Deutscher Journalisten-Verband Landesverband Nordrhein-Westfalen

Neues aus dem Sender

Für den Erhalt vom Stichtag auf WDR 2!

Der Stichtag auf WDR 2 soll abgeschafft werden. Dabei handelt es sich dabei um eines der beliebtesten Formate des WDR und eine Marke, die für Qualitätsjournalismus steht. Unser DJV-NRW Landesvorsitzender Frank Stach mit Stichtag-Autor Kay Bandermann im Gespräch.

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Solidarität mit den Streikenden in der Deutschen Welle

Der erste virtuelle Warnstreik am Bonner Standort der Deutschen Welle am 11. September war ein voller Erfolg. Zwischen 10 und 12 Uhr versammelten sich mehr als 200 Mitarbeitende des Senders auf einer digitalen Streikplattform. Dabei machten die Journalistinnen und Journalisten ihrer Empörung über das indiskutable Ein-Prozent-Angebot der Geschäftsleitung für eine Anhebung der Honorare und Gehälter Luft.

Die DJV-Betriebsgruppe im WDR schickte diese Solidaritätsadresse: 

"Liebe Kolleginnen und Kollegen von der Deutschen Welle,

die Betriebsgruppe des DJV ist an eurer Seite. Bei euch ist ein Warnstreik nötig, obwohl eigentlich alles ausverhandelt ist - das erzeugt bei uns große Fassungslosigkeit. Wir wünschen Euch einen großen Erfolg und dass Ihr an dem Streiktag von vielen unterstützt werdet.

Wir im WDR wissen, was es bedeutet, für seine Forderungen auf der Straße zu stehen. Aber nur so sind diejenigen im Haus zu bewegen, die am Verhandlungstisch auf der anderen Seite sitzen. Es kann einfach nicht sein, dass Ihr nun – im Gegensatz zu den Kolleginnen und Kollegen in anderen Sendeanstalten – ein Probierstein dafür sein sollt, was mit einer harten Haltung möglich ist. Euch wird eine mickrige 1-Prozent-Erhöhung vor die Füße geworfen. Friss, Vogel, oder stirb.
Entschuldigt, so darf die Leitung der Deutschen Welle doch nicht mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern umgehen! Lieber Intendant Peter Limbourg, kommen Sie doch schnell wieder zur Besinnung!

Für die nächsten drei Jahre wären das für euch echte Lohnkürzungen, bedingt durch die Inflation. Sowas kann man nicht hinnehmen. Wir wissen doch alle ganz genau, wie herausfordernd der Job geworden ist. Immer neue Ausspielwege kommen dazu, immer neue Ideen der Geschäftsleitung, was man alles sonst noch machen sollte. Wer mehr arbeitet, hat auch mehr Gehalt oder Honorar verdient.

Wir stehen deshalb an eurer Seite und drücken euch ganz fest die Daumen, dass eure Verantwortlichen im Sender endlich wieder den Weg der Vernunft beschreiten und keinen Konfrontationskurs fahren wie bisher.

Viel Erfolg und solidarische Grüße aus dem Westen

Eure DJV-Betriebsgruppe im WDR"

Ergebnisse der DJV-Umfrage: Wie geht es Euch in der Corona-Krise?

Die DJV-Betriebsgruppe im WDR hat gefragt - fast 600 haben geantwortet.
Wie geht es Euch in Corona-Zeiten? Was klappt gut, was weniger gut? Das wollten wir als WDR-Betriebsgruppe des DJV wissen. Fast 600 von Euch haben mitgemacht. Feste und Freie. Wir sagen danke dafür, dass Ihr Euch Zeit genommen habt.
Zwar ist unsere Umfrage nicht repräsentativ, aber sie hat einige Themen stärker in den Vordergrund gerückt.

Wichtige Infos zum Urlaubsentgelt bei Krankheit!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

bei der Berechnung des Urlaubsentgeltes für arbeitnehmerähnliche Freie beim WDR zählen Krankheitstage ab dem ersten Tag. Das hat am 5. März das Arbeitsgericht Köln in erster Instanz nach einer Klage von DJV-NRW und ver.di entschieden. Für die Gewerkschaften war das ein erster wichtiger Etappensieg. Der WDR wird nun allerdings in Berufung gehen. Damit haben wir gerechnet.

