Deutscher Journalisten-Verband Landesverband Nordrhein-Westfalen

News-Blog: Aktuelles aus dem Lokalfunk

10.11.20: Solidarpakt Lokalfunk ausgelaufen - DJV-NRW fordert Neuauflage von Beschäftigungsgarantie

Angesichts des erneuten Lockdowns und der anhaltenden Coronakrise fordert der DJV-NRW die Landesregierung auf, ein Nachfolgekonstrukt für den ausgelaufenen Solidarpakt Lokalfunk auf den Weg zu bringen und die Arbeitsplätze und damit die redaktionelle Qualität in den 44 Lokalfunksendern im Land abzusichern.

Die für den Fortbestand der Privatradios unabdingbaren Werbeeinnahmen sind in den vergangenen Monaten aufgrund der Corona-Pandemie stark eingebrochen. Um die Sender zu unterstützen, hatte sich die Landesregierung gemeinsam mit den Vertreter*innen des Lokalfunks, den Infrastrukturanbietern und der Landesanstalt für Medien NRW auf den „Solidarpakt Lokalfunk NRW“ geeinigt. Dieser Solidarpakt ist Ende September diesen Jahres ausgelaufen. Die darin vereinbarten Regelungen wie eine Beschäftigungsgarantie gelten nicht mehr. Prompt werden Stimmen laut, die Stellenabbau in den Redaktionen fordern. Den Arbeitgebern und Vertreter*innen aus der Politik scheint es gleichgültig zu sein, wenn Lokalfunker*innen sich nun erneut um ihre Stellen und Aufträge sorgen müssen, kritisiert der DJV-NRW. Für Lokalfunker*innen wird nicht geklatscht, geschweige denn eine angemessene Vergütung erwirkt.

„Schon längst hätte man die Verlängerung des Solidarpakts veranlassen müssen“, erklärt DJV-NRW Geschäftsführer Volkmar Kah. Er sieht die Arbeitgeber nun dringend in der Pflicht, seine Kolleg*innen im Lokalfunk zu unterstützen: „Und zwar dieses Mal langfristig und nachhaltig. Gerade jetzt zum Ende des Jahres, wenn zwischen den Betriebsgesellschaften und Veranstaltergemeinschaften die Wirtschafts- und Stellenpläne für das Jahr 2021 verhandelt werden, ist eine Beschäftigungsgarantie, wie sie im ausgelaufenen Pakt galt, unerlässlich. Nur die dauerhafte redaktionelle Qualität kann die Existenz unseres einzigartigen Lokalfunksystems gewährleisten.“ 

Dass man die Arbeitgeber dazu auffordern muss, sich für die Verlängerung der ausgelaufenen Vereinbarungen einzusetzen, deutet auf wenig Loyalität gegenüber den Arbeitnehmer*innen und freiberuflichen Lokalfunker*innen hin. Etwas, was man über die Mitarbeiter*innen des Lokalfunks nichts sagen kann. Schließlich waren die Festen und Freien des Lokalfunks ihren Arbeitgebern im Frühjahr deutlich entgegen gekommen und hatten auf die eigentlich dringend notwendige Tariferhöhung verzichtet, indem man sich damit einverstanden erklärte, die anstehenden Verhandlungen der Gehälter und Honorare aufgrund der Corona-Pandemie zu verschieben.

Und auch die Politik lässt den Lokalfunk sichtbar im Stich. „Dass die finanziellen Hilfen aus dem Frühjahr an die Sicherung von Arbeitsplätzen geknüpft waren und Wert darauf gelegt wurde, dass Freie weiter eingesetzt werden, war erfreulich. Diese Vereinbarung war allerdings schon damals lediglich eine reine Absichtserklärung, deren Umsetzung man sich genau anschauen musste.Mittlerweile stellen wir fest, dass die beschlossene Summe für die Radiosender nicht ausreichte, um den tatsächlichen Bedarf decken zu können. Eigentlich gäbe es jetzt erheblichen Nachbesserungsbedarf. Von Bemühungen der Landesregierung, den Solidarpakt fortzusetzen und nachzubessern ist allerdings nichts zu hören“, so Kah. „Wenn die Regierung unsere Medienvielfalt und die unstrittig systemrelevante Versorgung der Bevölkerung mit lokalen Informationen stärken will, muss sie sich jetzt um eine schnelle Klärung der Situation bemühen.“

Sein Unverständnis für das fehlende Engagement für den Lokalfunk unterstreicht Geschäftsführer Kah in der 29. Folge des DJV-NRW Podcasts „Auf einer Welle“. „Seit Beginn der Corona-Krise sind Millionen Euro in die Kino- und Filmbranche geflossen. Es kann nicht sein, dass es für den Lokalfunk jetzt bei dieser vergleichsweise geringen Summe bleibt, die man im Frühjahr investiert hatte“, erklärt Kah dort. Mit Schrecken stelle er außerdem fest, dass sich in Nordrhein-Westfalen seitens der Politik besonders wenig für den Erhalt des privaten Rundfunks eingesetzt wird. „Von 20 Millionen Euro Fördergeldern ist in den vergangenen Monaten weniger nach NRW als nach Hessen geflossen. Und dass, obwohl wir hier viel mehr Sender haben. Man hat das Gefühl, unsere Landesregierung kümmert sich nicht genug darum, dass unser Bundesland in Sachen Qualitätsrundfunk nicht abgehängt wird.“

Die Podcast-Reihe „Auf einer Welle“ ist zu hören auf unserem YouTube-Kanal DJV NRW sowie über unsere Facebook-Seite, Soundcloud und auch über die Homepage: 
https://www.facebook.com/DJVinNRW
www.djv-nrw.de/lokalfunk
https://soundcloud.com/user-913746255/auf-einer-welle-wie-soll-es-weitergehen

DJV begrüßt „Solidarpakt Lokalfunk NRW“: Jetzt ist langfristige und nachhaltige Unterstützung gefragt!

