Deutscher Journalisten-verband Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten

JOURNAL-Special

Konkurrenzlos: Tarifbruch und Zombie-Zeitung bei Aschendorff

Der bittere Zeitungs-Alltag im Münsterland

Konkurrenz ist nicht mehr im Münsterland. Zumindest nicht mehr in der publizistischen Landschaft. Denn die Münstersche Zeitung (MZ) gehört nun zur Unternehmensgruppe Aschendorff. Sie wird vom 17. November 2014 an als Zombie-Zeitung erscheinen. Auch die Verleger in Münster wollen wohl diesen Irrweg samt Lesertäuschung nicht auslassen. Als hätten Münsters Zeitungen und ihre Eigentümer in den vergangenen Jahren nicht schon genug Schlagzeilen geliefert.

Künftig können sich die Westfälischen Nachrichten (WN) in und um Münster nur noch selbst ein Bein stellen. Genau daran arbeitet das einst eher konservative Zeitunghaus Aschendorff, im Besitz der münsterschen Patrizierfamilie Hüffer, derzeit kräftig. Das Betriebsklima hat gelitten. Denn die Geschäftsleitung versucht, ihren Redakteuren die Tarifbindung abzupressen. Die aufgebaute Drohkulisse vermittelt: Wer den Ausstieg aus dem Tarif nicht bis zum 15. November unterschreibt, riskiert Jobs.

Und zwei Tage später dann die erste Ausgabe der MZ als Zombie-Zeitung: Sie erscheint zwar, ist aber ausgenommen wie ein toter Fisch. Verleger Lambert Lensing-Wolff hat die von seinem Vater Florian Mitte der 1980er Jahre erworbene Zweit-Zeitung im Münsterland an den Rand der Insolvenz gewirtschaftet, wie in einer gemeinsamen Pressemitteilung beider Verlage zu lesen war. Dabei heißt es auf der Internetseite des Medienhauses Lensing scheinbar stolz: „Lokales ist die Stärke der Münsterschen Zeitung.“ Genau diese Stärke überlässt Lensing-Wolff jetzt dem Aschendorff-Verlag: Die MZ in Münster, Greven und Steinfurt wird von den WN bestückt. Seine Emsdettener Ausgabe und das Anzeigenblatt kaufen+sparen gehen an den Verlag Altmeppen in Rheine. Die gedruckte MZ-Ausgabe wird den weniger als 20.000 Lesern mit dem Mantel der Dortmunder Ruhr Nachrichten zugestellt. Das Zombie-Modell der Funke Mediengruppe mit der untoten Westfälischen Rundschau (WR) aus Dortmund lässt grüßen. Zusammen mit dem Abstoßen der MZ schloss Lensing-Wolff auch gleich die Lokalredaktionen der Ruhr Nachrichten in Witten und Bochum, was gerüchteweise vor sieben Jahren schon geplant war. Damals räumte Lensing-Wolff das Vest Recklinghausen zugunsten von Mitbewerbern.

Die Flurbereinigung auf dem Zeitungsmarkt in Münster hat das Bundeskartellamt möglich gemacht. Die Behörde hat die „Sanierungsfusion“ der MZ abgesegnet (siehe dazu die Pressemitteilung des Kartellamtes vom 1.09.2014). Sie hat damit auch bewusst das regionale Monopol der Westfälischen Nachrichten in Münster und im Münsterland gebilligt. Das mutmaßliche Kalkül der Verleger ging bislang auf. Gegen die Schließungen wird in den Städten und Gemeinden kaum protestiert, die meisten bekommen den Wechsel nicht einmal mit. Die Zeitungen in Münster berichteten wenigstens knapp über den Eigentümerwechsel und die Kündigungspläne bei der MZ – im Gegensatz zu Ruhr Nachrichten und WAZ bei ihren diversen Attacken auf die Meinungsvielfalt im Ruhrgebiet.