Wir werden weiterhin an unserer Forderung festhalten, weil wir als Gewerkschaften hier erfolgreich unsere Auslegung des Tarifvertrages Sozial- und Bestandsschutz für die freien Beschäftigten des WDR durchgesetzt haben. Konkret wurden Unterschiede in der Auslegung bezüglich der Regelung zum Urlaubsentgelt bei Krankheit geklärt. Der WDR vertritt weiterhin die Auffassung, dass man nur Krankheiten ab einer durchgehenden Dauer von mindestens drei Wochen berücksichtigen müsse.
Das ist unserer Auffassung nach falsch. Wir entnehmen dem Tarifvertrag weiterhin, dass bereits der erste Krankheitstag berücksichtigt werden muss. Deswegen gehen wir nun in die zweite Instanz.

Was müsst Ihr nun tun?
Ihr müsst bei Euren Urlaubstagen in jedem Fall alle Krankheitstage angeben. Bitte vergesst nicht zwei Anträge zu stellen: Den Antrag auf Urlaub und den Antrag auf Verkürzung des Bemessungsentgeltes. Der Antrag auf Verkürzung sollte zusammen mit dem Urlaubsantrag gestellt werden, aber allerspätestens sechs Monate nach dem rechtzeitigen Urlaubsantrag. Hier geht es zum Download des Musterformulars: https://www.djv-nrw.de/fileadmin/user_upload/Landesverbaende/nrw/Dokumente/Musterschreiben_WDR_Urlaubsentgelt.docx

Auch wenn der WDR die Verkürzung zunächst ablehnen wird, wird er es im Zweifel aber nach Abschluss des Rechtsstreites nachberechnen. Ein Widerspruch gegen die Ablehnung ist nicht erforderlich.

Ganz wichtig: Lasst Euch für jeden Krankheitstag ein Attest vom Arzt ausstellen. Nur so belegte Tage können am Ende geltend gemacht werden. Bewahrt deshalb alle Atteste sorgfältig auf!

Recht um jeden Preis?
Ein solches Vorgehen bedeutet natürlich Aufwand für beide Seiten. Deswegen haben wir mit dem Sender auch nach dem Urteil weiter gesprochen. Dabei hat uns der WDR ein Angebot gemacht: Pauschal würden bei der Berechnung des Urlaubsgeldes für alle fünf Tage „krank“ anerkannt. Das entspricht 50 Prozent der durchschnittlichen Krankentage laut Bundesamt für Statistik. 50 Prozent deswegen, weil ja gemäß Prognose maximal 10 statt 20 Vollzeit-Arbeitstage auflaufen können. Über diese fünf Tage hinaus will der Sender aber weiter bei der 21-Tage-Regelung bleiben. Das ist angesichts des Urteils deutlich zu wenig.
Wir hatten nach Rücksprache mit Euch signalisiert, uns einen Kompromiss vorstellen zu können, wenn der WDR generell bei frei Mitarbeitenden auf Karenztage beim Krankengeld verzichtet. Dies wiederum hat der Sender abgelehnt. Also gehen wir nun in die zweite Instanz.“

Nochmal zum Hintergrund:
Etliche freie Mitarbeiter*innen hatten bereits im vergangenen Jahr vom Sender die Nachricht bekommen, dass ihre Krankheit bei der Berechnung des Urlaubsentgeltes nicht berücksichtigt wird, obwohl im Tarifvertrag über den Sozial- und Bestandsschutz unter §8 Abs.6. Satz 3 folgendes aufgeführt ist: „Auf Antrag wird der Bemessungszeitraum um die Zeit verkürzt, in welcher der/die Beschäftigte an einer Tätigkeit unverschuldet verhindert war (zum Beispiel Erkrankung, Kur, Heilverfahren, Mutterschutzzeiten).“

Wer ist davon betroffen?
Betroffen sind alle freien Mitarbeiter*innen des WDR, die Anspruch auf Urlaubsentgelt haben. Das Urteil ist für viele freie Kolleg*innen so wichtig, da die Höhe des Urlaubsentgeltes nach dem Jahresdurchschnittsverdienst berechnet wird. Das Jahreseinkommen wird durch ca. 250 Werktage geteilt, das Ergebnis ist der Tagessatz für einen Urlaubstag. Ist man krank, können die Krankheitstage abgezogen werden. Bei zum Beispiel zwei mal zwei Wochen Krankheit wird der Jahresverdienst nur durch ca. 230 Werktage geteilt. Im Ergebnis ist damit das Urlaubsentgelt höher. Nach Rechtskraft des nun von den Gewerkschaften gewonnenen Verfahrens müssen alle vorliegenden und abgelehnten Urlaubsanträge neu berechnet werden.

Noch Fragen oder Anregungen?
Dann schreibt uns gerne eine E-Mail an information@djv-nrw.de oder ruf an. Wir helfen gerne weiter.

