Deutscher Journalisten-Verband Landesverband Nordrhein-Westfalen

Fachausschuss Tageszeitungen

Der Fratz: Fachausschuss Redakteure an Tageszeitungen

Der Fachausschuss (FA) Tageszeitungen wird auch liebevoll "Fratz" genannt. Dann steht das Akronym für Fachausschuss Redakteure an Tageszeitungen. Ob FA oder "Fratz" - die Ausschussmitglieder sind zur Stelle, wenn es um die Herausforderungen an Tageszeitungen geht, also um den Erhalt und die Verbesserung von Tarifverträgen, um Outsourcing, Scheinselbständigkeit oder Urheberrechtsverletzungen, um die Demontage des journalistischen Berufs, um gerechte Arbeitszeiten, neue Techniken, Multimedia und Online.

Nicht zuletzt die Qualitätsdiskussion, die Arbeitsbedingungen oder die immer wieder diskutierte Altersteilzeit sind Themenfelder für den "Fratz". Und weil es gerade im Print-Bereich und vor allem bei den Tageszeitungen vor Herausforderungen nur so wimmelt, werden Mitstreiterinnen und Mitstreiter immer gesucht. Erfahrungen und Tipps, Input und Verbesserungsvorschläge - davon kann man nie genug bekommen.

Zusätzliche freie Tage für Redakteur:innen und Ausgleichszahlungen für arbeitnehmerähnliche Freie

BESCHÄFTIGUNGSSICHERUNGSTARIF: DJV UND BDZV EINIGEN SICH – GEHALTSTARIFVERHANDLUNGEN IM HERBST

Drei zusätzliche freie Tage für Redakteur:innen an Tageszeitungen und Anspruch auf Ausgleichszahlungen bei coronabedingten Mindereinnahmen für arbeitnehmerähnliche Freie in Höhe von bis zu einem durchschnittlichen Monatshonorar aus dem Vor-Coronazeitraum: Darauf haben sich am Montag, 19. Juli, der DJV und der Zeitungsverlegerverband BDZV geeinigt. „Über dieses Ergebnis“, sagt Kristian van Bentem, stellvertretender Vorsitzender des DJV-NRW, „freuen wir uns sehr“. Zugleich fordert er die Arbeitgeberseite mit Blick auf die anstehende Gehaltstarifrunde auf, in den kommenden Gesprächen ein „akzeptables Angebot“ zu unterbreiten.

Bis jedoch die Gehälter wieder in Fokus rücken, dauert es noch ein wenig. Der derzeit gültige Gehaltstarifvertrag bleibt bis Ende des Jahres in Kraft. Die Gespräche darüber sollen im Herbst aufgenommen werden. In der jetzigen Runde stand ausschließlich der Beschäftigungstarifvertrag aus dem vergangenen Jahr im Fokus. Zunächst haben sich die Parteien auf die Verlängerung bis Ende 2021 verständigt. Mit der Fortsetzung wird für Arbeitgeber und Betriebsräte unter Beteiligung der Gewerkschaften die Möglichkeit geschaffen, bei Bedarf Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung auf betrieblicher Ebene zu ergreifen. Dem Tarifergebnis muss die Große Tarifkommission des DJV noch zustimmen.

Wertschätzung für Arbeit in der Corona-Pandemie

„Dieses Ergebnis ist ein Stück Wertschätzung für die gute und herausfordernde Arbeit unserer Kolleginnen und Kollegen in der Corona-Pandemie und dient der Arbeitsplatzsicherheit“, sagt DJV-Verhandlungsführerin Ella Wassink. Dem schließt sich auch Kristian van Bentem an: „Angesichts der schwierigen Bedingungen in der weiter andauernden Pandemie freuen wir uns über drei zusätzliche freie Tage in diesem Jahr für Redakteur:innen und Ausgleichszahlungen für arbeitnehmerähnliche Freie.“ Doch van Bentem nimmt schon die Gespräche ab Herbst in den Blick und adressiert ganz klar an die Arbeitgeberseite: „Wir erwarten, dass der BDZV die Lohnzurückhaltung, die den Beschäftigten während der Corona-Krise noch mehr als ohnehin seit vielen Jahren abverlangt wird, honoriert und bei den im Herbst anstehenden Gehaltstarifverhandlungen ein akzeptables Angebot unterbreitet.“

Engagement für finanzielle Förderung nach qualitätssichernden Kriterien

Anträge vom Fachausschuss und dem Landesvorstand auf dem Gewerkschaftstag 2021

Starker Lokal- und Regionaljournalismus ist ein essenzieller Grundpfeiler unserer Demokratie, gerät aber zusehends  in einen Teufelskreis aus sinkenden Einnahmen, Personalabbau zur Kostensenkung und daraus folgendem Qualitätsverlust.