Was Anfang nächster Woche in Print vollzogen wird, läuft online bereits seit der Übernahme durch Aschendorff Anfang November: Die Inhalte der WN sind schon auf dem MZ-Internetauftritt zu lesen. Lensing-Wolff und die Hüffers haben in Sachen Internet beim Portal Westline zeitweilig sehr intensiv zusammengearbeitet, heute firmiert es noch als Gemeinschaftsprojekt der Medienhäuser Aschendorff, Bauer (Recklinghausen) und Lensing. Frank Stach, Vorsitzender des DJV-NRW, fordert: „Von der Münsterschen Zeitung muss mehr erhalten bleiben als ihr Name.“ Er hat bereits in Dortmund erlebt, wie sich Leser einer Zombie-Zeitung fühlen. „Diese Masche der Verleger, irgendwelche Inhalte, selbst von Konkurrenten gekauft, einfach ins Blatt zu mischen, muss endlich aufhören.“

Mit den Hüffers in Münster und Lensing-Wolff in Dortmund haben diese skandalöse Entwicklung zwei Familien zu verantworten, die durchaus mit Stolz auf eine lange Geschichte als Zeitungsverleger zurückblicken. Lambert Lensing-Wolff hat seinen Ruf allerdings bereits vor sieben Jahren bundesweit verspielt: als er im Januar 2007 die komplette MZ-Lokalredaktion Münster in einer Nacht- und Nebelaktion durch eine jüngere und unter Tarif bezahlte Redakteurstruppe ersetzte. Und diese zumeist jüngeren Kolleginnen und Kollegen stehen nun vor einer ungewissen Zukunft. 24 Redakteure sind von der Schließung der Redaktion betroffen. Ein paar werden von den WN übernommen. Der frühere Chefredakteur Stefan Bergmann, der 2007 zusammen mit Geschäftsführer Lutz Schumacher maßgeblich den MZ-Coup organisierte, ist seit Herbst als Chefredakteur in Ostfriesland bei der Emder Zeitung in Lohn und Brot.

In Sachen Unpopularität eifern die Verleger-Cousins an der Aschendorff-Spitze ihrem Kollegen Lensing-Wolff ebenfalls nach. „Auf das Schärfste“ kritisierten die Delegierten des DJV-Verbandstags Anfang November in Weimar das Verhalten der Hüffers (siehe die Resolution des Verbandstags dazu). „Tarifbruch“ wirft ihnen der DJV vor. Der Verbandstag kritisierte den Versuch des Verlags, Tarifregelungen eigenständig mit dem Betriebsrat zu vereinbaren, und nicht – wie vorgeschrieben – mit den Tarifparteien. Chefredakteur Norbert Tiemann hatte seinen Mitarbeitern mitgeteilt: „Es ist auch darauf hingewiesen worden, dass über das Sparpaket nicht mit den Gewerkschaften, sondern nur mit dem Betriebsrat Gespräche geführt werden; diese haben zur Verlängerung der Kündigungsschutzfrist von ursprünglich drei auf vier Jahre geführt.“

Die Hüffers führen einen der ältesten deutschen Tageszeitungsverlage, der sich monopolartig auf die früher schon eingeschränkte Meinungsvielfalt der ländlichen Region legt. Das Tagesgeschäft im Verlag Aschendorff haben sie offiziell der Personalleiterin Ursula Budde und den Bereichsleitern übertragen. Lensing-Wolff (siehe diese Meldung des Medienhauses Lensing) wie auch die Hüffers haben in diesem Jahr bekanntgegeben, dass sie sich künftig eher um die strategische Ausrichtung der Verlage kümmern wollen. Aber keiner bezweifelt, dass sie auch weiterhin in ihren Verlagen das Sagen haben.

Die einst traditionell eher besonnenen Verleger der Westfälischen Nachrichten hecheln aber längst atemlos jedem Branchentrend hinterher – mit einer Unternehmensführung nach dem „trial and error“-Verfahren. Sie ziehen mit der Redaktion vor die Tore Münsters ins Druckhaus, kehren dann Jahre später mit der Lokalredaktion zurück in die Stadt. Sie starten ähnlich wie die Rheinische Post Ende der 1990er Jahre wagemutig als Pioniere ins Internet, rudern dann abrupt zurück und investieren ein Jahrzehnt später Millionen für eine erfolglose Rückkehr an die vergebenen Plätze im Internet. Mal sollen die Redakteure crossmedial arbeiten, dann wird das Beilagengeschäft ausgebaut und die Redaktion betextet Edel-Anzeigenkollektive. Seit einiger Zeit forciert der Verlag wieder das Printgeschäft. Und nun auch noch per Zombie-Zeitung.

