Deutscher Journalisten-Verband Landesverband Nordrhein-Westfalen

Pressemitteilungen

Journalistentag des DJV-NRW solidarisiert sich mit Belarus

Aufbruchstimmung in der Krise

22.02.2021

Das ist ein neuer Rekord für den Journalistentag des DJV-NRW: So viele Journalist*innen wie noch nie wollten die Diskussionen und Workshops des Tages verfolgen. Die Online-Premiere hat heute mit Themen von Systemrelevanz über Medienbildung und Lokaljournalismus bis hin zu Podcasting, Satire und Diversity einen Nerv getroffen. Referent*innen vom ARD-Vorsitzenden Tom Buhrow über Ruprecht Polenz, Diana Zimmermann, Fritz Eckenga, Steffen Grimberg oder Najima El Moussaoui und Cordt Schnibben füllten das Programm. Der DJV-NRW nutzte die Reichweite des Tages, um an alle Kolleg*innen zu appellieren und sich solidarisch mit den Journalist*innen in Belarus zu erklären.

Fotos: Udo Geisler

„Für uns Journalist*innen gilt Artikel 5 als Grundkonstante: Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten“, sagte Frank Stach in seiner Begrüßungsrede mit Blick auf die Systemrelevanz von Journalist*innen. Das Thema wurde aus aktuellem Anlass zum Ende des Tages noch einmal aufgegriffen. Prof. Dr. Katja Artsiomenka, HMWK Köln, sprach über ihre Heimat Belarus. Sie sprach über die „Pressefreiheit, die außer Kraft gesetzt wird“ und „Journalistinnen und Journalisten, die für das, was sie tun, ins Gefängnis gesteckt werden.“ Dies sei „menschlich nicht erträglich“. Der Tag endete mit einer Solidaritätserklärung auf Deutsch und Belarussisch:

 

„Die Situation in Belarus geht alle Medienschaffenden an. Denn viele journalistische Kolleg*innen werden von der Regierung Alexander Lukaschenkos verfolgt – und das nur, weil sie ihrem Informationsauftrag nachkommen. Der DJV-NRW erklärt sich solidarisch mit den Kolleg*innen in Belarus und mit allen freiheitsliebenden Menschen, die mit friedlichen Mitteln demokratische Verhältnisse in ihrem Land herbeizuführen versuchen. Wir fordern von der belarussischen Regierung das sofortige Ende der Unterdrückung und Verfolgung von Journalistinnen und Journalisten. Journalismus ist kein Verbrechen.“

 

Im Fokus des Tages, der in der Sparkassenakademie Dortmund umgesetzt wurde, standen neben der Systemrelevanz von Journalist*innen aber auch Chancen, die sich aus der Krise ergeben können. Den Impuls lieferte der ARD-Vorsitzende Tom Buhrow in einer Videobotschaft: In seiner Rede schlug er einen Bogen von den Angriffen rechtspopulistischer Kräfte auf die Presse, das Parlament und die Gerichte über die Gefahr, die durch „Spaltung als Geschäftsmodell“ die Demokratie bedrohe. Buhrow verwies auf US-amerikanische Verhältnisse, in denen in der Fläche kaum noch Qualitätsmedien als Gegengewicht zu Populismus, „fahnenschwingendem Journalismus“ oder Fake News existierten. Doch auch in Deutschland sieht er diese Gefahr der Unterversorgung. Dabei sei regionaler Journalismus „noch nie so wichtig wie jetzt“, denn räumliche Nähe sei essentiell, Lokaljournalisten würden als „Teil der Community“ wahrgenommen. Daher sei lokale und regionale Berichterstattung „sehr, sehr wichtig, um alle Bevölkerungsgruppen zu erreichen“.

