angesichts zurückgehender Printprodukte die Medienvielfalt in NRW hochhält. Außerdem, so Zimmermann, wolle der DJV so die Journalistinnen und Journalisten beim Lokalfunk würdigen, die „einen wichtigen und guten Job“ machten.

41 Beiträge hatten Lokalfunker in der Kategorie Information und ­Recherche eingereicht. Mehr gab es nur in den Kategorien Projekte/Serie und Unterhaltung. Insgesamt zeichneten die Jurys elf Produktionen in zehn Kategorien aus, davon acht für journalistische Leistungen und drei im Bereich Werbung.

In der Kategorie Moderation ging die Auszeichnung an „Frank Wallitzek und die Radio Bonn/Rhein-Sieg-Morgencrew“. In der Kategorie Service/Beratung gewannen Eileen Amberg und Daniel Krawinkel von Radio WMW.  Anuschka Fritzsche von Radio Bochum überzeugte mit einem Interview in der Kategorie Unterhaltung. Johannes Hoppe von Antenne Unna wurde in der Kategorie Projekte/Serie ausgezeichnet. Bei der Crossmedialen Berichterstattung punkteten Joris Gräßlin und Annika Pott von Radio Bielefeld.

Der diesjährige Medienethische Sonderpreis der Kirchen ging an „Radio Wuppertal 107,4 – Refugee FM“ mit seinem Themen-, Nachrichten- und Serviceangebot für in Wuppertal und Umgebung lebende Flüchtlinge. Das alle zwei Wochen erscheinende Magazin wird mit Hilfe von zwei aus Syrien geflohenen Journalisten erstellt und steht als Podcast in Deutsch, Englisch und Arabisch auf der Webseite von Radio Wuppertal 107,4 zur Verfügung./sax

DJV-Vertreter in Veranstaltergemeinschaften "on Air" im Exzenterhaus

Das Exzenterhaus in Bochum. Foto: Ernst-Ulrich Roth

Erstes Treffen der Sender der "Ruhr-Schiene"

Hoch über Bochum, nämlich im 19. Stock des Exzenterhauses und somit sozusagen "on Air" - trafen sich Anfang März die vom DJV in die Veranstaltergemeinschaften (VG) entsandten Mitglieder der Lokalfunk-Sender der "Ruhr-Schiene. "Der Lokalfunk in NRW steht vor großen Herausforderungen. Gemeinsam wollen wir Lösungsansätze und -wege entwickeln, um die Zukunftsfähigkeit und die journalistische Vielfalt des Lokalfunks zu sichern", erklärten die beiden Organisatoren, David Petzold und Ernst-Ulrich Roth, die Zielsetzung des allerersten Treffens.

Beide zeigten schon im Vorfeld einige anstehende Diskussionspunkte auf. "Die Anmutung des Programms wird auf die Zielgruppe 14 bis 49 Jahre ausgerichtet", erklärte zum Beispiel Ernst-Ulrich Roth, VG-Mitglied bei Radio Herne. Auch Scheinselbstständigkeit sei in der Medienwelt ein großes Thema. "Und in den Verlagshäusern verschieben sich die Schwerpunkte, Stichworte sind hier Digitalisierung und Wirtschaftlichkeit", so Betriebsratsmitglied David Petzold von Radio Vest.

Zu den Sendern der "Ruhr-Schiene" zählen die Lokalradios Hagen, Emscher-Lippe, Duisburg, Herne, Mülheim/Oberhausen, Ennepe-Ruhr, Vest, Bochum und Essen. Anfang März lag das Hauptaugenmerk auf dem Kennenlernen und Vernetzen der VG-Mitglieder. Es wurden aber auch schon Schwerpunkte der zukünftigen Arbeit zusammengetragen. "Schon das erste Treffen zeigte, wie unterschiedlich die Arbeit und die Themen in den Veranstaltergemeinschaften sind, und wie wichtig es ist, dass mit David Petzold ein Mann der Praxis mit am Tisch sitzt", resümierte Roth.

Die VG-Ruhr-Schiene will sich zukünftig zweimal im Jahr austauschen. Das nächste Treffen wird voraussichtlich im September stattfinden. Die Teilnehmer der Premiere hoffen, dass der Kreis der Vertreter dann noch viel größer wird und auch Arbeitnehmervertreter von DGB und ver.di dazu stoßen.|| eur

Wegducken gilt nicht

Jetzt die historische Chance zur Werbezeitenreduzierung im WDR nutzen

Vor dem Hintergrund, dass im Rahmen der Novellierung des WDR-Gesetzes gerade über eine Reduzierung von Werbezeiten gesprochen wird, hält der DJV-NRW die Absicht der KEF (Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten), Rundfunkgebühren erneut zu senken, für falsch. Verschiedene Medien berichten, dass es sich dabei um einen Betrag in Höhe von 30 Cent pro Haushalt handeln könnte. „Anstatt für eine Gebührensenkung zu plädieren, sollte die KEF Geld [...]
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Freie Frequenzen

Transparente und schnelle Vergabe notwendig

Der DJV-NRW spricht sich für eine transparente und schnelle Vergabe der elf freien UKW-Frequenzen in NRW aus. Das Verwaltungsgericht Düsseldorf hat in einem Eilverfahren die Zuweisung dieser Frequenzen an das deutsch-türkische Radio „Metropol FM“ für rechtswidrig erklärt. Damit wurde dem Antrag von „deinFM“ stattgegeben, hinter dem die NRW-Lokalradio-Betreiber mit ihrer Jugendwelle stecken. Das Verwaltungsgericht monierte, dass die Landesanstalt die Entscheidung im Januar 2015 in nicht-öffentlicher Sitzung getroffen und damit gegen den Grundsatz der Öffentlichkeit verstoßen habe. Gegen den Beschluss kann Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht Münster eingelegt werden. Frank Stach hofft jedoch, dass die LfM nicht unnötig auf Zeit spielen wird und als aktiver Partner [...]
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7. Medientreff in Bad Honnef

Zukunftsfragen für den Lokalfunk

Thorsten Kabitz, Dr. Marc Jan Eumann und Dr. Jürgen Brautmeier (v.l.). Foto: Sascha Fobbe
Rund 90 Medienmacher kamen zum Medientreff. Foto: Sascha Fobbe

Immer mehr Menschen hören Radio über das Smartphone. Wie können die Lokalradios darauf reagieren? DAB+ wird kommen. Wäre es für den Lokalfunk sinnvoll, dabei zu sein? Wenn ja – wie sollen die neuen Verbreitungswege angesichts sinkender Werbeerlöse finanziert werden? Diese und andere Fragen diskutierten rund 90 Teilnehmer aus dem Lokalfunk, von radio NRW, der LfM, den Campusradios und von Radioagenturen beim Medientreff am 3. und 4. September in Bad Honnef.