Heute gehören zur Unternehmensgruppe Aschendorff neben den Tageszeitungen auch regionale Anzeigenblätter, Zeitschriften, Beteiligungen an den Lokalsendern in Münster sowie den Kreisen Borken, Coesfeld, Steinfurt und Warendorf sowie traditionsreiche Buch- und Fachverlage in der Uni-Stadt Münster. Vor drei Jahren haben die Münsteraner 24,9 Prozent der Holding des Bielefelder Westfalen-Blatts übernommen. Gebilligt vom Bundeskartellamt, das auch vorab die mögliche Übernahme weiterer Anteile des Westfalen-Blatts abgesegnet hat. Kurzum: Ohne die Hüffers geht im westfälischen Teil Nordrhein-Westfalens nicht mehr viel.

Platzhirsch im Münsterland ist der Verlag Aschendorff längst, auch wenn es noch selbstständige Zeitungsverlage in Ibbenbüren, Rheine, Coesfeld, Dülmen, Borken und Bocholt gibt. Diese regionalen Verlage gehören zu der Gruppe Westfälische Nachrichten & Partner, beziehen unter anderem ihren Mantelteil von den Westfälischen Nachrichten. Der WN-Mantel hat damit eine Auflage von über 217.000 Exemplaren (IVW I/2014). Und fast die Hälfte davon entfällt auf die Partnerverlage in der Region. Die regionale Kooperation früher eher gleichberechtigter Zeitungsverlage kommt aus Pressekonzentrations-Zeiten der Weimarer Republik. 1950 schlossen sich die Westfälischen Nachrichten mit diesen Heimatverlagen zur Zeitungsverlagsgesellschaft Nordwestdeutschland (ZENO), heute Zeitungsgruppe Münsterland (ZGM) zusammen. Formal ist übrigens WN-Chefredakteur Tiemann auch als Chefredakteur der münsterländischen Partnerverlage ausgewiesen.

Zur nur leicht sinkenden Auflage der ZGM kommt nun noch die Auflage der Münsterschen Zeitung, die angeblich bei der Genehmigung der Sanierungsfusion bei 19.500 Exemplaren lag. Diese Gewohnheits-MZ-Leser, oft eher einem liberaleren Meinungsspektrum zuzuordnen, werden nun in erster Linie von den WN umworben. Zuletzt hatte Lensing-Wolffs wohl verzweifelnder Vertrieb mit Prämien von bis zu 300 Euro für ein Zwei-Jahres-Abo gegen die verlustbringende Rolle der Zweit-Zeitung und die drohende Insolvenz angekämpft.

Aschendorff wächst seit Jahren, übernimmt auch kleinere Partnerverlage wie in Ahlen (2004) oder beteiligt sich wie in Ochtrup. Das Fachmagazin Horizonte reihte die Verlagsgruppe vor drei Jahren mit einem Umsatz von 101 Millionen Euro noch auf Platz 88 der 100 größten deutschen Medienunternehmen ein. Ausführliche Informationen zur Entwicklung des Verlags gibt der Medienatlas der Landesanstalt für Medien NRW.

Die Übernahme der MZ durch die WN läuft anscheinend wie geplant. Dass demnächst MZ-Redakteure auf der Straße stehen, erhöht den Druck auf die WN-Redakteure. „Trotz der angespannten Lage können im Rahmen einer Umstrukturierung annähernd der Hälfte der Beschäftigten und etwa zwei Drittel der Zusteller Arbeitsplätze bei Aschendorff angeboten werden“, heißt es in einer WN-Veröffentlichung vom 3.11.2014. Zwischenzeitlich heißt es, dass bis zu zehn Redakteure weiterbeschäftigt werden sollen. Nach Informationen des Deutschen Journalistenverbandes haben bislang allerdings erst vier Redakteure ein konkretes Angebot bekommen. Die anderen MZ-Mitarbeiter aus Redaktion, Anzeigen- und Vertriebsabteilung werden Opfer der vom Bundeskartellamt genehmigten „Sanierungsfusion“. Bei ihnen „sind betriebsbedingte Kündigungen wahrscheinlich unvermeidlich“. Möglicherweise schlagen sie auch den Weg in eine Transfergesellschaft ein.

