Deutscher Journalisten-verband Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten

Markenauftritte überarbeitet – Der Westen wird Reichweitenportal

Neue Funke-Digitalstrategie

„Dieses Schockvideo verdirbt Dir die Lust auf Gummibärchen – für immer.“ Und: „Hier sind zwei Besoffkis voll mit dem Auto in einen Mülheimer Vorgarten gerast.“ Bei Facebook setzt das Funke-Portal Der Westen schon länger auf aufmerksamkeitsheischende Klickfänger. Seit Ende November ist das die Stoßrichtung des gesamten Onlineauftritts: Der Westen wurde generalüberholt und ist nun das neue Reichweitenportal für das Ruhrgebiet.

Zugleich renovierte die Funke Mediengruppe die Markenportale: Die Seiten waz.de, nrz.de, wp.de und wr.de präsentieren sich in neuer ­Gestaltung und wurden für die mobile Nutzung optimiert. Um die DNA der jeweiligen Titel stärker zu betonen, liegt der ­Fokus auf lokaler und regionaler Bericht­erstattung, ergänzt durch Kommentare und Glossen. Das Regionale und Lokale sollen die Redaktionen ab Anfang 2017 noch weiter ausbauen und dabei noch mehr ­Aktuelles bieten. Geplant ist dann die Einführung eines digitalen Aboangebots.

Dagegen soll der Der Westen frei zugänglich bleiben und sich über Werbung und hohe Klickzahlen finanzieren. Das Portal zielt mit Bewegtbild und mobiloptimierten ­Inhalten auf die junge Zielgruppe, die News aus dem Smartphone konsumiert. Dafür wurde eine 15-köpfige Redaktion unter Leitung von Alexander Boecker aufgebaut. Den 40-Jährigen hatte Funke im Sommer vom Kölner Express geholt. Der Westen denkt nicht mehr in den klassischen Ressorts der Tageszeitungen, sondern präsentiert die Themen nach dem Newsfeed-Prinzip.  Vor allem setzt er auf direkte Ansprache der Zielgruppe, auf Ausrufezeichen und aufgeregte Schlagzeilen, die zum Klicken einladen sollen.

Funke hatte im Frühjahr mit dem Aufbau von Reichweitenportalen begonnen, die als kostenloses Angebot für die junge, mobile Zielgruppe den kostenpflichtigen Premiuminhalten auf den Markenplattformen gegenüberstehen. Diese neue Zwei-Säulen-Strategie im Online-Geschäft wurde bereits in Berlin (berlinlive.de), Braunschweig (news38.de) und Thüringen (thueringen24.de) umgesetzt.

Außerdem hatte Funke im Herbst die Viral­schleuder Heftig.co bzw. die Mehrheit der dahinter stehenden Media Partisans übernommen. Heftig.co macht Reichweite durch reißerische, oft ­bewusst irreführende Schlagzeilen. Oder wie es damals in der Pressemitteilung der Funke-Gruppe hieß: „Das Media-Partisans-Team stellt emotionale Geschichten in den Vordergrund, die sehr nah an der Realität der Nutzer sind.“

Neben heftig.co betreibt Media Partisans Portale unter anderem zu Themen wie Health- & Beauty-Tipps, Food und „Lifehacks“. Die Media-Partisans-Gründer Michael Glöß und Peter Schilling weiterhin Minderheitseigner und leiten das Portal. /cbl

 

JOURNAL 6/16