Der DJV NRW setzt sich deshalb explizit für eine finanzielle Förderung von Medienhäusern und Startups ein, die  - anders als die plötzlich gescheiterten Pläne der Bundesregierung zur  Presseförderung in Höhe von 220 Millionen Euro - qualitätssichernde Kriterien zugrunde legt.

Zwei Anträge der Fachausschüsse Tageszeitungen und Betriebsräte/Personalräte sowie des Landesvorstands dazu sind beim Gewerkschaftstag 2021 mit großer Mehrheit angenommen worden.

Antrag vom FA Betriebs- und Personalräte und FA Tageszeitungen: Finanzielle Förderung von Lokaljournalismus

Der Gewerkschaftstag hat am 8. Mai 2021 beschlossen: Der DJV-NRW fordert den DJV-Bundesverband auf, sich bei den im Bund zuständigen Stellen für ein Förderkonzept einzusetzen, das eine an qualitätssichernde Kriterien gebundene finanzielle Förderung von Medienhäusern ermöglicht, um noch vorhandene Strukturen im Lokaljournalismus langfristig zu erhalten. Die Hilfen sollen an quantitative Standards bei der personellen Ausstattung von Redaktionen, qualitativ-inhaltliche Kriterien, die Tarifbindung und die Einhaltung von Honorarmindeststandards geknüpft sein.
Jegliche direkte oder indirekte Förderung muss den Grundsatz der Staatsferne strikt beachten und darf nicht zulasten der Förderung  von neuen Formen im Lokaljournalismus gehen.

Begründung:
Der DJV-NRW begrüßt grundsätzlich, dass die Bundesregierung 220 Millionen Euro zur Förderung von Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen zur Verfügung stellt, kritisiert aber die nicht zielführende Koppelung der Förderhöhe an Auflagen und die unzureichende Auswahl der Förderzwecke, die weitgehend nur die Digitalisierung von Vertrieb und Verbreitung berücksichtigen.

Der DJV-NRW fordert, weitere Förderkriterien zu etablieren. Ziel einer Förderung soll sein, durch Anschubfinanzierung die Qualität und Attraktivität journalistischer Inhalte unabhängig vom Publikationskanal wieder zu steigern, um damit die Zahlungsbereitschaft bei Nutzern zu erhöhen.

Ziel der Initiative ist es, die negative Entwicklung im Lokaljournalismus mit ihren gefährlichen  Folgen für das demokratische Miteinander zu stoppen. Verlage, Medienhäuser und Sender versuchen, Journalismus mit immer weniger Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu machen. Das hat zwangsläufig qualitative Einbußen zur Folge. Die vorgeschlagenen Förderkriterien sollen Anreize schaffen, wieder mehr in Personal zu investieren. Das Förderkriterium „Personalstärke“  könnte an die Redaktionsstellen je 10.000 Einwohner und  je Kommune im Berichtsgebiet gebunden sein. Das Förderkriterium „Qualität“ könnte durch den Anteil von kommunalpolitischen,  Mehr-Quellen-, selbst recherchierten und gesellschaftlich relevanten Berichten definiert werden. Das Kriterium „Tarifbindung“ für Angestellte und Freie stellt zum einen sicher, dass Häuser, die sich Wettbewerbsvorteile gegenüber tariftreuen Mitbewerbern auf Kosten ihrer Beschäftigten verschaffen, nicht zusätzlich profitieren. Und es fördert zum anderen, dass Arbeitsstellen im Lokaljournalismus attraktiv bleiben oder wieder werden, um gut ausgebildete und motivierte Mitarbeiter*innen zu gewinnen und zu halten.

Journalismus ist konstitutiv für jede Demokratie. Dort, wo es keinen Lokaljournalismus (mehr) gibt, fällt es Demokratiefeinden leicht, „die Medien“, „die Politik“ oder „den Staat“ zu diskreditieren.  Denn nur im Lokalen entwickeln Leser*innen, Hörer*innen, Zuschauer*innen und User*innen das Vertrauen, das auf eigener Erfahrung beruht. Guter Lokaljournalismus stützt und schützt die Demokratie, unmittelbar in der Kommune und mittelbar darüber hinaus. Die weitere Digitalisierung  wird die redaktionelle Arbeit weiter verändern und erleichtern, aber den Kern von Journalismus kann kein Algorithmus abbilden und schon gar nicht ersetzen. Guter Journalismus braucht auch in Zukunft gut ausgebildete Journalist*innen, die Zeit haben für ihre Aufgaben. Neue, alternative Anbieter von Lokaljournalismus nehmen dabei eine wichtige Rolle ein und sorgen für Medienvielfalt. Die Lücken, die etablierte Medienhäuser inzwischen hinterlassen, werden sie aber nicht im vollen Umfang schließen können. Noch bestehende Strukturen im Lokaljournalismus zu erhalten ist deshalb unerlässlich.