Der DJV-NRW begrüßt den heute von der Landesanstalt für Medien vorgestellten „Solidarpakt Lokalfunk NRW“. „Es ist wichtig, dieses in Deutschland einmalige lokaljournalistische Angebot durch die Krise zu retten“, so der Landesvorsitzende Frank Stach. „Und es ist ein gutes Signal, dass die Unterstützung an Garantien für feste und freie Beschäftigte im System gekoppelt ist.“

Auch wenn sich der DJV-NRW gerade mit Blick auf die frei Mitabeitenden mehr gewünscht hätte, wertet Stach den Pakt als guten ersten Schritt. Nun werde es darauf ankommen, für die durch die Corona-Krise in finanzielle Not geratenen 44 Lokalfunk-Sender des Bundeslandes langfristige, nachhaltige Lösungen zur Sicherung der privaten Radio-Landschaft zu finden.

Unter anderem die für den Fortbestand der Privatradios unabdingbaren Werbeeinnahmen sind in den vergangenen Monaten stark eingebrochen. Um die Sender zu unterstützen, hat sich die Landesregierung nun gemeinsam mit den Vertreter*innen des Lokalfunks, den Infrastrukturanbietern und der Landesanstalt für Medien NRW auf den „Solidarpakt Lokalfunk NRW“ geeinigt. Dieser kann für den DJV-NRW allerdings nur der Anfang einer langfristigen Unterstützung auf dem Weg aus der Krise sein.

Das Paket sieht vor, die Distributionskosten für den Lokalfunk für etwa drei Monate bereit zu stellen. Die dafür notwenigen Mittel wollen die Landesregierung und die Landesanstalt für Medien NRW dazu steuern. Im Gegenzug sollen sich der Verband Lokaler Rundfunk (VLR) und der Verband der Betriebsgesellschaften verpflichten, alle redaktionellen Arbeitsplätze im Lokalfunk bis zum 30. September 2020 zu sichern. Darüber hinaus stimmten die Lokalsender der Vereinbarung zu, bis Ende September 2020 mindestens 75 Prozent der Aufträge an Freie aufrecht zu erhalten. Zudem sollen seitens der Infrastrukturanbieter Stundungen zugelassen werden, sollte es trotz des Paketes zu finanziellen Engpässen während der Krise kommen.

Zu weiteren finanziellen Engpässen wird  es aus Sicht des DJV-NRW auf jeden Fall kommen. Der Verband begrüßt das gemeinsame Engagement aller Beteiligten und deren Zielsetzung, dem Privatradio unter die Arme zu greifen, sieht allerdings hinsichtlich Durchführung und weitergehender Hilfe für die Sender noch Nachholbedarf. „Dass die finanziellen Hilfen an die Sicherung von Arbeitsplätzen geknüpft sind und Wert darauf gelegt wird, dass Freie weiter eingesetzt werden, ist erfreulich. Diese Vereinbarung ist allerdings eine reine Absichtserklärung, deren Umsetzung man sich genau anschauen muss“, warnt Volkmar Kah, Geschäftsführer des DJV-NRW. Auch die Quote zur Weiterbeschäftigung frei Beschäftigter sei mit Vorsicht zu genießen. „75 Prozent der derzeitigen Beschäftigung ist in vielen Sendern immer noch deutlich weniger als vor der Corona-Krise. Viele freie Journalistinnen und Journalisten sind weiterhin auf die Rettungspakete von Bund und Land angewiesen. Und hier gibt es mit Blick auf existenzsichernde Lebenshaltungskosten erheblichen Nachbesserungsbedarf“, verweist Kah auf die Stellungnahme des DJV aus der vergangenen Woche.

Kah erklärt weiter: „Der Solidarpakt Lokalfunk NRW“ kann nur der Anfang der Bemühungen zur Unterstützung der Privatradios sein. Es ist fraglich, ob die beschlossene Summe für die Radiosender den tatsächlichen Bedarf decken kann. Außerdem muss jetzt zügig geklärt werden, unter welchen Rahmenbedingungen diese und sicher notwendige weitere Unterstützungsleistungen stehen.“  Hier gehe es vor allem um die Regelungen des EU-Beihilferechts. „Dabei sehen wir die Bundesregierung und die sie tragenden Parteien CDU und SPD gemeinsam in der Verantwortung. Wenn die Regierung unsere Medienvielfalt und die unstrittig systemrelevante Versorgung der Bevölkerung mit lokalen Informationen stärken will, muss sie sich jetzt um eine schnelle Klärung des Sachverhaltes und gegebenenfalls eine Anpassung der Bestimmungen auf europäischer Ebene bemühen“, so Kah.

Ansprechpartner: Volkmar Kah, volkmar.kah@djv-nrw.de, 0211/23399-0

Tarifinfo Lokalfunk NRW: Gehaltstarif-Vertrag und Urlaubsgeld

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

nach Rücksprache mit zahlreichen Betrieben haben wir wegen der Corona-Krise und den daraus resultierenden Folgen für die Lokalfunksender die Gehaltstarifverhandlungen im April unterbrochen. In Absprache mit den Arbeitgebern ist der Gehaltstarifvertrag bis Ende 2020 befristet wieder in Kraft gesetzt.