Im ersten Panel verkündete Dr. Jürgen Brautmeier, Direktor der Landesanstalt für Medien (LfM), eine Neuigkeit: Es sei nun doch möglich, den Lokalfunk innerhalb des Sendegebiets auf dem digitalen Verbreitungsweg DAB+ abzubilden. Allerdings biet diese lokale Sendefläche auch Platz für vier weitere Anbieter. Mitmachen oder nicht? Und wie soll das finanziert werden? Das fragten sich die anwesenden Chefredakteure sowie die Mitglieder der Veranstaltergemeinschaften. Denn für die Finanzierung des Programms und der Technik sind die Betriebsgesellschaften zuständig – und von denen war kaum jemand nach Bad Honnef gekommen.

Diese Trennung von Programmverantwortung und -finanzierung macht das Zwei-Säulen-Modell in NRW aus. In ihrer Rückschau auf 25 Jahre Lokalfunk in NRW waren sich Medienstaatssekretär Dr. Marc Jan Eumann, Dr. Jürgen Brautmeier, Geschäftsführer der Landesanstalt für Medien, Klaus Klenke, Programmdirektor und Geschäftsführer der ersten Stunde von radio NRW und Helmut G. Bauer, zweiter Geschäftsführer in den Anfangstagen von radio NRW, einig: Würde der Lokalfunk heute aus der Taufe gehoben, sähe er anders aus. Die 25 Jahre alten Strukturen – auch in der Zusammenarbeit mit dem Mantelprogrammanbieter radio NRW – erschwerten schnelle Entscheidungen. Bauer brachte es auf den Punkt: „Ihr müsst erst fragen, wie kann man etwas machen, und erst dann: Wer ist zuständig?“

Die künftige Finanzierung des Systems müsse jetzt geklärt werden, wo die Lage noch gut sei. Eumann verwies auf einen Player, der den Lokalradios das Leben schwer machen könne: Mediaagenturen kaufen immer mehr Werbezeiten pauschal ein, streichen große Rabatte ein und geben die Gewinne nicht immer an ihre Kunden weiter: „Da wurde zu lange nicht hingeschaut, was die Mediaagenturen mit ihren Trading-Modellen machen!“

Im weiteren Verlauf der Tagung ging es unter anderem um die aktuelle Zusammenarbeit innerhalb des Systems, um die Vorreiterrolle, die radio NRW übernehmen könnte, sowie um kreative Programmentwicklung, Gestaltung der Nachrichtung und die Nutzung von Mediadaten. Mehr dazu im nächsten DJV-JOURNAL. Einen ausführlichen Tagungsbericht gibt es auf den Seiten der LfM.

Sascha Fobbe

Medientreff 2015

Tagung der Lokalfunker am 3. und 4. September in Bad Honnef

Unter dem Motto "Läuft bei uns!" findet am Donnerstag und Freitag, 3. und 4. September 2015, der Medientreff 2015 am Katholisch-Sozialen Institut (KSI) in Bad Honnef statt. Der DJV-NRW ist erneut Kooperationspartner der Veranstaltung. Im Mittelpunkt steht dieses Mal die Frage, wie viel Veränderung nach 25 Jahren Lokalradio notwendig und sinnvoll ist. Als der Lokalfunk vor 25 Jahren an den Start ging, wurde das Modell mit seinen berühmten zwei Säulen von der [...]
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Glückliche Gewinner beim 23. Hörfunkpreis der LfM

Zum ersten Mal konnte die Geschäftsführerin des DJV-NRW, Dr. Anja Zimmer, bei der Verleihung der LfM-Hörfunkpreise auch einen Preis überreichen: Sie gratulierte Lennart Hemme von Radio Emscher Lippe, der in der neuen und vom DJV-NRW gestifteten Kategorie Information/Recherche das Rennen gemacht hatte. Die Landesanstalt für Medien NRW (LfM) vergab die Hörfunkpreise am 14. November 2014 bereits zum 23. Mal.

 

Hemme gewann den Recherche-Preis für ein Interview, das er am Morgen nach dem Schalke-Spiel gegen PAOK Saloniki geführt hatte. Die Polizei war mit einer Hundertschaft vor Ort gewesen und mit Tränengas gegen Schalke-Fans vorgegangen. Die Bilder liefen am Abend über die TV-Bildschirme, und die Hörer von Radio Emscher Lippe erfuhren am nächsten Morgen alle Details.

 

„Lennart Hemme interviewte die zuständige Polizeisprecherin fair, vorurteilsfrei und zielstrebig“, hieß es in der Laudatio. „So gelang es ihm, seiner Interviewpartnerin die brisanten Antworten zu entlocken, die zu einem besonders hohen Informationswert des Beitrags führten. Besonders hervorzuheben: das Interview wurde – ganz Fair Radio – in voller Länge und ungeschnitten ausgestrahlt.“

 

Bei den Bewerbungen für die Hörfunkpreise gab es in diesem Jahr Rekordzahlen. 222 redaktionelle Beiträge wurden eingereicht, in der Kategorie Information/Recherche waren es 47. Sechs Preise wurden im redaktionellen Bereich vergeben, dazu ein Sonderpreis und ein Anerkennungspreis.

 

Der DJV-NRW hat sich für die Unterstützung der Hörfunkpreise entschieden, um die Bedeutung des Lokalfunks gerade im Bereich Information und Recherche zu unterstreichen. In einer Zeit, in der immer mehr Lokalredaktionen von Tageszeitungen geschlossen werden, steth der Lokalfunk für die Sicherung von Medien- und Meinungsvielfalt im Lokalen.

 

Sascha Fobbe, stellvertretende Landesvorsitzende des DJV-NRW und hauptberufliche Redakteurin bei Radio RST, räumte Mitte November gleich drei Preise ab. Für ihre Reihe „Arbeit und Gehalt“ erhielt sie den Preis in der Kategorie Service/Beratung. Die ganze RST-Redaktion wurde für eine Sondersendung zur Kommunal- und Europawahl in der Kategorie Information/Recherche mit dem Anerkennungspreis der LfM ausgezeichnet. Und schließlich bekamen Radio RST und Antenne Münster zusammen noch den Sonderpreis der LfM - für die Unwetterberichterstattung in der Region Steinfurt/Münster im Juli dieses Jahres.