 

DJV und ver.di gewinnen Klage gegen den WDR 12a-Freie: Fürs Urlaubsentgelt zählt Krankheit ab dem ersten Tag

Bei der Berechnung des Urlaubsentgeltes für arbeitnehmerähnliche Freie beim WDR zählen Krankheitstage ab dem ersten Tag. Das hat am 5.März das Arbeitsgericht Köln in erster Instanz entschieden (11CA 4890/19).

Damit gab das Arbeitsgericht einer Klage  von DJV-NRW und ver.di statt. Die Gewerkschaften haben hier erfolgreich ihre Auslegung des Tarifvertrages Sozial- und Bestandsschutz für die freien Beschäftigten des WDR durchgesetzt. Konkret wurden Unterschiede in der Auslegung bezüglich der Regelung zum Urlaubsentgelt bei Krankheit in der Auslegung des Anspruches geklärt.

Etliche freie Mitarbeiter*innen hatten vom Sender die Nachricht bekommen, dass ihre Krankheit bei der Berechnung des Urlaubsentgeltes nicht berücksichtigt wird, obwohl im Tarifvertrag über den Sozial- und Bestandsschutz unter §8 Abs.6. Satz 3 folgendes aufgeführt ist. "Auf Antrag wird der Bemessungszeitraum um die Zeit verkürzt, in welcher der/die Beschäftigte an einer Tätigkeit unverschuldet verhindert war (zum Beispiel Erkrankung, Kur, Heilverfahren, Mutterschutzzeiten)". Der WDR vertrat die Auffassung, dass man nur Krankheiten ab einer durchgehenden Dauer von mindestens 3 Wochen berücksichtigen müsse. Die Gewerkschaften entnahmen dem Tarifvertrag, dass bereits der erste Krankheitstag berücksichtigt werden muss und klagten gegen die Auslegung des WDR. Mit Erfolg. Das Arbeitsgericht Köln gab den Gewerkschaften nun vollumfänglich Recht.

Betroffen sind alle freien Mitarbeiter*innen des WDR, die Anspruch auf Urlaubsentgelt haben. Das Urteil ist für viele freie Kolleg*innen so wichtig, da die Höhe des Urlaubsentgeltes nach dem Jahresdurchschnittsverdienst berechnet wird. Das Jahreseinkommen wird durch ca. 250 Werktage geteilt, das Ergebnis ist der Tagessatz für einen Urlaubstag. Ist man krank, können die Krankheitstage abgezogen werden. Bei zum Beispiel zwei mal zwei Wochen Krankheit wird der Jahresverdienst nur durch ca. 230 Werktage geteilt. Im Ergebnis ist damit das Urlaubsentgelt höher. Nach Rechtskraft des nun von den Gewerkschaften gewonnenen Verfahrens müssen alle vorliegenden und abgelehnten Urlaubsanträge neu berechnet werden.

Für die Gewerkschaften ein wichtiger Etappensieg. Allerdings kann der WDR gegen das Urteil noch Rechtsmittel einlegen.

Ansprechpartner: Volkmar Kah, volkmar.kah@djv-nrw.de, 0211/23399-0

Mobiles Arbeiten - WDR-Geschäftsleitung schiebt Regelung auf die lange Bank

DJV fordert schnelle Umsetzung

Arbeitest Du auch im Homeoffice? Die Wahrscheinlichkeit ist groß, denn den 50/50-Modus hat der Corona-Krisenstab ja bis Ende August verlängert. Für Deine  Anregungen, Fragen und Wünsche haben wir vom DJV immer ein offenes Ohr.

Durch Corona ist ein neuer Arbeitsalltag entstanden. Tag für Tag arbeiten mindestens 2000 Beschäftigte von außerhalb - ohne dass der Betrieb zusammenbricht. Auch Freie machen verstärkt Dienste im Homeoffice und produzieren von zu Hause aus.

Für diese neue Realität fordern wir klare Regelungen. Denn senderweite einheitliche Standards fehlen. Intranet-Beiträge zum Thema mit guten Tipps sind nett, reichen aber nicht! Wir finden, es muss klar festgeschrieben werden, wer von zu Hause aus arbeiten kann bzw. darf, welche Rechte und Pflichten die Kolleg*innen sonst noch haben und wie sie ausgestattet werden.

Um diese Lücke zu füllen, hatten der DJV-NRW und ver.di Gespräche mit dem WDR zu einer tariflichen Regelung wieder aufgenommen. Nach einer einvernehmlichen und vielversprechenden Gesprächsrunde brach der Sender die Verhandlungen im Juni vorerst ab. Man wolle das von der Bundesregierung für den Herbst angekündigte Gesetz zum Homeoffice abwarten, heißt es.