DJV-Mitglieder haben damit Rechtssicherheit in allen Fällen, auch bei Neueinstellungen und Vertragsänderung.  Das war zunächst unter allen Tarifparteien Konsens. Leider haben sich die Kolleg*innen von ver.di Anfang Mai dann entschieden, das entsprechende Moratorium doch nicht zu unterzeichnen. Das bedauern wir. In der Sache entsteht dadurch den Mitarbeitenden in den Betrieben aber erstmal kein Nachteil. Die Gehaltsverhandlungen sollen Ende des Jahres selbstverständlich gemeinsam von DJV und ver.di wieder aufgenommen werden.

Auszahlungszeitpunkt Urlaubsgeld

Nun haben Veranstaltergemeinschaften und Betriebsgesellschaften signalisiert, aus Gründen der Liquiditätssicherung, den ersten Teil der Jahresleistung (Urlaubsgeld) gegebenenfalls erst im Herbst auszahlen zu wollen.

Das können sie theoretisch auch ohne Zustimmung der Gewerkschaften tun. Der entsprechende Paragraph im Manteltarifvertrag bestimmt lediglich den November als letztmöglichen Auszahlungstermin. Alles Weitere bleibt der „betrieblichen Regelung“ vorbehalten.

Wichtig: Eine Verschiebung des Auszahlungszeitpunktes ist mitbestimmungspflichtig! Sollte solch ein Anliegen an Lokalfunkmitarbeiter*innen herangetragen werden, sollten sie unbedingt den Betriebsrat einschalten.

In Sendern ohne Betriebsräte sollten sich Mitarbeiter*innen direkt an den DJV-NRW wenden.

In der Sache gilt es nämlich eine Menge zu beachten:

  • Für jeden Sender sollte genau geprüft werden, ob wirklich eine wirtschaftliche Notwendigkeit besteht. Viele Betriebsgesellschaften haben ausreichende Rücklagen oder können auf die ihrer Gesellschafter zurückgreifen.
  • Wenn das Urlaubsgeld später ausbezahlt wird, sollte die jeweilige Veranstaltergemeinschaft schriftlich zusichern, auf betriebsbedingte Kündigungen mindestens im Jahr 2020 zu verzichten.
  • Zusätzlich sollten aus unserer Sicht die BG-Gesellschafter (Verlag, Kommune) im Falle einer Insolvenz des Senders oder der BG garantieren, dass die Beschäftigten das noch nicht ausbezahlte Urlaubsgeld doch noch bekommen.
  • Auf jeden Fall sollten diejenigen Anteile des sogenannten Urlaubsgelds von der Verschiebung ausgenommen werden, die fest für regelmäßige Verpflichtungen eingeplant sind (zum Beispiel Einzahlung in die betriebliche Altersvorsorge).
  • Außerdem sollte auf eine spätere Auszahlung des sogenannten Urlaubsgelds verzichtet werden, wenn die Mitarbeiter*innen dadurch in wirtschaftliche Notlagen geraten

Der Gehaltstarifvertrag im Lokalfunk NRW war ursprünglich zum 30. Juni 2019 ausgelaufen. Erst am 17. Dezember 2019 starteten die Verhandlungen mit VLR- und BG-Verband. In drei Verhandlungsrunden haben die Arbeitgeber bislang kein Gehaltsangebot auf den Tisch gelegt. Die letzte Tarifrunde war am 4. März 2020.

Zum Download: Tarifinfo vom 03.06.2020

Der DJV-NRW bezieht Stellung: Antrag der NRW-SPD zur finanziellen Absicherung des Lokalfunks

Die SPD-Fraktion des nordrhein-westfälischen Landtages hat einen Entschließungsantrag zum Gesetzentwurf der Landesregierung „Gesetz zur Zustimmung zum dreiundzwanzigsten Rundfunkänderungsstaatsvertrag und zur Änderung weiterer Gesetze (18. Rundfunkänderungsgesetz) vorgelegt. Die Forderung der NRW-SPD: Die Landesregierung soll das System des Lokalfunks in der Corona-Krise finanziell noch mehr absichern.
Konkret fordert die Fraktion die Landesregierung auf,

  • „schnellstmöglich landespolitische Maßnahmen zu ergreifen, um die Lokalsender und weitere werbefinanzierte lokaljournalistische (Online-)Medien finanziell zu unterstützen. Durch die Trennung von Programm (Veranstaltergemeinschaften) und wirtschaftlicher Verantwortung (Betriebsgesellschaften) ist die Auszahlung dieser Finanzhilfen systembedingt staatsfern.“
  • „in Anlehnung an die staatlichen Hilfen für Unternehmen in NRW die wirtschaftliche Existenz der Betriebsgesellschaften zu unterstützen und hierbei die wirtschaftlich einzigartige NRW-Struktur des Lokalfunks zu berücksichtigen."*

*Erschließungsantrag der Fraktion der SPD, verfasst am 31.März 2020

Der DJV-NRW wurde vor der heutigen Plenarsitzung gebeten, zum Entschließungsantrag Stellung zu beziehen:

„Der lokale Rundfunk ist unabhängig von der derzeitigen Krise ein unentbehrlicher Bestandteil der Meinungsvielfalt in NRW. Tatsächlich ist dieses rein werbefinanzierte System in der aktuellen Krise besonders unter Druck geraten. Eine Absicherung ist unabdingbar notwendig und aus unserer Sicht auch ordnungspolitisch vertretbar. Durch die hohe Regulierungsdichte handelt es sich nämlich beim Lokalfunk keineswegs um eine mit anderen Bereichen vergleichbare privatwirtschaftliche Branche. Die Anforderungen der Gesellschaft an die Leistungsfähigkeit sind ebenso klar formuliert wie die Beschränkungen für die Refinanzierung über Werbung.