 

Weniger Rotstift und mehr Buntstift

 

Aussagen, die auch im Panel Lokaljournalismus auf Interesse stießen. Denn Qualität steht und fällt mit der Mannschaft in den Redaktionen. Denn für eine gute Qualität und vor allem für investigative Recherchen braucht es ausreichend Personal, so ein Fazit der Diskussion. Die Frage nach der Finanzierbarkeit zog sich durch weitere Workshops: „Ich sehe außerhalb des öffentlich-rechtlichen Rundfunks Qualitätsjournalismus noch nicht zukunftssicher finanziert“, sagte etwa Ruprecht Polenz in „Chancen aus der Krise“.  „Wir brauchen weniger Rotstift und mehr Buntstift. Wir brauchen keine Verlagshäuser, Sender, Anbieter, die die einzige Lösung nur noch darin sehen zu sparen. Darunter leidet das Produkt“, attestierte auch der DJV-Bundesvorsitzende Prof. Dr. Frank Überall, der zuvor schon mit Nathanael Liminski, Chef der Staatskanzlei NRW zum Thema „Systemrelevanz“ diskutiert hatte: „Wir müssen darauf achten, dass Medien ihrer Arbeit nachgehen können, auch in der jetzigen Situation unseres Landes, in der wir eine zunehmende Polarisierung, Gewalt in der Sprache und politischen Auseinandersetzung erleben“, bekräftigte Liminski.

 

Eine eigene Workshop-Reihe richtete sich unter dem Hashtag #durchstarten gezielt an junge Medienschaffende, für die der DJV-NRW seit Anfang des Jahres auch einen eigenen Aktionstarif anbietet. Die Workshops thematisierten Empowerment für Frauen ebenso wie das Thema Podcasting. In der Hand der Sponsoren und Unterstützer, ohne die der Journalistentag nicht denkbar wäre, lagen Angebote wie „Zwischen Selbstverwirklichung und Selbstvermarktung“. Als Sponsoren und/oder Unterstützer waren in diesem Jahr die Sparkasse, die Emschergenossenschaft, der Dialog Milch, DSW21 sowie Dokom 21 und das Journalismus Lab dabei. Eingebettet ins Rahmenprogramm hatte der DJV-NRW auch seine Neumitglieder zum großen Treffen eingeladen. „Da persönliches Kennenlernen leider zurzeit nicht in dem Maße möglich ist, wie wir das gerne hätten, wollten wir so eine Alternative für den Austausch, auch für die neuen Kolleg*innen untereinander schaffen“, sagte Volkmar Kah, Geschäftsführer des DJV-NRW.

 

Mehr als 950 Anmeldungen

 

„Ich bin schlichtweg begeistert“, sagte Frank Stach nach der digitalen Premiere,  „auch wenn es ab und zu gehakt hat, konnten wir den Journalismus in NRW hervorragend abbilden“.  Diskutiert wurde zu den Themen Auslandsjournalismus, Impact, Diversity und Medienbildung, über Satire und die Zukunft des Journalismus. „Das Interesse in den vergangenen Jahren war immer hoch, doch die digitale Ausgabe des Journalistentags hat den Zuspruch zur Veranstaltung noch einmal deutlich nach oben schnellen lassen“, sagte Frank Stach mit Blick auf mehr als 950 angemeldete Teilnehmer*innen. Bis zu 500 waren zu Spitzenzeiten zeitgleich in den Workshops aktiv. Und auch wenn das Interesse am Journalistentag noch nie zuvor so hoch war, freut sich der DJV-NRW, wenn er seinen großen Branchentreff zum Diskutieren und Netzwerken wieder mit Besucher*innen vor Ort ausrichten kann. Vielleicht ja sogar schon bei der nächsten Auflage, die für November 2021 geplant ist. 

 

Alle Informationen zu dieser und zur kommenden Ausgabe dazu unter www.journalistentag.de oder www.djv-nrw.de

 

Ansprechpartner: Volkmar Kah, 0211/233 99-0

 

Bilder vom Journalistentag 2021 finden sie hier.

 

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