WN-Chefredakteur Dr. Norbert Tiemann verteidigt den Verlag Aschendorff nach draußen. Denn der gebürtige Münsteraner geriert sich seit dem Wechsel seiner Verleger aufs Strategische auch als oberster Pressesprecher der Zeitung und des Verlags (im Mai 2014 machte er z.B. auf YouTube Werbung für die Kommunalwahl).

Über die journalistischen Qualitäten von Tiemann als Kommentarverfasser staunte übrigens vor einiger Zeit schon Medienkritiker Stefan Niggemeier: „Wie schnell ein souveräner Chefredakteur es schafft, all das Gerümpel aus Würdes und Könntes, Offenbars und Womöglichs, die er erst in seinen Text stellen musste, sofort wieder aus dem Weg und aus dem Kopf zu räumen, um am Ende in stolzem Indikativ formulieren zu können.“

Von Tiemann stammt das markige Chef-Zitat: „Personalmaßnahmen sind mit mir nicht zu machen.“ Zu lesen Mitte des Jahres auf der Internetseite des Medienmagazins journalist. Damals hatte Tiemann im Auftrag seiner Verleger den Ausstieg aus dem Flächentarif öffentlich verteidigt. Zum 1. Januar 2015 werden die münsterschen Verleger aus der Bindung des Zeitungstarifvertrags ausscheiden. Sie gehen „OT“, wie inzwischen viele Verlage im Bundesgebiet (mehr Infos dazu auf der Webseite des DJV-Bundesverbands). Tiemann, Chefredakteur der WN-Zeitungsgruppe seit dem Jahr 2000, kündigte zu dem Zeitpunkt an, dass er 1,3 Millionen Euro in seiner Redaktion einsparen müsse. Wegbrechende Anzeigen- und Vertriebserlöse sowie die „fehlende Monetarisierung von Online" führt der Chefredakteur als Gründe an. Sein Ziel: „Ich möchte die publizistische Selbstständigkeit erhalten und nicht Inhalte einkaufen müssen.“

Das Sparpaket des Aschendorff-Verlags für die Redakteure setzt auf mehr Arbeit, weniger Gehalt und weniger Freizeit. Dafür vier Jahre Kündigungsschutz – aber kein Tarifvertrag mehr. Die tariflich ausgehandelte Gehaltserhöhung von 2,5 Prozent, rückwirkend zum 1. Mai dieses Jahres fällig, wurde noch gezahlt. Danach sollen die Gehälter rund 140 Redakteure und Volontäre für vier Jahre eingefroren werden. Weihnachts- und Urlaubsgeld sollen zudem ab 2015 auf 1,5 Monatsgehälter abgesenkt werden, also früher, als es der Flächentarif vorsieht. Ferner werden den Redakteuren sechs sogenannte Arbeitszeitverkürzungstage gestrichen, die bisher zusammen mit einer Überstundenpauschale als Ausgleich für die 40-Stunden-Woche vereinbart waren. Bei dieser Wochenarbeitszeit soll es bleiben. Außerdem wird vertraglich eine Pauschale als Ausgleich für zusätzliche Überstunden vereinbart, die aber entfallen kann, wenn der Arbeitgeber die Mehrarbeit für nur „geringfügig“ hält. Eine Höchstgrenze für Überstunden gibt es dagegen nicht.

Voraussichtlich werden demnächst bei den WN zwölf Redakteure in Altersteilzeit gehen. Tiemann hat jedoch angekündigt, fünf neue Volontär-Stellen einzurichten. Falls er sie denn auch besetzt bekommt. Denn mehrere Nachwuchs-Kandidaten haben dem Verlag im vergangenen Jahr schon einen Korb gegeben. Die jetzige Kürzungspolitik dürfte den Verlag für Berufseinsteiger nicht attraktiver erscheinen lassen.