Daher hat der  DJV hat die Ablehnung des Entschließungsantrags der SPD im Landtag im April sehr bedauert. Mit Blick auf die notwendige Staatsferne halten wir eine Förderung der Betriebsgesellschaften für den besten Weg.“

(...)

"Heute, fünf Wochen nach Einbringung des Antrags muss man diesen vor allem vor dem Hintergrund des mittlerweile auf Anregung und Vermittlung von Landesanstalt für Medien und Landesregierung geschlossenen „Paktes für den Lokalfunk“ beurteilen. Das Paket sieht vor, die Distributionskosten für den Lokalfunk für etwa drei Monate bereit zu stellen. Die dafür notwenigen Mittel wollen die Landesregierung und die Landesanstalt für Medien NRW dazu steuern. Vor allem aber ist es gelungen, alle Beteiligten an einen Tisch zu holen und zumindest ein wenig Transparenz in die Situation der Sender und den tatsächlichen Bedarf zu bekommen.

Aus Sicht des DJV ist der Pakt ein erster guter Schritt. Insbesondere begrüßen wir die klare Verknüpfung von Hilfen mit Bedingungen, die Arbeitsplätze und damit die lokalen Strukturen vor Ort absichern. Allerdings ist zweifelhaft, ob die hier bereitgestellten Mittel für eine Bewältigung der Herausforderungen ausreichend sind. Insofern ist die weitere Befassung des Landtages auf Basis des vorliegenden Entschließungs-antrages wichtig. Dabei wird es neben der Diskussion über notwendige Summen – aber vor allem darauf ankommen, wie Rahmenbedingungen zur Ausschüttung gestaltet werden können.  

Wie groß ist denn nun eigentlich der Finanzbedarf im System? Tatsächlich hat sich die Situation mit Öffnung der Möbelhäuser und dem damit verbundenen Anstieg der Werbung wieder ein wenig entspannt. Brancheninsider sprechen derzeit von etwa 1,5 Millionen Gesamtbedarf pro Monat. Dies ist eine Momentaufnahme, die deutlich unter den zunächst formulierten Bedarfen liegt, sich aber bei einem weiteren Lockdown schlagartig wieder ändern kann. Verteilt sind diese Bedarfe dabei sehr unterschiedlich: Während viele der Senderverbünde dank ausreichender Rücklagen zumindest keine akuten Liquiditätsprobleme haben, stehen andere nach eigenen Angaben bereits kurzfristig vor dem Aus. Auffällig ist, dass nicht unbedingt nur die schon vor der Krise wirtschaftlich schwachen Sender vor Problemen stehen, sondern die Liquidität einzelner Sender auch durch die Entnahmepolitik der Stakeholder der vergangenen Jahre gefährdet scheint.

Umso wichtiger erscheint es uns, nicht mit der Gießkanne Fördermittel auszuschütten, sondern diese an klare Bedingungen zu knüpfen sowie auch die Stakeholder der oftmals in den vergangenen Jahren sehr erfolgreichen Betriebsgesellschaften mit in die Verantwortung zu nehmen. Hierbei kann man sicher gut an die Kriterien des Solidarpaktes (Erhalt lokaler Strukturen, Arbeitsplatzsicherheit, Verzicht auf Kurzarbeit) anknüpfen und diese um das Thema Transparenz ergänzen. Hierzu hat der DJV-NRW bereits im Kontext der Änderung des LMG Vorschläge gemacht.

Bei der notwendigen Konfiguration der Instrumente zur Verteilung der unbestreitbar notwendigen weiteren Mittel sollte die Landespolitik folgende Punkte in ihre Überlegungen einbeziehen:

  • Es braucht einen Mix aus Zuschüssen, die wirtschaftlich schwache Sender stützen und abgesicherten, langfristigen Krediten für Betriebsgesellschaften, die langfristig wirtschaftlich betrieben werden können. Es ist zu prüfen, ob man diese an Bedingungen für die maximale Entnahme durch Stakeholder koppeln kann um die Betriebsgesellschaften auch langfristig krisenfester zu machen.
  • Gegebenenfalls kann eine Stützung des Systems auch über Kapitalerhöhungen durch kommunale Anteilseigner an den Betriebsgesellschaften erfolgen. An fast jeder BG sind die Kommunen entweder direkt oder indirekt beteiligt. Das hätte den Nebeneffekt, dass der gesellschaftliche Einfluss auf die Betriebsgesellschaften und damit die Transparenz des Gesamtsystems gestärkt würde. Selbstverständlich muss das angesichts der Finanzsituation vieler Kommunen über Landesmittel refinanziert werden.
  • Für eine Förderung müssen Kriterien entwickelt werden, die sich am Bedarf orientieren und nicht pauschal an der Anzahl der Mitarbeiter
  • Die im Landtag vertretenen Parteien der Bundesregierung sollten Einfluss auf diese nehmen um die Rahmenbedingungen des EU-Beihilferechtes so anzupassen, dass eine nachhaltige Förderung des Lokalfunks möglich ist.“

Die gesamte Stellungnahme lesen Sie hier.

DJV-NRW bedauert Ablehnung von Hilfspaket: „Land darf Lokalfunk nicht im Regen stehen lassen“

Der DJV-NRW bedauert die Ablehnung eines Soforthilfepakets für den NRW-Lokalfunk. Heute Mittag hat der Landtag mit den Stimmen von CDU, FDP und AfD einen aus Sicht des DJV sehr sinnvollen entsprechenden Entschließungsantrag der SPD-Fraktion abgelehnt.