Der DJV-NRW sieht die WDR-Geschäftsleitung in der Pflicht, schnell eine vernünftige und sendereinheitliche Lösung mit den Gewerkschaften zu erarbeiten. Arbeit auch von zu Hause aus hat sich in vielen Fällen bewährt und wird auch dann noch fester Bestandteil unserer Arbeitswelt sein, wenn Corona längst überwunden ist. Um gleiche und faire Bedingungen für alle zur gewährleisten, muss es tarifliche Regelungen geben.

Zum Hintergrund:

Schon im Jahr 2018 wurden erstmals Gespräche zwischen Gewerkschaften und WDR zu einem Tarifvertrag zu mobiler Arbeit geführt. Sie waren notwendig geworden, da der seit 2006 bestehende Tarifvertrag zur Telearbeit nur für die seltenen Fälle gilt, in denen der häusliche Arbeitsplatz zum festen arbeitsvertraglichen Dienstort gemacht wurde. Über die lange Vergütungsrunde wurden die Verhandlungen nicht weitergeführt.

Der DJV im WDR hat das Motto: Machen statt meckern. Daher fordern wir, dass die Tarifverhandlungen so schnell wie möglich wieder aufgenommen und zu Ende geführt werden. Die Beschäftigten im WDR haben schon jetzt mehr Rechtssicherheit verdient.

Wie war's auf der Personalversammlung?

Knapp 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kamen am 18. Februar zur Personalversammlung in die WDR-Kantine. Mit einem Wechsel von kurzen Vorträgen, Interviews, offenen Fragerunden und der Einlage von Kabarettistin Anka Volk stimmte der Rahmen. An der Organisation war Jochen Reinhardt vom DJV wesentlich beteiligt.
 
Stephanie Funk-Hajdamowicz, Personalratsmitglied des DJV, und wie ihr Kollege Frank Stach mit viel Erfahrung in der Freienberatung, machte in ihrer Rede zum Thema „Kulturwandel aus Sicht der Freien“ erste Verbesserungen aus. Sie stellte aber auch klar: „Machtmissbrauch ist nicht per Diktat wegzuwischen. Alte Strukturen brechen nur langsam auf.“
 
Intendant Tom Buhrow blieb in der Versammlung aus der Schusslinie, auch #omagate war kein Thema. Aber aus dem Kreis der Beschäftigten kam eine Reihe interessanter Anregungen. Zum Beispiel: Ist die Prognose für Freie noch zeitgemäß? Werden studentische Hilfskräfte weit über ihre Funktion hinaus eingesetzt? Was muss der WDR in Sachen Klimaschutz tun?
 
Der DJV im WDR wird diese Themen auf der Agenda haben! 

Ein redaktionell unabhängiger WDR muss jetzt Haltung zeigen - DJV-NRW fordert aktiven Schutz der an der Umweltsau-Satire beteiligten (freien) Kolleg*innen

Das ist kein guter Start für den neuen ARD-Vorsitzenden Thomas Buhrow und keine Sternstunde für die WDR-Senderleitung.  Buhrow hat sich von dem derzeit heiß diskutierten WDR 2 „Umweltsau“-Satire-Video distanziert. Das hat vor allem diejenigen gestärkt, die keinen kritischen Journalismus wollen. Solidarität mit den Mitarbeiter*innen, die das Satire-Video produzierten, Fehlanzeige. Rückendeckung für die, die sich vor allem in den sozialen Netzwerken schützend vor ihre Kolleg*innen stellten? Blieb seitens der Senderleitung aus.

Der DJV-NRW steht solidarisch zu allen bedrohten Kolleg*innen und für einen redaktionell unabhängigen WDR. Wir werden das Verhalten der Senderleitung auf allen Ebenen (unter anderem im Rundfunkrat, der Redakteursvertretung und im Personalrat) im Interesse der Mitarbeiter*innen und eines unabhängigen WDR konsequent zum Thema machen.

Aus guten Gründen gibt es das Gebot der Staatsferne der Medien.
Als sich dann auch noch NRW-Landesministerpräsident Armin Laschet in die Diskussion um das Video äußerte, wäre es Aufgabe des Intendanten gewesen, sich gegen die reflexartige Einmischung des NRW-Ministerpräsidenten zu stellen. Aufgabe von Laschet ist es, das Land NRW zu regieren. Nicht den WDR zu leiten.