WN-Redakteure, die sowohl Sparpaket als auch das Ausscheiden aus dem Tarifvertrag anzweifeln, bekommen es mit Tiemann zu tun. Er sieht für sich nämlich schon die „Grenzen der Zumutbarkeit“ erreicht, wenn zu dem Thema auch nur zu einer Betriebsversammlung eingeladen wird. Verhandlungen über einen Haustarifvertrag, den sich der DJV durchaus vorstellen kann, lehnt Tiemann rundweg ab: „Trotz der klaren und unmissverständlichen Ausführungen zu diesem Thema durch die Geschäftsführung, durch die Chefredaktion und durch die Personalleitung auf der Versammlung am 1. Oktober gibt es in der Redaktion Bestrebungen, Gewerkschaften und Geschäftsführung doch an einen Verhandlungstisch zum Sparpaket zu bringen.“

In einer internen Mail droht der für seine cholerischen Ausraster bekannte Chef den Mitarbeitern unverhohlen: „Diese – auch für mich persönlich bedrückende – Entwicklung hat die Geschäftsführung veranlasst, die Chefredaktion aufzufordern, nun parallel die Umsetzung des Plans B vorzubereiten, damit notfalls auf dem anderen Weg zeitnah die notwendigen Einsparungen erzielt werden können. Dieser Plan B hat mit der Sicherung redaktioneller Arbeitsplätze nichts zu tun; er bedeutet exakt das Gegenteil.“

Über die anti-gewerkschaftliche Attitüde des Chefredakteurs zeigte sich DJV-Hauptgeschäftsführer Kajo Döhring in einem Schreiben an Tiemann „erstaunt und ehrlich entsetzt“: „Mit der Zeichnung dieses Bildes haben Sie eine nicht geringe Zahl Ihrer Redaktionsmitglieder beleidigt und massiv diskreditiert. Zugleich setzen Sie sich allzu leicht über die Sorgen derer hinweg, mit denen Sie die redaktionelle Zukunft gestalten wollen.“ Auch das Fazit des Mediendienstes Meedia zur jüngsten Attacke auf den Betriebsfrieden bei den Westfälischen Nachrichten lautet: „Tiemann nennt es Alternative, Mitarbeiter könnten es Erpressung nennen.“
Ebenso schwer zu ertragen ist die gutsherrliche Art der Verlagsgeschäftsführung: Sie gibt vor, einfach zu wissen, was für die Mitarbeiter gut ist. Wenn die Patriarchen es für angemessen halten, werden sie Segnungen verteilen – ob und wann sie das tun, ist jedoch allein ihre Entscheidung. Einmischung in dieses mittelalterliche Denken: streng untersagt.

Etliche Redakteure sollen die freiwillige Vereinbarung unterzeichnet haben. Ein unwirksamer Kontrakt, denn der bis mindestens Ende 2015 laufende Gehaltstarifvertrag für die Zeitungsverlage NRW gilt ebenso wie der bis 31. Dezember 2018 laufende Manteltarifvertrag. Darauf machen DJV-Landesgeschäftsführerin Dr. Anja Zimmer und Justiziar Christian Weihe immer wieder aufmerksam. Denn die von den Arbeitgebern mit den Gewerkschaften ausgehandelten Verträge können, wie andere Verträge auch, während ihrer Laufzeit nicht einseitig geändert werden. Für Gewerkschaftsmitglieder gelten sie folglich bis zur ersten Kündigungsmöglichkeit weiter. Es sieht so aus, als würde hier ganz bewusst Rechtsbruch in Kauf genommen – ein Verhalten, das auch angesichts der Position von Benedikt Hüffer als Präsident der Industrie- und Handelskammer Nord Westfalen nachdenklich stimmt. Die gute Nachricht: Selbst Mitarbeiter, die das Spardiktat der Verleger und ihres Chefredakteurs unterschreiben, können ihre Ansprüche später noch einfordern.

Interessantes Detail am Rande: Der Verlag Aschendorff hat das eventuelle Scheitern schon einkalkuliert. Von Mitarbeitern schon unterschriebene Verträge werden vom Verlag erst gegengezeichnet, wenn das gewünschte Quorum erreicht ist. Schlägt dieser Plan fehl, so die Logik der beinharten Aschendorff-Verleger, greift das, was Norbert Tiemann bereits in Aussicht gestellt hat: „Die Alternative ist, über alle Altersgruppen hinweg, eine Personalmaßnahme mit betriebsbedingten Kündigungen bei Aschendorff Medien.“ //

Werner Hinse