„Der Lokalfunk braucht jetzt schnelle Unterstützung. Den 44 Sendern sind binnen weniger Tage quasi die gesamten Einnahmen weggebrochen, die an Mitarbeiterzahlen orientierten Hilfsprogramme greifen hier nicht“, so der DJV-Landesvorsitzende Frank Stach. Dabei erfüllten die Sender gerade eine allgemein anerkannte, systemrelevante Aufgabe. „Und das müssen sie weiter können“, so Stach.

Das deutschlandweit einzigartige „Zwei-Säulen-Modell“ des NRW-Lokalfunks bewährt sich gerade jetzt, da das Lokalprogramm in der Verantwortung der Veranstaltergemeinschaften und ihrer Redaktionen liegt. Lokale Berichterstattung vor Ort wird dringend gebraucht und auch nachgefragt. Die Einnahmen sinken als Folge der Corona-Krise trotzdem rapide. Immer mehr Werbekunden der insgesamt 44 Lokalradiosender springen ab, Buchungen werden storniert. Für die Betriebsgesellschaften im NRW-Lokalradiosystem ist das existenzgefährdend.

So sah das auch die NRW-Landtagsfraktion der SPD und stellte deswegen heute Nachmittag einen Entschließungsantrag zum Gesetzesentwurf der Landesregierung („Gesetz zur Zustimmung zum Dreiundzwanzigsten Rundfunkänderungsstaatsvertrag und zur Änderung weiterer Gesetze (18. Rundfunkänderungsgesetz“)) mit dem Ziel einer finanziellen Absicherung des Lokalfunks in der Corona-Krise.  „Eine solche Lösung wäre bestens geeignet, Druck aus dem gerade immens wichtigen aber wirtschaftlich vor dem Kollaps stehenden System zu nehmen“, lobt Stach den Ansatz

Die Fraktionen der in NRW regierenden Parteien CDU und FDP sehen das offensichtlich anders und stimmten dagegen. Der Antrag ist nun abgelehnt. „Ich verstehe das nicht. Auf der einen Seite erklärt die Landesregierung geradezu vorbildlich Journalismus für systemrelevant. Aber jetzt lässt man ein ganzes System im Regen stehen“, kritisiert der DJV-Landesvorsitzende. „Wenn man den Ansatz der Opposition nicht teilt, müssen die Regierungsfraktionen mit eigenen Ideen kommen. Und zwar besser gestern als heute.“

Der DJV-NRW hält ein passgenaues Paket zur finanziellen Unterstützung für die Lokalfunk-Sender für dringend notwendig. Der Verband fordert die Landesregierung dazu auf, die wirtschaftliche Existenz der Betriebsgesellschaften jetzt schnell zu stützen, um die einzigartige Lokalfunk NRW-Struktur aufrechtzuerhalten.

Ansprechpartner: Volkmar Kah, Geschäftsführer, volkmar.kah@djv-nrw.de

LfM-Hörfunkpreise: Preiswürdige Recherchen

Die Lokalfunker haben gefeiert: Zum 25. Mal hat die Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) in Düsseldorf die LfM-Hörfunkpreise vergeben. Und zum dritten Mal hat der DJV-NRW den Preis in der Kategorie Information und ­Recherche gestiftet.

„Couragiert und alleine gelassen“ haben die Preisträgerinnen Alexandra Wiemer und Karin van Dyk von radio 91.2 ihre Beitragsreihe genannt. Sie haben eine ­Geschichte recherchiert, von der sie im privaten Umfeld gehört hatten: Ein junger Mann war auf der Straße von vier Männern zusammengeschlagen worden, weil er in einem Bus jemandem helfen wollte.

Die Beiträge bei radio 91.2 haben Folgen: Die Stadtwerke ­heben ihre Überwachungs­videos nun einen Tag länger auf, ihr Sicherheitspersonal in den Bussen wird besser geschult, und der junge Mann bekommt Schmerzensgeld von der Opferhilfe. Sein Bewerbungsgespräch für die Lehrstelle durfte er nachholen – er hatte den Termin verpasst, weil er im Krankenhaus lag.
Bei der Preisverleihung lobte DJV-NRW-­Geschäftsführer Karl Zimmermann die Preisträgerinnen: Dieser Beitrag habe deutlich gezeigt, dass intensive ­Recherche im Alltag etwas bewegen könne. Zudem widerlege die saubere Arbeit der Redakteurinnen die Vorwürfe in Richtung „Lügenpresse“. Einen Anerkennungspreis in der Kategorie Informa­tion und ­Recherche gab es für Gerrit Großmaas von Radio ­Bochum.

Der DJV-NRW stiftet den Preis bewusst in der Kategorie Information und Recherche, „weil guter Journalismus ohne vernünftige Recherche gar nicht geht“, sagte Zimmermann. Das Engagement für den LfM-Hörfunkpreis soll honorieren, dass der Lokalfunk angesichts zurückgehender Printprodukte die Medienvielfalt in NRW hochhält. Außerdem, so Zimmermann, wolle der DJV so die Journalistinnen und Journalisten beim Lokalfunk würdigen, die „einen wichtigen und guten Job“ machten.

41 Beiträge hatten Lokalfunker in der Kategorie Information und ­Recherche eingereicht. Mehr gab es nur in den Kategorien Projekte/Serie und Unterhaltung. Insgesamt zeichneten die Jurys elf Produktionen in zehn Kategorien aus, davon acht für journalistische Leistungen und drei im Bereich Werbung.