Das Löschen des Videos war ein Angriff auf die Pressefreiheit und eine Entsolidarisierung, vor allem mit den Freien. 
Aber Buhrow ließ sich von der Kritik beeindrucken und wies das Löschen des umstrittenen Videos an. Damit hat er in die innere Rundfunkfreiheit eingegriffen und die beteiligten Kolleg*innen ins Visier des sich zu diesem Zeitpunkt bereits anbahnenden Shitstorms gerückt. In einer WDR2-Callin-Sendung hat er sich dann auch noch persönlich bei den teilweise empörten Zuhörer*innen entschuldigt. Das hat nicht zu einer Entspannung der Lage für seine Kolleg*innen geführt. Über den Twitter-Account der Aktuellen Stunde wurde in dem Fall eines Kollegen, der sich hinter die Kolleg*innen stellte, die das Video produzierten, außerdemmehrfach darauf hingewiesen, dass es sich um einen „freien Mitarbeiter“ handeln würde. Das ist nicht nur eine Form der Entsolidarisierung, sondern auch Herabwürdigung der frei beschäftigten Kolleg*innen.

Die fehlende Unterstützung hat Konsequenzen. Lässt die Senderleitung die Kolleg*innen im Stich? 
Diese Entsolidarisierung blieb zudem nicht ohne Konsequenzen: Der Journalist ist derzeit Opfer von Beleidigungen und Morddrohungen im Zusammenhang mit seinen unterstützenden Tweets.  Der DJV-NRW fordert die Verantwortlichen des Westdeutschen Rundfunks auf, sich aktiv um den Schutz und die Sicherheit des freien Kollegen zu bemühen. Der Verband stellt sich außerdem hinter die vielen Freien beim WDR, die jetzt mit Recht ihren Unmut dazu äußern, dass hier ein Kollege, der sich solidarisch zum Sender verhielt, nun unter rechtsextremen Attacken leiden muss, während ihn der Intendant nicht unterstützt und sich sogar von ihm distanziert.

Wie soll es jetzt weitergehen? Wünschenswert wäre zunächst eine Versachlichung der Auseinandersetzung und ein Blick in die Zukunft. 
In dieser Debatte geht es vor allem nicht um die Geschmacksfragen von Satire, sondern um den Schutz von Satire- und Meinungsfreiheit. Satire darf auch das Publikum provozieren. Eine Senderleitung muss in der Öffentlichkeit auf redaktionelle Freiheit pochen anstatt auf diejenigen zu hören, die gesellschaftliche Konflikte, die in den Medien ausgetragen werden, für sich gegen die Medien instrumentalisieren wollen. Mit der Löschung des Videos hat sich der Intendant nicht nur gegen seine beteiligten Kolleg*innen gestellt, sondern vor allem auch ein falsches Zeichen für die Zukunft gesetzt. Interne, sachliche Kritik muss sein. Aber wie soll vor diesem Hintergrund im WDR noch jemand mutige Entscheidungen fällen, wenn man mit Gegenwind von außen ohne interne Unterstützung rechnen muss, der dann auch noch zu großen Konsequenzen für das Berufs- und auch Privatleben führen kann? Ein gesundes Arbeits- und Wirkungsumfeld ist wichtig. Ohne dieses Umfeld ist die innere Presse- und Rundfunkfreiheit gestört. Der WDR braucht mutige Entscheidungen, auch zu künstlerischen, satirischen Formaten. Dazu gehört es, Haltung zeigen zu können und anzuecken. 

Pressespiegel: Der DJV zum "Umweltsau"-Satire-Video von WDR 2

DJV Bundesverband: Der Deutsche Journalisten-Verband fordert die Verantwortlichen des Westdeutschen Rundfunks auf, sich aktiv um den Schutz und die Sicherheit des freien Journalisten Danny Hollek zu bemühen.
 

Deutschlandfunk: Eine Satire des Liedes „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ in einem WDR-Video löste heftige Reaktionen aus. Nach einem Shitstorm wurde das Video zurückgezogen. Frank Überall, Vorsitzender des Deutschen Journalistenverbandes, findet das übertrieben.
 

Deutschlandradio: Es war als Satire gedacht, doch dann hagelte es Kritik. Der WDR hat das Video eines verballhornten Kinderlied über Umweltsünden der Großeltern-Generation gelöscht. Intendant Tom Buhrow sagte: „Ich entschuldige mich ohne Wenn und Aber“. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet kritisierte, mit dem Video habe der WDR Grenzen des Stil und Respekts überschritten. Der DJV-Vorsitzende Frank Überall nannte die Vorwürfe dagegen „überzogen“.
 

ZEIT ONLINE:Journalisten-Verband fordert Schutz für freien WDR-Mitarbeiter. In der Diskussion über die umstrittene "Umweltsau"-Satire hat es Drohungen gegen einen WDR-Mitarbeiter gegeben. Der Intendant Tom Buhrow kündigt juristische Mittel an.
 