LfM-Hörfunkpreis

26 Beiträge in neun Kategorien im Rennen

Die Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) hat die Nominierungen für den diesjährigen LfM-Hörfunkpreis bekannt gegeben. In den beiden Bereichen „redaktionelle Beiträge“ und „lokale Werbung“ werden insgesamt 26 Beiträge in neun Kategorien vorgeschlagen. Der LfM-Hörfunkpreis wird bereits seit 1992 ­vergeben, in diesem Jahr ist der vom DJV-NRW gestiftete Preis für Informa­tion/Recherche neu mit dabei. Das Jahr 2014 steht für eine Rekordbeteiligung am Hörfunkpreis: Es wurden so viele Beiträge wie noch nie eingereicht. Dementsprechend hatten die Jurys in den vergangenen zwei Monaten alle Hände voll zu tun und mussten insgesamt 300 redaktionelle Beiträge und Werbungen auswerten. Auch die Zahl der teilnehmenden Lokalradios war in diesem Jahr so hoch wie noch nie: 37 Lokalsender und radio NRW haben Beiträge ins Rennen geschickt - das entspricht einer [...]
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Unstimmigkeiten zwischen radio NRW und einem Teil der Lokalfunksender

Es knirscht im System

Fritz-Joachim Kock, Vorsitzender des Verbands Lokaler Rundfunk in NRW (VLR), kann nicht glauben, dass die momentanen Spannungen zwischen dem Mantelprogramm­anbieter radio NRW und den ­Lokalfunksendern nicht beizulegen sind. „Wenn wir es nicht schaffen, zu einer Einigung zu kommen und das ­Lokalfunksystem zu erhalten, ist das ein Armuts­zeugnis für die Intelligenz der Beteiligten“, ­erklärte er ­zuversichtlich. Gewarnt haben dagegen Medienstaats­sekretär Dr. Marc Jan Eumann und der Direktor der Landesanstalt für Medien, Dr. Jürgen Brautmeier, beim ­Medientreff in Bad Honnef Mitte September: Das System drohe zu implodieren, wenn die Beteiligten sich nicht ­einigten, und es sehe so aus, als dass sie durchaus scheitern könnten.

Ein Bündel von Problemen

Hintergrund des Konflikts sind direkt mehrere Probleme, ­denen sich der Privatfunk in NRW aktuell stellen muss: Dabei geht es nicht nur um sinkende Werbeerlöse und veränderte Hörergewohnheiten. Mit der Vergabe der ausgeschriebenen UKW-Frequenzen könnten Privatradios aus anderen Bundesländer auf den NRW-Markt drängen. Und der WDR stellt sich gerade neu auf – mit einer neuen Programmchefin, die vermutlich das ­Regionale stärken wird, und mit einem neuen Musikchef. Zugleich steht radio NRW gerade ohne Programm- und Musikchef da. Nachfolger sind bei Drucklegung des JOURNALs nicht in Sicht. Dabei ist die Stelle des Programmchefs seit ­Monaten vakant.

In dieser Gemengelage drohte die Sendergruppe in Ostwestfalen-Lippe (OWL) Mitte des Jahres, aus dem Vertrag mit radio NRW auszusteigen. Der Grund: Zu lange habe man substanzielle wirtschaftliche, organisatorische und programmliche Verbesserungen angemahnt, nichts sei passiert. Nun wollte die ams, Betriebsgesellschaft für die Sender in Ostwestfalen-Lippe, selbst ein Rahmenprogramm für ihre eigenen Lokalfunksender auf die Beine stellen.

Die Drohung verhallte nicht ungehört: Seitdem loten verschiedene Arbeitsgruppen aus, was man im Zusammenspiel zwischen radio NRW und den Lokalfunksendern verbessern könnte. Die dort erarbeiteten ­Papiere füllen inzwischen ganze Aktenordner, sagt Kock und fordert: Nicht nur im Verhältnis zwischen Lokalfunksendern und radio NRW müsse etwas verbessert werden. Alle Strukturen gehörten auf den Prüfstand. Denn es dauere einfach zu lange, bis Entscheidungen gefällt werden könnten. Das passe nicht mehr in die moderne Medienwelt.

Lösungsvorschläge

Mittlerweile hat ­radio NRW als Antwort auf die Offensive der OWL-Sender Lösungsvorschläge vorgelegt. Zu den Problemen und zum Papier „Reformdialog Lokalfunk NRW“ wollten sich die beiden Seiten gegenüber dem JOURNAL aber nicht äußern – weder Uwe Wollgramm als Geschäftsführer der ams noch Dr. Udo Becker als Geschäftsführer von radio NRW.

Die Bemühungen der Beteiligten um eine Lösung hält andere Sender allerdings nicht davon ab, selbst laut über eine Kündigung der Verträge mit radio NRW nachzudenken. Dazu gehören die PFD-Pressefunk-Gruppe (Betriebsgesellschaft der Sender im nordwestlichen NRW) und die Westfunk (Betriebsgesellschaft der Ruhrgebiets-Sender).

Hinzu kommt: Wegen der Unzufriedenheit mit dem Angebot von radio NRW senden inzwischen viele Lokalfunksender länger, als sie laut Lizenz eigentlich dürften – statt fünf oder acht Stunden eigener Sendestrecke sind es häufig zehn Stunden oder mehr. Sieben Lokalradios ­haben inzwischen eine entsprechende Lizenz bei der LfM beantragt (teils bis zum Jahresende), eine davon ist schon genehmigt.

„Mehr Lokales ist ja gut, aber ist das dann auch wirklich lokal?“, fragte Dr. Brautmeier zweifelnd beim ­Medientreff. Auch Kock sieht das trotz aller Euphorie über mehr lokale Inhalte kritisch: „Die Sender haben ja nicht mehr Geld zur Verfügung, es wird also nicht mehr Personal eingestellt. Wir können das aber nicht auf den Knochen der Mitarbeiter machen.“

Der DJV-NRW beobachtet diese Entwicklung ebenfalls mit großer Sorge. „Das System soll ­sicherstellen, dass auch kleine Sender eine Chance haben. Der Lokalfunk schwächt sich selbst, wenn er das leichtfertig aufgibt“, sagt Geschäftsführerin Dr. Anja Zimmer. Ohne die gemeinsame Klammer dürfte es deutlich schwieriger werden, landesweite Werbung zu verkaufen und mit dem WDR in Konkurrenz zu treten. Und wenn sich eine ganze Gruppe aus dem ­System verabschiedet, erhalten die Verleger, ­denen die Lokalfunksender mehrheitlich gehören, weitere Argumente, unrentable Sender zu schließen. „Bei den Lokalausgaben vieler Zeitungen ist es ja mittlerweile gelebte Realität, jede ein­zelne Lokalredaktion nur noch unter dem ­Gesichtspunkt der ­Gewinnmaximierung zu ­betrachten“, begründet Dr. Zimmer diese Sorge.

Bei der letzten Sitzung von VLR und den Vor­sitzenden der Arbeitsgruppen hat man sich auf ­Regionalkonferenzen geeinigt, bei denen Betriebsgesellschaften, Veranstaltergemeinschaften, VLR, BG-Verband und radio NRW Grundlagen für einen Kompromiss erarbeiten sollen. „Ich wünsche mir, dass alle Stationen am 31.12. ­sagen: Ja wir machen weiter“, sagt Kock. Und hofft, dass bis dahin eine Lösung gefunden wird, die alle Parteien zufrieden stellt. Wenn nicht: Die Kündigungsfrist für die Verträge mit radio NRW zum 1. Januar 2016 läuft am 31. Dezember 2014 ab.||

Sascha Fobbe
Bericht aus JOURNAL 5/14

Neues komplexes Thema: Altersvorsorge im Lokalfunk

Wie bereits gemeldet, haben sich die Gewerkschaften vor Auslaufen der Tarifverträge mit der Tarifgemeinschaft Lokalfunk auf ein neues Vertragswerk geeinigt. Im Gehaltstarifvertrag (GTV) sind Gehaltserhöhungen verankert: Ab 1.12.2014 erhalten die Mitarbeiter im Lokalfunk NRW linear 2,3 Prozent mehr Gehalt, zum 1.2.2016 erfolgt eine weitere Erhöhung um 2,2 Prozent. Konkrete Zahlen dazu liefert der GTV (siehe Kasten rechts).