In der Kategorie Moderation ging die Auszeichnung an „Frank Wallitzek und die Radio Bonn/Rhein-Sieg-Morgencrew“. In der Kategorie Service/Beratung gewannen Eileen Amberg und Daniel Krawinkel von Radio WMW.  Anuschka Fritzsche von Radio Bochum überzeugte mit einem Interview in der Kategorie Unterhaltung. Johannes Hoppe von Antenne Unna wurde in der Kategorie Projekte/Serie ausgezeichnet. Bei der Crossmedialen Berichterstattung punkteten Joris Gräßlin und Annika Pott von Radio Bielefeld.

Der diesjährige Medienethische Sonderpreis der Kirchen ging an „Radio Wuppertal 107,4 – Refugee FM“ mit seinem Themen-, Nachrichten- und Serviceangebot für in Wuppertal und Umgebung lebende Flüchtlinge. Das alle zwei Wochen erscheinende Magazin wird mit Hilfe von zwei aus Syrien geflohenen Journalisten erstellt und steht als Podcast in Deutsch, Englisch und Arabisch auf der Webseite von Radio Wuppertal 107,4 zur Verfügung./sax

Verleihung der Hörfunkpreise der Medienanstalt NRW - DJV-NRW ist zum sechsten Mal Stifter in der Kategorie „Information/Recherche“

„Tania Janke von Radio RSG ist eine würdige Preisträgerin. Sie ist über Jahrzehnte an einer Geschichte drangeblieben, die heute noch relevant ist, und hat sie angemessen und spannend erzählt“, kommentiert die stellvertretende Landesvorsitzende des Deutschen Journalistenverbands NRW (DJV-NRW), Andrea Hansen, die Auswahl der Jury in der Kategorie Information/Recherche. Sie hat gestern Abend den vom DJV-NRW gestifteten Preis im Düsseldorfer Hyatt übergeben.

Im Dezember 1988 war ein US-Kampfjet über Remscheid abgestürzt, sieben Menschen starben, mehr als 50 wurden verletzt. Nach wie vor halten sich Gerüchte über uranhaltige Munition an Bord, bis heute sind viele Menschen um die Absturzstelle herum an Krebs gestorben. Fast zwei Jahrzehnte recherchierte Janke immer wieder zu den Folgen des Absturzes, die Recherche brachte aber kein eindeutiges Ergebnis. Die offizielle Untersuchungsakte ist im März dieses Jahres geschlossen worden, viele Fragen sind nach wie vor offen. „Das Lokalradio hat die Sorgen der Remscheider ernst genommen. Der Beitrag überzeugt durch fundierte Langzeitrecherche und beeindruckend geführte Zeugengespräche“, begründet die Jury ihre Entscheidung.

„Im schnellen Medium Radio zählt Tagesaktualität, eine Recherche, die über mehrere Jahrzehnte läuft, ist außergewöhnlich. Wir als DJV-NRW wollen mit dem Preis dazu beitragen, dass Lokalfunkerinnen und Lokalfunkern im Arbeitsalltag Zeit für Recherche gegeben wird, denn sie ist extrem wichtig, damit Journalismus relevant bleibt“, erklärt Hansen, warum der DJV-NRW den mit 2.500 Euro dotierten Preis stiftet.

Seit 1992 vergibt die Medienanstalt NRW jedes Jahr mehrere Preise für herausragende redaktionelle Beiträge und für Werbung im Bereich Lokaler Rundfunk in NRW. Einige der Preise werden von Akteuren aus dem Lokalfunk NRW gestiftet.

Mehr zum Hörfunkpreis finden Sie hier: https://www.medienanstalt-nrw.de/servic/veranstaltungen-und-preise/hoerfunkpreis/hoerfunkpreis-2019.html

Kontakt: Volkmar Kah, 0171 7466505 

Tolle Ideen prallen auf harte Realität - Der Medientreff NRW widmet sich wieder dem Lokalfunk

Ein Beitrag von Sascha Fobbe aus JOURNAL 4/19, dem Medien- und Mitgliedermagazin des DJV-NRW, erschienen im August 2019.

Neustart 2019: Nach einjähriger Pause gab es am 5. Juni im Wissenschaftspark Gelsenkirchen wieder ein Branchentreffen für Lokalfunk-Akteure aus NRW. Neues Organisationsteam, neuer Veranstaltungsort, neuer Termin und ein neues Konzept kennzeichneten die zehnte Auflage des Medientreffs NRW. Das MedienkompetenzZentrum des Katholisch-Sozialen Instituts und die MQ Gesellschaft für MehrQualität mbH waren 2017 als Hauptorganisatoren ausgestiegen. Der DJV-NRW, der Verband Lokaler Rundfunk in NRW e.V. (VLR) und der Verein der Chefredakteure im NRW-Lokalfunk wollten weitermachen und holten sich die Medien-Akademie Ruhr als neuen Partner ins Boot. Das neue Orga-Team war sich schnell einig, die Veranstaltung auf einen Tag zu beschränken und nicht mehr im September, sondern vor den Sommerferien stattfinden zu lassen.

Das Thema „Vom Radiosender zum Audio-Content-Anbieter?!“ bot sich fast von selbst an: Audio im Netz boomt, neue Podcast-Formate und Plattformen bringen Bewegung in die Nachfrage nach audio on demand. Das stellt den NRW-Lokalfunk vor neue Herausforderungen, bietet aber auch neue Möglichkeiten, lokale Nähe auszuspielen.

Von anderen lernen

Die Ausgangsfragen für den Medientreff 2019: Wie kann die digitale Transformation lokaler Radiomarken gelingen und was lässt sich aus anderen Radiomärkten lernen? Im Gegensatz zu früheren Veranstaltungen gab es keine medienpolitische Diskussion zu Beginn der Tagung und auch keine Diskussionspanel. Stattdessen lieferten Referenten vormittags Input zum aktuellen Stand und zur Zukunft der Audionutzung im Netz, zu Digital Storytelling und Podcasts. Nachmittags konnten die Erkenntnisse in Workshops vertieft oder ausprobiert werden, zusätzlich gab es einen Workshop zu Mobile Reporting.