Süddeutsche Zeitung: Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) fordert von den Verantwortlichen im WDR Schutz für einen freien Journalisten, der Morddrohungen erhalte.

Nordwest Zeitung: Hintergrund ist die Satire „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“. Der Deutsche Journalisten-Verband fordert, den Kollegen zu schützen.

Offener Brief an Valerie Weber, Hörfunkdirektorin des WDR

Sehr geehrte Frau Weber, 

mit  großer Verwunderung hat der DJV-NRW Ihre Einlassungen zum Thema Ungerechtigkeiten bei unterschiedlichen Honorierungen von kurzen und längeren Beiträgen in der Radiopost vom 12. April zur Kenntnis genommen. Erlauben Sie mir, an dieser Stelle das Eine oder Andere richtigzustellen. 

Zunächst würden wir es selbstverständlich begrüßen, wenn der WDR nach teilweise mehr als zwanzig Jahren Stagnation die (Effektiv)-Honorare für längere Formate endlich merkbar anheben würde. 

Was die Gewerkschaften aber nicht hinnehmen konnten und wir als DJV in der Zukunft auch nicht hinnehmen werden, ist der Versuch, die Erhöhung im Bereich der Mindesthonorare abzuschmelzen und nicht zu garantieren, dass bei den Autoren längerer Formate effektiv etwas ankommt. 

Fakt ist, dass sich der WDR weigert, die Effektivhonorare anzupassen. Uns wurde bei den Tarifverhandlungen ein Modell angeboten, was sich bei den Langformaten erst nach Jahren in den Honoraren positiv ausgewirkt hätte. Im Gegenzug dafür hätten wir große Abstriche bei der Erhöhung der Mindesthonorare in Kauf nehmen müssen. So hätten alle Freien am Ende ein noch schlechteres Geschäft gemacht. Der DJV stand einer individuellen Erhöhung unterschiedlicher Formate nicht im Weg, nur haben wir die Milchmädchenrechnung der Geschäftsleitung infrage gestellt und daraufhin unsere Mitglieder abstimmen lassen. Das Ergebnis ist bekannt.

Wer über Jahrzehnte nur die Mindesthonorare anhebt und dadurch erst diese Ungerechtigkeit schafft, darf danach nicht diejenigen als "Zu-gut-Verdiener“ bezeichnen, die den rechtmäßigen Inflations- und ausgehandelten Lohnausgleich erhalten haben.

Unabhängig davon steht es jeder/jedem Verantwortlichen frei, den Honorarvorschlag entsprechend der vereinbarten Tariferhöhung anzupassen. Das ist ja im WDR nicht verboten. Dazu könnten die Redaktionen von den Direktor*Innen ermutigt werden, um das Gefühl der Ungleichbehandlung zu eliminieren. 

Wir haben bei den letzten Tarifverhandlungen der Geschäftsleitung angeboten, den uralten Honorarrahmen aus dem vergangenen Jahrhundert zu modernisieren. Auf dieses Angebot ist damals keiner eingestiegen. Schade eigentlich! 

Ich würde mich freuen, wenn Sie das bei Gelegenheit in der Radio-Post korrigieren. Ansonsten freue ich mich auf konstruktive Vergütungstarifrunden und spannende Vorschläge, wie von der anstehenden Erhöhung auch wirklich alle freien Mitarbeiter*innen profitieren.   

Mit freundlichen Grüßen

Volkmar Kah

Geschäftsführer

Talkrunde: Hauptsache schnell und smart

Journalistinnen und Journalisten müssen inzwischen alles können: drehen, schneiden und texten. Am besten sollen sie komplette Beiträge mit dem Smartphone produzieren, das längst zum Allrounder im Mediengeschäft geworden ist, auch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Aber was heißt das für die Qualität? Was machen die Kameraleute in Zukunft, was die CutterInnen und was die AutorInnen? Treten sie gegeneinander an oder bilden sie neue Teams? Mit diesen Fragen hat sich die Betriebsgruppe des DJV im WDR bei einer Abendveranstaltung in Köln auseinandergesetzt. Auf dem Podium saßen Kamerafrau Birgit Gudjonsdottir und Reporter Björn Staschen, der in der crossmedialen Nachrichtenredaktion des NDR arbeitet. Unter Moderation von Stephanie Funk-Hajdamowicz beleuchteten sie das Thema aus verschiedenen Perspektiven.