 

Der Manteltarifvertrag (MTV) gilt endlich unbefristet, eine Kündigung ist nicht vor Ende September 2017 möglich. Die Arbeitgeber hatten ihn 2012 gekündigt, er war danach immer nur befristet eingesetzt worden. Dieses Hin und Her hat ein Ende: Wichtige Leistungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld oder die Arbeitszeit sind für die nächsten Jahre sicher. Kleiner Wermutstropfen: Die Regelungen zur Befristung von Arbeitsverträgen wurden etwas gelockert und an die aktuelle Rechtsprechung angepasst.

 

Neu ist, dass die Arbeitgeber sich endlich an der betrieblichen Altersvorsorge beteiligen: Sie geben ihre Einsparungen bei Steuern- und Sozialversicherungen künftig an die Beschäftigten weiter. Was heißt das konkret? Lokalfunker, die bereits Verträge zur betrieblichen Altersvorsorge haben, erhalten einen Zuschuss von bis zu ca. 600 Euro im Jahr vom Arbeitgeber. Die genaue Höhe bestimmt sich danach, wie viel selbst eingezahlt wird. Das Geld wird, rückwirkend für das ganze Jahr 2014, am 30. November fällig. Damit es auch wirklich ankommt, sollte der Arbeitgeber auf den bestehenden Vertrag hingewiesen werden.

 

Wer noch keinen Vertrag über eine betriebliche Altersvorsorge hat, sollte sich Gedanken machen, ob das in Frage kommt. Im Tarifvertrag wird eine Direktversicherung beim Versorgungswerk der Presse in Stuttgart empfohlen (hier kann man eine Information des Versorgungswerk der Presse als PDF abrufen). Natürlich besteht auch die Möglichkeit, einen Vertrag mit einem anderen Anbieter zu schließen. Da das Thema Altersvorsorge sehr komplex ist, empfiehlt sich in jedem Fall eine individuelle Beratung. DJV-Mitglieder berät der unabhängige Versicherungsmakler Helge Kühl (hier zu seinen Kontaktdaten und weiteren Infos zum Thema Versicherungen).
 

Medientreff 2014

Strategie macht Radio

Das Radio ist nicht tot zu kriegen. Die Vorhersage „Video killed the radio star“ ist nicht eingetreten. „Internet kills the radio star“ wird auch nicht passieren, so die einhellige Meinung der Referenten beim diesjährigen Medientreff in Bad Honnef. Dabei werden die Ansprüche der Radionutzer in Sachen Social Media immer höher, und es gibt immer mehr Konkurrenz im Netz. Das Motto des wichtigsten Events für Lokalradios in NRW am 18. und 19. September mit gut 70 Lokalradio- und Campusradio-Chefs und -Mitarbeitern, Bürgerfunkern sowie anderen Radiointeressierten lautete: „Strategie macht Radio: lokal – digital – personal“.

 

Gefahr fürs System

In seinem Grußwort malte Medienstaatssekretär Dr. Marc Jan Eumann ein nicht nur positives Zukunftsbild. Das hatte allerdings nichts mit Social Media zu tun, sondern mit den Spannungen zwischen dem Mantelprogrammanbieter radio NRW und den Sendern in Ostwestfalen, die das Gesamtsystem bedrohten (siehe Seite xx). Er hoffe sehr, dass die Beteiligten eine ­Lösung fänden und nächstes Jahr der 25. ­Geburtstag der Lokalradios auch ­gefeiert werden könne. Eumann sagte dem „besten System, das es gibt“, eine „großartige Zukunft“ voraus – wenn die Akteure jetzt alles richtig machten. Auch Dr. Jürgen Brautmeier, Direktor der Landesmedienanstalt in NRW, appellierte an die ­Beteiligten, das System nicht aufzugeben.

 

Wichtige Akteure glänzten allerdings durch ­Abwesenheit: Dr. Udo Becker, Geschäftsführer von radio NRW, sowie die Chefs der verschiedenen Betriebsgesellschaften waren bei einer  gleichzeitig stattfindenden Sitzung. Am zweiten Veranstaltungstag fehlten dann noch weitere Vertreter von radio NRW und dem Verband ­Lokaler Rundfunk in Nordrhein-Westfalen (VLR) – wegen einer anderen parallelen Sitzung.

 

Die angespannte Situation im Lokalfunk spielte in den Pausengesprächen und beim abendlichen Get Together zwar eine Rolle. Nicht aber in den ­Panels und Workshops – hier ging es um die ­Bedeutung des Lokalen, um Personalitys „on air“ und um die Frage, in welchem Umfang die sozialen Medien sinnvoll und wichtig für Lokalradios sind.

 

Sehnsucht nach dem, was man kennt

Christine Brugger, Geschäftsführerin bei Radio Osttirol in Österreich, machte eine „Renaissance des Lokalen“ aus, eine Sehnsucht der Hörer nach dem, was sie kennen und überprüfen können. Nicolas Kreutter aus Berlin, der unter anderem als Moderationscoach arbeitet, betonte das ­Lokale als Alleinstellungsmerkmal für kleine Sender. Dabei sei lokal, worüber die Leute reden – man müsse nur einen eigenen Dreh vor Ort finden. Auch die vielen Streaming-Dienste sah Kreutter nicht als echte Gefahr: „Radio schafft gemeinsame Erlebnisse. Die sind hautnah erlebbar, nicht virtuell.“ Spotify würde eben keine Konzerte veranstalten.

 

Im zweiten Schwerpunkt befasste der Medientreff sich mit Bedeutung und Nutzen von Social Media. Dr. Michael Kausch, Fachmann für neue Technologien und Internet-Kultur, findet die Netzauftritte vieler Sender „jämmerlich“. Nicht jeder müsse zum Beispiel bei Facebook dabei sein, aber für jeden Sender sei es Pflicht zu beobachten, was über ihn und seine Mitarbeiter im Netz stehe. Hier wünschten sich viele Teilnehmer mehr Input, am besten einen ganzen Tag statt eines zweistündigen Workshops.

 

Der dritte Schwerpunkt drehte sich um „Radio-Personalitys“. Was macht solche Persönlichkeiten aus? Wie wichtig sind sie auch für lokale Sender? Und wie kann ein Sender seinen „Star“ halten?