Dringlichkeitsantrag vom Landesvorstand: Presseförderung

Der Gewerkschaftstag hat am 8. Mai 2021 beschlossen: Der DJV-NRW fordert von der Bundesregierung und den die Regierung tragenden Bundestagsfraktionen, die Zusagen zur Presseförderung einzuhalten. Der DJV-NRW erwartet, dass die 220 Millionen Euro, die versprochen waren, zeitnah zur Förderung lokaljournalistischer Angebote zur Verfügung gestellt werden. Es geht darum, alle Anbieter von Lokaljournalismus zu unterstützen, und damit die Medienvielfalt sicherzustellen.

Begründung: 
Das von der Bundesregierung zugesagte Förderpaket über 220 Millionen Euro kommt nicht zustande. Wie seit der vergangenen Woche bekannt ist, hat das Bundeswirtschaftsministerium das Programm für gescheitert erklärt. Details über die Gründe sind bisher nicht bekannt. Die Rede ist lediglich von  „verfassungs-, haushalts- und beihilferechtlichen Umständen“ und „sorgfältiger Abwägung aller betroffenen Interessen“. Der DJV-NRW jedenfalls kann nicht nachvollziehen, warum das Wirtschaftsministerium daran gescheitert ist, einen tragfähigen rechtlichen Rahmen zu entwickeln.   Der DJV-NRW geht vielmehr davon ausgehen, dass die Beteiligten sich im Klein-Klein des Haushaltsrechts verheddert haben, anstatt Entwicklungen anzustoßen und zu fördern, die für das demokratische Miteinander wesentlich sind. Auch das Hin  und Her bei den Förderzielen -- mal ging es um die Digitalisierung, mal um die Zustellung von Printprodukten  --  ist ein Indiz für mangelnde Kenntnis der Medienbranche.
Der DJV-NRW ist davon überzeugt, dass die Förderung von Medienunternehmen zumindest in einer Übergangsphase nötig ist und verweist insofern auf den Antrag C2 zur finanziellen Förderung von Lokaljournalismus.

Starker Lokaljournalismus braucht ausreichend Personal

Panel beim Online-Journalistentag 2021

Viele Redaktionen vermissen klare Worte und die Unterstützung ihrer Chefredakteur*innen, wenn es darum geht, gegenüber Verleger*innen und Geschäftsführerinnen ausreichend Personal einzufordern. Doch dem Anspruch, einen qualitativ hochwertigen Lokaljournalismus machen zu wollen, können Redaktionen nicht gerecht werden, wenn sie immer weiter ausgedünnt werden. Das haben drei (Chef-)Redakteure in aller Deutlichkeit beim Journalistentag betont. Gemeinsam diskutierten Benjamin Piel (Chefredakteur Mindener Tageblatt), Redakteur Jürgen Overkott (Westfalenpost) und Chefredakteur Timo Fratz von Radio Bielefeld.

„Ich habe das unmissverständlich gesagt, und dafür stehe ich auch ein: Wenn man sich aufs Lokale konzentriert, gehört es dazu, das Lokale auch gut auszustatten“, sagte Benjamin Piel (Chefredakteur Mindener Tageblatt). „Denn ich glaube eben nicht daran, dass man mit immer weniger Leuten eine höhere Qualität machen kann. Wer das glaubt, der glaubt an die Quadratur des Kreises. Das kann nicht aufgehen.“ Ähnlich argumentierte auch Jürgen Overkott, Redakteur der Westfalenpost in Balve. Tatsächlich gründlich zu recherchieren, investigativ zu sein und mit Tiefgang zu erklären, gehe eben nicht in 30 Minuten – „und am besten noch in zwei unterschiedlichen Fassungen für Print und Online“. Wenn man tatsächlich den Anspruch habe, Qualitätsjournalismus verkaufen zu wollen, dann gehe das nur mit ausreichend Personal.

