Deutscher Journalisten-verband Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten

Was freie Journalistinnen und Journalisten zum Jahresende erledigen sollten

Mit neuer Strategie ins neue Jahr

Das Jahr ist fast vorbei. Wieder im Hamsterrad um die Wette gerannt, und nach den Feiertagen geht das Spiel im kommenden Jahr von vorne los. Doch Halt! Wenn Sie sich nicht regelmäßig einen Überblick über Ihre berufliche Situation als freier Journalist verschaffen, sollten Sie es zumindest jetzt tun. Nehmen Sie sich eine Stunde Zeit und bewerten Sie das zurückliegende Jahr gezielt aus unternehmerischer Sicht. Dass ein freier Journalist auch Unternehmer ist und so agieren muss, ist ein alter Hut. Weniger verbreitet ist es, dafür die gleichen Instrumente und Strategien zu nutzen wie Unternehmen – egal, ob klein oder groß. Dabei ist klar: Genau wie jeder andere Selbstständige sollten freie Journalisten regelmäßig an ihrer Unternehmensstrategie arbeiten. Dafür reicht schon eine Analyse der vergangenen Monate mit einer ehrlichen Bewertung von Auftraggebern und Themen. Voraussetzung ist natürlich, dass Sie Ihre Unternehmenszahlen kennen.

Klar: Jedes Unternehmen ist unterschiedlich. Und bei jedem Freien sind es andere Bedingungen, unter denen es läuft. Daher gelten nicht alle Aussagen pauschal für jeden. Die unternehmerischen Grundlagen sind aber für alle gültig.

Die Pflicht: Steuern und mehr

Bevor Sie sich an das große Ganze wagen, sollten aber die Hausaufgaben gemacht sein. Frist für die Steuererklärung 2013 war der 31. Mai. Wenn Sie einen Steuerberater haben, ist die Frist am 31. Dezember: Verlieren Sie nun keine Zeit mehr, falls die Erklärung nicht längst abgegeben ist. Denn auch Ihr Steuerberater möchte die Feiertage und die Tage danach vermutlich nicht im Büro verbringen, weil einige Mandanten ihre Unterlagen kurz vor Schluss einreichen.

Sollten Sie Ihre Steuererklärung selber anfertigen und die Frist schon überschritten haben, handeln Sie schnell, damit das Finanzamt nicht mahnt oder einfach Ihr Einkommen schätzt. Alles andere kann warten, die Steuererklärung hat höchste Priorität. Bei sehr gut begründeten Ausnahmefällen lässt sich das Finanzamt eventuell auf eine Fristverlängerung ein. Doch dafür müssen Sie mit dem Finanzamt (schriftlich) in Kontakt treten. Die Taktik „Kopf in den Sand“ führt nicht zum Ziel.

Falls sich an Ihrer Gesamtsituation letztes Jahr nichts verändert hat, können Sie fürs Erste die Werte Ihrer letzten Erklärung übernehmen und die Zahlen aktualisieren, aber diese Variante sollten Sie nur im Notfall nutzen.

Versicherte in der Künstlersozialkasse haben schon vor ein paar Wochen die Aufforderung bekommen, ihr Einkommen fürs nächste Jahr zu schätzen. Falls Sie das bisher nicht getan haben, können Sie das immer noch erledigen. Sollten sich im Laufe des kommenden Jahres große Abweichungen von der Schätzung nach oben oder unten ergeben, können Sie den Beitrag jederzeit anpassen. Eine rückwirkende Änderung ist jedoch nicht möglich. Das Formular für die Jahresmeldung und die Änderungen gibt es auf der Homepage der Künstlersozialkasse.

Nun zu dem, was positiver besetzt ist als die Einkommensteuer – etwa die Verwertungsgesellschaften. Wer seine veröffentlichten Artikel, Beiträge und Fotos hier nicht meldet, verschenkt bares Geld. Das gilt übrigens auch für Redakteure. Denn es handelt sich um Erlöse, die aus dem Urheberrecht entstehen. Und das unterscheidet nicht, ob jemand festangestellt oder freiberuflich arbeitet. Kleiner Wermutstropfen: Bei den Zahlungen der Verwertungsgesellschaften hält das Finanzamt die Hand auf, denn es handelt sich um Einkünfte, die zu versteuern sind.