 

Viel Input für die Teilnehmer. Moderator Thors­ten Kabitz, Chefredakteur bei Radio RSG, resümierte zum Abschluss: „Keiner geht mit einer fertigen Strategie nach Hause. Aber man nimmt Ideen mit und neue Kontakte.“

 

Mit-Organisator Stefan von der Bank vom Katholisch-Sozialen Institut (KSI) in Bad Honnef stimmte zu: „Impulse geben und wichtige Themen aufzeigen – das ist, was der Medientreff leisten kann.“ Obwohl die Betriebsgesellschaften fehlten, kamen etwa so viele Teilnehmer wie im letzten Jahr, davon etwa 15 zum ersten Mal. Das Konzept mit den Workshops sei erneut aufgegangen: „Dieses Mal war alles sehr rund – ich freue mich auf den 7. Medientreff!“ Der ist am3. und 4. September 2015 in Bad Honnef, wieder veranstaltet vom KSI und der MedienQualifizierung aus Köln, und auch dann wird der DJV als Ideengeber mit dabei sein.||

 

Sascha Fobbe
Bericht aus JOURNAL 5/14

Medientreff für Lokalfunker

Am 18. und 19. September in Bad Honnef

Unter dem Motto „Strategie macht Radio: lokal – digital – personal“ steht der  Medientreff für den Lokalfunk NRW am 18. und 19. September im katholisch-sozialen Institut in Bad Honnef. Der DJV-NRW gehört wieder zu den Kooperationspartnern der Hörfunk-Fachtagung für Radioschaffende und Programmverantwortliche. Der Hörfunk spielt im Medienmix für die Menschen nach wie vor eine bedeutende Rolle. Allerdings haben sich die Kanäle vervielfacht: Neben Kabel, [...]
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Schnelle Einigung im Lokalfunk

Mehr Gehalt und neuer Vertrag zur Altersversorgung

Wochen vor Ablauf des gültigen Gehaltstarifvertrags haben sich die Tarifgemeinschaft Lokalfunk NRW und die Gewerkschaften DJV-NRW und ver.di auf Gehaltserhöhungen geeinigt. Ab dem 1.12.2014 erhalten die rund 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der nordrhein-westfälischen Lokalfunkstationen linear 2,3 Prozent mehr Gehalt. Zum 1.2.2016 erfolgt eine weitere Erhöhung um 2,2 Prozent. Die Laufzeit des neuen Gehaltstarifvertrags beträgt 32 Monate, er endet im April 2017. [...]
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LfM-Hörfunkpreis dank DJV-NRW jetzt auch mit Auszeichnung für Information/Recherche

Nur einmal im Radio?

Der Beitrag ist toll: wichtiges lokales Thema, aussagekräftige O-Töne, schön getextet. Und dann läuft er nur einmal im Radio, wird vielleicht noch auf die Homepage gestellt, und das war‘s. Im besten Fall gibt es noch ein Lob in der Konferenz. Richtige Anerkennung fehlt oft im beruflichen Alltag. Dafür gibt es Journalistenpreise. Etwa den LfM-Hörfunkpreis, mit dem die Landes­anstalt für Medien seit 1992 ­redaktionelle Beiträge der NRW-Lokalradios ehrt. In diesem Jahr ganz neu: der Preis für Informa­tion/Recherche, gestiftet vom DJV-NRW.

 

Zeichen setzen für Qualität

„Wir wollen ein Zeichen setzen für Qualitätsjournalismus“, erklärt der Landesvorsitzende Frank Stach. „Und wir wollen ausdrücklich Wertschätzung für die gute Arbeit in den Lokalsendern zeigen.“ Deswegen ließ sich der Gesamtvorstand des DJV-NRW schnell überzeugen, 2 500 Euro für diesen Zweck bereitzustellen.


Andreas Schmidt, Referent für Aufsicht und Programm bei der LfM, bewertet die neue Koope­ration rundum positiv: „Wir freuen uns sehr, mit dem DJV-NRW einen Partner an Bord zu haben, der eine ähnliche Agenda hat wie wir – nämlich die Qualität in der journalistischen ­Berichterstattung anzumahnen und zu unterstützen. Das passt gut zusammen.“


Bislang stiften der Verband lokaler Rundfunk, der Verband der Betriebsgesellschaften sowie ­radio NRW einzelne Preise, die LfM selbst vergibt Sonderpreise. Jeweils rund 120 Beiträge wurden in den vergangenen Jahren eingereicht – ein Beleg für die Akzeptanz unter den Lokalfunkern. Im vergangenen Jahr gab es sogar eine Rekordbeteiligung mit 142 Einsendungen. Viel Arbeit für Andrea Stullich, Chefredakteurin bei radio RST und zurzeit Jury-Vorsitzende, sowie für die fünf anderen Jury-Mitglieder. Stullich schätzt den LfM-Hörfunkpreis: „Er zeigt, wie leistungsfähig der Lokalfunk in NRW ist, dass wir einen publizistischen Anspruch haben und auch eine gesellschaftliche Funktion erfüllen. In erster Linie aber beweisen die Einsendungen, dass wir ganz großartiges Radio machen.“

 

Sechs Kategorien

Aktuell gibt es für redaktionelle Beiträge sechs Kategorien: Moderation, cross-mediale Berichterstattung, Information/Recherche, Projekte/­Serie, Service/Beratung und Unterhaltung. Über die Katego­rien entscheidet die LfM. Sie versucht damit auch, den Entwicklungen in der Berichterstattung zu folgen. „Der Journalismus wandelt sich, zum Beispiel werden zusätzlich vielfältige Verbreitungswege wie soziale Netzwege genutzt. Das spiegelt sich im Preis für die cross-mediale Berichterstattung wider“, erläutert Schmidt. Auszeichnungen gibt es auch für lokale Werbung, die vergibt allerdings eine eigene Jury. In die Jury-Entscheidungen mischt sich die LfM natürlich nicht ein. Dafür entscheidet sie allein über die Sonderpreise.

 

In den vergangenen 21 Jahren konnten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von 37 Sendern ­einen Hörfunkpreis nach Hause tragen. Weit vorne im Preisranking liegen dabei nach Schmidts Angaben ­radio NRW, Radio Köln, ­Radio Duisburg, Radio Siegen, Radio Vest, ­Radio Hagen und radio 91,2 aus Dortmund. Es gibt aber auch Sender, die praktisch nie Beiträge einreichen.

 

Appell zum Mitmachen

„Ich kann nur an alle Autoren appellieren, sich zu beteiligen. Es ist nicht so, dass man das wahnsinnig originelle Thema in der superexklusiv-kreativsten Umsetzung überhaupt einreichen muss. Manchmal genügt es, genau hinzusehen und das berühmte Thema auf der Straße zu finden“, ermuntert Stullich die ­Lokalfunker zum Mitmachen.

