Deutscher Journalisten-Verband Landesverband Nordrhein-Westfalen

Fachausschuss Tageszeitungen

Der Fratz: Fachausschuss Redakteure an Tageszeitungen

Der Fachausschuss (FA) Tageszeitungen wird auch liebevoll "Fratz" genannt. Dann steht das Akronym für Fachausschuss Redakteure an Tageszeitungen. Ob FA oder "Fratz" - die Ausschussmitglieder sind zur Stelle, wenn es um die Herausforderungen an Tageszeitungen geht, also um den Erhalt und die Verbesserung von Tarifverträgen, um Outsourcing, Scheinselbständigkeit oder Urheberrechtsverletzungen, um die Demontage des journalistischen Berufs, um gerechte Arbeitszeiten, neue Techniken, Multimedia und Online.

Nicht zuletzt die Qualitätsdiskussion, die Arbeitsbedingungen oder die immer wieder diskutierte Altersteilzeit sind Themenfelder für den "Fratz". Und weil es gerade im Print-Bereich und vor allem bei den Tageszeitungen vor Herausforderungen nur so wimmelt, werden Mitstreiterinnen und Mitstreiter immer gesucht. Erfahrungen und Tipps, Input und Verbesserungsvorschläge - davon kann man nie genug bekommen.

Starker Lokaljournalismus braucht ausreichend Personal

Panel beim Online-Journalistentag 2021

Viele Redaktionen vermissen klare Worte und die Unterstützung ihrer Chefredakteur*innen, wenn es darum geht, gegenüber Verleger*innen und Geschäftsführerinnen ausreichend Personal einzufordern. Doch dem Anspruch, einen qualitativ hochwertigen Lokaljournalismus machen zu wollen, können Redaktionen nicht gerecht werden, wenn sie immer weiter ausgedünnt werden. Das haben drei (Chef-)Redakteure in aller Deutlichkeit beim Journalistentag betont. Gemeinsam diskutierten Benjamin Piel (Chefredakteur Mindener Tageblatt), Redakteur Jürgen Overkott (Westfalenpost) und Chefredakteur Timo Fratz von Radio Bielefeld.

„Ich habe das unmissverständlich gesagt, und dafür stehe ich auch ein: Wenn man sich aufs Lokale konzentriert, gehört es dazu, das Lokale auch gut auszustatten“, sagte Benjamin Piel (Chefredakteur Mindener Tageblatt). „Denn ich glaube eben nicht daran, dass man mit immer weniger Leuten eine höhere Qualität machen kann. Wer das glaubt, der glaubt an die Quadratur des Kreises. Das kann nicht aufgehen.“ Ähnlich argumentierte auch Jürgen Overkott, Redakteur der Westfalenpost in Balve. Tatsächlich gründlich zu recherchieren, investigativ zu sein und mit Tiefgang zu erklären, gehe eben nicht in 30 Minuten – „und am besten noch in zwei unterschiedlichen Fassungen für Print und Online“. Wenn man tatsächlich den Anspruch habe, Qualitätsjournalismus verkaufen zu wollen, dann gehe das nur mit ausreichend Personal.

In der Krise kein Personal abbauen

Dem schloss sich auch Timo Fratz (Chefredakteur Radio Bielefeld) an und warnte davor, in der Krise Etats herunterzufahren und Personal zu reduzieren. Es sei erschreckend, wie schnell das bei manchen Lokalradios passiert sei, anstatt zu sagen: „Welche Chancen haben wir jetzt, neue Konzepte zu entwickeln, damit wir das alles halten und danach dann auch noch davon profitieren und es ausbauen können. Das hätte ich mir viel öfter gewünscht als dieses Hinstellen und Jammern.“ Er sehe die Krise als Chance, aus der man gut herauskommen könne. Wer jetzt Personal abbaue und sich irgendwelche Kompromisse im Angebot zurechtbiege, laufe zudem Gefahr, dauerhaft mit weniger Personal auskommen zu müssen. "Wir dürfen doch nicht glauben, dass nachher einer kommt und sagt: ‚Mensch, jetzt habt Ihr die Zeit so gut überbrückt, jetzt kriegt Ihr wieder zwei Mitarbeiter mehr‘. Nein. Andersrum wird Schuh draus."