Als Leiter des „NextNewsLab“ beim NDR hat sich Björn Staschen intensiv mit den Möglichkeiten und Grenzen mobilen Arbeitens beschäftigt. Nach seiner Überzeugung ist das Smartphone geeignet, um journalistische Möglichkeiten zu erweitern, viele Kanäle zu bedienen und auch Beiträge fürs Aktuelle zu liefern – inklusive Tagesschau.

Natürlich sei das Smartphone nicht für alles geeignet. Aber gerade im Aktuellen biete das „kleine Besteck“ oft Vorteile, erklärte Staschen. Dazu zählt die Schnelligkeit des Produzierens. Weil der komplette Workflow übers Handy erledigt werden kann, könnten ReporterInnen zudem oft länger vor Ort bleiben und bekämen einen genaueren Eindruck vom Geschehen. Auch ließe sich oft eine größere Nähe zu Menschen herstellen, wenn nicht ein Videoreporter mit Kamera auf der Schulter anrücke oder sogar ein ganzes Team.

Für Birgit Gudjonsdottir kommt das Drehen mit dem Smartphone dagegen aus verschiedenen Gründen nicht in Frage. Sie hat die Kamera bei zahlreichen Dokumentar- , TV- und Kinofilme geführt und wurde im vergangenen Jahr für ihr Lebenswerk mit dem deutschen Kamera-Ehrenpreis ausgezeichnet. Mit dem Smartphone zu drehen würde bedeuten, dass sie ständig auf das Gerät schauen muss, statt wie bei einer Kamera alles blind bedienen zu können. Aus ihrer Sicht sind  die technischen Möglichkeiten eben doch noch beschränkt. Mindestens ebenso wichtig: Sie möchte – trotz ihrer großen Erfahrung – neben dem Drehen nicht auf weitere Faktoren achten müssen. Bei Imagefilmen, die sie schon mal als Einzelkämpferin dreht, stelle sie hinterher oft fest, dass irgendwas nicht optimal war.

Einig waren sich beide Gäste, dass gute Kameraleute und andere ProduktionsmitarbeiterInnen für viele Bereiche unersetzlich bleiben. Und dass die Herausforderungen nur im Team zu bewältigen sind. „So wie wir uns zutrauen, immer mehr technische Aufgaben zu übernehmen, müssen wir umgekehrt Kameraleute und andere ermuntern, auch inhaltlich zu arbeiten“, warb Staschen. Und auch Gudjonsdottir findet: „Wir müssen mehr miteinander reden und einander zuhören.“ ||

Ein längerer Bericht erscheint im JOURNAL 1/19.

Urheber*innen unter Druck! - DJV-Justiziar Benno Pöppelmann zu Gast in Köln

Köln 26.09.2018. Immer häufiger arbeitet auch der WDR Beiträge von freien Mitarbeitern um und verwendet sie ganz oder in Ausschnitten in anderen Medien. Und immer häufiger passiert dies, ohne dass der Autor eingebunden ist. Betroffen sind nicht nur die Beiträge selbst, sondern manchmal auch nicht verwendete Materialien.

Immer wieder überschreitet der WDR dabei die Grenze des rechtlich zulässigen. Das ist das Ergebnis einer Veranstaltung der DJV-Betriebsgruppe zum Thema Urheberrecht. Benno Pöppelmann, DJV-Justiziar,  stand im Mittelpunkt des Gesprächs und beantwortete die vielen Fragen rund ums Urheberrecht.

Dabei wurde auch deutlich: Es gibt einen Dissens zwischen WDR und DJV zum Thema „Zentrale Ausspielplattform“. Viel zu leicht gibt es hier die Zugänge auf das Material, das unter anderem Autoren mit oder ohne Team dort einstellen. Die WDR-Position, dem WDR gehöre alles Selbstgedrehte, teilt Pöppelmann nicht.

Aber das war nicht der einzige Kritikpunkt an diesem spannenden Abend im Vierscheibenhaus: So reduziert der WDR die Zahl der Verträge mit einer W-Kennzeichnung, so jedenfalls der Eindruck der Urheber. Ebenfalls ist die uneinheitliche Linie im WDR kritisiert worden: Einige Redaktionen bezahlen beispielsweise die Veröffentlichung von Bildern und kurzen Videos auf Facebook, andere nicht.

Benno Pöppelmann betonte, dass freie Journalist*innen auf die Einhaltung ihrer tarifvertraglichen Rechte bestehen sollten. Auch das Erstellen von Werken für soziale Medien sei beispielsweise tarifiert. Dies gelte auch dann, wenn der Auftrag nicht vom Programmbereich Internet käme.