 

Ihre Tipps für eine erfolgreiche Bewerbung: Das Thema muss hörernah sein, sowohl unterhalten als auch Tiefgang haben und handwerklich gut umgesetzt sein. Natürlich soll die nötige journalistische Distanz gewahrt bleiben, und Moderatoren und Beitragsmacher sollten dem Hörer auf Augenhöhe begegnen. Übrigens: Am 14. Novem­ber zur Preisverleihung nach Düsseldorf zu kommen lohnt sich auch für die, die nicht ­gewinnen. Schließlich trifft man dort viele Kolleginnen und Kollegen aus anderen Sendern.
Sascha Fobbe

Zum Hörfunkpreis auf den Seiten der Landesanstalt für Medien

 

Landesmediengesetz

DJV-NRW und VdC fordern, Sendezeiten des Bürgerfunks nicht zu verändern

"Hände weg von den Bürgerfunk-Sendezeiten": Der DJV-NRW und der Verein der Chefredakteure (VdC) im Lokalfunk NRW haben jetzt in einem gemeinsamen Schreiben an die Fraktion der Grünen im Landtag davor gewarnt, die Sendezeiten für den Bürgerfunk auszuweiten bzw. vorzuverlegen. Derzeit diskutieren die Abgeordneten im Landtag NRW intensiv über die Novellierung des Landesmediengesetzes (LMG). Ein Thema ist dabei der Bürgerfunk. Insbesondere Mitglieder der [...]
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Neun Wochen lang streikten die NRW-Lokalfunker 1993 für einen Flächentarifvertrag

Das hat sich gelohnt

Streiken wir weiter oder gehen wir heute zur ­Arbeit? Wo treffen wir uns, und welche ­Aktion planen wir als nächstes? In Zeiten von Smartphone, SMS und Facebook sind solche ­Absprachen kein Problem. Vor 20 Jahren beim Lokalfunkstreik in NRW war das anders: Da startete man morgens von zu Hause aus eine Tele­fonkette, und Faxe wurden von Streikbüro zu Streikbüro weitergeleitet. Fast neun Wochen lang streikten die Beschäftigten im NRW-Lokalfunk Anfang 1993 – der längste Journalisten-Ausstand für einen Flächentarifvertrag.

Heinz-Günter Clasen, Redakteur bei Radio Duisburg, hörte morgens in seinem Radio das Zeichen für den Streikbeginn. Da lief das Lied der IG Metall aus den Streikzeiten bei Krupp. Er wusste: Wenn es ausklingt, ist im Äther Stille. Um zu verhindern, dass die Notfalltechniker alarmiert werden, kündigte er den Sendeausfall bei der Telekom an. Es funktionierte: Der Werbeleiter verschlief, weil aus seinem Radiowecker nichts kam. Das dürfte anderen Hörern im März 1993 ähnlich gegangen sein.

Musik als Streikmittel

Viele Lokalfunker setzten in ihren Sendern auf Musik als Streikmittel: Bei Radio Sauerland lief stundenlang „Herzilein, du musst nicht traurig sein“ von den Wildecker Herzbuben. Beliebt war auch „Hey Boss, ich brauch‘ mehr Geld“ von Gunter Gabriel. Und bei Radio Lippe Welle Hamm gab es „Bohnen in die Ohr‘n“ von Gus Backus. Warum ausgerechnet dieser Titel, weiß Redakteur Rainer Wilkes nicht mehr.

Woanders zogen die Moderatoren die Regler ­herunter, sobald die Werbung laufen sollte, oder sie luden die Werbecards gar nicht erst ein. In Duisburg gingen die Moderatoren in eine halbstündige Pause, statt die Werbung zu starten, oder sie verließen während der Nachrichten das Studio, erinnert sich Clasen.

„Viele Aktionen ­haben die Kollegen vor Ort selbst organisiert, dabei sind sie oft an den Rand der Sabotage ­gegangen. Es war gut, dass wir als Gewerkschaften nicht alles wussten“, erinnert sich Kajo Döhring, heute Geschäftsführer beim DJV-Bundesverband und damals in gleicher Posi­tion beim DJV-NRW für die Tarifverhandlungen im Lokalfunk zuständig.

Wenn die damaligen Streikteilnehmer sich an Einzelheiten erinnern wollen, müssen sie tief im Gedächtnis graben. Ob die ­genannten Musiktitel während der Warnstreiks liefen oder erst zu ­Beginn des unbefristeten Ausstands – unklar. Wo sie überall waren, um mit Passanten zu ­reden, welche Demonstrationen in NRW sie ­besucht haben – auch das weiß niemand mehr genau. Sicher ist: Sie waren viel unterwegs, bei Streikaktionen in Düsseldorf, Essen, Bielefeld, Unna, Oberhausen oder Münster. „Mein Mann meinte damals, ich wäre noch seltener zu Hause, als wenn ich arbeite“, erzählt Claudia Streibel, damals Redakteurin bei Radio RST.

Gestärktes Wir-Gefühl

„Das war nicht mal schlecht, da hat man die Kollegen der anderen Sender kennen­gelernt“, meint Clasen. „Wir sind mit Bussen bis Münster und Bielefeld gefahren, um die Kollegen dort zu unter­stützen und zu ­gucken, was die so machen“, erinnert sich Jens Vossen, der ­damals ebenfalls in Duisburg arbeitete. Heute ist er Redakteur in Bochum. „Das Wir-Gefühl im Lokalfunk wurde gestärkt“, betont Wilkes.

Alte Streikbilder - hier eine Aktion in Dortmund. Foto: Anja Cord
Alte Streikbilder: DJV-Geschäftsführer Kajo Döhring (2.v.r.) ist hier mit Jan-Hendrik Driessen (r.) zu sehen, dem Geschäftsführer des BG-Verbands. Foto: Stefan Prott

Sendernamen

Fast alle Sender hießen früher anders als heute. Im Text und im Kasten „Fakten zum Lokalfunk“ werden die heutigen Namen genannt.

 

Radio Duisburg hieß Radio DU

 

Radio Lippe Welle Hamm hieß Radio Lippe Welle

 

Radio RST hieß Radio Steinfurt

 

Radio 91.2 hieß DO 91.2

 

Antenne Münster hieß radio AM

 

Radio Emscher Lippe hieß Radio EL

 

Radio Ennepe Ruhr hieß radio en

 

98.5 radio bochum hieß Ruhrwelle Bochum

 

Radio 90,1 Mönchengladbach hieß Radio Mönchengladbach

Ist „Nonstop Mantel“ erlaubt?

Einige Sender hatten während des Streiks das Mantelprogramm von radio NRW in den lokalen Stunden aufgeschaltet. Die Landesanstalt für Rundfunk (Vorläuferin der heutigen Landesanstalt für Medien, LfM) hatte diesen Sendern damals – auch nach massiver Kritik der Gewerkschaften – Bußgeld auferlegt und mit Lizenzentzug gedroht. Dagegen haben einige geklagt. Vier Prozesse gab es nach Angaben der LfM, alle endeten mit einem Vergleich.

 

Ob es zulässig ist, bei Streiks der Lokal­redaktion einfach durchgehend das Mantelprogramm zu senden, ist deshalb nach wie vor nicht geklärt./sax

Fakten zum Lokalfunkstreik 1993

Ein Manteltarifvertrag, der Arbeitszeiten, Urlaub sowie Zuschläge für Überstunden und Nachtarbeit regelte, war schon unterschriftsreif. Er sollte aber erst unterzeichnet werden, wenn ein Gehaltstarifvertrag ausgehandelt war. Das war dann erst am 3. Mai 1993 der Fall.