Etwa 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Chefredaktion und Redaktion, aus Veranstaltergemeinschaften und Betriebsgesellschaften sowie von radio NRW nahmen am Medientreff teil, ebenso einige Externe. Wie schon in den vergangenen Jahren zeigten sich die Lokalfunk-Akteure interessiert an den Beispielen und Vorschlägen, zweifelten aber an der Machbarkeit in ihren Sendern. Die Redaktionen wollen gerne innovativ sein, neue Formate ausprobieren oder den Hörern mehr Nutzen bieten, haben aber nicht das Personal, um das umzusetzen. So stellte Matthias Leitner, Journalist und Storyteller beim Bayerischen Rundfunk, zum Beispiel das Projekt „#icheisner“ vor. Der öffentlich-rechtliche Sender Bayern 2 hatte 2018 über Messenger-Dienste die Bayerische Revolution aus der Sicht des ersten Bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner erzählt. Vier Monate lang waren fünf Leute dafür freigestellt, undenkbar im NRW-Lokalfunk.

Ob und wie technische Neuerungen und Formate umzusetzen sind, darüber diskutieren die Verantwortlichen im NRW-Lokalfunk seit langem. Da geht es zum einen um größere Themen wie die Frage, ob der Lokalfunk auch auf DAB+ setzen soll, zum anderen aber auch um den Sinn von Formaten, die sich nicht im linearen Programm abbilden lassen.

Braucht der Lokalfunk Podcasts?

Der Workshop „My Podcast“ sollte eigentlich dazu dienen, ein Podcast-Projekt durchzuspielen, stattdessen erörterten die Anwesenden die Frage, ob Sender Podcasts produzieren sollten. Sie müssten dafür zusätzlich investieren, ohne mehr Hörer oder höhere Werbeeinnahmen zu bekommen. „Unsere Aufgabe als VLR ist es, das Radio zu retten. Welchen Nutzen haben Podcasts für die Lokalfunk-Sender?“, fragte zum Beispiel Dr. Horst Bongardt, Vorsitzender des VLR. „Das ist wie bei den Zeitungen vor 20 Jahren“, entgegnete eine Teilnehmerin, „die haben sich damals gefragt: Wozu brauche ich eine Homepage, das bringt keine Abonnenten. Der Lokalfunk sollte den Trend nicht verschlafen!“

Referent Matthias Milberg von podcastberatung.de, Köln, mahnte, auch auf die Zeit nach UKW zu schauen und Podcasts als ergänzende Werbemöglichkeit zu sehen: „Ich ruhe mich auf der Quote aus und mache in 20 Jahren zu? Das kann es nicht sein.“ Mit Podcasts produziere ein Sender exklusiven Content auch fürs Radio, das sei ein junges Produkt, das auch für eine junge Zielgruppe „sexy“ sei.

Was bleibt, wenn UKW weg ist?

Wie wichtig Podcasts für Radiosender sind, hatte zuvor auch Marc Krüger, Audio-Redakteur bei t-online/Ströer News Publishing GmbH, in seinem Vortrag aufgezeigt: Der typische Podcast-Hörer sei jünger als 49 Jahre, und „wer jung ist und Podcasts hört, wird damit nicht aufhören, nur weil er älter wird“. Die Lokalfunksender müssten sich überlegen, was bliebe, wenn UKW weg sei. Die Vorteile, die Radio noch habe, zögen dann nicht mehr: Musik bekämen Nutzer jetzt schon über Streamingdienste, Wetter und Verkehr über Smartphone-Apps, Interaktion über Social Media und Wortbeiträge über Podcasts. Die lineare Radionutzung gehe besonders bei Jüngeren immer weiter zurück, darauf müssten sich die Sender einstellen: „Podcasts sind fürs Radio, was Netflix fürs Fernsehen ist.“

Einige Lokalfunksender in NRW produzieren schon eigene Podcasts, manche mit, andere ohne zusätzliches Personal. Generell klagen die Lokalfunksender aber darüber, dass ihnen die Ressourcen fehlen, um neue Ideen umzusetzen. Das war schon bei den vergangenen Medientreffs ein Thema.

Die Veranstaltergemeinschaften würden gerne mehr Personal für Digitales einstellen, das Geld dafür müssten die Betriebsgesellschaften geben. Viele Betriebsgesellschaften seien aber „bislang zurückhaltend bei Digitalem“, so war es von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu hören. Auf die Frage, was im NRW-Lokalfunk fehle, betonte Matthias Leitner in der Abschlussrunde: „Geschäftsführungen mit Visionen“ seien wichtig, um die digitale Transformation nach vorne zu bringen. Und er regte an, in Zukunft über digitales Change Management zu reden.

Weiterdenken im Barcamp

„Tolle Ideen prallen auf harte Realität“ fasste Stanley Vitte, Referent Online-Kommunikation und Events im Journalismus Lab der Landesanstalt für Medien NRW (LFM NRW), den Medientreff zusammen. Damit es dieses Mal nicht dabei bleibt, diskutierten einige Chefredakteurinnen und Chefredakteure in einem spontanen Barcamp mit Vitte Lösungen, wie neue Ideen im Lokalfunk-Alltag umgesetzt werden könnten.

