Deutscher Journalisten-verband Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten

Kulturbruch in Köln

Beim Verlag M. DuMont Schauberg (MDS) ziehen ungemütliche Zeiten auf. Statt wie in der Vergangenheit den Personalabbau mit Abfindungsangeboten zu regeln, setzt das Haus jetzt auch am Stammsitz Köln auf betriebsbedingte Kündigungen und Outsorcing. Das wurde auf zwei Mitarbeiterversammlungen Ende September und einer außerordentlichen Betriebsversammlung Anfang Oktober deutlich. Für die Beschäftigten bei Kölner Stadt-Anzeiger und Express ist dies ein Kulturbruch. Bisher habe der Betriebsrat immer alles in Verhandlungen klären können, heißt es. Diesmal soll die Geschäftsführer die Arbeitervertreter erst einen Tag Mitarbeiterversammlungen über die Pläne informiert haben.

Während im kaufmännischen bzw. gewerblichen Bereich bis Ende 2014 fast zehn Prozent der Stellen wegfallen sollen (siehe Meldung unten), gab die Geschäftsführung für die Mantelredaktion bis Ende 2015 ein Sparziel von einer Million Euro vor und kündigte weitere Sparziele für die Lokalredaktionen an, ohne Details zu beiden Bereichen bekanntzugeben. Und es gibt ein weiteres Projekt, das auch in den Redaktionen für Unruhe sorgt: Unter dem Namen „Schwarze Null“ hatte die Geschäftsführung einige Wochen vorher angekündigt, bundesweit die Onlineaktivitäten aller Marken – inklusive Redaktion – in einer nicht tarifgebundenen Digitalgesellschaft zusammenzuführen. Diese soll ab Anfang 2014 die digitalen Angebote weiterentwickeln und Produktverantwortung auch für die Apps für mobile Endgeräte, für E-Papers und weitere digitale Produkte und Marken übernehmen.

Zwar wollte der Verlag über die konkreten Redaktionsstrukturen und die Zahl der dort angesiedelten Arbeitsplätze noch nichts nach außen lassen. Aber ein interner Newsletter informierte Anfang September darüber, dass  die Online-Journalisten für Portale und Apps künftig in der Tochtergesellschaft arbeiten.  „Die Kollegen produzieren vor Ort in Köln, Berlin, Halle und Hamburg lokale Themen. Die überregionalen Themen werden in der Regel zentral aus Köln zugeliefert“, heißt es dort. Und weiter: „Auch Leitlinien für SEO und weitere Reichweiten-Treiber werden zentral vorgegeben. Die publizistische Leitlinie der jeweiligen Zeitungstitel verantworten in der Tradition unseres Hauses selbstverständlich weiterhin die Chefredakteure. Sie haben die Markenverantwortung.“

Nicht zu klären war vor Redaktionsschluss die Frage, ob die betroffenen Journalistinnen und Journalisten der Online- und App-Redaktionen (Redakteure und Pauschalisten) sich neu auf die Arbeitsplätze bei DuMont Net bewerben müssen und zu welchen Bedingungen sie dort arbeiten werden.

Kündigungen bei DuMont

M. DuMont Schauberg will am Standort Köln im kaufmännischen bzw. gewerb­lichen ­Bereich bis Ende 2014 fast zehn Prozent der Stellen abbauen. Von bisher 850 Mitarbeitern sollen 84 Stellen in Verwaltung, Verlag und Druckzentrum wegfallen. Eine Rotation wird stillgelegt. Künftig sollen 80.000 Exem­plare täglich außer Haus gedruckt werden. Neben 34 Druckern sind 50 Mitarbeiter der ­Abteilungen Poststelle, Korrektur, Bildbearbeitung und ­Anzeigenberatung betroffen. Für sie will die ­Geschäftsführung mit dem Betriebsrat über ­einen Sozialplan verhandeln und ggf. eine Qualifizierungsgesellschaft gründen.

 

Die verbleibenden Mitarbeiter aus den Abteilungen Anzeigenverkauf, Zeitungsverkauf und Verlagswerbung will der Verlag in die bereits bestehende, nicht tarifgebunden Tochtergesellschaft „MVR Media Vermarktung Rheinland GmbH“ auslagern. Die Geschäftsführung soll in Mitarbeiterversammlungen Ende September zugesichert haben, dass den Betroffenen keine wirtschaftlichen Nachteile entstehen.