Um von den Ausschüttungen der verschiedenen Verwertungsgesellschaften profitieren zu können, müssen Sie jeweils einen Wahrnehmungsvertrag geschlossen haben. Wer das noch nicht getan hat, sollte das schnell nachholen. Die Fristen für die Meldungen selbst sind je nach Verwertungsgesellschaft unterschiedlich. Die VG Wort nimmt beispielsweise für Printmedien die Meldungen bis zum 31. Januar entgegen. Sammeln Sie daher jetzt schon Ihre Veröffentlichungen von 2014 und melden Sie diese, damit es im Januar nicht knapp wird. Sollten Sie Veröffentlichungen aus 2013 noch nicht gemeldet haben, können Sie diese ebenfalls melden. Diese werden in die nächste Hauptausschüttung mit eingerechnet.

Spätestens jetzt sollten Sie Ihre Auftraggeber auch an unbezahlte Rechnungen erinnern. Wenn sich vor Weihnachten keiner mehr um die Zahlung kümmert, müssen Sie bis Anfang oder Mitte Januar auf Ihr Geld warten, falls die Buchhaltung zwischen den Jahren unbesetzt ist. Sollten ältere Leistungen noch nicht vergütet sein, müssen Sie auf die Verjährungsfristen achten: Unbezahlte Rechnungen aus dem Jahr 2011 sind zum Jahreswechsel verjährt – Sie haben dann keinen Anspruch mehr auf eine Zahlung. Um die Verjährung zu verhindern, reicht es nicht aus, eine Mahnung zu schicken. Hier kann nur ein Anwalt helfen, zum Beispiel die Rechtsberatung des DJV. Aber Achtung: Die Geschäftsstelle des DJV-NRW ist „zwischen den Jahren“ geschlossen.

Die Kür: Die Strategie optimieren

Nachdem Pflichten und Altlasten abgearbeitet sind, können Sie sich auf die Gegenwart konzentrieren. Vergleichen Sie die Vorjahreszahlen für Umsatz und Gewinn mit den Werten fürs laufende Jahr. Erfahrungsgemäß ändert sich in den letzten Tagen des Jahres nicht mehr viel. Wenn Umsatz und Gewinn gestiegen sind, ist das schon mal schön. Ist beides zurückgegangen, ist das einen vertiefenden Blick wert – es sei denn, Sie kennen die Gründe sowieso. Hat sich der Umsatz positiv, der Gewinn aber negativ entwickelt, dürfte das an veränderten Kosten liegen. Hier hilft ein Blick in die Betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA), die Ihr Steuerberater Ihnen zur Verfügung stellt. Viele Buchhaltungsprogramme können diese ebenfalls erstellen.

Analysieren Sie Ihre Kosten. Ist deren Anstieg begründet, zum Beispiel durch Neuanschaffungen oder höhere Reisekosten wegen mehr Recherchen? Überlegen Sie, wie Sie Ihre Kosten in den Griff bekommen können, falls diese dauerhaft zu hoch sind. Schon etwas vermeintlich Banales wie der Wechsel des Stromanbieters kann ein paar Hundert Euro im Jahr sparen. Nicht nur wegen der steigenden Kosten sollte man sich einen Umsatzzuwachs als Ziel setzen. Dazu gibt es – simpel gesagt – zwei Möglichkeiten: Sie können versuchen, mehr und lukrativere Aufträge zu akquirieren. Oder Sie machen sich daran, Ihre Honorare neu zu verhandeln.
Das geht überzeugender, wenn Sie anhand Ihrer Kosten wissen, was Sie zum Leben mindestens brauchen. Eine einfache Kalkulation kann so aussehen: Grundlage ist der Betrag, den Sie zum Leben zwingend brauchen. Das umfasst natürlich alle Fixkosten, die Steuern, Beiträge zur KSK und die weitere Altersversorgung. Hinzu rechnen Sie das, was Sie gerne ausgeben möchten (für Urlaub, Freizeit etc.) und was Sie regelmäßig in die Rücklage führen möchten. Teilen Sie diesen Betrag X durch die geplanten Arbeitstage pro Jahr. Bei einem Arbeitnehmer sind das zum Beispiel 220. Dann haben Sie den Tagessatz, den Sie erzielen müssen, um Ihre finanziellen Erfordernisse zu erfüllen.

Foto: DJV-NRW / Udo Geisler

Weiterbildungsangebote nutzen!