 

Die Gehaltstarifverhandlungen waren für drei Bundesländer Ende 1992 gescheitert, im ­Dezember nahm die in NRW neu gegründete Tarifgemeinschaft Privater Rundfunk mit Vertretern der Betriebsgesellschaften und der Veranstaltergemeinschaften die Verhandlungen mit DJV, DAG und IG Medien, den Vorläu­fern von ver.di, auf.

 

Schon vor der ersten Verhandlungsrunde gab es Warnstreiks in mehr als 20 Sendern – der erste flächendeckende Ausstand im privaten Rundfunk in ganz Deutschland. Nach vier Tarifrunden, begleitet von ganztägigen Warnstreiks, wurden die Verhandlungen Anfang Februar für gescheitert erklärt. Bei der Urabstimmung am 16. Februar sprachen sich mehr als 90 Prozent der Beschäftigten für einen unbefristeten Arbeitskampf aus. Nach sieben Wochen Streiks wurde im April ein Schlichter eingesetzt. In der Nacht zum 1. Mai wurde ein Schlichterspruch akzeptiert, am 3. Mai waren die Feinheiten ausgearbeitet, die Streiks wurden beendet.

 

Die Urabstimmung zur Annahme des GTV am 6. Mai brachte 66 Prozent Zustimmung, dabei lag die Quote unter den DJVlern mit 51,6 Prozent am niedrigsten (IG Medien 70, DAG 95,2 Prozent).

 

Erstreikt hatten die NRWler den ersten Gehaltstarifvertrag für den privaten Rundfunk in Deutschland überhaupt.

 

Der DJV allein zahlte fast 420 000 Mark (rund 210 000 Euro) Streikunterstützung an Feste und Freie. Die höchsten Streikzahlungen gingen dabei an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Radio Emscher Lippe, Radio Ennepe Ruhr, 98.5 radio bochum und Radio 90,1 Mönchengladbach./sax

Und die Wirkung nach außen? Es sei fraglich, ob viele Hörer die Streiks mitbekommen haben, meint Thomas Plöger, damals Volontär, inzwischen Redakteur bei Radio MK: „Das Medium Lokalradio war noch neu, die Moderatoren ­namentlich nicht so präsent.“

Einige Sender schalteten einfach auf das Mantelprogramm (siehe dazu auch Kasten S. xx), bei anderen stemmten die Chef­redakteure mit ihren Volon­tären und Freien ein Notprogramm, das meist nur aus ­Musik und Werbung bestand. Viele Hörer fanden es damals sogar angenehm, dass endlich mal keiner dazwischen quatschte, erinnern sich Clasen und Hoffmann.

In einigen Sendern halfen Redakteure aus anderen Bundesländern aus. Bei Radio MK z.B. ­bekam der Chefredakteur Unterstützung von einem befreundeten Mode­rator aus Berlin. Auch Thomas Münten, damals Chefredakteur bei ­radio en, hätte gerne Kollegen aus Bayern geholt. Aber der Vorsitzende der Veranstaltergemeinschaft war dagegen. Die ersten vier Wochen sah sich Münten den Streik noch an, dann bekam er Angst, seine ­Hörer dauerhaft zu verlieren – bei den Nachbarsendern Radio Wuppertal und ­Radio Hagen wurde nach seinen Angaben nicht ­gestreikt. Stattdessen brachten die Sender Nachrichten auch für sein Sendegebiet. Außerdem saß ihm die Betriebsgesellschaft im Nacken – der Lizenzauftrag müsse erfüllt werden, also die ­lokalen Stunden auch lokal bestückt.

So hielt Münten wochenlang das Programm ­allein aufrecht, mit 14- bis 16-Stunden-Schichten. „Hätte ich sicher sein können, dass ich streiken durfte, hätte ich mitgestreikt“, erzählt er. Noch heute ist sein Ärger groß, dass die Gewerkschaften die Rechtslage für Chef­redakteure nicht vorab geklärt hatten.

Wie offenbar viele Chefredakteure hatte Münten, der nach langer Zeit als WDR-Freier inzwischen für das Düsseldorfer ZDF-Studio arbeitet, damals Verständnis dafür, dass die Mitarbeiter streikten. Es ging in der Kombination von ­Gehalts- und Manteltarifvertrag eben nicht nur um Geld, sondern auch um die Anerkennung verschiedener Ausbildungswege sowie der ­Berufsjahre und um das Berufsbild an sich.

Kompetenz abgesprochen

Die Arbeitgeber sprachen den Lokalfunkern der ersten Stunden die journalistische Kompetenz ab und stuften sie als „Programmmitarbeiter“ ein, gern bezeichnet als „Dudelfunker“, „Disk­jockeys“ oder „Tippsen“. Nach Überzeugung der Gewerkschaften brachte das das Fass zum Überlaufen. Die Lokalfunker selbst sehen das rückblickend anders. Weil viele von ihnen eine gute Ausbildung hatten und sie einen journalistischen Anspruch verfolgten, fühlten sie sich von den herablassenden Begriffen nicht angespro­chen. Deswegen sahen sie aber auch nicht ein, so viel schlechter gestellt zu sein als die Zeitungskollegen. Und das, obwohl sie nach eigenem Verständnis sogar mehr leisteten, indem sie im Selbstfahrerstudio und an den Schnittplätzen die Technik bedienten. Entsprechend wollten sie zu vergleichbaren Konditionen arbeiten wie die Zeitungsredakteure.

Mangelnde Wertschätzung

Dass die Wertschätzung der Arbeitgeber ausblieb, machte die Beschäftigten wütend, sagt nicht nur Rainer Wilkes: „Wir hatten uns alle seit dem Sendestart total reingehängt, Achtstundentage gab‘s gar nicht, wir waren ständig abruf- und einsatzbereit. Der Sender lag uns ja auch am Herzen.“ Tagsüber Nachrichten recherchieren, schreiben und präsentieren, abends noch auf eine Ratssitzung und die Meldungen dazu abliefern – das war völlig normal, erzählt Claudia Streibel. Es gab ja anfangs kaum Freie, um Termine zu übernehmen. Freizeitausgleich oder bezahlte Überstunden gab es in den wenigsten Fällen.

Überhaupt war die Bezahlung nicht einmal einheitlich: Manche Sender orientierten sich am Zeitungstarif, andere am öffent­lichen Dienst, wieder andere kümmerten sich überhaupt nicht um Überstunden, Nacht­zuschläge oder Urlaubsgeld. Das eigene Gehalt hing deshalb nicht zuletzt davon ab, wie gut man verhandelte. Lokalfunk­redakteure verdienten teilweise weniger als Zeitungsvolontäre, Pauschalisten wurden mit 1 500 Mark (rund 750 Euro) abgespeist. „Dabei war die wirtschaftliche Power da“, meint Kajo Döhring, „Die Sender ­gehörten mindestens zu drei Vierteln den Ver­legern, und damals war die Zeitungslandschaft noch eine heile Welt.“ Heißt: Die Verleger fuhren satte Gewinne ein.

Diese Unzufriedenheit hatte Folgen. Bei der ­Urabstimmung am 16. Februar 1993 sprechen sich mehr als 90 Prozent der Kolleginnen und Kollegen für einen unbefristeten Streik aus, die spätere Beteiligung war entsprechend hoch. Zu den großen Demonstrationen kamen bis zu 150 Teilnehmer.