Ausdünnung der Redaktionen nicht weiter mittragen

Auch Benjamin Piel warnte vor Personalabbau als Standardrezept: „Man schaufelt sich sein eigenes Grab mit dieser Kurzsichtigkeit.“ Damit kämen Verlage in eine Spirale, in der es immer schlimmer statt besser werde. „Wenn wir da nicht Stärke zeigen, bekommen wir ein echtes Problem.“

„Die Kolleg*innen in den Redaktionen dürfen von ihren Chefredakteur*innen erwarten, dass sie das ihren Arbeitgebern gegenüber unmissverständlich klar machen, anstatt aus falscher Loyalität die Ausdünnung der Redaktionen weiter mitzutragen“, sagt Frank Stach, Landesvorsitzender des DJV-NRW.

Wer sich die Diskussion noch einmal anschauen möchte: Auf der Seite des Journalistentags gibt es den Mitschnitt der Workshops Lokaljournalismus.

Fachausschuss FRATZ - Betriebsräte und Tageszeitungen - startet durch

Mit der konstituierenden Sitzung am 08. Oktober 2020 nimmt der Fachausschuss Betriebs-/Personalräte (FA BR) zusammen mit dem Fachausschuss Tageszeitungen (FA TZ) seine Arbeit auf. Beide Fachausschüsse tagen gemeinsam. Gewählt wurden als Vorsitzender des FA BR Jürgen Primus, als sein Stellvertreter Jost Wolf. Vorsitzender des FA TZ ist Andreas Drees, seine Stellvertreterin Nina Estermann. 

Vorsitzender
Andreas Drees

Andreas Drees, seit dem Volontariat DJV-Mitglied, hat als Chef vom Dienst beim Iserlohner Kreisanzeiger die inhaltlichen und die organisatorischen Seiten des Lokaljournalismus gleichermaßen im Blick. Der Wunsch nach fairer Bezahlung und guten Arbeitsbedingungen, leider nicht mehr selbstverständlich, sind Gründe für das Engagement im FA Tageszeitungen.  Foto: Michael May

stell. Vorsitzende
Nina Estermann

Nina Estermann ist Redakteurin bei der WAZ. Lokaljournalismus auf allen Kanälen ist ihr Ding. Zurzeit ist Print ihr Kanal, als Blattmacherin produziert sie die gedruckten Lokalausgaben. Als Betriebsrätin sind ihr die Rahmenbedingungen wichtig, unter denen Journalisten arbeiten und immer wieder den Wandel ermöglichen. Darum geht es auch im Fachausschuss. Foto: Joachim Kleine-Büning

Martin Pyplatz

Martin Pyplatz ist ein Kind des Ruhrgebiets. Er begann 1973 als freier Mitarbeiter in der WAZ-Lokalredaktion Recklinghausen und baute die WAZ-Redaktion in Haltern mit auf. Nach vier Jahren brach er kurz vorm Examen sein Jura-Studium ab, um eine  Stelle als leitender Redakteur in der WAZ-Gruppe anzunehmen. Seit 1991 ist er Redakteur im Medienhaus Bauer. Foto: Arian Pyplatz

Kristian van Bentem

Kristian van Bentem ist Redakteur und Betriebsratsvorsitzender bei den Westfälischen Nachrichten. Er wurde 2019 zum stellvertretenden Landesvorsitzenden gewählt und vertritt NRW auch im Bundesfachausschuss Betriebsratsarbeit an Tageszeitungen. Die Auseinandersetzung um die Tarifflucht von Verlagen hat ihn in seinem gewerkschaftlichen Engagement geprägt. Foto: Ella Zak

Mitglieder im Fachausschuss

Kristian van Bentem
Andreas Drees (Vorsitzender)
Nina Estermann (Stellvertreterin)
Martin Pyplatz
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