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Freie zwischen Sorge und Selbstbewusstein

Sparen beim WDR

Dass der WDR sparen muss und wird, ist klar. Aber was heißt das für die freien Journalistinnen und Journalisten? Werden Anforderungen immer weiter hoch und die Honorare ­immer weiter runter geschraubt? Diese Sorge treibt die Freien beim WDR seit längerem um (siehe zuletzt JOURNAL 5/14) und hält die Gewerkschaftsvertreter in den Gesprächen der Kommission Freie in Atem.

Der Sender möchte das bewährte System der werksbezogenen Vergütungen aufweichen und auch im Hörfunk und Crossmedialen hin zu mehr Pauschalen und Tagesreportern. Im Fernsehen sollen einige Aufgaben von Producern übernommen werden. Die Gewerkschaften wollen dagegen Kürzungen und drohende Statuswechsel verhindern. Wie das gehen könnte, versuchen beide Seiten derzeit in einem Sondierungsgespräch über ­einen Pilotversuch für das Crossmediale zu erarbeiten. Erste Ergebnisse werden für Ende Januar erwartet.

Zur Vorbereitung dieser Gespräche lud der DJV-NRW Ende Oktober zu einer Freienversammlung in die Handwerkskammer Düsseldorf und rund 160 Kolleginnen und Kollegen kamen – Freie aus Hörfunk, Fernsehen und Online, einige auch als Delegation aus Regionalstudios von Aachen bis Bielefeld. Ausführlicher, als es über Mailinglisten möglich ist, informierten die DJV-Vertreter über die Vorstellungen, die der WDR in Vorab-Gesprächen zu künftigen Tarifverhandlungen vorgelegt hatte. Zugleich dienten die drei kompakten Stunden dazu auszuloten, welche Veränderungen am Hono­rarsystem für die Betroffenen noch ­akzeptabel sind. Denn klar ist: Ganz ohne Einbußen wird es auch für die Freien der öffentlich-rechtlichen Sender nicht mehr gehen. Verschwunden ist die alte Gewissheit, dass man im gebührenfinanzierten Teil der Medienlandschaft auf festem Boden steht und von den heftigen ­Umbrüchen der anderen Medien­bereiche eher verschont bleibt.

Tarifbrüche sind längst Alltag

Arbeitsgruppen für Fernsehen, Hörfunk und Crossmedia zeigten, dass die Betroffenen in diesen drei Bereichen durchaus unterschiedliche Anliegen haben. Deutlich wurde aber auch, dass der Sender die geltenden Tarifverträge in einigen Bereichen umgeht. Nicht nur die DJV-­Vertreter waren überrascht, wie verbreitet Tarifbrüche im WDR sind. Immerhin: Mit dieser ­Erkenntnis und mit den Voten der Arbeitsgruppen geht die Verhandlungskommission nun besser vorbereitet in künftige Tarifgespräche.

So kann sich der DJV vorstellen, über eine Art „Mengenrabatt“ zu verhandeln – als Alternative zu den Tagespauschalen, deren Tarifierung der WDR immer vehementer fordert (was die ­Gewerkschaften bisher abwenden konnten). Das Modell des DJV würde dem Sender unterm Strich zwar auch eine Ersparnis bringen, wäre aber für die Freien trotzdem mit Anreizen verbunden und vor ­allem auch sozialversicherungstechnisch unbedenklich.

Und für den Fall, dass sich der Konflikt nicht ­allein am Verhandlungstisch lösen lässt, gab es in der Handwerkskammer Düsseldorf eine vierte Arbeitsgruppe. Sie befasste sich mit möglichen Aktionen und der Frage, wie weit die Betroffenen bereit sind, selbst für ihre Interessen zu kämpfen. Denn daran hängt letztlich, wie stark DJV und verdi in Tarifverhandlungen auftreten können: Demonstrieren und notfalls auch die Arbeit niederlegen können nicht die Gewerkschaften für die Freien, sondern nur die Freien mit Unterstützung der Gewerkschaften. Deshalb sammelte die Arbeitsgruppe Ideen zu Aktionen für verschiedene „Eskalationsstufen“ – von kleinen Nadelstichen bis hin zu großen, durchaus schmerzhaften Aktionen. Darunter vieles, worauf man schnell kommt, aber auch manche Idee, die den Sender überraschen wird.

Beraten lassen!

Was tun, wenn der WDR eine Einschränkungs- oder Beendigungsmitteilung schickt?

 

Erste Fragen zu Bestandsschutz, Beendigung, Ausgleichsgeld & Co. beantwortet ein pdf auf den Seiten des DJV-NRW.

www.djv-im-wdr.de

 

Vor allem sollten sich betroffene Mitglieder in der Landesgeschäftsstelle beraten lassen.

zentralespamfilter@djv-nrwspamfilter.de

Große Einigkeit herrschte später im Plenum, als ersten Schritt aus der Versammlung heraus ein deutliches Signal in Richtung WDR-Führungsspitze zu senden: In einem Brief formulierten die Freien ihre Kritik an den ­geplanten Sparmaßnahmen und Honorarkürzungen. Davon betroffen seien vor allem diejenigen, die das Programm maßgeblich gestalten. Und zugleich diejenigen, die am unsichersten beschäftigt seien und die unsichersten Einkommen hätten.

In seiner Antwort ließ Intendant Tom Buhrow wissen, dass er die Sorgen der Freien ernst nehme und dass der WDR „derzeit und mit dem neuen Modell keine drastische Absenkung von Honoraren“ plane. Der aktuelle Honorarrahmen sei aber für die künftigen crossmedialen Strukturen nicht mehr geeignet und müsse dringend überarbeitet werden. Ihm sei wichtig, die „Kultur des Respekts“ beizubehalten und weiter einvernehmlich nach Lösungen zu suchen.

Pilotprojekt in Wuppertal

Die crossmedialen Kombihonorare will der WDR nun im Wuppertaler Pilotprojekt für ­einen klar definierten Zeitraum testen. An dessen Ende steht eine Bewertung durch beide ­Tarifpartner. Erst danach soll – in enger Abstimmung mit den Betroffenen – entschieden werden, wie es in dieser Sache weiter geht.

Das Treffen in Düsseldorf zeigte aber auch etwas anderes: Bei aller Sorge um ihre berufliche ­Zukunft sind die WDR-Freien selbstbewusst. Sie schaffen einen großen Teil der Inhalte, sie stehen für Qualität im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Entsprechend wollen sie mit Wertschätzung behandelt und angemessen honoriert werden.

Corinna Blümel

JOURNAL 6/14