Die Idee: Ein Start-up für Digitales als gemeinsames Projekt aller Sender im NRW-Lokalfunk. Fünf Volontäre könnten zusammen in einer WG wohnen und für zwei Jahre viele digitale Dinge ausprobieren. Wenn alle Sender sich beteiligten, ließe sich das finanzieren. Dann würde sich auch zeigen, welche Betriebsgesellschaft zum NRW-Lokalfunksystem stehe oder nicht, sagte ein Chefredakteur in Anspielung auf die momentan schwierige Situation im Lokalfunk. Auch Crowdfunding oder eine Förderung durch die LFM NRW spielten die Chefredakteure im Barcamp gedanklich durch. Ob die LFM NRW Geld zur Verfügung stellen würde, konnte Vitte nicht versprechen, aber „wir fördern Innovatives“. Er lud die Chefredakteurinnen und Chefredakteure ein, sich mit der LFM NRW zusammenzusetzen und zu sehen, was machbar sei.

Generell kam der Medientreff 2019 bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern gut an. Sie lobten den Blick von außen mit Referenten, die aus anderen Radiomärkten kommen und den Austausch mit Fachleuten, die sich in neuen Themen oder Formaten auskennen. „Toll, dass der Medientreff nach einem Jahr wieder stattfindet!“, sagte ein Teilnehmer.

Was noch zu verbessern ist

Kritik gab es aber auch: Die Referenten waren alle männlich, fürs nächste Mal versprachen die Organisatoren mehr Expertinnen. Prüfen wollen die Verantwortlichen auch die Anregung, den Medientreff an einem Samstag stattfinden zu lassen. Der Vorteil: So könnten mehr Redakteurinnen und Redakteure dabei sein.

„Das war ein gelungener Neustart nach einem Jahr Pause“, meinte Timo Naumann, Geschäftsführer des VLR. Kerstin Loos, Mitglied der Geschäftsleitung der Medien-Akademie Ruhr, freute sich über das konkrete Ergebnis, ein gemeinsames digitales Projekt zu entwickeln. Zufrieden waren auch Moderatorin Colleen Sanders und Moderator Thorsten Kabitz, die als VdC-Mitglieder zu den Organisatoren der Veranstaltung gehörten. „Wir waren ganz nah am Alltag in den Redaktionen“, erklärte Sanders. „Es ging genau um die Fragen, die alle Radiomacher gerade beschäftigen. Das war unser Ziel!“ Und Kabitz ergänzte: „Da gab es viele gute Anregungen, für die wir aber auch die technischen und personellen Rahmenbedingungen in den Redaktionen brauchen.“

Volkmar Kah, Geschäftsführer des DJV-NRW, hob die Bedeutung des Medientreffs hervor: „Der Austausch untereinander, die Entwicklung von Ideen und Input sind für die Branche wichtig. Der Lokalfunk ist eine wichtige Säule im NRW-Mediensystem, deshalb ist der DJV-NRW auch nächstes Jahr wieder dabei!“ Wie der Medientreff 2020 aussehen wird, steht noch nicht fest. Die Organisatoren wollen nun erst einmal die Teilnehmerbefragung auswerten und dann in die Planung gehen.||

Die Autorin war für den DJV-NRW im Vorbereitungsteam des Medientreffs.

DJV-Vertreter in Veranstaltergemeinschaften "on Air" im Exzenterhaus

Erstes Treffen der Sender der "Ruhr-Schiene"

Hoch über Bochum, nämlich im 19. Stock des Exzenterhauses und somit sozusagen "on Air" - trafen sich Anfang März die vom DJV in die Veranstaltergemeinschaften (VG) entsandten Mitglieder der Lokalfunk-Sender der "Ruhr-Schiene. "Der Lokalfunk in NRW steht vor großen Herausforderungen. Gemeinsam wollen wir Lösungsansätze und -wege entwickeln, um die Zukunftsfähigkeit und die journalistische Vielfalt des Lokalfunks zu sichern", erklärten die beiden Organisatoren, David Petzold und Ernst-Ulrich Roth, die Zielsetzung des allerersten Treffens.

Beide zeigten schon im Vorfeld einige anstehende Diskussionspunkte auf. "Die Anmutung des Programms wird auf die Zielgruppe 14 bis 49 Jahre ausgerichtet", erklärte zum Beispiel Ernst-Ulrich Roth, VG-Mitglied bei Radio Herne. Auch Scheinselbstständigkeit sei in der Medienwelt ein großes Thema. "Und in den Verlagshäusern verschieben sich die Schwerpunkte, Stichworte sind hier Digitalisierung und Wirtschaftlichkeit", so Betriebsratsmitglied David Petzold von Radio Vest.

Zu den Sendern der "Ruhr-Schiene" zählen die Lokalradios Hagen, Emscher-Lippe, Duisburg, Herne, Mülheim/Oberhausen, Ennepe-Ruhr, Vest, Bochum und Essen. Anfang März lag das Hauptaugenmerk auf dem Kennenlernen und Vernetzen der VG-Mitglieder. Es wurden aber auch schon Schwerpunkte der zukünftigen Arbeit zusammengetragen. "Schon das erste Treffen zeigte, wie unterschiedlich die Arbeit und die Themen in den Veranstaltergemeinschaften sind, und wie wichtig es ist, dass mit David Petzold ein Mann der Praxis mit am Tisch sitzt", resümierte Roth.

Die VG-Ruhr-Schiene will sich zukünftig zweimal im Jahr austauschen. Das nächste Treffen wird voraussichtlich im September stattfinden. Die Teilnehmer der Premiere hoffen, dass der Kreis der Vertreter dann noch viel größer wird und auch Arbeitnehmervertreter von DGB und ver.di dazu stoßen.|| eur

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