Mit einem Auftraggeber über ein besseres Honorar verhandeln? Ihn vielleicht sogar aus der Kundenliste werfen, damit man Zeit hat, einen besseren zu finden? Solche strategischen Überlegungen sind für zahlreiche Freie sehr fern von ihrem desolaten Berufsalltag.

Aber zum Glück lässt sich doch vieles lernen: Verhandeln, Kundenakquise, Selbstmarketing...

Da lohnt ein Blick in das Weiterbildungsangebot auf der Seminarseite des DJV-NRW, die spätestens zum Jahresbeginn wieder gut gefüllt sein wird. Neben den ermäßigten Angeboten unserer Kooperationspartner finden Sie hier auch viele DJV-eigene Seminare und Webinare – kostengünstig und genau auf unsere Zielgruppe zugeschnitten. /cbl

Freilich gibt es viele Auftraggeber (nicht nur die Tageszeitungen ...), denen Sie sicher kein höheres Honorar abverhandeln können. Oft reicht ja schon das bisher gezahlte nicht mal annähernd an den wirtschaftlich eigentlich notwendigen Satz heran. Dann bleibt nur die Möglichkeit, nach neuen Auftraggebern zu suchen, die bereit sind, das geforderte Honorar zu zahlen. Schauen Sie sich Ihre Einnahmen an. Verschaffen Sie sich einen Überblick, mit welchen Auftraggebern Sie wie viel Umsatz machen, und schätzen Sie den jeweiligen Aufwand ab. Berücksichtigen Sie dabei nicht allein den zeitlichen Aufwand, sondern auch „weiche“ Faktoren: Wie läuft die Zusammenarbeit allgemein? Wird pünktlich gezahlt? Machen die Aufträge Spaß, und haben Sie das Gefühl, dass Sie sich mit ihnen weiterentwickeln?

Teilen Sie Ihre Kunden anhand dieser Überlegungen in Kategorien A, B und C ein:

  • A-Kunden sind quasi Ihre Lieblingskunden, weil hier die Aufträge spannend sind, weil die Zusammenarbeit funktioniert und einen angemessenen Umsatz bringt.
  • B-Kunden sind die Brot-und-Butter-Auftraggeber, die in der Regel den größten Umsatz machen, mit denen die Zusammenarbeit gut klappt, die aber vielleicht nicht die spannendsten Aufträge erteilen.
  • Bei den C-Kunden passt meistens vieles nicht, vor allem das Honorar.


Viele Freie schleifen C-Kunden aus Angst vor dem Umsatzverlust mit. Das ist gefühlsmäßig auf den ersten Blick nachvollziehbar, denn psychologisch ist jeder Verlust negativ besetzt. Aber als Unternehmer bringt Sie das nicht weiter. Trennen Sie sich lieber von einem oder mehreren C-Kunden und stärken Sie stattdessen Ihre Beziehung zu den A- und B-Kunden. Keine Zeit für schlechte Honorare Wenn sich der C-Kunde das nächste Mal meldet, hat man leider keine Zeit für seinen Auftrag. Es ist legitim, dem Kunden dabei auch zu vermitteln, dass man mit der Bezahlung nicht zufrieden war. Vielleicht kommt er irgendwann mal mit einem besseren Auftrag. Oder der Ansprechpartner wechselt, und die Zusammenarbeit verbessert sich wieder spürbar.

Auf die gleiche Art und Weise können nicht nur Auftraggeber, sondern auch Themen bewertet werden, an denen man gearbeitet hat. Vielleicht haben Sie ein interessantes Thema entdeckt, in dem viel journalistisches Potenzial steckt und dem Sie sich zukünftig verstärkt widmen möchten? Dann passen Sie Ihre Strategie entsprechend an. Versuchen Sie, gezielt in diese Richtung Aufträge zu akquirieren und ändern Sie Ihr Selbstmarketing passend zum neuen Schwerpunkt. Das kann bedeuten, die Arbeitsproben auf Ihrer Homepage gezielt zum neuen Lieblingsthema zu zeigen. Umgekehrt stellen Sie die Referenzen in den Hintergrund, deren Fokus jetzt nicht mehr zu Ihnen passt. Beobachten Sie auch im kommenden Jahr regelmäßig, wie sich Ihre neue Strategie im Alltag bewährt und passen Sie sie bei Bedarf an.

Timo Stoppacher

JOURNAL 6/14