Nicht überall lief das ohne Reibungsverluste ab, das JOURNAL berichtete damals von Hausverboten, Abmahnungen und der Androhung von Kündigungen. Auch unter den Kollegen war man sich zum Teil uneins, wie man es auch von anderen längeren Streiks kennt. „Einige hatten nach der langen Zeit einfach keine Lust mehr, sie wollten wieder arbei­ten gehen“, erinnert sich Streibel. Da bröckelte die Streikfront auch mal innerhalb eines Senders. Dass der lange Ausstand „schon wahnsinnig anstrengend“ war, erzählt Stefan Feldhof von Antenne Münster: „Das war schon eine stramme Leistung, dass wir so lange durch gehalten haben.“

Andere Medien machten den Arbeitskampf, die Demos und Aktionen kaum zum Thema. Die Tages­zeitungen derselben Verleger hatten kein Interesse, die Konkurrenzblätter auch nicht. Immer­hin: Der WDR habe einmal was gebracht, erinnert sich Feldhof. Und der Spiegel berichtete über die Demonstration am 26. April in Münster – auf dem Prinzipalmarkt, genau vor dem Sitz der Westfälischen Nachrichten, deren Verlag bis heute an drei Lokalfunksendern betei­ligt ist.

Spiegel-Bericht als Wendepunkt

Den Spiegel-Artikel schätzt Feldhof als Wendepunkt ein. Danach wurde auch die Tagesschau aufmerksam, aber ehe diese einstieg, war der Streik dann doch vorbei. „Die Arbeitgeber ­waren es nach einiger Zeit leid, aber das war ja auch der Sinn der Übung“, erzählt Döhring.

Schon vor der Demo in Münster hatten sich die Parteien – nach sieben Wochen Streik – auf den Schlichter Wolfgang Hahn-Cremer geeinigt. Mit seiner Hilfe fanden sie nun in der nächsten Verhandlungsrunde mühsam einen Kompromiss. Der war immer noch weit von den Gehältern bei den Tageszeitungen entfernt, aber die meisten Lokalfunker waren trotzdem froh, dass die Streiks vorbei waren. „Wir waren stolz wie Sau, dass wir das ­geschafft haben“, erinnert sich Claudia Streibel. Geregelte Arbeitszeiten und Berufsjahrstaffeln, das war ein Fortschritt: „Gerade Quereinsteiger sind vorher doch wie Freiwild behandelt worden, mit dem Gehalts­tarifvertrag waren alle abgesicherter.“

Auch wenn er die Bezahlung weiterhin zu niedrig fand, war auch Rainer Wilkes einverstanden mit dem ­Tarifvertrag. Der Streik habe das Selbstbewusstsein gestärkt, sagt er: „Wir haben ­gemerkt, dass man was erreichen kann.“ Stefan Feldhof fand die langfristige Perspektive wichtig. Nun gab es Tarifpartner, die Gehaltserhöhungen aushandeln, es gab klare Regelungen, fest vereinbarte Jahresleistungen und Gehaltsstufen. „Das war wichtig für die Kollegen in den Sendern, ­denen es finanziell nicht so gut geht.“ Eine weitere wichtige Errungenschaft für Feldhof und Hoffmann: Dass die Lokalfunker nun Betriebsräte wählen konnten.

Wie viele der Streikenden trotz dieser wichtigen Errungenschaften mehr erwartet hatten, zeigte die Urabstimmung am 6. Mai: Nur 66 Prozent der Kolleginnen und Kollegen sprachen sich für die Annahme aus. „Rational war der Kompromiss ein Erfolg, weil die Arbeitgeber sich ­zunächst nicht annähernd auf unsere Forderungen einlassen wollten“, resümiert Kajo Döhring. „Aber emotional hätten wir mehr erreichen müssen.“ Michael Klehm, der die Verhandlungen damals für den DJV-Bundesverband begleitete, ist sich allerdings sicher: „Hätten die Streiks vier bis sechs ­Wochen länger gedauert, wäre auch nicht mehr herausgekommen.“ Es sei deshalb ein gutes Ergebnis gewesen. „Wir haben es damals als Einstieg gesehen in der Hoffnung, die Schere zu den Zeitungskollegen mit der Zeit schließen zu können.“ Aber drei bis vier Jahre später stellte sich die Existenzfrage für den Lokal­funk: Da wäre auch dieses Ergebnis nicht mehr möglich gewesen.

Im Rückblick sagen alle: Es hat sich gelohnt. Wir hatten endlich einen Rahmen, jeder wusste, wie er eingruppiert werden konnte. Seitdem gibt es regelmäßige Tarifverhandlungen, so dass die Gehälter steigen.

Viel Luft nach oben

Unzufrieden sind die Kollegen heute allerdings mit den Berufsjahrstaffeln. Denn nach sieben Jahren als Festangestellter ist bereits das Ende der Fahnenstange erreicht. Damals hatte man sich nicht vorgestellt, dass Kollegen viel länger bei einem Sender bleiben würden: „In der Aufbruchszeit wurde viel öfter gewechselt: vom Lokal­funk zu RTL oder Sat.1 oder zum WDR. Das waren andere Zeiten. Heute ist man froh, wenn man überhaupt eine Festanstellung hat“, meint Thomas Plöger.

Auch beim Gehalt bleibt nach Einschätzung ­aller Befragten noch viel Luft nach oben. Die Angleichung an die Zeitungstarife ist noch lange nicht geschafft – und angesichts der heutigen Tarif­landschaft auch kein leichtes Unterfangen für die Tarifkommission.

Darüber hinaus sind weitere Felder offen: Es gibt weder einen Ausbildungstarifvertrag noch einen tarifvertrag­lichen Anspruch auf Aufwandsentschädigung für Praktikanten. Auf dem Wunschzettel der Beschäftigten und Gewerkschaften steht auch eine arbeitgebergeförderte betrieb­liche Altersvorsorge. Modelle dafür entwickelt gerade eine Arbeitsgruppe. Allerdings haben die Arbeitgeber schon deutlich gemacht, dass sie sich finanzielle Zusagen gegebenenfalls aus dem Manteltarif zurückholen wollen. Im vergangenen Jahr hatten sie den Tarifvertrag deshalb zum Ende 2013 gekündigt (JOURNAL berichtete). Das war im Übrigen das erste Mal, seit der Manteltarifvertag (MTV) existiert. Nach Gesprächen mit den ­Gewerkschaftsvertretern ist der MTV wieder bis Ende 2013 in Kraft. Um bei diesen Gesprächen wirklich etwas für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter herausholen zu können, sind dann vielleicht wieder Aktionen nötig. Es muss ja nicht gleich ein neunwöchiger Streik sein.

Worauf aber alle Mitwirkenden von vor 20 Jahren stolz sein können: NRW ist das einzige Bundesland, das überhaupt einen Flächentarifvertrag für Lokalfunker hat.||

Sascha Fobbe
Bericht aus JOURNAL 2/13