Deutscher Journalisten-verband Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten

Interview mit dem Landesvorsitzenden Frank Stach

„Eine starke Interessenvertretung“

In seiner Doppelrolle als Gewerkschaft und Berufsverband ist der DJV-NRW gut aufgestellt - und er arbeitet ständig daran, sich parallel zu den Entwicklungen des Berufs zu verändern (siehe auch Moderner Verband - was sonst?). Mit dem Landesvorsitzenden Frank Stach sprach Angelika Staub über die Mitgliederentwicklung, die Nachwuchswerbung und Refomen.

 

JOURNAL: Worin liegen die Gründe für den leichten, aber stetigen Mitgliederrückgang?

Frank Stach: Ich drücke erst mal die Daumen, dass wir in diesem Jahr möglicherweise eine Trendwende hinbekommen. Eine schwarze Null, ich darf in diesem Jahr noch hoffen. Gleichwohl können wir die Rückgänge in den vergangenen Jahren nicht leugnen. Das war ein schleichender Prozess und hatte zwei Gründe: Es gab und gibt weniger Journalisten und Journalistinnen in fester Anstellung. Und zugleich sehe ich die zunehmende schlechte Bezahlung der Freien, die jeden Cent umdrehen müssen und sich eine Mitgliedschaft bei uns dann genau überlegen.

JOURNAL: Wie will der Landesvorstand den Abwärtstrend aufhalten?

Stach: Wir müssen da sein, wo die journalistische Ausbildung ist. Und die ist leider nicht mehr so stark wie früher in den Redaktionen zu finden, sondern an den Hochschulen. Dazu haben wir Stanley Vitte als neuen Hochschulbeauftragten. Er führt die Arbeit von Helene Pawlitzki fort. Sie hat uns im ersten Schritt die Zugänge zu den Hochschulen und im zweiten Schritt eine direkte Ansprache an die Studierenden ermöglicht. Und ich glaube,  gute Gewerkschaftsarbeit muss auch gut kommuniziert werden. Dann kommen viele auf die Idee, eine Mitgliedschaft nicht nur zu erwägen, sondern auch den entscheidenden Schritt zu tun. Wir müssen außerdem weg von dem etwas verstaubten Berufsbild Journalist. Die Horst Schlämmers dieser Welt, die gibt es einfach nicht mehr. Das müssen wir aber stärker vermitteln.

JOURNAL: Was erwartest du von den Mitgliedern eines modernen Verbands?

Stach: Engagement, Leidenschaft, Vernetzung, Solidarität. Wir stehen gemeinsam für einen gutbezahlten und seriösen Journalismus. Wir respektieren einander. Die Vielfalt der journalistischen Berufe ist unsere Stärke.

JOURNAL: Wie modern ist der DJV-NRW?

Stach: Wir haben noch Luft nach oben. Wir sollten uns manchmal weniger mit uns selbst beschäftigen und viel mehr unsere Energie in die Öffentlichkeit tragen.

JOURNAL: Einige Verbände locken Neumitglieder mit Anreizen fern des eigentlichen Verbandszwecks. Wäre eine Auslandsreise unter der Schirmherrschaft des DJV-NRW einmal im Jahr denkbar?

Stach: Nein. Wir sind nicht der ADAC, sondern eine starke Interessenvertretung. Aus einem DJV als Reiseveranstalter würde ich austreten.

JOURNAL: Der DJV-Bundesverband will sich reformieren. Der Landesverband auch?

Stach: Wir reformieren den DJV in NRW permanent. Das ist eine Daueraufgabe. Ich glaube, wir sollten mehr Experimente wagen, mal was Neues ausprobieren. Auf Bundesebene, wo ich ja in der AG Struktur mitarbeite, bin ich schon etwas erstaunt darüber, wie manche es sich behaglich gemacht haben. Da gibt es zu Teilen noch die Mentalität: „Bloß nichts verändern.“ Aber so langsam tut sich was, und ich muss da unserem neuen Bundesvorsitzenden ein großes Lob aussprechen. Er steht für einen neuen, modernen DJV, ohne unsere Tradition zu verraten.

JOURNAL: Um sich die Zähne nicht auszubeißen, muss die AG Struktur …

Stach: … den großen Kuchen in schmackhafte kleine Stücke aufteilen.

 

JOURNAL 4/16