Für alle Fragen zum Urheberrecht stehen die Anwälte des DJV-NRW für Rechtsberatungen zur Verfügung.

Tel. 0211 – 2 33 99-0, zentale@djv-nrw.de

Erfolgsregisseur Uwe Janson war Gast des DJV-NRW: Wir müssen Mut zu neuen Inhalten haben!

Von den Besten lernen: Uwe Janson macht seit Jahren vor, wie gute (Fernseh-) Filme gemacht werden, darunter „Tatort“ und „Himmel und Hölle“. Der DJV-NRW hatte deshalb auf Initiative der Betriebsgruppe des WDR in Köln den bekannten Regisseur unter dem Motto „Wir müssen endlich über Inhalte streiten“ eingeladen. Fernsehredakteurin Barbara Brückner moderierte den Abend.

Janson hatte viel zu erzählen aus seinen langen Berufsjahren, seinen Erfolgen und seinem Scheitern. Seine Erfahrungen mit anderen Kulturen waren für ihn besonders prägend. Er schätzt das „miteinander umgehen“ gemischter Teams, die Nähe und Austausch zulassen. „Respekt, Verantwortung und Mut“ sind die Begriffe, die für ihn für den Erfolg im Leben und beim Filmemachen stehen. Respekt, des Redakteurs gegenüber dem Regisseur, des Regisseurs gegenüber seinem Team. Nur durch das Zulassen kreativer Freiräume und Vertrauen könne etwas Gutes entstehen. Unzulänglichkeiten zuzugeben und den Mut zu haben, sich zu öffnen seien der Garant dafür, dass ungewöhnliche Themen und Geschichten zu guten Filmen werden. Nicht alleine die Zuschauerquoten sollten für Intendanz und Redaktion entscheidend sein, sondern vielmehr „das Herzstück einer Idee“, das zum richtigen Autor eines Films führt.

Janson ermunterte die Teilnehmer, die am gestrigen Abend immer wieder angesprochenen Hindernisse des Arbeitsalltags anzugehen und zu überwinden. Aufgabenverteilung und Aufgabenhoheit müssten klar definiert werden und dürften ruhig in Frage gestellt werden. In der Arbeitsbeziehung seien Mut, Respekt und Vertrauen sowie flache Hierarchien wichtig, nicht aber das Controlling. Der Redakteur müsse als guter Fragesteller den Regisseur führen, aber keine Grenzen setzen. Den Redakteur (und die Intendanz) sieht er als Schlüssel zum Erfolg, um das deutsche Fernsehen zu retten und den Streaming-Diensten etwas entgegenzusetzen. Die Deutschen hätten das Potential, aber es müssten Freiräume für kreative Projekte geschaffen werden, die das eine oder andere Highlight entstehen lassen. „Man braucht ein Spielfeld, um spielen zu können, dann machen wir denen Konkurrenz“, ist Janson überzeugt.

Stephanie Hajdamowicz in den Vorstand des ARD Freienrates gewählt

Stephanie Hajdamowicz, Fernseh- und Hörfunkjournalistin beim WDR und Vorsitzende des DJV-NRW-Fachausschusses Rundfunk ist in den Vorstand des ARD Freienrates gewählt worden.

Neben Hajdamowicz gehören dem Vorstand Christoph Reinhardt (RBB), Christina Fee Moebus (Radio Bremen) und Stefan Tiyavorabun (SWR) an. Auf seiner konstituierenden Sitzung in Berlin haben die Delegierten der öffentlich-rechtlichen Sender beschlossen, 2018 einen Freienkongress in Bremen auszurichten. Am 20. und 21. April 2018 soll es um Qualität, Arbeitsbedingungen und Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gehen. Die Gewerkschaften DJV und ver.di werden die Kolleginnen und Kollegen dabei unterstützen.

Bei ARD und ZDF sind derzeit mehr als 18.000 arbeitnehmerähnliche „feste Freie“ beschäftigt. „Wir Freie sind diejenigen, die das Programm wesentlich gestalten. Aber trotzdem werden wir als Beschäftigte zweiter Klasse behandelt“, sagte Christoph Reinhardt.

Der ARD-Freienrat, im April 2017 gegründet, bündelt die Interessenvertretungen für Freie der ARD-Sender (Personalräte, offizielle Freienvertretungen und basis-organisierte Vertretungen). Die jeweiligen Interessenvertretungen der Sender entsenden jeweils zwei Delegierte in den Freienrat. Damit ist eine Sicherstellung der Kommunikation zwischen den Interessenvertretungen gewährleistet; zudem ist der ARD-Freienrat auch Ansprechpartner nach außen

Mehr Informationen dazu hier.

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