Deutscher Journalisten-verband Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten

Nach Monaten der Konfrontation zeigt sich Funke-Geschäftsleitung erstmals bemüht

Ein kleiner Funke Anstand?

Foto: Uwe Tonscheidt
Plakat "Kein Funke Anstand" vor der Zentrale der Funke Mediengruppe in Essen

Eine Annäherung. Immerhin hat es die inzwischen gegeben. Bei Funke in Essen, wo sich die WAZ-Betriebsräte seit Monaten die Stimmbänder heiser reden. Über die Zukunft von im Prinzip jetzt nur noch einer Handvoll Beschäftigter. Ihnen hat die Geschäftsführung seit Mai noch keine Perspektive eröffnet – seit der Ankündigung, dass die Zentralredaktion in Berlin kommt und damit das Aus für den Content Desk in Essen. Dieser lieferte bis vor kurzem allen NRW-Titeln den Mantelteil – eine Aufgabe, die nun dem Team um Jörg Quoos obliegt (siehe auch Thema Politikjournalismus: Auf dem Weg nach Berlin).

Im letzten JOURNAL begann die Berichterstattung zur Funke Mediengruppe mit den Worten: „Manchmal möchte man zum Wachrütteln riesige Plakate aufhängen.“ Ende September hat der DJV-NRW genau das einfach umgesetzt, vor dem Hauptsitz des Konzerns in Essen. An zwei Standorten der vierspurigen Friedrichstraße hielten Manfred Braun und Michael Wüller eine Woche lang den Passanten ihren gut gefüllten Geldbeutel entgegen – und verschworen sich hinterrücks, dass sie jegliche Forderungen ihrer Mitarbeiter mit dem Argument des bevorstehenden Ruins zurückweisen würden (siehe Foto). Die Karikatur von Karlheinz Stannies soll übrigens an höchster Stelle im Haus für Wirbel gesorgt haben.

Recht so, möchte man sagen, denn ein finanziell gut aufgestellter Verlag sollte eigentlich keinen derartigen Popanz veranstalten. Nach außen als großer, jetzt auch in Deutschlands Metropole Berlin agierender Medienplayer auftreten und nach innen die Menschen auflaufen lassen, die um ihre Arbeitsplätze bangen? Das ist – um mit dem Plakatmotiv zu sprechen – außen hui, innen pfui.

Appell der Redaktion

Nichts anderes formulierte im Prinzip die Belegschaft des Content Desks in einem dringenden Appell, der auf einer Betriebsversammlung Anfang September verlesen wurde. Zu dem Zeitpunkt pressierte es an allen Ecken: im Sport, bei der WAZ-Beilage „Wochenende“, in den Verhandlungen über die Zukunft der (damals noch 14) betroffenen Kolleginnen und Kollegen. Schon die Zwischenüberschriften des Appells sprechen Bände: „So geht man nicht mit Menschen um!“, lautet die eine. „Das schafft ein katastrophales Unternehmensklima“, die andere. In der gesamten Belegschaft von WAZ, NRZ und WR machten sich zunehmend Entsetzen, Fassungslosigkeit und Demotivierung breit, verkündete das Schreiben. „Am Ende sorgt man sich um die Sicherheit eines jeden einzelnen Arbeitsplatzes.“

Wie bitter dieser Abbau ist, wird auch in Gesprächen mit Betroffenen deutlich. Den glorreichen Aufbruch der Zentralredaktion in der Bundeshauptstadt erlebt die Essener Desk-Redaktion als planlosen Abbruch. Weil bestimmte Funktionen nicht mehr besetzt sind, nimmt die Arbeitsbelastung für die Verbliebenen stetig zu. Aus Berlin wurden im September bereits Texte zugeliefert, meist aber in solchen Längen, dass das Kürzen fast aufwändiger war als das selber Schreiben. Und die neue Medienzentrale gibt nicht nur, sie nimmt auch gerne: zum Beispiel mal eben 100 Zeilen zu einem bestimmten Thema aus NRW.

Endlich wird reagiert

Nach Monaten äußerst zäher und konfrontativer Verhandlungen mit der Geschäfts- und Personalleitung zeichnet sich immerhin allmählich ein Umschwenken ab. „Es wird reagiert“, heißt es mit Erleichterung aus dem Medienhaus. „Man bemüht sich, Lösungen zu finden.“ Endlich ist eine wichtige Personalentscheidung im Sport positiv gefallen, endlich bewegt sich auch etwas für die Redakteure vom „Wochenende“.

Aufmerksam müssen die Mitarbeiter dennoch bleiben, etwa beim Wechsel in eine der neuen Funke-Firmen. Egal ob Zentralredaktion, Funke Sport NRW oder Funke Online NRW: In den GmbHs wird nicht nach Tarif bezahlt. Erneut flüchtet also ein renommierter Tageszeitungsverlag aus der Tarifbindung ... Die Geschäftsführung hat zugesagt, dass kein „Wechsler“ schlechtere Konditionen erhält. Ob das nicht nur für den Moment, sondern auch dauerhaft gilt, sollte im neuen Vertrag genau geprüft werden. Der DJV-NRW bietet dazu jederzeit Beratung an.||

Silke Bender

JOURNAL 5/15