In der Krise kein Personal abbauen

Dem schloss sich auch Timo Fratz (Chefredakteur Radio Bielefeld) an und warnte davor, in der Krise Etats herunterzufahren und Personal zu reduzieren. Es sei erschreckend, wie schnell das bei manchen Lokalradios passiert sei, anstatt zu sagen: „Welche Chancen haben wir jetzt, neue Konzepte zu entwickeln, damit wir das alles halten und danach dann auch noch davon profitieren und es ausbauen können. Das hätte ich mir viel öfter gewünscht als dieses Hinstellen und Jammern.“ Er sehe die Krise als Chance, aus der man gut herauskommen könne. Wer jetzt Personal abbaue und sich irgendwelche Kompromisse im Angebot zurechtbiege, laufe zudem Gefahr, dauerhaft mit weniger Personal auskommen zu müssen. "Wir dürfen doch nicht glauben, dass nachher einer kommt und sagt: ‚Mensch, jetzt habt Ihr die Zeit so gut überbrückt, jetzt kriegt Ihr wieder zwei Mitarbeiter mehr‘. Nein. Andersrum wird Schuh draus."

Ausdünnung der Redaktionen nicht weiter mittragen

Auch Benjamin Piel warnte vor Personalabbau als Standardrezept: „Man schaufelt sich sein eigenes Grab mit dieser Kurzsichtigkeit.“ Damit kämen Verlage in eine Spirale, in der es immer schlimmer statt besser werde. „Wenn wir da nicht Stärke zeigen, bekommen wir ein echtes Problem.“

„Die Kolleg*innen in den Redaktionen dürfen von ihren Chefredakteur*innen erwarten, dass sie das ihren Arbeitgebern gegenüber unmissverständlich klar machen, anstatt aus falscher Loyalität die Ausdünnung der Redaktionen weiter mitzutragen“, sagt Frank Stach, Landesvorsitzender des DJV-NRW.

Wer sich die Diskussion noch einmal anschauen möchte: Auf der Seite des Journalistentags gibt es den Mitschnitt der Workshops Lokaljournalismus.

Fachausschuss FRATZ - Betriebsräte und Tageszeitungen - startet durch

Mit der konstituierenden Sitzung am 08. Oktober 2020 nimmt der Fachausschuss Betriebs-/Personalräte (FA BR) zusammen mit dem Fachausschuss Tageszeitungen (FA TZ) seine Arbeit auf. Beide Fachausschüsse tagen gemeinsam. Gewählt wurden als Vorsitzender des FA BR Jürgen Primus, als sein Stellvertreter Jost Wolf. Vorsitzender des FA TZ ist Andreas Drees, seine Stellvertreterin Nina Estermann. 

Vorsitzender
Andreas Drees

Andreas Drees, seit dem Volontariat DJV-Mitglied, hat als Chef vom Dienst beim Iserlohner Kreisanzeiger die inhaltlichen und die organisatorischen Seiten des Lokaljournalismus gleichermaßen im Blick. Der Wunsch nach fairer Bezahlung und guten Arbeitsbedingungen, leider nicht mehr selbstverständlich, sind Gründe für das Engagement im FA Tageszeitungen.  Foto: Michael May

stell. Vorsitzende
Nina Estermann

Nina Estermann ist Redakteurin bei der WAZ. Lokaljournalismus auf allen Kanälen ist ihr Ding. Zurzeit ist Print ihr Kanal, als Blattmacherin produziert sie die gedruckten Lokalausgaben. Als Betriebsrätin sind ihr die Rahmenbedingungen wichtig, unter denen Journalisten arbeiten und immer wieder den Wandel ermöglichen. Darum geht es auch im Fachausschuss. Foto: Joachim Kleine-Büning

Martin Pyplatz

Martin Pyplatz ist ein Kind des Ruhrgebiets. Er begann 1973 als freier Mitarbeiter in der WAZ-Lokalredaktion Recklinghausen und baute die WAZ-Redaktion in Haltern mit auf. Nach vier Jahren brach er kurz vorm Examen sein Jura-Studium ab, um eine  Stelle als leitender Redakteur in der WAZ-Gruppe anzunehmen. Seit 1991 ist er Redakteur im Medienhaus Bauer. Foto: Arian Pyplatz

Kristian van Bentem

Kristian van Bentem ist Redakteur und Betriebsratsvorsitzender bei den Westfälischen Nachrichten. Er wurde 2019 zum stellvertretenden Landesvorsitzenden gewählt und vertritt NRW auch im Bundesfachausschuss Betriebsratsarbeit an Tageszeitungen. Die Auseinandersetzung um die Tarifflucht von Verlagen hat ihn in seinem gewerkschaftlichen Engagement geprägt. Foto: Ella Zak

Mitglieder im Fachausschuss

Kristian van Bentem
Andreas Drees (Vorsitzender)
Nina Estermann (Stellvertreterin)
Martin Pyplatz
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